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Die literarische abolitio nominis des Nero

Gründe einer Diffamierung

Titel: Die literarische abolitio nominis des Nero

Hausarbeit , 2024 , 58 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Nicolas Ströhla (Autor:in)

Geschichte - Europa
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nero (37-68 n. Chr.) war der erste römische Kaiser, der einer memoria damnata durch den Senat zum Opfer fiel. Dabei beschränkte sich die Gedächtnisstrafe nicht nur auf die Auslöschung bzw. Abschaffung des Namens (abolitio nominis) «Nero» in den zeitgenössischen Dokumenten und Inschriften. Sie war gleichzeitig mit einer systematischen Verunglimpfung des Lebens und der Taten Neros durch die antiken postneronischen senatorischen und ritterlichen Autoren Tacitus, Sueton, Cassius Dio und Aurelius Victor verbunden. Diese verfolgten als Repräsentanten des Senatoren- und Ritteradels das politisch-literarische Ziel, die Macht der aristokratischen Schicht zu bewahren, die sie durch sog. schlechte Kaiser, wie Nero, bedroht sahen. Dieselben Autoren legten auch – bewusst oder unbewusst – den Grundstein für die negative Nero-Rezeption nachfolgender Generationen. Auch die frühe christliche Überlieferung der Kirchenväter stütze sich auf die römischen Autoren. Nero wurde als erster grosser Christenverfolger bezeichnet, und dieses Bild wurde durch mittelalterliche Chronisten weiter gefestigt und tradiert. Über Jahrhunderte hinweg wurde so das anfangs positive antike Nero-Bild in den Hintergrund gedrängt, zum «Verschwinden» gebracht und durch einen regelrechten Tyrannen-Topos ersetzt, der die Rezeptionsgeschichte prägte und teils bis heute wirkungsmächtig nachhallt: Brandstifter, Christenverfolger, tyrannisch-exzentrischer Künstler, Ehefrauen- und inzestuöser Muttermörder. Egoismus, Größenwahn, Verweichlichung, Genusssucht, Machtgier, Hinterhältigkeit, Grausamkeit, sexuelle Perversion: Ausgemeisselt wurde Nero nicht nur physisch durch die Entfernung seines Namens aus Inschriften und die Zerstörung seiner Statuen und Büsten, sondern auch literarisch durch die Auslöschung seines positiven Images im kollektiven Gedächtnis der Nachwelt. Was sind jedoch die Ursachen für die Verachtung Neros durch die antike Ritter- und Senatorenschaft bzw. die Kirchenväter? Welche Gründe für die literarische memoria damnata liegen vor? Welcher Topoi bedienten sich die antiken römischen und christlichen Autoren bei der Verunglimpfung seines Namens bzw. bei der Auslöschung seines positiven Andenkens? Wie stichhaltig sind die Schilderungen dieser Autoren?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vorstellung der wichtigsten Quellen

Senatorische «Geschichtsschreibung»

Hauptteil

Das Verhältnis zwischen Kaisertum und Senat seit Augustus

Republikanische Tugenden als Blaupause für einen «guten» Kaiser

Das damnierte positive Nero-Bild

Zwischenfazit zum damnierten positiven Nero-Bild

Ursache und Grund des negativen Nero-Bilds

Zwischenfazit zu Ursache und Grund des negativen Nero-Bilds

Das negative Nero-Bild der postneronischen Autoren

Zwischenfazit zum negativen Nero-Bild der postneronischen Autoren

Die Topoi des negativen Nero-Bilds

Nero als «inzestuöser Kaiser»

Nero als «massloser Verschwender»

Nero als «Brandstifter»

Nero als «Christenverfolger»

Zwischenfazit zu den Topoi des negativen Nero-Bilds

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Hintergründe der literarischen "abolitio nominis" des Kaisers Nero. Dabei wird analysiert, wie antike Autoren ein systematisches, negatives Nero-Bild konstruierten, um die Deutungshoheit der aristokratischen Elite zu sichern, und inwiefern dieses Bild einer kritischen historischen Überprüfung standhält.

