Diese Arbeit untersucht die Konfliktverläufe innerhalb der reformierten Kirchengemeinden in Siegen zur Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere im Kontext der "Freien Reformierten Siegener Synode" in den Jahren 1933-1937. Die Arbeit beleuchtet die ideologische Auseinandersetzung zwischen dem Nationalsozialismus und dem Christentum, die Herausforderungen für die Evangelisch-reformierte Landeskirche sowie die entscheidenden kirchlichen und politischen Entwicklungen dieser Zeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Spannungen zwischen der Bekenntnisgemeinschaft und der Landeskirchenleitung, die sich nach der Siegener Synode offenbarten, sowie dem Verhör von Hermann Steens.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Vorgeschichte
2. Die Barmer Synode
3. Die Siegener Synode
4. Konflikte innerhalb der Ev. -ref. Landeskirche
5. Bekenntnisgemeinschaft und Landeskirchenleitung nach der Siegener Synode
6. Verhör Hermann Steen
7. Weitere Jahre
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Konfliktverläufe innerhalb reformierter Kirchengemeinden im Siegerland während der Jahre 1933 bis 1937 unter besonderer Berücksichtigung der Freien Reformierten Siegener Synode und der kirchenpolitischen Spannungsfelder dieser Zeit.
- Die kirchenpolitische Ausgangslage in der Weimarer Republik und dem frühen Nationalsozialismus.
- Die Rolle der Barmer und Siegener Synode für die reformierte Kirchenlandschaft.
- Spannungsverhältnisse zwischen der Bekenntnisgemeinschaft und der offiziellen Landeskirchenleitung.
- Der Fall Hermann Steen als Beispiel für Disziplinarmaßnahmen und kircheninterne Auseinandersetzungen.
- Die Reorganisationsbemühungen und Positionierung der reformierten Kirche gegenüber dem NS-Regime.
Auszug aus dem Buch
3. Die Siegener Synode
In Siegem kam es zur Freien Reformierten Synode im Zeitraum vom 26.3.-28.3.1935. Es sollte der Fall Karl Barth besprochen werden, denn es drohte Barths Weggang aus Deutschland. Barths Verweigerung des uneingeschränkten Eides auf Adolf Hitler gewährte dem Staat eine willkommene Handhabe gegen ihn, um seine akademischen Tätigkeit in Deutschland ein Ende setzen zu können. In Siegen sollte eine Lösung gefunden werden, Barth ein Platz in Deutschland zu sichern. Zudem ging es in Siegen nicht primär darum, das Reformiertentum zu schützen und zu wahren, indem man die Vereinigung der Reformierten Kirchen und Gemeinden in Deutschland proklamierte. Es ging um einen Zusammenschluss von reformierten Gemeinden, die sich „am Heidelberger Katechismus als dem Glaubenszeugnis unserer Väter von der Heiligen Schrift halten, oder die sich sonst in Besinnung an ihre reformierte Herkunft und Verantwortung unter Gottes Wort stellen.“ Es ging darum, die reformierten bekennenden Gemeinden zu sammeln, um „der nach Gottes Wort reformierten Kirche der gesamten bekennenden evangelische Christenheit in Deutschland zugute kommen und zu dienen“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Interesse an der kirchenpolitischen Situation zur Zeit des Nationalsozialismus und führt in die spezifische Problematik der reformierten Kirchengemeinden im Siegerland ein.
1. Vorgeschichte: Dieses Kapitel erläutert die kirchenpolitische Lage seit 1918, die Auswirkungen der Machtübernahme 1933 und die ersten Bestrebungen zur Formung einer Deutschen Reformierten Kirche.
2. Die Barmer Synode: Der Schwerpunkt liegt auf der Ersten Freien reformierten Synode in Barmen (1934) und der Annahme der Barmer Theologischen Erklärung als Reaktion auf die Deutsche Evangelische Kirche.
