Der Nahostkonflikt ist der Dauerkonflikt schlechthin, der Nahe Osten die Krisenregion. Das
Interesse der deutschen Öffentlichkeit an dieser Problematik scheint, gemessen an der Fülle
von Literatur und medialen Angeboten, ziemlich hoch zu sein. So überrascht es nicht, dass im
Mai dieses Jahres, als der Staat Israel sein 60- jähriges Bestehen feierte, die Medien von
unterschiedlichsten Beiträgen zu diesem Thema regelrecht überflutet wurden.
Dabei fällt auf, dass der Nahost- Konflikt selbst ziemlich detailliert dargestellt wird, nicht
jedoch seine Ursachen. Diese werden, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt.
Es ist allgemein bekannt, dass die Wurzeln der Gewalt im historisch begründeten Anspruch
sowohl der Juden als auch der Palästinenser auf das Heilige Land liegen. Beide Parteien
verbindet mit dem seit 3.000 Jahren umkämpften Palästina nicht weniger, als die Geschichte
ihres Volkes. Schon ca. 1.000 v.Ch. beherrschten israelische Stämme erst unter König Saul,
dann unter David und Salomo das Gebiet. Doch das Zepter der Macht wechselte ständig den
Besitzer. Nach den Assyrern kamen die Babylonier, die Perser, dann Alexander der Große,
die Ptolemäer, die Seleukiden und schließlich die Römer. Um 600 n.Ch. kamen muslimische
Araber, 400 Jahre später christliche Kreuzritter, danach die Türken.
Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob Israelis oder Palästinenser zuerst im Heiligen Land
waren, kaum zu beantworten, die Urahnen beider Völker kaum zu finden. Und doch wird oft
versucht, gerade hier nach Legitimität und Anrecht zu graben.
Dabei sind für den Nahost- Konflikt und die arabisch- israelischen Kriege, für die
Terroranschläge und die Vergeltungspolitik weniger die jahrtausendealten Konstellationen,
sondern vielmehr die Ereignisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidend.
Diese Ereignisse, die in der Entstehungsgeschichte Israels zu finden sind, sollen den
Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. Ihr Ziel ist es, einen kleinen Beitrag zum besseren
Verständnis des Nahostkonflikts, und insbesondere auch seines Ursprungs, zu leisten.
Die Phase, in der die Keime für die nicht enden wollenden Auseinandersetzungen zwischen
Israelis und Palästinensern gesät wurden, beginnt mit der Entstehung des politischen
Zionismus und endet mit dem ersten Arabisch- Israelischen Krieg. Deshalb wird diesen
beiden Themen im Folgenden besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Wegen der stark polarisierenden Thematik soll in dieser Arbeit auch auf den Forschungsstand
eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die erste Alija (1881-1903) und der »Alte Jischuv«
3. Die Geburt des politischen Zionismus
3.1 »Der Judenstaat« von Theodor Herzl
3.2 Erster Zionistenkongress und die zweite Alija (1904–1914)
3.3 Die Zionistische Weltorganisation (ZWO)
4. Erster Weltkrieg und die Balfour- Deklaration
4.1 Die Hussein- McMahon- Korrespondenz und das Sykes- Picot- Abkommen
4.2 Die Situation des Jischuv im Ersten Weltkrieg
4.3 Die Balfour- Deklaration
4.4 Die Pariser Friedenskonferenz und das Übereinkommen zwischen Weizmann und Feisal
5. Das britische Mandat über Palästina
6. Innere Auseinandersetzungen und die jüdische Selbstverteidigung
6.1 Die Ausschreitungen gegen Juden 1920
6.2 Die Unruhen von 1929
7. Erste jüdische Selbstverwaltungsorgane, die Histadrut und die Jewish- Agency
8. Die dreißiger Jahre
8.1 Die Flucht aus Europa
8.2 Die arabische Revolte 1937 und die Peel- Kommission
