Johannes Hadlaub: Ein spätmittelalterlicher Chronist der Tagespolitik?

Analyse des Liedes 2 im historischen tagespolitischen Kontext


Hausarbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einige Merkmale des Minnesangs

3. Johannes Hadlaub
3.1 Biografie
3.2 Einordnung in den „Manesse-Kreis“

4. Das Lied 2
4.1 Historischer Kontext
4.1.1 Politische Rahmenbedingungen
4.1.2 Einordnung des Liedes 2 in seinen historischen Kontext
4.2 Interpretation des Textes unter typischen Minneaspekten
4.3 Interpretation des Liedes im Hinblick auf die historische Situation
4.4 Vergleich der beiden Interpretationsarten

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird das Lied 2 von Johannes Hadlaub aus der Grofien Heidelberger Liederhandschrift C analysiert. Dabei soil hier nicht die Interpretation unter Minnemotiven im Vordergrund stehen, sondern die Interpretation unter politisch-historischen Aspekten. Da man jedoch eine Analyseart nicht ohne die andere betrachten kann, soll die Interpretation unter den „typischen“ Minneaspekten geleistet werden, aber im Hintergrund bleiben. Dazu wird in einem ersten Schritt kurz dargestellt, was sich hinter dem Begriff „Minne“ verbirgt und welche Motive besonders bedeutend im Minnesang sind. Danach wird der Autor selbst kurz prasentiert sowie in die Grofie Heidelberger Handschrift und in die tagespolitische Situation eingeordnet. Im darauf folgenden Teil wird ebendiese tagespolitische Situation knapp dargestellt und reprasentiert, auf welchem Stand sich die Hadlaub- Forschung bzgl. des Liedes 2 momentan befindet. Danach wird das Lied unter Minneaspekten interpretiert und auf das Minnedienstmodell ubertragen. In einem nachsten Schritt soll dann die Deutung des Textes unter Einbeziehung der politischen Situation versucht werden, bei der die Hauptfrage der Arbeit, namlich, ob sich eine solche Deutung uberhaupt anstellen lasst, gelost werden soll. Abschliefiend werden die beiden Interpretationsweisen kurz gegenubergestellt, woraufhin schliefilich ein Fazit gezogen werden soll.

2. Einige Merkmale des Minnesangs

In dem folgenden Abschnitt sollen die Hauptmotive, die dem Minnesang zugrunde liegen, kurz beleuchtet werden, um das Lied 2 von Johannes Hadlaub naher zu untersuchen. Uber die Entstehung des Minnesangs sowie dessen Wirkungsgeschichte wird nicht referiert, da sie der Fragestellung der Arbeit nicht weiter helfen.

Von der Wortbedeutung her ist Minne erst einmal Liebe[1]. Doch die Antwort darauf, was denn Liebe sei, kann wohl objektiv nicht gegeben werden, so ist jedoch „[v]ergleichbar unserem Wort Liebe [...] Gottesliebe, Nachstenliebe, Eltern- und Gattenliebe, Freundschaft, Flirt, erotische Faszination und Leidenschaft [gemeint]“ [2] . Andere Autoren bekraftigen, Minne sei in ihrer Grundbedeutung „freundliches Gedenken“[3], doch gleichwohl, welche Bedeutung nun den Absolutheitsanspruch verlangt, Minne als Wort ist nicht eindeutig zu ubersetzen, sondern muss in ein Assoziationsfeld eingebettet werden. Die Liebe jedoch, die dem Minnesang zugrunde liegt, ist eine ungeteilte, eine, die nur von einer Seite ausgeht und die andere nicht zu erreichen vermag; denn die Dame des Minnesangers „...teilt nicht; obwohl er ihr durch sein Lob Freude schenkt, hilft sie ihm nicht in seiner einseitigen Liebesnot“[4]. Fischer fasst es sogar noch drastischer zusammen, indem sie annimmt, dass die Dame dem Minnenden keinen Lohn gewahren kann, da ihr Wert „als unendlich gesetzt und damit undefinierbar [ist]“[5]. Der Minnende, schon hinreichend belastet durch die Probleme, die ihm seine unerfullte Liebe bereitet, muss jedoch zusatzlich noch den Spott der Unverstandigen in Kauf nehmen[6] und ist weiterhin in dem Teufelskreis gefangen, seiner Minne weiter zu dienen, welche ihn aber konstant ablehnt.