3. Die Siegener Synode: Hier wird die Synode in Siegen von 1935 analysiert, bei der primär die Unterstützung für Karl Barth und die Sammlung bekennender reformierter Gemeinden im Fokus stand.
4. Konflikte innerhalb der Ev. -ref. Landeskirche: Dieses Kapitel beschreibt die internen Spannungen und Verhandlungen zwischen der Landeskirchenleitung und der Bekenntnisgemeinschaft bei der Besetzung des Vorsitzes im Synodalausschuss.
5. Bekenntnisgemeinschaft und Landeskirchenleitung nach der Siegener Synode: Die zunehmende Entfremdung und die kirchenamtlichen Maßnahmen der Landeskirchenleitung gegen die Bekenntnisgemeinschaft werden hier dargestellt.
6. Verhör Hermann Steen: Dieser Abschnitt analysiert das disziplinarische Vorgehen gegen Hermann Steen aufgrund seiner liturgischen Erklärungen und seine Kritik an der Kirchenleitung.
7. Weitere Jahre: Es wird die Phase der Reorganisation der Bekenntnisgemeinschaft nach 1936 und deren Bemühungen um eine stärkere theologische Legitimation beschrieben.
8. Fazit: Das Fazit resümiert die Unvereinbarkeit zwischen dem theologischen Anspruch reformierter Gemeinden und dem kirchenpolitischen Kurs der Landeskirchenleitung in der NS-Zeit.
Schlüsselwörter
Kirchengeschichte, Nationalsozialismus, Siegener Synode, Barmer Synode, Reformierte Kirche, Bekenntnisgemeinschaft, Kirchenleitung, Karl Barth, Heidelberger Katechismus, Hermann Steen, Kirchenkampf, Kirchenpolitik, Synodale Ordnung, Drittes Reich, Protestantismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die innerkirchlichen Konflikte reformierter Gemeinden im Siegerland zwischen 1933 und 1937 im Spannungsfeld zwischen Staatstreue und Bekenntnistreue.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den synodalen Bewegungen, dem Verhältnis zur Landeskirchenleitung, rechtlichen Auseinandersetzungen um liturgische Fragen und dem theologischen Widerstand.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die spezifischen Konfliktverläufe und Entscheidungsprozesse innerhalb der reformierten Landeskirche während der nationalsozialistischen Diktatur historisch aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung relevanter kirchengeschichtlicher Fachliteratur und Dokumente jener Zeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische und thematische Abschnitte, die von der Vorgeschichte (ab 1918) über die Bedeutung der Barmer und Siegener Synoden bis hin zu konkreten Disziplinarfällen wie dem von Hermann Steen reichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe umfassen Bekenntnisgemeinschaft, Kirchenkampf, reformierte Identität und Landeskirchenleitung.
Warum war der Fall Hermann Steen so bedeutsam für das Thema?
Das Verhör von Hermann Steen verdeutlicht beispielhaft den Druck der Kirchenleitung auf Pfarrer, die aufgrund ihrer theologischen Überzeugung mit dem NS-Regime und der offiziellen Kirchenpolitik in Konflikt gerieten.
Welche Rolle spielte die Siegener Synode für die Ausrichtung der Gemeinden?
Die Siegener Synode diente vor allem dazu, eine Plattform für reformierte Bekenntnisgemeinden zu schaffen, um die innere Kohärenz trotz der massiven politischen Einflüsse von außen zu wahren.
Wie positionierte sich die Landeskirchenleitung gegenüber dem NS-Regime?
Die Landeskirchenleitung bemühte sich weitgehend um eine Anpassung oder einen Kompromiss, um die Strukturen der Landeskirche nach außen zu erhalten, was sie in direkten Gegensatz zur Bekenntnisgemeinschaft brachte.
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- Jennifer Britner (Author), 2023, Die Rolle der reformierten Kirchengemeinden in Siegen während der "Freien Reformierten Siegener Synode" (1933-1937), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1506063