Fernsehen als produziertes Ideologiekonzept

Figurenanalyse von Doug Heffernan


Seminararbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

2. Relevante Aspekte des ästhetisch-kritischen Konzepts von T.W. Adorno anhand einiger Aspekte und wesentlichen Beispielen

3. Produzierte Selbstreferenzialität des Fernsehens und die Identifikation mit der Figur Doug Heffernan (King of Queens)

4. Schlussbemerkung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

6. Medienverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

Innerhalb der Debatte rund um die Kritik am Fernsehen von Marcel Reich-Ranicki beim Fernsehpreis 2008 entstand eine Diskussion, die vor allem dem Medium Fernsehen, welches man so scharf kritisierte und negativ beurteilte, zu gute kam:

Zwar hatte Marcel Reich-Ranicki das deutsche Fernsehen effektvoll blamiert mit seiner Fernsehpreis-Nichtannahme, doch gerade deshalb erlebte es eine goldene Woche: Endlich wurde überhaupt mal wieder darüber gesprochen, endlich gab es mal wieder ein kollektives Fernseherlebnis, die Ausschnitte von Reich-Ranickis amüsantem Wutanfall und Gottschalks geistesgegenwärtiger Schlichtung hatte tatsächlich jeder gesehen. Wenn sich im Fernsehen ausnahmsweise ein besonderer Moment ereignet, dann interessiert es auch wieder.[1]

Dieses aktuelle Beispiel hat nicht nur die Frage nach der Qualität aufgeworfen, sondern veranschaulicht unmissverständlich, dass das Medium Fernsehen ein Konglomerat von Formaten ist, die versuchen dem Fernsehzuschauer die Ideologie des Fernsehens durch Propaganda und Manipulation einzuverleiben.

Der Begriff der Kulturindustrie von Adorno und Horkheimer ist in der aktuellen Debatte um die Qualität des Fernsehens nicht weit hergeholt und soll in dieser Seminararbeit anhand eines exemplarischen Formats eruiert und diskutiert werden. Inwieweit das Fernsehen sich immer noch mit der durchaus ins Alter gekommenen Theorie der Kulturindustrie von T. W. Adorno verbinden lässt, soll anhand der amerikanischen Sit-com[2] King of Queens, explizit an der Figur Doug Heffernan, erläutert und bewiesen werden. Ausschließlich die ersten vier Folgen der ersten Staffel dienen als Diskursgrundlage und sollen als sehr zeitgenössisches Produkt auf die Aktualität der Thesen von Adorno verweisen, die schon anhand des zu Beginn aufgeworfenen Beispiels, nämlich die Diskussion rund um den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, angedeutet wurde.

Innerhalb dieser Debatte lässt sich ein sehr wichtiger Aspekt herausnehmen, der gerade den Großteil des Fernsehens mit den Mechanismen einer Kulturindustrie nach Adorno beschreiben lässt. Die Äußerungen von Elke Heidenreich in der FAZ[3] bezüglich der kritischen Worte Herrn Reich-Ranickis auf der Preisverleihung des Fernsehpreises 2009 lassen vermuten, dass nicht mehr nur Privatsender der Maschinerie des Marktes gehorchen, sondern auch zunehmend die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen mit ihnen in eine ernstzunehmende Konkurrenz zu treten. Sie müssen sich somit an dem Prozedere des Marktes orientieren, wenngleich sie aufgrund der Bezüge aus öffentlicher Kasse und Gebührengeldern („7,5 Milliarden Euro“[4] ) eigentlich einem Bildungs- und Informationsauftrag verpflichtet sind bzw. mit diesem Image aus vergangenen Tagen hausieren - „ARD und ZDF sind frei von kommerziellen Einflüssen [] frei von politischer Fremdeinwirkung [] drittens ein Hort von Bildung und Kultur“. Die Realität sieht anders aus.

Ökonomisch gesehen, ist die Kulturindustrie der Gegenwart zwar nicht durch Monopolbildung, wohl aber durch verschärfte Kapitalkonzentration gekennzeichnet.[5]

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen baut auf Produkte/ Formate wie Boulevard-Magazine, Quiz-Shows, Seifenopern etc., die sich auch in den Privatsendern über Jahre bewährt haben. Neben Tagesthemen und Tagesschau finden sich erst im späteren Abendprogramm ambitionierte Formate wie beispielsweise Panorama, wenngleich der Großteil der Sendungen nicht dem entspricht, was uns das immer noch propagierte Image der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten verspricht[6]. Zwar „geht die Teilprivatisierung [nicht] immer zulasten der Qualität. Aber die redaktionelle Kontrolle schrumpft, und das Sumpfgebiet wächst“[7].

Es ist also keinesfalls abwegig zu versuchen die Wurzeln der Kulturindustrie anhand einer Fernsehserie sichtbar zu machen. Diesbezüglich wurde absichtlich eine amerikanische Sit-com, also keine einheimische Produktion, ausgewählt um einen noch stärkeren Beweis dafür anzustellen, dass der Markt die Formate planvoll herstellt und keinesfalls der Zuschauer. King of Queens verbucht nicht nur in Amerika einen riesigen Erfolg und Kultstatus, sondern eben auch in Deutschland. Es kann als Länder übergreifendes Produkt gesehen werden, eine Marke[8]. Diesbezüglich ist natürlich zu klären, in welchem Zusammenhang die Kulturindustrie bzw. die hier aufgeworfene These einer Ideologie des Fernsehens mit den Einschaltquoten steht, die Fernsehproduzenten immer als Beweis dafür anbringen, dass die Masse überhaupt nichts anderes sehen will. Hat der Zuschauer wirklich die Wahl? Bestimmt er das Produkt oder letztlich doch der Markt?