8.3 Die Stärkung der Hagana und die Bildung des Irgun
8.4 Die St. James’s- Konferenz und das Weißbuch 1939
9. Der Zweite Weltkrieg
9.1 Das Biltmore- Programm und der Holocaust
9.2 Der Großmufti von Jerusalem bei Adolf Hitler
9.3 Die Jüdische Brigade
9.4 Konflikte zwischen der zionistischen Führung und der Mandatsregierung
10. Der Teilungsplan der Vereinten Nationen
11. Der Unabhängigkeitskrieg und die Proklamation des Staates Israel
11.1 Der Beginn des Ersten Arabisch- Israelischen Krieges
11.2 Der Abzug der Briten
11.3 Die Proklamation des Staates Israel
11.4 Die erste Waffenruhe und die Waffenstillstandsverträge
11.5 Die Beurteilung des Krieges in der Forschung
12. Das Flüchtlingsproblem
13. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen Ereignisse und die komplexen Entstehungsbedingungen des Staates Israel von der Entstehung des politischen Zionismus bis zum Ende des ersten Arabisch-Israelischen Krieges. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die ideologischen Visionen der zionistischen Bewegung, die Interessen der Mandatsmacht Großbritannien und der wachsende Konflikt mit der arabischen Bevölkerung in der Gründung des Staates Israel mündeten.
- Ursprünge und theoretische Grundlagen des politischen Zionismus (Theodor Herzl).
- Die Rolle Großbritanniens und das Mandatssystem im Nahen Osten.
- Die Entwicklung jüdischer Selbstverwaltungsorgane und Verteidigungsstrukturen im Jischuv.
- Ursachen und Auswirkungen der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern.
- Die Auswirkungen des Holocaust auf die zionistische Politik und internationale Anerkennung.
Auszug aus dem Buch
3.1 »Der Judenstaat« von Theodor Herzl
Im Dezember 1894 wurde Alfred Dreyfus, ein jüdischer Hauptmann des französischen Generalstabes, der Spionage für das Deutsche Reich bezichtigt und von einem französischen Militärgericht zu lebenslänglicher Verbannung auf die Teufelsinsel in Französisch- Guyana verurteilt. Das regelwidrige Verfahren und seine antisemitischen Tendenzen werden in der Fachliteratur als ein Wendepunkt der Geschichte der Juden in Europa bezeichnet. Die Dreyfus- Affäre soll Theodor Herzl, der als Korrespondent der „Wiener Neuen Presse“ in Paris tätig war und Augenzeuge und Berichterstatter der folgenschweren Ereignisse wurde, zutiefst erschüttert haben. Sie wird als Auslöser für seine zionistische Tätigkeit angesehen.
Herzl erkannte, „dass es hier nicht um die Verurteilung eines x- beliebigen Offiziers, sondern um die Schuldzuweisung gegenüber einem »Juden« ging.“ Aufgrund dessen sah er ein weiteres Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Europa als unmöglich an, da seiner Meinung nach eine Basis des gegenseitigen Verständnisses und gegenseitiger Duldung fehlte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Nahostkonflikt als andauerndes Krisenphänomen und benennt die Entstehungsgeschichte Israels als Kernbereich der Forschungsarbeit.
2. Die erste Alija (1881-1903) und der »Alte Jischuv«: Analysiert die Anfänge der jüdischen Einwanderungswellen und das Leben der bereits ansässigen jüdischen Gemeinschaft unter osmanischer Verwaltung.
3. Die Geburt des politischen Zionismus: Behandelt die ideologische Fundierung durch Theodor Herzl und die Etablierung des Zionismus als organisierte politische Bewegung.
4. Erster Weltkrieg und die Balfour- Deklaration: Beleuchtet die widersprüchlichen Versprechungen Großbritanniens an Juden und Araber während des Ersten Weltkriegs.