  • Die Rolle der senatorischen Geschichtsschreibung bei der Nero-Diffamierung
  • Antike Herrschertugenden als moralischer Maßstab und politische Blaupause
  • Analyse der Topoi (Inzest, Brandstiftung, Christenverfolgung) als literaturhistorische Konstrukte
  • Vergleich zwischen dem damnierten positiven Nero-Bild und der negativen Rezeptionsgeschichte
  • Die diskursive Macht des "negativen Nero" von der Antike bis in die Moderne

Auszug aus dem Buch

Nero als «Brandstifter»

Die Betitelung Neros als Brandstifter bezieht sich auf den Brand von Rom im Jahr 64 n. Chr. (Abb. 10), den Nero – laut der antiken Autoren – persönlich in Auftrag gegeben haben soll. Tac. schreibt: «Darauf ereignete sich ein Unglück, ob durch Zufall oder des Kaisers Hinterlist veranlaßt, ist ungewiß – Die Geschichtsschreiber haben beides berichtet. Jedenfalls war es schwerer und entsetzlicher als alles, was unsere Stadt durch des Feuers Gewalt getroffen hat. Es [das Feuer] brach in dem Teil [Gemeint ist das Viertel.] des Circus [Maximus] aus, der nach dem Palatinus und Caelius hin gelegen ist. (…) Dabei wagte es keiner, dem Feuer Einhalt zu tun, da viele Menschen dauernd Drohungen ausstiessen und alle Löschversuche verhinderten. Einige warfen ganz offen Feuerbrände und schrien, sie wüßten wohl, von wem sie Auftrag hätten. Entweder wollten sie nur hemmungslos plündern oder handelten wirklich auf Befehl.

Nero war damals in Antium und kehrte nicht eher nach Rom zurück, als bis sich das Feuer seinem eigenen Haus näherte (…). Dennoch konnte nicht verhindert werden, daß der Kaiserpalast [Domus Transitoria], die Gebäude und ihre ganze Umgebung vom Feuer verzehrt wurden. Um das obdachlose und flüchtige Volk zu beruhigen, überließ ihm Nero das Marsfeld und die Bauten des Agrippa. Er ließ sogar seinen eigenen Park öffnen und Baracken errichten, um die hilflose Menge aufzunehmen. Auch wurden aus Ostia und den Nachbarorten Lebensmittel herbeigeschafft. Der Preis des Getreides wurde auf drei Sesterzen herabgesetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema der memoria damnata am Beispiel Neros und Diskussion der negativen Rezeptionsgeschichte sowie der methodischen Herangehensweise an die antiken Quellen.

Vorstellung der wichtigsten Quellen: Kritische Analyse der antiken Autoren Flavius Iosephus, Tacitus, Sueton, Cassius Dio, Aurelius Victor und Eusebius hinsichtlich ihrer senatorischen oder christlichen Perspektive.

Senatorische «Geschichtsschreibung»: Untersuchung der rhetorisch-künstlerischen Gestaltung der Geschichtswerke und deren Zweck als Instrument des aristokratischen Machterhalts.

Das Verhältnis zwischen Kaisertum und Senat seit Augustus: Beleuchtung der strukturellen Abhängigkeiten zwischen dem Kaiserhaus und der Aristokratie im Prinzipat.

Republikanische Tugenden als Blaupause für einen «guten» Kaiser: Definition des antiken Herrscherideal durch Tugenden wie Pietas, Liberalitas, Modestia und Clementia.

Das damnierte positive Nero-Bild: Untersuchung der verschollenen Gegendiskurse und der Hinweise auf eine ursprünglich positivere Wahrnehmung Neros.

Ursache und Grund des negativen Nero-Bilds: Analyse der mutmaßlichen Beweggründe für die Diffamierung und der Rolle des Muttermords bei der Konstruktion des negativen Herrscherbildes.

Das negative Nero-Bild der postneronischen Autoren: Darstellung der Vorwürfe gegen Nero, wie die Auflösung von Standesgrenzen und die Einführung unrömischer Sitten.

Die Topoi des negativen Nero-Bilds: Einzelfallanalyse und De-Konstruktion der Kernvorwürfe Inzest, Verschwendungssucht, Brandstiftung und Christenverfolgung.

Schluss: Zusammenfassende Einordnung der literarischen abolitio nominis als Prozess der jahrhundertelangen Stigmatisierung und Appell zu einem differenzierten historischen Blick.

