Die Ursachen des Konflikts zwischen Heinrich II. und Boleslaw I. Chrobry


Seminararbeit, 1997

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Ursache des Konfliktes – Der Merseburger Überfall

3. Zusammenfassung

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

5. Abkürzungen

1. Einleitung

Der Konflikt zwischen dem deutschen König Heinrich II. und dem Polenherzog Boleslaw I. Chrobry zog sich, mit Unterbrechungen, über fünfzehn Jahre hin.[1] Die ‚Polenkriege‘ Heinrichs II., die eine deutliche Umkehr der Ostpolitik des Königs im Gegensatz zu der seines Vorgängers Otto III. bedeuteten, stießen bei seinen Zeitgenossen, nicht nur wegen Heinrichs Bündnis mit den heidnischen Liutizen, auf wenig Zustimmung. Als es schließlich im Januar 1018 nach wechselhaftem Verlauf durch die Vermittlung sächsischer Fürsten in Bautzen zu einem dauerhaften Frieden kam, war Boleslaw der eigentliche Sieger. Zwar sind die Bedingungen des Friedensvertrages nicht bekannt, doch geht man davon aus, dass der Polenherzog die Lausitz und das Milsener Land als Lehen behielt. Das Entscheidende aber war, dass Boleslaw I. Chrobry sich dem König nicht hatte unterwerfen müssen.[2]

Während der Verlauf des Konfliktes durch die aufschlussreichste Quelle für diese Zeit, die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg, hinreichend bekannt ist, herrscht in Bezug auf den Auslöser keine einheitliche Meinung. Auch heute noch gibt es Historiker, die Boleslaw als „überspannten Eroberer“[3] sehen oder hinter seiner Handlungsweise eine antiimperiale oder antideutsche Motivation vermuten und nationale Aspekte in den Vordergrund stellen.[4] Die Arbeiten von H. Ludat haben dagegen bewiesen, dass der nationale Aspekt höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt hat.[5] Auch die Ergebnisse der Memorialforschung, die genauere Angaben zum Umfang der sächsischen Adelsopposition gegen Heinrich II. während dieser Zeit ermöglichen, widerlegen den nationalen Aspekt der Auseinandersetzung.[6]

Ein anderer Teil der Forschung sieht die Ursachen des Konfliktes in der Weigerung des Polenherzogs, dem deutschen König für Böhmen zu huldigen.[7]

Die Ergebnisse der Ritualforschung jedoch, die sich mit den ‚ungeschriebenen Gesetzen‘ des Mittelalters befasst und herausgearbeitet hat, wie wichtig z.B. die Ehre für einen mittelalterlichen Fürsten war und welchen Gesetzmäßigkeiten Verlauf und Beendigung einer Fehde unterlagen, ermöglichen eine andere Sichtweise auf die Ursachen des Konflikts. Sieht man die Ursache für die Auseinandersetzung zwischen Heinrich II. und Boleslaw Chrobry nämlich schon in einem früheren Ereignis, nämlich in dem Überfall auf das Gefolge des Polenherzogs in Merseburg 1002, ergibt sich auch für das, was Thietmar von Merseburg über die Geschehnisse des Frühjahrs 1003 berichtet, eine andere Erklärungsmöglichkeit.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll hier gezeigt werden, dass ein Bruch der ungeschriebenen Gesetze des politischen Miteinanders im Mittelalter Auslöser eines solches Konfliktes sein konnte und dass es sich dabei um eine Fehde zwischen den deutschen König und dem Polenherzog, der sich in der Ehre verletzt fühlte, gehandelt hat. Die maßgebliche Literatur hierzu sind verschiedene Arbeiten von Gerd Althoff, die sich mit Ritualen und ‚ungeschriebenen Gesetzen‘ des Mittelalters befassen.

2. Die Ursache des Konfliktes – Der Merseburger Überfall

Nach der Ermordung des Markgrafen Ekkehard von Meißen am 30. April 1002 in Pöhlde besetzte Boleslaw Chrobry die dem Markgrafen Gero unterstehende Lausitz und das Milsener Land. Dass er bei diesen Aktionen auf keinen Widerstand stieß, lässt vermuten, dass er im Einvernehmen mit den Ekkehardinern handelte. In diese Richtung deuten auch die 1002 geschlossene Ehe zwischen Boleslaws Tochter Reglindis und Hermann, dem Sohn Ekkehards von Meißen, sowie das Zusammenwirken des Polenherzogs und seines Schwagers Gunzelin bei der Einnahme von Meißen.[8]

H. Ludat hat ausgeführt, dass das rasche Handeln Boleslaw Chrobrys in der ungewissen Situation nach Ekkehards Tod sowohl für die Wahrung der Interessen des Polenherzogs aber vor allem auch der mit ihm verbündeten Ekkehardiner von Nöten war. Ekkehard von Meißen hatte erbitterte Feinde unter den sächsischen Adligen, die nun, nach seinem Tod, die Stellung des Geschlechts gefährden konnten.[9]