5. Das britische Mandat über Palästina: Untersucht die Etablierung der britischen Herrschaft und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung gegensätzlicher Interessen.
6. Innere Auseinandersetzungen und die jüdische Selbstverteidigung: Dokumentiert die Eskalation der Gewalt in den 1920er Jahren und die Gründung der Hagana.
7. Erste jüdische Selbstverwaltungsorgane, die Histadrut und die Jewish- Agency: Beschreibt den Aufbau jüdischer Institutionen, die das Fundament für eine staatliche Selbstverwaltung legten.
8. Die dreißiger Jahre: Analysiert den Einfluss des europäischen Antisemitismus und die Zunahme militanter arabischer Widerstandsbewegungen.
9. Der Zweite Weltkrieg: Untersucht den Einfluss des Holocaust auf die zionistische Strategie und die Rolle Palästinas während des Krieges.
10. Der Teilungsplan der Vereinten Nationen: Analysiert die Entscheidung der UN zur Teilung Palästinas und deren internationale Hintergründe.
11. Der Unabhängigkeitskrieg und die Proklamation des Staates Israel: Beschreibt den Übergang von gewaltsamen Unruhen zum offenen Krieg und die Staatsgründung 1948.
12. Das Flüchtlingsproblem: Erörtert die massenhafte Vertreibung und Flucht der Palästinenser als eine unmittelbare Folge des Krieges.
13. Fazit: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet den aktuellen Forschungsstand zum israelisch-arabischen Konflikt.
Schlüsselwörter
Israel, Palästina, Zionismus, Nahostkonflikt, Mandatszeit, Balfour-Deklaration, Jischuv, Staatsgründung, Arabisch-Israelischer Krieg, Flüchtlingsproblem, Theodor Herzl, Hagana, Großbritannien, Vereinte Nationen, Histadrut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die historische Genese des Staates Israel und die Ursprünge des Nahostkonflikts, fokussiert auf die Zeit zwischen der Entstehung des politischen Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts und dem ersten Arabisch-Israelischen Krieg nach 1948.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen die zionistische Ideologie, die britische Mandatspolitik, der Konflikt zwischen jüdischen Einwanderern und der arabischen Bevölkerung sowie die geopolitischen Interessen der Großmächte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Entstehungsgeschichte einen Beitrag zum besseren Verständnis des Nahostkonflikts und dessen Ursprüngen zu leisten, unter Einbeziehung kritischer historischer Forschung.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und einer kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Gründungsmythen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den ersten Einwanderungswellen und der Entwicklung des politischen Zionismus über die Weltkriegsereignisse und das britische Mandat bis hin zum Unabhängigkeitskrieg und der Flüchtlingsproblematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zionismus, Palästina-Mandat, Staatsgründung, Nahostkonflikt, Teilungsplan und Flüchtlingsproblematik sind die zentralen Begriffe.
Wie bewertet der Autor die Rolle des britischen Mandats?
Die Mandatspolitik wird als konfliktreich beschrieben, geprägt von widersprüchlichen Versprechungen und Großmachtpolitik, die letztlich zur weiteren Eskalation zwischen den Bevölkerungsgruppen beitrug.
Welche Rolle spielte die Balfour-Deklaration für die zionistische Bewegung?
Sie gilt als einer der wichtigsten politischen Erfolge der Zionisten, da sie internationale Anerkennung für das Ziel einer jüdischen Heimstätte in Palästina bot, wenngleich ihre genaue Auslegung umstritten blieb.
Wie wird die Entstehung des palästinensischen Flüchtlingsproblems eingeordnet?
Der Autor ordnet die Flucht als absehbare Folge der jüdischen Siedlungspolitik und des darauf folgenden Krieges ein und beleuchtet die Rolle verschiedener Akteure, ohne einfache Schuldzuweisungen zu treffen.
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- Valeria Nadel (Author), 2008, Die Gründung des Staates Israel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150755