Man kann also das Fazit ziehen, dass Minnelyrik „wesentlich Rollenlyrik [ist]“[7], welche „Liebeslyrik, Werbelyrik und wie diese [...] Klage, Leidgesang [ist]“8, in der der Werbende immer die Rolle des - ubertragen auf das Feudalsystem - Vasallen und die Dame immer die der Furstin annimmt, ohne dass der Vasall je seine Lehenschuld begleichen konnte.

3. Johannes Hadlaub

3.1 Biografie

Urkundlich belegt ist Johannes Hadlaub in Zurich nur durch seinen Hauskauf am 4. Januar 1302, ein Geburtsdatum lasst sich nicht ausmachen; sein Todestag wird auf den 16. Marz datiert, das Jahr jedoch bleibt unklar, vermutlich ist es 1340 oder fruher[9]. Dass Hadlaub in Zurich gelebt haben konne, wird durch seine Festschrift auf die Familie Manesse in der Grofien Heidelberger Handschrift Hs.C im Lied 8 als gesichert betrachtet[10]. Sein Werk beherbergt zum grofiten Teil Lieder des Hohen Minnesangs, zeichnet sich aber auch durch Tagelieder, Nachtlieder und Lieder des Natureingangs, sowie Wachtergesange und Erzahllieder aus.

3.2 Einordnung in den „Manesse-Kreis“

Der Manesse-Kreis, der im Kapitel 4.1 noch naher beleuchtet werden soil, wird haufig als ein „an lit. Artistik und Formalisierung gepragte[r] Kreis um die Patrizierfamilie Manesse“[11] beschrieben. Jedoch „[erweist er] sich daruber hinaus als eingebunden in eine durch gemeinsame (prohabsburg.) Interessen konstituierte Gruppe von Zurcher Burgen und Ostschweizer Adligen“[12], was im Abschnitt 4.1 dieser Arbeit genauer beleuchtet werden soll. Welches Interesse Hadlaubs nun im Vordergrund steht, sprich: das literarische oder aber das politische, wird im Kapitel 4.3 naher untersucht. Wovon aber weithin ausgegangen wird, ist, dass das Geschlecht der Manesse der Auftraggeber der Grofien Heidelberger Liederhandschrift Hs.C war, was sich aus dem Lied 8 Hadlaubs herleitet, der die Manesse explizit als Sammler von Minnesangen preist [13]. Das Lexikon des Mittelalters sagt jedoch aus, dass „eine Beteiligung Rudiger M.s an ihrer Herstellung [...] nicht direkt bezeugt [ist]“ [14], wesentlich wichtiger fur das Thema ist jedoch, dass das Geschlecht der Manesse, besonders Rudiger Manesse d.A., zu den einflussreichsten Ratsmitgliedern Zurichs zahlte und zwei Mal den Burgermeister stellte[15]. Dieser Aspekt ist besonders interessant im Hinblick darauf, dass die Manesse vielleicht nicht den literarischen, aber den politischen Ausgangspunkt fur das Lied 2 von Johannes Hadlaub darstellt, was als Anker der folgenden Analyse dienen soll.

