Patriotismus und Selbstverherrlichung der USA fallen bei manchen Hollywood-Filmen extrem auf. Das gilt sowohl für Kriegsfilme, wie auch für Werke anderer Genres. Man kann vermuten, dass die Ursache jener Produktionen mehr ist, als lediglich die Anschauung der Autoren, Regisseure oder Produzenten. Warum also sind viele amerikanische Mainstream-Filme in dieser Hinsicht so einseitig konzipiert? Eine erste Antwort ist einfach: Die Regierung, allem voran das Verteidigungsministerium, beeinflusst die Filmindustrie. Innerhalb der Analysemethoden in der Medienwissenschaft untersucht die Produktionsanalyse Filme daraufhin, wie diese als solche zustande kamen und welche tatsächlichen Ideen hinter ihnen stecken. Daran soll hier angeknüpft werden. Ziel dieser Arbeit ist es Hintergründe von amerikanischen Patriotismus in Filmen aufzudecken sowie zu erläutern in wie fern die US-Regierung Einfluss auf Filme nimmt und mit welcher Motivation sie das tut.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Militärische Hilfe für Filme
2.1 Förderung oder nicht?
2.2 Schauspieler im militärischen Training
3. Filme als „Rekrutierungsmaßnahme“
4. Der US-Film im Krieg
4.1 Erster Weltkrieg
4.2 Zweiter Weltkrieg
4.3 Der Kalte Krieg
4.4 Das Trauma Vietnam
4.5 Der Krieg gegen den Terror
5. Aktuelle Entwicklung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Hintergründe des amerikanischen Patriotismus in Hollywood-Filmen sowie den Einfluss der US-Regierung, insbesondere des Pentagons, auf die Filmindustrie. Das primäre Ziel ist es, die Motivationen und Methoden hinter dieser staatlichen Beeinflussung aufzudecken und zu analysieren, wie Filme als Instrumente der Propaganda, der Rekrutierung und zur nationalen Traumabewältigung eingesetzt werden.
- Methoden der staatlichen Einflussnahme durch das Pentagon
- Die Rolle von militärischer Unterstützung am Filmset
- Historische Entwicklung der Beziehung zwischen US-Politik und Film
- Filme als Instrumente zur militärischen Nachwuchsgewinnung
- Propaganda und nationale Identitätsstiftung im US-Kino
Auszug aus dem Buch
4.2 Zweiter Weltkrieg
Die USA betrieben seit den 1920er Jahren eine Politik der Isolation und hielten sich, genau wie nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, zunächst aktiv aus dem Geschehen des neuen Krieges heraus. In der Zwischenkriegszeit entstanden wiederum einige Anti-Kriegsfilme, wie „All Quiet on the Western Front“ (vgl. Boggs/Pollard, 2007, S. 67). Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 waren die USA die einzige Großmacht ohne eine offizielle Propagandastelle (vgl Koppes/Black, 1988, S. 49). Einige Filmstudios, darunter Warner Brothers, drehten eigene heroische Kriegsfilme wie „Flight Command“ oder „Dive Bomber“, mit denen sie eine Intervention Amerikas befürworteten, ernteten aber wegen angeblicher Kriegshetze von den Isolationisten in der Regierung nur Kritik (vgl. Boggs/Pollard, 2007, S. 58).
Laut Boggs und Pollard stellte sich jedoch auch heraus, dass die Administration von Präsident Franklin D. Roosevelt bereits direkt nach Ausbruch des Krieges Filme subventionierte die für eine Intervention warben. Höchstpersönlich bat der Präsident den Filmstudio-Chef Nicholas Schenck im August 1940 um Hilfe. Resultat war der Dokumentarfilm „Eyes of The Navy“, der sich für die Notwendigkeit einer aggressiveren US-Außenpolitik aussprach (Boggs/Pollard, 2007, S. 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der staatlichen Beeinflussung von Hollywood-Filmen und Darlegung des Ziels der Arbeit, die Hintergründe von amerikanischem Patriotismus und Regierungsansprüchen zu beleuchten.