Laut Thietmar von Merseburg hatte Boleslaw Chrobry den sächsischen Großen versichert, die Besetzung des Gebietes sei cum gratia Heinrici ducis ac licencia geschehen.[10] Thietmar scheint diesen Worten keinen Glauben geschenkt zu haben, doch bleibt zu berücksichtigen, dass er Boleslaw sehr feindlich gesinnt war. Es ist aber durchaus möglich, dass Boleslaw Chrobrys Versicherung der Wahrheit entsprach und Heinrich, im Bemühen um die Königskrone, den mächtigen Polenherzog und seine sächsischen Verbündeten so auf seine Seite ziehen wollte.[11] Wenn dem allerdings so war, wurde Boleslaw Chrobry beim Hoftag in Merseburg, wo er zusammen mit den sächsischen Großen dem neuen König huldigte, enttäuscht. Denn dort erhielt er zwar die Lausitz und das Milsener Land als Lehen, Meißen aber, um das er sich sehr bemüht hatte, erhielt Gunzelin.

Nach dieser ersten Trübung des Verhältnisses zwischen Heinrich II. und Boleslaw Chrobry kam es dann zu den Ereignissen, die zum Bruch zwischen den beiden führten. Thietmar von Merseburg berichtet ausführlich darüber:

[...]


[1] Zum Verlauf der ‚Polenkriege‘ siehe Hirsch, Heinrich II., Bd. 1-3, passim.

[2] Zur Bedeutung der Unterwerfung als Beendigung eines Konfliktes siehe Althoff, Königsherrschaft und Konfliktbewältigung, in: FMSt 23, S. 276-277; Althoff, Verwandte, Freunde und Getreue, S. 171-172.

[3] Vgl. Conze, Ostmitteleuropa, S. 45-47; der gleichen Ansicht ist Herrmann, Welt der Slawen, S. 239-249.

[4] Vgl. Lippelt, Thietmar von Merseburg, S. 170; Claude, Geschichte des Erzbistums Magdeburg, S. 170; Schieffer, Umprägung des Geschichtsbildes, in: DA 8, S. 386.

[5] Vgl. Ludat, Zwischen Elbe und Oder, S. 82; ders., Reichspolitik und Piastenstaat, in: Saeculum 14, S. 325-339.

[6] Siehe Althoff, Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, S. 104-121.

[7] Vertreter dieser These sind u.a. Ludat, An Elbe und Oder, S. 80; J. Hoensch, Geschichte Polens, S. 21-22.

[8] Vgl. Ludat, An Elbe und Oder, S. 19, 28-29, 79 sowie Anm. 462; ders., Reichspolitik und Piastenstaat, S. 335.

[9] Ebd., S. 27-28.

[10] Thietmar von Merseburg, Chronik, V, 10, S. 233.

[11] Boleslaws Verbündetem, dem Markgrafen Heinrich von Schweinfurt, hatte Heinrich II. aus diesem Grund die bayrische Herzogswürde versprochen, sein Versprechen aber dann mit einer fadenscheinigen Ausrede gebrochen; siehe dazu: Thietmar von Merseburg, Chronik, V, 14, S. 206-209: Da ließ nun Graf Heinrich, der Sohn Bertholds und meiner Tante, durch hervorragende Männer aus dem Heerbann für sich um Belehnung mit dem Herzogtum Baiern nachsuchen, die ihm längst fest zugesagt sei; er hatte bisher den König getreulich bei seinen Bemühungen zur Erlangung der Königswürde unterstützt, glaubte aber nun, eine leichte Entfremdung seines Herrn zu bemerken. Der König soll ihnen folgendermaßen geantwortet haben: „ Wißt ihr nicht, daß es auf diesem Zuge unmöglich ist, weil die Baiern schon immer das Recht freier Herzogwahl besitzen? Nun kann man sie nicht plötzlich zurücksetzen und das seit alters verbürgte Recht ohne ihre Zustimmung brechen. (…)“ (Übersetzungen zitiert nach der FSGA-Ausgabe).

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Details

Titel
Die Ursachen des Konflikts zwischen Heinrich II. und Boleslaw I. Chrobry
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Autor
Jahr
1997
Seiten
14
Katalognummer
V150770
ISBN (eBook)
9783640622221
ISBN (Buch)
9783640622825
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich II., Ritualgeschichte, Hochmittelalter, Boleslaw I. Chrobry
Arbeit zitieren
M.A. Martina Kleinau (Autor), 1997, Die Ursachen des Konflikts zwischen Heinrich II. und Boleslaw I. Chrobry, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150770

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