Schlüsselwörter

Nero, memoria damnata, abolitio nominis, römische Antike, Senat, Prinzipat, Tacitus, Sueton, Christenverfolgung, Brandstifter, Historiographie, Propaganda, Herrschertugenden, Domus Aurea, antike Rezeptionsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, warum und wie der römische Kaiser Nero in der Geschichtsschreibung als Tyrann dargestellt wurde und wie seine memoria damnata literarisch konstruiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der senatorischen Geschichtsschreibung, der Konstruktion von Herrscheridealen und der Dekonstruktion antiker Vorwürfe gegen das Kaiserhaus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Gründe für die systematische Diffamierung Neros durch postneronische Autoren zu ergründen und aufzuzeigen, wie diese historischen Darstellungen bis heute die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, bei der antike Texte (Historiographie und Biographie) sowie archäologische Befunde einander gegenübergestellt werden, um die Stichhaltigkeit der Vorwürfe zu prüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Verhältnis von Kaiser und Senat, die Rolle republikanischer Tugenden, die Ursachen für die negative Bildkonstruktion sowie spezifische Topoi wie Inzest und Brandstiftung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind memoria damnata, abolitio nominis, Nero, römische Kaiserzeit, Historiographie, Quellenkritik und Antike.

Inwieweit lässt sich das "positive" Bild Neros rekonstruieren?

Dies ist schwierig, da die entsprechenden Quellen verloren gingen; dennoch belegen Graffiti aus Pompeji, Münzprägungen und zeitgenössische Dichtungen, dass ein positives Bild existierte, das jedoch systematisch verdrängt wurde.

Ist der Vorwurf der Christenverfolgung historisch belegbar?

Die Untersuchung zeigt, dass Tacitus die einzige Quelle für eine unmittelbare Verknüpfung von Brand und Christenverfolgung ist und dass diese Darstellung aus historischer Sicht auf stark tönernen Füßen steht.

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die literarische abolitio nominis des Nero
Untertitel
Gründe einer Diffamierung
Hochschule
Universität Basel  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,0
Autor
Nicolas Ströhla (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2024
Seiten
58
Katalognummer
V1507162
ISBN (PDF)
9783389101964
ISBN (Buch)
9783389101971
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nero abolitio nominis memoria damnata damnatio memoriae Gedächtnisstrafe römische Kaiser Sueton Cassius Dio Tacitus Tertullian Eusebius von Caesarea Melito von Sardes Vergil Seneca Petronius Agrippina Augustus Kaiser Nero Kaiser Augustus Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus Ritteradel Senatsadel Senat Senatoren Ritterschaft römischer Senat Aurelius Victor Marcus Aurelius Eutropius Orosius Christenverfolgung Brand von Rom Plinius der Ältere Plutarch Nerobefehl Flavius Iosephus Publius Cornelius Tacitus Caius Suetonius Tranquillus Lucius Cassius Dio Sextus Aurelius Victor Geschichtsschreibung Biographie Historiographie pietas Frömmigkeit liberalitas Grosszügigkeit TApferkeit virtus militaris militärische Tapferkeit modestia Sprasamkeit Milde clementia De clementia Gastmahl des Trimalchio cena trimalchionis Peter Ustinov Quo vadis? Hollywood Sandalenfilm Aeneis Antiquitates Iudaicae Ilias Latina Carmina Einsidlensia Einsiedler Gedichte Carmen Einsidlensia II De bello iudaico Titus Calpurnius Siculus Claudius Trajan Publius Sulpicius Scribonius Rufus Publius Sulpicius Scribonius Proculus Vestalinnen Neronia domus aurea Poppaea Sabina Neropoppaenses Akte Nero-Münzen Nero-Graffiti Muttermord Inzest crudelitas Grausamkeit luxuria Verschwendungssucht Habgier avaritia Frechheit petulantia Wolllust libido Philosophenverschwörung Gaius Calpurnius Piso auctoritas Autorität Tabula Larinas Gladiator venatio Tierhatz Iuvenalia gymnasium Claudia Octavia Arvalen-Kommentare fratres Arvales Marcus Cluvius Rufus Fabius Rusticus Vitellius Caligula Iupitersäule Historia romana Liber de Caesaribus Publius Baebius Italicus Jüdische Altertümer Selbstbetrachtungen Historien Historiae Kaiserviten Annalen Publius Vergilius Maro Alexander Bätz Werner Eck Marcus Junkelmann Julian Krüger Panegyrik Beate Merfeld Holger Sonnabend Jürgen Merten römische Geschichtsschreibung Jörg Rüpke Mischa Meier Namensauslöschung
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Nicolas Ströhla (Autor:in), 2024, Die literarische abolitio nominis des Nero, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1507162
Blick ins Buch
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