Das Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, welche nationalsozialistischen Bildungsangebote an Frauen gemacht wurden und wie diese inhaltlich gestaltet waren. Dabei werden jedoch nur die "nicht-jüdischen", deutschen Frauen in den Blick genommen.
Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird zunächst das methodische Vorgehen beschrieben, bevor im nachfolgenden Kapitel auf die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Bildung Erwachsener im nationalsozialistischen Deutschland eingegangen wird. Im ersten Unterpunkt wird das nationalsozialistische Bildungsverständnis dargestellt und die Frage geklärt, inwiefern es sich hierbei tatsächlich um Bildung im modernen Sinne handelte. Im zweiten Unterpunkt wird das Frauenbild im Nationalsozialismus thematisiert, da dieses einen starken Einfluss auf die Inhalte und Ziele der nationalsozialistischen Frauenbildung ausübte.
Im vierten Kapitel wird darauf eingegangen, welche Bildungsangebote das Deutsche Frauenwerk, als die zentrale Frauenorganisation des Nationalsozialismus, den Frauen machte, wobei zunächst deren Aufbau sowie deren Aufgaben und Ziele erläutert werden. Im ersten Unterpunkt werden die Mütterschulungen behandelt und geklärt, warum diese einen so hohen Stellenwert in der nationalsozialistischen Frauenbildung einnahmen. In den folgenden zwei Unterpunkten werden weitere Frauenbildungsmaßnahmen präsentiert: in Kapitel 4.2 werden die Bräuteschulen und Heimmütterschulen als intensive Form der Schulung vorgestellt und in Kapitel 4.3 der Frauenarbeitsdienst, welcher sich an jüngere, unverheiratete Frauen richtete. Im letzten Unterpunkt des vierten Kapitels wird auf die Aufgaben und Ziele der erwachsenenbildnerischen Einrichtungen eingegangen, bevor anschließend anhand der Bildungsangebote der Volksbildungsstätte Augsburg exemplarisch aufgezeigt wird, wie diese von der NS-Ideologie durchdrungen waren.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Methodische Vorgehensweise
3. Gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen
3.1 Das Bildungsverständnis im Nationalsozialismus
3.2 Das nationalsozialistische Frauenbild
4. Bildungsangebote für Frauen durch NS-Organisationen
4.1 Mütterschulungen
4.2 Bräuteschulen und Heimmütterschulen
4.3 Frauenarbeitsdienst
4.4 Exkurs: Bildungsangebote der Volksbildungsstätte Augsburg
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Forschungsarbeit untersucht, welche nationalsozialistischen Bildungsangebote gezielt für deutsche Frauen entwickelt wurden und inwiefern diese dazu dienten, die NS-Ideologie zu vermitteln und die Frauen in ihrem Rollenbild als Hausfrau und Mutter zu festigen. Die Arbeit analysiert dabei, wie Erziehung und Bildung im NS-Staat instrumentalisiert wurden, um das Individuum der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft unterzuordnen.
- Das nationalsozialistische Verständnis von Bildung als ideologische Schulung und Indoktrination.
- Die Analyse des nationalsozialistischen Frauen- und Mutterbildes.
- Strukturen und Bildungsangebote der Frauenorganisationen (NS-Frauenschaft und Deutsches Frauenwerk).
- Spezifische Maßnahmen wie Mütterschulungen, Bräuteschulen und der Frauenarbeitsdienst.
- Exemplarische Untersuchung der Volksbildungsstätte Augsburg hinsichtlich NS-ideologischer Inhalte.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Bildungsverständnis im Nationalsozialismus
Zur Zeit des Nationalsozialismus existierte keine klare Definition darüber, was unter den Begriffen Bildung und Erziehung zu verstehen sei. Es waren lediglich Leitlinien und Ansätze der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) vorhanden, welche allerdings nicht über die von ihr vertretene Ideologie hinausgingen. Änderungen der Einstellungen und Haltungen der Bevölkerung sollten mehr durch äußere Einwirkungen wie Propaganda und Erziehungsmaßnahmen bewirkt werden als durch Bildung (vgl. Lück 1979, S. 42). Der NS-Pädagoge Alfred Bauemler prägte den bildungstheoretischen Ansatz, dass die Aufgabe der Bildung sei, den Einzelnen zu vollem Einsatz und voller Leistung für seine Gemeinschaft zu befähigen.