Während die Kulturindustrie [] auf den Bewußtseins- und Unbewußtseinsstand der Millionen spekuliert, denen sie sich zuwendet, sind die Massen nicht das Primäre sondern ein Sekundäres, Einkalkuliertes; Anhängsel der Maschinerie. Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie glauben machen möchte, König, nicht ihr Subjekt, sondern ihr Objekt.[9]

Die Einschaltquoten sind ein Teil der Maschinerie und gleichsam auch der Kulturindustrie. Ein Produkt des Fernsehens zielt natürlich darauf ab die bestmöglichen Einschaltquoten zu erzielen und möglichst Marktführer in der Zielgruppe zu sein. Das ist unbestreitbar ihr Anspruch und ihr Ziel, aber die Schlussfolgerung daraus kann nicht lauten, dass der Fernsehzuschauer die Macht hat zu entscheiden, was gesehen wird und was nicht, sondern bedeutet nur, dass das, was nicht dem Schema entspricht aus dem Programm fällt; jenes Format, welches die Anforderung eines möglichst hohen Marktanteils nicht erfüllt, fliegt aus dem Senderkonzept. Die Masse ist dadurch zufrieden gestellt, als dass ein einziges Format möglichst auf jedes Individuum der Masse zugeschnitten ist und ein Produkt erstellt wird, welches diesem Anspruch genügt. Dieser Aspekt tut sich in keiner Weise als ein Widerspruch zur Kulturindustrie auf, sondern manifestiert die These dieser Seminararbeit und lenkt den Blick auf einen ganzen bestimmten, hier zu diskutierenden Punkt, nämlich das planvoll erstellte Format, das dem Fernsehzuschauer eine Ideologie propagiert, mit der er sich identifizieren kann. Diese Identifikation des Fernsehzuschauers wird durch äußerst ausgeklügelte Mechanismen und Strategien, die auf der Ausnutzung der menschlichen Wahrnehmung (Ästhetik) beruht, erzeugt[10]. Außerdem wird der Begriff der Serialität in dieser Seminararbeit zu diskutieren sein, da gerade dieser das Merkmal bestimmt, wodurch sich das Fernsehen von anderen medialen Erscheinungsformen unterscheidet[11]. Neben der Serialität und Identifikation tragen auch andere Strukturen dazu bei, dass bestimmte Sendungen zu bestimmten Zeiten so überaus erfolgreich sind. Es spielen also viele Faktoren eine Rolle, die in diesem Zusammenhang weniger analysiert bzw. diskutiert werden können und in den folgenden Betrachtungen auch größtenteils nur mit den beiden Komponenten der Identifikation und Serialität gearbeitet wird.

[...]


[1] Stuckrad-Barre, Benjamin, „,Wir müssen ausschalten’“, Welt am Sonntag 42, 2008, Wiso Praxis Presse, https://univpn.univie.ac.at/+CSCO+1h756767633A2F2F6A6A6A2E6A7666622D6172672E7172++/r_presse/-CSCO-3h--webcgi?START=A20&DOKM=956013_WELT_0, 09.02.2009.

[2] Vgl: Berto Trinidad, „situation comedy“, Critical Dictionary of Film and Television Theory, Hg. Roberta E. Pearson/Philip Simpson, London/New York: Routledge 2001 S. 407.

[3] Vgl: Elke Heidenreich, „Reich-Ranickis gerechter Zorn“, FAZ.NET, http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EE91B6E359E494E34BE66891A5D35B7AB~ATpl~Ecommon~Scontent.html, 11.02.2009.

[4] Anna Marohn, „Argument. ARD und ZDF brauchen klare Grenzen“, Die ZEIT 05, 2008, https://univpn.univie.ac.at/+CSCO+1h756767633A2F2F6A6A6A2E6A7666622D6172672E7172++/r_presse/-CSCO-3h--webcgi?START=A20&DOKM=99975_ZEIT_0, 12.02.2009.

[5] Gerhard Schweppenhäuser, Theodor W. Adorno zur Einführung, Hamburg: Junius 1996, S. 158.

[6] Vgl: Tagesprogramm der ARD, Donnerstag 12.02.2009: http://programm.daserste.de/liste1.asp?sender=1&sdatlo=12.02.2009.

[7] Thomas Assheuer, „Kopfsprung ins Seichte“, Die ZEIT 03, 2004, Wiso Praxis Presse, http://www.wiso-net.de/r_presse/webcgi?START=A20&DOKM=68397_ZEIT_0, 11.02.2009.

[8] Vgl: Uwe Mantel, „King of Queens: Zum Abschied Marktführer“, DWDL.de, http://www.dwdl.de/article/story_12992,00.html, 16.10.2007, 09.02.2009.

[9] Adorno, Theodor W., „Résumé über Kulturindustrie“, Kursbuch Medienkultur, Hg. Lorenz Engell/Joseph Vogel, Stuttgart: 1999, S. 202.

[10] Vgl: Alex Billensteiner, „Identifikation - Ein wesentliches Element in der Rezeption von Sitcoms und TV-Serien“, Dipl.-Arb., Universität Wien, Sozialwissenschaftliche Fakultät 2005.

[11] Vgl. Ebd. S. 56.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Fernsehen als produziertes Ideologiekonzept
Untertitel
Figurenanalyse von Doug Heffernan
Hochschule
Universität Wien  (Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Theorien und Methoden der Medienwissenschaft
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V150606
ISBN (eBook)
9783640650071
ISBN (Buch)
9783640650446
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
King of Queens, Adorno, Horkheimer, Kulturindustrie, Ideologie, Doug Heffernan, Sit-com, Unterschichtenfernsehen, Elke Heidenreich, Reich-Ranicki
Arbeit zitieren
Thomas Ochs (Autor), 2009, Fernsehen als produziertes Ideologiekonzept , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150606

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