Welche diskursiven Konstruktionen bezüglich 'Eltern mit Migrationshintergrund' lassen sich im Kontext deutscher Schulen beobachten? Auf welchen Ebenen der Diskriminierung lassen sich Ausformungen eines racial neoliberalism vorfinden? Inwiefern tritt die deutsche Schule somit als Akteur integrationspolitischer Gouvernmentalität in Erscheinung?
Den wesentlichen Kern des bisherigen Forschungsstandes machen die Beiträge der Autorinnen Ellen Kollender (2016) und Mechthid Gomolla (2009) in Zusammenarbeit mit Frank-Olaf Radtke (2002) aus. Ziel ist es, auf dieser Grundlage einen tieferen, differenzierteren Einblick in das Wirken diskriminierender Wirkformen zu schaffen, die durch den racial neoliberalism in Bezug auf ‚Eltern mit Migrationshintergrund‛ entstehen.
Zunächst gilt es, die zentralen Begriffe zu erläutern. Dazu soll zuerst die Verwendung des Begriffs ‚Migrationshintergrund‛ diskutiert werden. Anschließend wird kurz auf die Ebenen der Diskriminierung sowie die Logik von racial neoliberalism eingegangen. An Ellen Kollenders Vorgehen in Die sind nicht unbedingt auf Schule orientiert (2016) anknüpfend, soll im Anschluss anhand der Foucaultschen dispositivanalytischen Betrachtungsweise Schule als Akteur integrationspolitischer Gouvernementalität untersucht werden. Dazu soll das ‚Normalisierungsregime Schule‛ in seinem diskriminierenden Wirken auf ‚Eltern mit Migrationshintergrund‛ unter den Analysekategorien des Diskurses, der staatlich-institutionellen Praktiken und den Subjektivierungsweisen exemplarisch betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff ‚Migrationshintergrund‘
3. Die Ebenen von Diskriminierung in Bezug auf Schule
4. Der Racial neoliberalism als spezifische Form der Diskriminierung
5. Die Institution Schule als ein Akteur integrationspolitischer Gouvernementalität
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept des Racial Neoliberalism im Kontext deutscher Schulen diskursive Konstruktionen über "Eltern mit Migrationshintergrund" beeinflusst und inwiefern die Institution Schule dabei als Akteur integrationspolitischer Gouvernementalität agiert.
- Analyse des Begriffs "Migrationshintergrund" als Differenzkategorie.
- Untersuchung von Diskriminierungsmechanismen im schulischen Kontext.
- Verbindung von neoliberalen Rationalitäten mit rassistischen Ausschlussmechanismen.
- Rolle der Schule als Institution zur Lenkung von Subjekten.
- Kritische Betrachtung elterlicher Beteiligung unter Machtaspekten.
Auszug aus dem Buch
4. Der Racial neoliberalism als spezifische Form der Diskriminierung
Um die Logik von racial (neo-)liberalism zu erläutern, ist es zunächst wichtig, Rassismus in seinen neuen Erscheinungsformen zu analysieren. Im ihrem Zentrum findet sich nicht mehr der Begriff der „Rasse“, sondern die naturalistische Auffassung einer „anderen Kultur“, „Religion“ oder „Ethnizität“ (Kollender 2016, S. 39-40). Zwar kommt diese Form von Rassismus weiterhin nicht ohne eine Unterscheidung zwischen den Konstruktionen „Wir, (die Deutschen)“ und den „Anderen (Migrant*innen)“ aus. Doch wird diese Logik kaum noch auf biologische Merkmale, wie z.B. der Hautfarbe zurückgeführt (vgl. Kollender/Grotte 2015). Stattdessen geht es um die Zuschreibung von bestimmten, als dauerhaft inkorporiert geglaubten Merkmalen von Gruppen, die als ‚natio-ethno-kulturell anders‘ konstituiert werden. Die starke Fokussierung auf den Kulturbegriff und dessen Instrumentalisierung als „entscheidende Differenzdimension“ führt zu dieser hierarchisch dichotomisierenden Sichtweise, die andere Differenzkategorien, wie zum Beispiel „sozioökonomische Unterschiede“ ignoriert (Ricke 2016, S. 100).
