Das Tagebuch des Esaïe Colladon ist eine sprachhistorisch ausgesprochen ergiebige Primärquelle mit hohem objektiven Erkenntnisgewinn für die französische Sprachgeschichte. Es ist repräsentativ für den sehr bewegten Teilausschnitt der Genfer Lokalgeschichte und erlaubt als 'Geschichte von unten‘ bemerkenswerte Einblicke in die Alltagsgeschichte einer religiös diskriminierten Bevölkerungsgruppe. Das Manuskript, das nicht für eine Publikation bzw. die breite Masse gedacht war, hatte ganz offensichtlich weder stilistische noch wissenschaftliche Ansprüche und ist folglich ein wichtiges Dokument, das dazu beiträgt, das zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Genf, also der Peripherie der westlichen Eidgenossenschaft, gesprochene Französische zu rekonstruieren, eine Art Puzzlestück, das sich in das größere sprachliche Gesamtbild des vorklassischen Französischen (1500-1650) einfügt und dieses in vielfacher Weise korrigiert bzw. vervollständigt. Der Einfluss des Frankoprovenzalischen auf den Wortschatz Colladons ist hierbei beachtlich.
Inhaltsverzeichnis
Zum Autor des Tagesbuches
Zum historischen Kontext des Tagebuches
Zur kritischen Textausgabe (2022)
Wortschatzstudie
Synthese
Lexikalischer Index
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit widmet sich einer detaillierten Wortschatzstudie des Genfer Tagebuchs (1600-1609) von Esaïe Colladon. Ziel ist es, das sprachgeschichtliche Potenzial dieses Manuskripts zu erschließen, indem Besonderheiten der vorklassischen französischen Sprache im regionalen Kontext analysiert und semantische sowie lexikalische Phänomene dokumentiert werden.
- Analyse semantischer Archaismen und "faux amis" im historischen Kontext.
- Erfassung fachsprachlicher Wörter sowie lexikalischer und semantischer Neologismen.
- Untersuchung semantischer und lexikalischer Regionalismen.
- Darstellung diachron belegter Wörter und deren Bedeutungswandel.
Auszug aus dem Buch
admodier / admodier verbe trans.
« Et alors les dismes furent amodiez par les ministres dudit bailliage par l’advis de Messieurs de Geneve, tendans à ce but que l’exercice de la Religion y fut maintenu. » [1601/191] ; « […] menaçans de mettre la messe en toutes les terres de Chapitre mesmes à Jussy et pource qu’aussi ils en admodioyent les dismes. » [1601/192] FEW 6/3, 13a (MŎDIUS) : fr. admodier v. a. ‘donner à ferme’ (BeaumCout-Trévoux 1771), amodier (seit Cotgrave 1611).
Zusammenfassung der Kapitel
Zum Autor des Tagesbuches: Biografische Skizze des Autors Esaïe Colladon, der als Mediziner, Lehrer und Ratsherr in Genf tief in das politische und religiöse Leben der Stadt eingebunden war.
Zum historischen Kontext des Tagebuches: Erläuterung der geopolitischen und konfessionellen Situation Genfs zu Beginn des 17. Jahrhunderts, insbesondere das Spannungsfeld zwischen der Republik und dem Herzogtum Savoyen.
Zur kritischen Textausgabe (2022): Würdigung der editorischen Arbeit von Patrice Delpin und Erläuterung zur Entdeckung und Textgrundlage des Manuskripts.
Wortschatzstudie: Detaillierte lexikalische Analyse ausgewählter Begriffe unter Einbezug historischer und synchroner Wörterbücher.
Synthese: Zusammenfassende Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich des sprachhistorischen Potenzials und der Bedeutung der Quelle für die Vorklassik.
Lexikalischer Index: Alphabetische Auflistung aller analysierten Begriffe.
Schlüsselwörter
Esaïe Colladon, Genf, Tagebuch, 17. Jahrhundert, Vorklassik, Französische Philologie, Sprachgeschichte, Lexikographie, Regionalismus, Archaismen, Religionsgeschichte, Savoyer, Escalade, Reformierte Kirche.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema dieses Buches?
Die Arbeit analysiert sprachgeschichtliche Aspekte der im Genfer Tagebuch von Esaïe Colladon verwendeten französischen Sprache zwischen 1600 und 1609.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Tagebuch ab?
Das Tagebuch befasst sich vornehmlich mit dem politischen Konflikt zwischen der Republik Genf und dem Herzogtum Savoyen, dem Alltag der Bevölkerung und der religiösen Situation in der Region.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Erforschung des sprachgeschichtlichen Potenzials des Manuskripts und die lexikografische Aufarbeitung des darin enthaltenen Wortschatzes.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung erfolgt durch eine systematische lexikalische Analyse, die historische Wörterbücher wie das FEW sowie philologische Kommentare zur Einordnung der Begriffe nutzt.
Was bietet der umfangreiche Lexikalischer Index?
Er fungiert als detailliertes Verzeichnis, das jeden analysierten Begriff aus dem Tagebuch im Kontext zitiert und sprachgeschichtlich einordnet.
Warum ist dieses Tagebuch als Quelle bedeutend?
Als nicht für die Veröffentlichung konzipiertes Manuskript liefert es unverfälschte Einblicke in die zeitgenössische Volkssprache und die regionalen Normen im vorklassischen Genf.
Welche Rolle spielt die "Escalade" im Tagebuch?
Die Escalade von 1603 stellt als traumatisches historisches Ereignis einen thematischen Schwerpunkt dar, der im Tagebuch einen beachtlichen Raum einnimmt.
Wie bewertet die Arbeit die kritische Textausgabe von 2022?
Der Autor bezeichnet die Ausgabe von Patrice Delpin als "wahres Meisterwerk" und bedeutende Bereicherung für die Erforschung protestantischer Glaubensflüchtlinge.
- Arbeit zitieren
- Volker Mecking (Autor:in), 2024, Wortgeschichtliche Studien zum Genfer Tagebuch (1600-1609) des Esaïe Colladon (1562-1611), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1507281