Dabei hat die Bildung von Männern Vorrang gegenüber der Bildung von Frauen, aufgrund der spezifischen Rollen, die den Geschlechtern zugeschrieben werden (vgl. ebd., S. 43f.). Die Funktion von Bildung und Erziehung im NS-Regime waren somit das Individuum mittels der Volksgemeinschaft für ebenjene Gemeinschaft zu formen, mit dem Ziel einen bestimmten Typus von Menschen zu schaffen (vgl. ebd., S. 47). Bildung stellte damit im Nationalsozialismus ein Mittel der Indoktrination dar (vgl. ebd., S. 43).
Die Erwachsenenbildung der Nationalsozialisten unterschied sich deutlich von der freien Volksbildung der Weimarer Republik: Bildung wurde nun mehr als Schulung verstanden und nahm nicht mehr die Funktion ein, die individuellen Bildungsbedürfnisse des Individuums zu berücksichtigen, sondern lediglich Menschen dementsprechend zu schulen und zu formen, dass sie ihr Leben in das politische Leben des NS-Staates eingliederten und die dafür erforderliche nationalsozialistische Einstellung annahmen (vgl. Dannemann 1994, S. 52f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung nach der Bestimmung der Frau im NS-Staat und den Stellenwert der nationalsozialistischen Frauenbildung.
2. Methodische Vorgehensweise: Dieses Kapitel legt das hermeneutische Vorgehen dar und beschreibt die herangezogenen Quellen wie "Mein Kampf", Erziehungsratgeber und Archivmaterialien der Volksbildungsstätte Augsburg.
3. Gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen: Hier werden das NS-Bildungsverständnis als Mittel der Indoktrination sowie das traditionelle, auf Mutter-Rollen reduzierte Frauenbild thematisiert.
4. Bildungsangebote für Frauen durch NS-Organisationen: Das Hauptkapitel analysiert das Deutsche Frauenwerk, Mütterschulungen, Bräuteschulen, den Frauenarbeitsdienst und die ideologische Durchdringung der Erwachsenenbildung am Beispiel Augsburgs.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Instrumentalisierung der Frauenbildung zur Festigung des NS-Regimes und der nationalsozialistischen Ideologie zusammen.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Frauenbildung, NS-Frauenschaft, Deutsches Frauenwerk, Mütterschulungen, Frauenarbeitsdienst, Volksgemeinschaft, Indoktrination, Mutterschaft, NS-Ideologie, Volksbildungsstätte Augsburg, Rassenpolitik, Erziehung, Geschlechterrolle, Erwachsenenbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Situation der Bildung und Erziehung von Frauen im Nationalsozialismus und analysiert, welche Bildungsangebote von NS-Organisationen bewusst genutzt wurden, um Frauen im nationalsozialistischen Sinne zu formen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das NS-Bildungsverständnis, das nationalsozialistische Frauen- und Mutterbild sowie die konkrete Ausgestaltung von Schulungsmaßnahmen für Frauen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie nationalsozialistische Bildungsangebote inhaltlich gestaltet waren, um Frauen auf ihre zugeschriebene Rolle als Mutter und Hausfrau vorzubereiten und sie ideologisch an das NS-Regime zu binden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Zur Anwendung kommt eine hermeneutische Analyse, die Fachliteratur sowie zeitgenössische Quellen wie parteiinternes Schrifttum und Arbeitspläne von Volksbildungsstätten auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Aufbau und den Aufgaben zentraler Frauenorganisationen und analysiert spezifische Maßnahmen wie Mütterschulungen, Bräuteschulen und den Frauenarbeitsdienst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören die NS-Ideologie, die Frauenrolle im "Dritten Reich", Indoktrination, Mütterschulungen und die "Volksgemeinschaft".
Welche Bedeutung hatten Mütterschulungen im NS-Alltag?
Mütterschulungen dienten als wichtigste Bildungsmaßnahme, um Frauen nicht nur handwerklich sowie praktisch für den Haushalt zu schulen, sondern sie auch im Sinne der nationalsozialistischen Rassen- und Weltanschauung zu indoktrinieren.
Wie untersuchten die Autorin die Rolle von Dozentinnen?
Am Beispiel der Volksbildungsstätte Augsburg wurde untersucht, in welchen Kategorien wie "Deutsches Kultur- und Geistesleben" Frauen als Dozentinnen auftraten, um den Zusammenhang zwischen "wesensgemäßen" Themenbereichen und weiblicher Lehrpräsenz aufzuzeigen.
- Arbeit zitieren
- Myrthe Prell (Autor:in), 2024, Bildung von Frauen im "Dritten Reich". Am Beispiel der nationalsozialistischen Bildungsangebote, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1504459