4. Das Lied 2

4.1 Historischer Kontext

4.1.1 Politische Rahmenbedingungen

Um die in der Analyse des Liedes 2 auftauchenden Namen besser einzuordnen, sollen an dieser Stelle die politischen Rahmenbedingungen, in denen sich die Stadt Zurich zu der Zeit Hadlaubs befand und welche bei der Interpretation des Liedes unter historischen Aspekten wohl unerlasslich sein werden, naher geklart werden. Den Beginn bildet die Regensberger Fehde 1267, innerhalb derer die Stadt Zurich ein Bundnis mit Rudolf von Habsburg einging, um gemeinsam mit diesem die Stadt Glanzenberg, die Burgen Wulp, Uetliberg und die Uznaburg zu zerstoren[16]. Bei dieser wurde das Geschlecht der Regensberger so weit herunter gewirtschaftet, dass dieses 1317 bereits komplett zerfallen war17. Ab diesem Punkt beginnen jedoch die Diskussionen in der Forschung: Max Schiendorfer geht davon aus, dass die erklarte Strategie der Stadt Zurich darin bestanden hatte, die territoriale Herrschaft in ihrem Umland abzusichern, was ihn zur Vermutung bringt, dass es wesentlich logischer erschiene, wenn Zurich nicht die Habsburger, sondern die Regensberger unterstutzt hatte, welche gegen die Habsburger auf verlorenem Posten standen18. Weiterhin ist er der Uberzeugung, dass die „ehrgeizige Expansionspolitik Rudolfs von Habsburg Dimensionen angenommen [hat], welche die hart errungenen Freiheiten der Reichsstadt ernsthaft bedrohten“[19]. Dass man also von Seiten Zurichs die Machtambitionen Rudolf von Habsburgs im Auge behalten musste und wohl nicht mit ebendiesem kooperierte, um ihn nicht noch machtiger zu machen, als er ohnehin schon war, erscheint logisch. Als Rudolf von Habsburg 1291 schliefilich verstarb, kam es in Zurich, welches einem habsburgerischen Interregnum gegenuberstand, das zuerst von Albrecht I. von Habsburg geleitet, aber schliefilich, aus der Befurchtung heraus, dieser konne zu machtig werden, von Adolf von Nassau ubernommen wurde, zu einer Revolte, u. a. wohl ausgelost durch die „auf der Stadt offenbar besonders schwer lastenden Reichssteuern“[20]. Die Politik, welche Zurich nun anstrebte, war diese, mit einem Angriff auf die ostschweizerische Stadt Winterthur, die als „osterreichische[r] Machtschwerpunkt“[21] galt, sich aktiv gegen die Habsburger zu stellen und die eigene militarische Macht zu demonstrieren. Dazu ging sie im Oktober 1291 ein Bundnis mit Uri und Schwyz ein, „an dem u. a. Rudiger Manesse federfuhrend mitbeteiligt war“[22]; die Intention, die dahinter steckte, war, die Schwachung der Habsburger nach Rudolfs Tod zu nutzen, um sich gegen den regionalpolitischen Druck, den die Habsburger auf Zurich ausubten, zu erwehren. Doch die Stadt Zurich ubernahm sich vollkommen bei der uberhasteten Aktion und musste eine Belagerung durch Albrecht in Kauf nehmen, welche jedoch aus nicht naher geklarten Grunden ohne Erfolg blieb. Am 24. bzw. 26./29. August sind schliefilich Friedensvertrage zwischen Albrecht, dem Bischof von Konstanz sowie der Stadt Zurich datiert, welche schliefilich durch Konig Adolfs Abzug Monate spater auch ausgefuhrt wurden.

[...]


[1] Vgl. Wachinger (1989, 252)

[2] Ebd.

[3] Schweikle (1995, 169)

[4] Wachinger (1989, 253)

[5] Fischer (1996, 18)

[6] Wachinger (1989, 257)

[7] Schweikle (1995, 192)

[8] Ebd., S. 169

[9] Vgl. Lexikon des Mittelalters, Artikel: Hadlaub.

[10] U.a. von Holznagel (1995, 146) sowie Wachinger (1989, 263) und Schiendorfer (1993)

[11] Lexikon des Mittelalters, Artikel: Hadlaub

[12] Ebd.

[13] Vgl. Schweikle (1995, 16 - 17)

[14] Lexikon des Mittelalters, Artikel: Manesse.

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. Lexikon des Mittelalters, Artikel: Zurich

17 So urteilt Sablonier (2008, 100)

18 Vgl. Schiendorfer (1993, 43)

19 Ebd. S. 43

20 Ebd., S. 45

21 Ebd., S. 46

22 Ebd

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Johannes Hadlaub: Ein spätmittelalterlicher Chronist der Tagespolitik?
Untertitel
Analyse des Liedes 2 im historischen tagespolitischen Kontext
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Spätmittelalterliche Lyrik in der Stadt: Johannes Hadlaub
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V150525
ISBN (eBook)
9783640616053
ISBN (Buch)
9783640616145
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediävistik, Johannes, Hadlaub, Schiendorfer, Renk, zürich, rudolf von habsburg, habsburg, belagerung
Arbeit zitieren
Simon Jakobs (Autor), 2010, Johannes Hadlaub: Ein spätmittelalterlicher Chronist der Tagespolitik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150525

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