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Opfer und Täter schulischer Gewalt an Hauptschulen. Aktuelle Prävalenzen und der Einfluss der stadtspezifischen Umwelt

Title: Opfer und Täter schulischer Gewalt an Hauptschulen. Aktuelle Prävalenzen und der Einfluss der stadtspezifischen Umwelt

Scientific Essay , 2003 , 27 Pages

Autor:in: Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Nach derart schweren Gewaltakten wie den Morden in Meißen, Bad Reichenhall und Erfurt oder der Geiselnahme von Waiblingen sind selbst ernannte Experten nicht weit, die den Medien und der Öffentlichkeit „Ursachenforschung“ und „Patentrezepte“ präsentieren. Dies führte in der Vergangenheit einerseits zu einem unrealistischen Zerrbild der tatsächlichen Prävalenz von Gewalt- und Aggressionsformen an deut-schen Schulen. Zum anderen behinderte es eine seriöse Ursachenforschung.

Zwar ist die Schule ein Lebensbereich, in dem Kinder und Jugendliche einen Großteil ihrer Sozialisationszeit verbringen. Merkmale der Institution Schule, wie Klassengrö-ße, Erwartungsstrukturen (z.B. Versagensängste oder Leistungsdruck), Bezie-hungsmuster (z.B. Schüler-Schüler oder Lehrer-Schüler-Interaktionen), Unterrichts-qualität und Lernangebote bilden Rahmenbedingungen, die Aggressivität fördern oder mindern können. Dennoch bleibt festzuhalten, „dass die Anzahl der Risikofakto-ren für die Entstehung von Gewalt in der Schule hoch ist, dass sie auf sehr verschie-denen Ebenen liegen und sowohl in außerschulischen Bereichen als auch in schuli-schen Strukturen wie Leistungsbewertung, Schulorganisation, Klima und personalen Beziehungen zu finden sind.“

Das Ziel des vorliegenden Beitrages ist, die derzeitige Gewaltdiskussion durch aktu-elle empirische Daten zu bereichern. Dazu werden jüngst erhobene Täter- und Op-ferprävalenzen für unterschiedliche körperlich und verbale Gewaltformen präsentiert und der Einfluß personeller Opfer- und Tätereigenschaften gegen die Bedeutung der außerschulischen sozioökonomischen Umwelt abzugrenzen versucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 ENTDECKUNGSZUSAMMENHANG

2 FORSCHUNGSSTAND

3 FRAGESTELLUNG

4 DATEN UND METHODE

5 ERGEBNISSE

5.1 Opferprävalenz von Gewalthandlungen

5.2 Täterprävalenz von Gewalthandlungen

6 DISKUSSION

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Arbeit ist es, die aktuelle Debatte über Gewalt an Schulen durch empirische Daten zu ergänzen. Dabei wird untersucht, inwieweit unterschiedliche sozioökonomische städtische Umwelten die Prävalenz schulischer Gewalt beeinflussen und wie sich Opfer- sowie Täterrollen unter Berücksichtigung von Individualmerkmalen darstellen.

  • Empirische Untersuchung der Gewaltprävalenz an Hauptschulen
  • Vergleich der Auswirkungen stadtspezifischer sozioökonomischer Bedingungen
  • Analyse von Opfer- und Täterprofilen sowie deren Rollendynamik
  • Überprüfung lerntheoretischer und anomietheoretischer Ansätze
  • Statistische Auswertung mittels multipler Regression zur Identifikation von Einflussfaktoren

Auszug aus dem Buch

Merkmale des Typus „Gewalttäter“

Aktuelle Daten belegen, dass gewalttätige Schülerinnen und Schüler im Durchschnitt etwas schlechtere Schüler sind, häufiger sitzen bleiben bzw. deren Versetzung eher gefährdet ist. Sie empfinden kaum Schulfreude, sehen keinen Sinn im Lernen und haben eher ein gestörtes Verhältnis zu ihren Lehrern. Sie fühlen sich oftmals ‘abgeschrieben’, weil sie z.B. das Gefühl haben, dass die Schule sich nicht genug um sie kümmert und der Unterrichtsstoff nicht genügend erklärt wird. Gewaltbereite Schülerinnen und Schüler fühlen sich in der Schule nicht wohl und äußern interessanterweise, dass man sie nicht zu Ordnung, Pünktlichkeit und Sauberkeit anhalte. Sie rechtfertigen ihr Verhalten als notwendig und legitimieren ihre Handlungsweise. Der Typus der „Täter“ ist den Klassenkameraden an Körperstärke eher überlegen, hitzköpfig, leicht verärgert, impulsiv und weist eine niedrige Frustrationstoleranz auf. Zudem sei er misstrauisch, aggressiv, leistet Widerstand gegenüber Erwachsenen und hat geringe Empathie. Nicht zuletzt beinhaltet aggressives Verhalten häufig eine instrumentelle Komponente: Täter zwingen ihre Opfer, Gegenstände (z.B. Geld, Zigaretten etc.) zu beschaffen und erhoffen sich dadurch individuelle und gesellschaftliche Vorteile.