2. Militärische Hilfe für Filme: Untersuchung der Art und Weise, wie das Pentagon als Geldgeber und Berater bei Filmproduktionen auftritt, inklusive der Bedingungen für Unterstützung und der Ausbildung von Schauspielern.
3. Filme als „Rekrutierungsmaßnahme“: Analyse der Zielsetzung des Pentagons, durch militärisches Entertainment junge Menschen als Rekruten für die Streitkräfte zu gewinnen.
4. Der US-Film im Krieg: Historischer Rückblick auf die Rolle des Mediums Film als Propagandainstrument in verschiedenen US-Kriegsphasen vom Ersten Weltkrieg bis zum Krieg gegen den Terror.
5. Aktuelle Entwicklung: Betrachtung neuerer Trends, in denen die US-Regierung weiterhin Einfluss nimmt, Filme als Exportgut fungieren und technologische Entwicklungen die Abhängigkeit von physischer Militärhilfe verändern.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der wechselseitigen Zusammenarbeit zwischen Hollywood und Washington und deren Auswirkungen auf die Unabhängigkeit künstlerischer Werke.
Schlüsselwörter
Hollywood, Pentagon, US-Militär, Filmförderung, Propaganda, Kriegsfilm, Patriotismus, Rekrutierung, Medienwissenschaft, Politische Einflussnahme, US-Außenpolitik, Zensur, Zweiter Weltkrieg, Medienkrieg, Drehbuchkontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die enge und oft manipulative Zusammenarbeit zwischen der US-Regierung, insbesondere dem Verteidigungsministerium (Pentagon), und der Hollywood-Filmindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die staatliche Filmförderung, die Nutzung von Filmen zur Kriegspropaganda, die Rekrutierung neuer Soldaten und die historische Entwicklung dieser Verflechtung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzudecken, unter welchen Hintergründen amerikanischer Patriotismus in Filmen entsteht und inwiefern die US-Regierung Einfluss auf die Filmproduktion nimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die medienwissenschaftliche Methode der Produktionsanalyse genutzt, um zu untersuchen, wie Filme zustande kamen und welche Intentionen hinter ihrer Entstehung stehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der aktuellen Förderungspraxis, der Rekrutierungsmethoden sowie eines historischen Aufrisses, der die verschiedenen Kriege und Konflikte der USA betrachtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind unter anderem US-Militär, Propaganda, Filmförderung, Politische Einflussnahme, Patriotismus und Drehbuchkontrolle.
Welche Rolle spielt das Pentagon bei der Drehbuchgestaltung?
Das Pentagon fungiert als Kontrollinstanz; Studios müssen Drehbücher vorlegen und akzeptieren oft tiefgreifende Änderungen, um finanzielle oder materielle Unterstützung zu erhalten.
Wie hat sich die Rolle des Films seit dem 11. September verändert?
Die Regierung nutzt aktuelle Filme vermehrt für Propagandazwecke und zieht Regisseure sogar zur Beratung für Katastrophenszenarien heran, um die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.
Warum suchen Hollywood-Studios trotz der Zensur die Nähe zum Militär?
Aufwendige Produktionen sind ohne das kostengünstige Equipment des Militärs kaum finanzierbar, weshalb ökonomische Interessen oft über künstlerische Freiheit gestellt werden.
Wie werden nationale Traumata in US-Filmen verarbeitet?
Der Autor stellt fest, dass das amerikanische Kino traumatisierende Ereignisse durch eine Betonung positiver Aspekte "therapiert", um diese im Sinne der nationalen Identität umzudeuten oder zu vergessen.
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- Martin Philipp Wiesert (Author), 2008, Die Beeinflussung der US-amerikanischen Filmindustrie durch Militär und Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150587