Das Hamburger Modell zur Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde und die empirischen Arbeiten von Frehsee u. a. zur Wirkung von Recht im Kontext familialer Gewalt - Ein Vergleich


Essay, 2008

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Abgabedatum: 03.03.2008

Dieser Essay soll der Frage nachgehen, inwieweit der Autor Frehsee und seine Forschungsmitarbeiter bei ihren Studien zur Wirkung und Steuerung von Recht im Kontext familialer Gewalt die Erkenntnisse des Hamburger Modells zur Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde berücksichtigen. Der Einfachkeit halber ist im Weiteren immer von Frehsee die Rede; seine Mitwirkenden sind dabei ebenfalls gemeint. Es soll herausgestellt werden, welche Teile bzw. Variablen des Modells Frehsee einbezogen hat und welche fehlen. Aus dem Ergebnis dieser Zusammenschau kann abgeleitet werden, welche Tragweite die Erkenntnisse der empirischen Arbeiten von Frehsee haben bzw. welche nicht untersuchten Bereiche Anlass zu Einschränkungen geben.

Zunächst wird das Modell von Giese/Runde grob skizziert. Sodann wird der Bezug zu den empirischen Arbeiten von Frehsee hergestellt. Hier gehe ich auf die einzelnen Punkte des Modells, besonders die in den Arbeiten von Frehsee fehlenden Teile, detaillierter ein. Zum Abschluss ziehe ich ein Fazit des Vergleichs.

Das Hamburger Modell der Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde

Das Modell basiert auf einem Mehrebenen-Ansatz, der das Handeln von Rechtsadressaten in einem rechtlichen Handlungsfeld aus mehreren Perspektiven erklären kann. Das Modell wird damit der Komplexität und Multifaktoralität der Wirkung von Recht in der Alltagswelt von Rechtsadressaten gerecht.

Im Zentrum des Modells steht das Verhalten von Rechtsadressaten in einem definierten Handlungsbereich. Um dieses Verhalten zu erklären, werden die nicht-rechtlichen Wirkfaktoren in Augenschein genommen. Diese Faktoren sind unterteilt in zwei Ebenen, die Makro- und die Mikro-Ebene. Die Makro-Ebene unterteilt sich in den Kommunikationskontext und den Möglichkeiten- bzw. Restriktionskontext, die Mikroebene stellt die Situationsdefinitionen, die Präferenzen, die Alternativenbewertung und daraus resultierend das letztendliche Verhalten der Adressaten dar.

Die Makroebene wirkt über Kontexteffekte auf die genannten Teile der Mikroebene ein, das Verhalten der Rechtsadressaten beeinflusst über Rückwirkungseffekte wiederum die Makroebene (vgl. Giese/Runde 1999: 30).

Dieses Modell ermöglicht es, Wirkungen und Einflusssphären von Recht zu identifizieren, für empirische Untersuchungen Dimensionen zu formen und diese zum Zwecke der Messbarkeit zu operationalisieren.

Beurteilung der empirischen Arbeiten von Frehsee u. a.:

1. Die Studie: Jugendliche als Rechtssubjekte. Die Bedeutung und der Gebrauch von Recht im Kontext innerfamilialer Gewalt.

Frehsee nimmt bei seinen Forschungen grundsätzlich an, dass Rechtswirkung bereits mit der Thematisierung von Recht eintritt. So genannte Thematisierungsschwellen können dabei entgegenstehen. Er beruft sich rechtssoziologisch auf die Systemtheorie von Luhmann, die besagt, dass Recht über seine normative Präsenz wirkt und entscheidende Orientierungsmuster für den sozialen Kontakt bereithält (vgl. Drücker/Frehsee, In: H. Hof/G. Lübbe-Wolff (Hrsg.) 1999: 331).

Frehsee berücksichtigt von der Makro-Ebene her weder den Kommunikationskontext noch den Möglichkeiten- bzw. Restriktionskontext in seiner Studie. In der Befragung gibt er den Jugendlichen Situationsbeschreibungen vor, um zu erfahren, ob die Jugendlichen in so einer Situation ihre Rechte thematisieren, also wie sie sich verhalten bzw. handeln würden (vgl. Drücker/Frehsee, In: H. Hof/G. Lübbe-Wolff (Hrsg.) 1999: 332 ff.). Die Einbeziehung der Makro-Ebene mit ihren Kontextarten wäre aber mit Sicherheit von einiger Wichtigkeit, um das Antwortverhalten der Jugendlichen näher zu beleuchten. In Bezug auf den Möglichkeiten-/Restriktionskontext wäre u. a. zu hinterfragen, ob die befragten Jugendlichen etwaigen sozialen, infrastrukturellen, normativen oder Wissensrestriktionen unterliegen. So wäre es beispielsweise möglich, dass einige Jugendliche um ihre Rechte gar nicht Bescheid wissen oder keine geeigneten Ansprechpartner kennen. Dies würde ihre Möglichkeiten zur Thematisierung von Recht erheblich schmälern. In Bezug auf den Kommunikationskontext wäre es z. B. wichtig zu erfahren, welcher Sozialschicht die Jugendlichen angehören, welche Werte und Normen sie vertreten und welche Persönlichkeitseigenschaften sie besitzen (vgl. Giese/Runde 1999: 20-22). Vielleicht ließen sich hier signifikante neue Erkenntnisse erzielen.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Hamburger Modell zur Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde und die empirischen Arbeiten von Frehsee u. a. zur Wirkung von Recht im Kontext familialer Gewalt - Ein Vergleich
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Wirkung von Recht
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
7
Katalognummer
V150830
ISBN (eBook)
9783640622306
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hamburger Modell (Runde/Giese), Familiäre Gewalt, Rechtswirkungsforschung
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagoge Falk Arians (Autor), 2008, Das Hamburger Modell zur Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde und die empirischen Arbeiten von Frehsee u. a. zur Wirkung von Recht im Kontext familialer Gewalt - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150830

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