Zudem unterliegen die heutigen Ausdrucksweisen des Rassismus dem gesellschaftlichen Wandel gemäß Veränderungen. Sie gehen über die Nutzung gewisser offensichtlicher Termini hinaus (vgl. Goldberg 2009, S. 360), weshalb Rassismus heute voreilig gar als „überwunden geglaubt“ (Kollender 2016, S. 40) und somit leicht als unbedeutend in der heutigen Gesellschaft abgetan wird (Goldberg 2009, S. 360). Dadurch ergeben sich bei der Interpretation von Wirklichkeit Freiräume, in die sich unbemerkt subtilere Formen rassistischer Argumentationen einnisten können. Folglich werden bestehende institutionelle, wie strukturelle Diskriminierungsmechanismen als solche verkannt und verschärft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den diskursiven Konstruktionen über "Eltern mit Migrationshintergrund" und der Rolle der Schule als aktivem Teil der integrationspolitischen Gouvernementalität.
2. Zum Begriff ‚Migrationshintergrund‘: Dieses Kapitel diskutiert den Begriff als Differenzkategorie und arbeitet heraus, wie er zur Markierung von Fremdheit sowie zur Überdeckung sozioökonomischer Ungleichheiten beiträgt.
3. Die Ebenen von Diskriminierung in Bezug auf Schule: Hier wird der Prozess der Diskriminierung analysiert, wobei zwischen strukturellen und individuellen Ebenen sowie der institutionellen Verankerung im Schulsystem differenziert wird.
4. Der Racial neoliberalism als spezifische Form der Diskriminierung: Das Kapitel erläutert die Verbindung von neoliberalen Logiken der Eigenverantwortung mit (neo-)rassistischen Argumentationsmustern, die Gruppen als "kulturell anders" markieren.
5. Die Institution Schule als ein Akteur integrationspolitischer Gouvernementalität: Die Schule wird hier als Regierungsform begriffen, die durch spezifische Machttechniken und Erwartungshaltungen elterliches Verhalten lenkt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Schule als Institution stark durch neoliberale Denkmuster geprägt ist, die zu defizitorientierten Zuschreibungen bei Eltern mit Migrationshintergrund führen.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen für die Analyse.
Schlüsselwörter
Racial Neoliberalism, Diskriminierung, Schule, Migrationshintergrund, Gouvernementalität, Integration, Bildungsbenachteiligung, Neoliberalismus, Rassismus, Partizipation, Institutionelle Diskriminierung, Subjektivierung, Kultur, Elternarbeit, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Verflechtung von neoliberalen Bildungskonzepten und (neo-)rassistischen Diskriminierungspraktiken gegenüber Eltern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die kritische Diskursanalyse des Migrationsbegriffs, die Analyse von Diskriminierungsmechanismen in Organisationen sowie die Anwendung der Gouvernementalitätstheorie nach Foucault auf den Bereich Schule.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie diskursive Konstruktionen über Eltern mit Migrationshintergrund dazu beitragen, bestimmte Bevölkerungsgruppen im schulischen Kontext zu marginalisieren und als "anders" zu markieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Betrachtungsweise, die sich auf theoretische Ansätze von u.a. Foucault stützt und den derzeitigen Forschungsstand zu Diskriminierung im Bildungswesen einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsanalyse, die Darstellung verschiedener Diskriminierungsebenen, die Erläuterung des Racial-Neoliberalism-Konzepts und die Untersuchung der Schule als Akteur der integrationspolitischen Gouvernementalität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Racial Neoliberalism, Gouvernementalität, institutionelle Diskriminierung und Migrationshintergrund geprägt.
Wie beeinflusst der "Racial Neoliberalism" die elterliche Beteiligung?
Er führt dazu, dass Eltern für Bildungserfolge oder -misserfolge voll verantwortlich gemacht werden; Misserfolge werden dabei fälschlicherweise auf kulturelle oder ethnische Defizite zurückgeführt, statt soziale Ungleichheiten zu adressieren.
Warum wird die Schule als Akteur der "Gouvernementalität" bezeichnet?
Weil sie durch Normalisierungsregime und Disziplinierungstechniken versucht, die Subjektivierungsprozesse von Eltern und Schülern indirekt zu steuern und an neoliberale Anforderungen anzupassen.
Welche Rolle spielen "Schwellenängste" in der Untersuchung?
Diese Ängste werden als Folge der institutionellen Ausgrenzung beschrieben, die Eltern davon abhält, ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen, was wiederum zu einem Zirkelschluss in der schulischen Bewertung dieser Eltern führt.
- Quote paper
- Sofia Zafiridou (Author), 2019, Racial Neoliberalism in Bezug auf 'Eltern mit Migrationshintergrund'. Zu einer spezifischen Form der Diskriminierung in deutschen Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1504709