Diese Arbeit untersucht den Begriff des Bösen im philosophischen Diskurs anhand der Ansätze von Gottfried Wilhelm Leibniz und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Zunächst wird der Begriff des Bösen aus der Sicht von Leibniz erörtert, der in seiner „Theodizee“ das Böse als eine notwendige Konsequenz der Unvollkommenheit der geschaffenen Welt beschreibt und es in metaphysische, physische und moralische Übel unterteilt. Im Gegensatz dazu stellt Schelling in seiner „Freiheitsschrift“ das Böse als ein aktives Prinzip dar, das aus dem Eigenwillen des Menschen entsteht, wenn dieser den Universalwillen zu seinen eigenen Zwecken missbraucht. Im Hauptteil wird Schellings Kritik am Boshaftigkeitsbegriff von Leibniz behandelt, wobei Schelling dessen Rationalismus und die Auffassung des Bösen als Mangel an Gutem infrage stellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff des Bösen
2.1. Bei Leibniz
2.2. Bei Schelling
3. Schellings Kritik am leibnizschen Boshaftigkeitsbegriff
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem philosophischen Begriff des Bösen auseinander und analysiert die spezifischen Definitionsansätze von Gottfried Wilhelm Leibniz und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Das primäre Ziel ist es, die Weiterentwicklung des Begriffs zu untersuchen und Schellings Kritik an der leibnizschen Konzeption, insbesondere hinsichtlich der Privations- und Perversionstheorie, herauszuarbeiten.
- Grundlagen des Bösen als philosophische Kategorie
- Leibniz’ Einteilung des Übels in der Theodizee
- Schellings Freiheitsschrift und das Zusammenspiel von Eigen- und Universalwillen
- Kritische Gegenüberstellung von Privations- und Perversionstheorie
- Untersuchung der moralischen Zurechenbarkeit und der menschlichen Freiheit
Auszug aus dem Buch
2.2 Bei Schelling
In der Freiheitsschrift wird der funktionierende Zusammenhang des Bösen mit der Existenz Gottes in Bezug auf die menschliche Freiheit betrachtet. Für Schelling zeigt sich in der Geschichte des Sündenfalls beispielhaft die Anfänge des moralischen Übels.
„Das Prinzip, sofern es aus dem Grunde stammt und dunkel ist, ist der Eigenwille der Kreatur, der aber, sofern er noch nicht zur vollkommen Einheit mit dem Licht (als Prinzip des Verstandes) erhoben ist (...), bloße Sucht oder Begierde (…) ist. Diesem Eigenwillen der Kreatur steht der Verstand als Universalwille entgegen, der jenen gebraucht und als bloßes Werkzeug sich unterordnet.“ (FS 35, 15ff)
Damit sagt Schelling aus, dass der Eigenwille der Kreatur nur sein Begehren erfüllt und der Eigenwille den Universalwillen braucht, um Entscheidungen abseits der Trieberfüllung treffen zu können. Menschen besitzen beides, weswegen Schelling sie als ein geistiges Wesen bezeichnet und eine „Identität beider Prinzipien“ (FS 36, 17) aus Grund und Verstand, welche ineinander greifen, feststellt. Während dieses Zusammenspiel von Universal- und Eigenwillen bei Gott unzertrennlich ist, so ist es dies beim Menschen nicht. Dadurch entsteht die Möglichkeit zu gut und böse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Beschränkung auf die Werke „Theodizee“ und „Über das Wesen der menschlichen Freiheit“.
2. Der Begriff des Bösen: Das Kapitel definiert den Begriff des Bösen allgemein und stellt die Privationstheorie (Leibniz) der Perversionstheorie (Schelling) gegenüber.
2.1. Bei Leibniz: Leibniz begründet das Übel in der „besten aller möglichen Welten“ durch die notwendige Endlichkeit und Unvollkommenheit der Schöpfung, unterteilt in metaphysische, physische und moralische Übel.
2.2. Bei Schelling: Schelling beschreibt das Böse als eine „positive Verkehrtheit“ oder resultierende Umkehrung von Eigen- und Universalwillen in der menschlichen Freiheit.
3. Schellings Kritik am leibnizschen Boshaftigkeitsbegriff: Dieser Abschnitt analysiert Schellings Einwände gegen den einseitigen Rationalismus von Leibniz und die Unzulänglichkeit der Privationstheorie zur Erklärung des aktiven bösen Willens.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und betont, dass trotz der Kritik eine philosophische Nähe zwischen den Denkern in der Identität von Verstand und Wille bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Das Böse, Leibniz, Schelling, Theodizee, Freiheitsschrift, Privationstheorie, Perversionstheorie, Eigenwille, Universalwille, Moral, Metaphysik, Philosophiegeschichte, Boshaftigkeitsbegriff
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den philosophischen Begriff des Bösen und vergleicht dazu die Ansätze von Leibniz und Schelling.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theodizeefrage bei Leibniz, die menschliche Freiheit und die Struktur des Willens bei Schelling sowie die ethische Einordnung moralisch verwerflichen Handelns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Weiterentwicklung der Definition des Bösen von Leibniz zu Schelling darzulegen und die Kritik Schellings an der leibnizschen Privationstheorie zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse zentraler philosophischer Texte, um Begriffe zu klären und Argumentationslinien zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Detaillierung der Begriffsdefinitionen beider Philosophen sowie der darauf aufbauenden kritischen Beweisführung Schellings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Autonomie des Willens, das Böse als Privation vs. Perversion, sowie die Differenz zwischen Eigen- und Universalwillen geprägt.
Warum unterscheidet Schelling zwischen Eigenwille und Universalwille?
Schelling nutzt diese Unterscheidung, um zu erklären, wie der Mensch als geistiges Wesen die Möglichkeit erhält, sich moralisch bewusst zwischen Gut und Böse zu entscheiden.
Inwieweit kritisierte Schelling das Konzept der "besten aller möglichen Welten"?
Schelling kritisierte den Rationalismus bei Leibniz und argumentierte, dass das Böse nicht bloß als passiver Mangel abgetan werden darf, da es sich beim Menschen um eine aktive, bewusste Entscheidung handelt.
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- Anonym (Author), 2024, Der Begriff des Bösen nach Schelling und Leibniz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1506220