Zusammenfassung der Kapitel

1 ENTDECKUNGSZUSAMMENHANG: Einleitung in das Thema unter Berücksichtigung der öffentlichen Wahrnehmung und der wissenschaftlichen Relevanz von Gewalt an Schulen.

2 FORSCHUNGSSTAND: Überblick über existierende Definitionen von schulischer Gewalt und Diskussion bisheriger empirischer Erkenntnisse zum Ausmaß und zur Entwicklung des Phänomens.

3 FRAGESTELLUNG: Herleitung der zentralen Hypothese auf Basis der Theorie des sozialen Lernens und der Anomietheorie zur Untersuchung stadtstruktureller Einflüsse.

4 DATEN UND METHODE: Beschreibung des Forschungsdesigns, basierend auf einer Paper-and-Pencil-Befragung in Hauptschulen in Mannheim und Heidelberg unter Anwendung eines Matched-pairs-Ansatzes.

5 ERGEBNISSE: Detaillierte Darstellung der erhobenen Opfer- und Täterprävalenzen sowie deren statistische Analyse mittels Regressionsmodellen.

5.1 Opferprävalenz von Gewalthandlungen: Darstellung der Befunde zur Verteilung psychischer und physischer Gewalterfahrungen bei den befragten Schülern.

5.2 Täterprävalenz von Gewalthandlungen: Analyse der von den Schülern selbst berichteten Gewalthandlungen und Vergleich zwischen den verschiedenen städtischen Standorten.

6 DISKUSSION: Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse, kritische Würdigung der Methodik und Einordnung der Befunde in den weiteren wissenschaftlichen Kontext.

Schlüsselwörter

schulische Gewalt, Hauptschule, Opferprävalenz, Täterprävalenz, Mannheim, Heidelberg, sozioökonomische Umwelt, Lerntheorie, Anomietheorie, Gewaltprävention, Sozialisation, Aggression, Schülerbefragung, empirische Bildungsforschung, Jugendkriminalität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen schulischer Gewalt an Hauptschulen und analysiert, wie sich unterschiedliche städtische Umweltbedingungen auf die Gewaltbereitschaft auswirken.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Unterschiede in der Gewaltprävalenz zwischen den Städten Mannheim und Heidelberg sowie die Identifikation von Täter- und Opfermerkmalen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gewaltdiskussion durch empirische Daten zu fundieren und zu prüfen, ob ein Zusammenhang zwischen städtischer Sozialstruktur und der Auftretenshäufigkeit von Gewalt an Schulen besteht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wurde ein exploratives Design mit einer Paper-and-Pencil-Befragung an sechs Hauptschulen gewählt, wobei die statistische Auswertung mittels multipler linearer Regression erfolgte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst den theoretischen Rahmen (Lerntheorie, Anomietheorie), die detaillierte Beschreibung der Befragungsmethodik sowie die Präsentation und Diskussion der empirischen Ergebnisse zu Opfer- und Täterrollen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie schulische Gewalt, Täter- und Opferprävalenz, städtisches Umfeld, Hauptschule und sozialer Druck charakterisieren.

Warum wurden Mannheim und Heidelberg als Vergleichsstandorte gewählt?

Die Städte wurden gewählt, da sie trotz ihrer geografischen Nähe deutliche Unterschiede in ihrer sozioökonomischen Struktur (Industriestadt versus Kulturstadt) aufweisen, was sie für einen Vergleich prädestiniert.

Welche Rolle spielt die Anomietheorie in der Argumentation?

Die Anomietheorie dient dazu, das Entstehen von abweichendem Verhalten als individuelle Anpassung an eine ungleiche Verteilung von Chancen und Mitteln in der Gesellschaft zu erklären.

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Details

Title
Opfer und Täter schulischer Gewalt an Hauptschulen. Aktuelle Prävalenzen und der Einfluss der stadtspezifischen Umwelt
College
University of Heidelberg  (FB Pädagogik)
Course
Publikation
Author
Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V15059
ISBN (eBook)
9783638202961
ISBN (Book)
9783638731492
Language
German
Tags
Opfer Täter Gewalt Hauptschulen Aktuelle Prävalenzen Einfluss Umwelt Publikation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author), 2003, Opfer und Täter schulischer Gewalt an Hauptschulen. Aktuelle Prävalenzen und der Einfluss der stadtspezifischen Umwelt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15059
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