Der Essay geht der Frage nach, inwieweit die Studien zur Wirkung und Steuerung von Recht im Kontext familialer Gewalt von Frehsee die Erkenntnisse des Hamburger Modells zur Rechtswirkungsforschung von Giese und Runde berücksichtigen. Es wird herausgestellt, welche Teile bzw. Variablen des Hamburger Modells Frehsee einbezogen hat und welche fehlen. Aus dem Ergebnis dieser Zusammenschau kann abgeleitet werden, welche Tragweite die Erkenntnisse der empirischen Arbeiten von Frehsee haben bzw. welche nicht untersuchten Bereiche Anlass zu Einschränkungen geben.
Inhaltsverzeichnis
Das Hamburger Modell der Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde
Beurteilung der empirischen Arbeiten von Frehsee u. a.:
1. Die Studie: Jugendliche als Rechtssubjekte. Die Bedeutung und der Gebrauch von Recht im Kontext innerfamilialer Gewalt.
2. Die Studie: Die Bedeutung des Rechts in Familien. Der Rechtsstatus von Kindern und Gewalt gegen Kinder
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieses Essays ist die kritische Untersuchung der Arbeiten von Frehsee zur Wirkung von Recht bei familialer Gewalt, indem diese an dem theoretischen Mehrebenen-Modell von Giese/Runde gemessen werden, um bestehende Lücken in der empirischen Erfassung von Rechtswirkungen aufzuzeigen.
- Vergleichende Analyse soziologischer Rechtswirkungsmodelle
- Anwendung des Mehrebenen-Ansatzes (Makro- und Mikro-Ebene)
- Erforschung der Thematisierung von Recht im Kontext häuslicher Gewalt
- Bedeutung von Kontextfaktoren und Entscheidungsprozessen bei Rechtsadressaten
- Kritische Reflexion der methodischen Reichweite empirischer Studien
Auszug aus dem Buch
Das Hamburger Modell der Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde
Das Modell basiert auf einem Mehrebenen-Ansatz, der das Handeln von Rechtsadressaten in einem rechtlichen Handlungsfeld aus mehreren Perspektiven erklären kann. Das Modell wird damit der Komplexität und Multifaktoralität der Wirkung von Recht in der Alltagswelt von Rechtsadressaten gerecht.
Im Zentrum des Modells steht das Verhalten von Rechtsadressaten in einem definierten Handlungsbereich. Um dieses Verhalten zu erklären, werden die nicht-rechtlichen Wirkfaktoren in Augenschein genommen. Diese Faktoren sind unterteilt in zwei Ebenen, die Makro- und die Mikro-Ebene. Die Makro-Ebene unterteilt sich in den Kommunikationskontext und den Möglichkeiten- bzw. Restriktionskontext, die Mikroebene stellt die Situationsdefinitionen, die Präferenzen, die Alternativenbewertung und daraus resultierend das letztendliche Verhalten der Adressaten dar.
Die Makroebene wirkt über Kontexteffekte auf die genannten Teile der Mikroebene ein, das Verhalten der Rechtsadressaten beeinflusst über Rückwirkungseffekte wiederum die Makroebene (vgl. Giese/Runde 1999: 30).
Dieses Modell ermöglicht es, Wirkungen und Einflusssphären von Recht zu identifizieren, für empirische Untersuchungen Dimensionen zu formen und diese zum Zwecke der Messbarkeit zu operationalisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Das Hamburger Modell der Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde: Dieses Kapitel skizziert den theoretischen Mehrebenen-Ansatz, der zur Erklärung der Wirkung von Recht auf individuelle Rechtsadressaten durch die Berücksichtigung von Mikro- und Makro-Ebenen dient.
1. Die Studie: Jugendliche als Rechtssubjekte. Die Bedeutung und der Gebrauch von Recht im Kontext innerfamilialer Gewalt.: Hier wird untersucht, wie Frehsees Studie die theoretischen Anforderungen des Modells erfüllt und wo sie durch eine zu starke Fokussierung auf die Mikro-Ebene methodische Defizite aufweist.
2. Die Studie: Die Bedeutung des Rechts in Familien. Der Rechtsstatus von Kindern und Gewalt gegen Kinder: Dieses Kapitel analysiert eine weitere Untersuchung von Frehsee und kritisiert, dass trotz der Erfassung von Rechtswissen und Verhaltensintentionen die komplexen Wechselwirkungen der Kontextebenen unzureichend berücksichtigt werden.
Schlüsselwörter
Rechtswirkungsforschung, Mehrebenen-Ansatz, Giese/Runde, Frehsee, familiale Gewalt, Makro-Ebene, Mikro-Ebene, Rechtsthematisierung, Rechtsadressaten, Handlungsentscheidung, Kontexteffekte, Systemtheorie, Rechtssoziologie, Wirkfaktoren, Empirische Sozialforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit vergleicht das theoretische Hamburger Modell der Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde mit empirischen Studien von Frehsee zum Thema Gewalt in der Familie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Wirksamkeit von Recht im privaten Raum, der Entscheidungsprozess von Rechtsadressaten und die soziologische Erfassbarkeit rechtlicher Steuerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, ob und wie die empirischen Arbeiten von Frehsee die theoretischen Anforderungen des Mehrebenen-Modells berücksichtigen und welche Erkenntnislücken durch die Vernachlässigung bestimmter Variablen entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-vergleichende Analyse, bei der ein normatives Modell als Maßstab für die Bewertung durchgeführter empirischer Untersuchungen herangezogen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert zwei spezifische Studien von Frehsee, bewertet deren Design anhand der Konzepte von Giese/Runde und identifiziert fehlende Berücksichtigungen von Kontextfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rechtswirkungsforschung, Mehrebenen-Modell, familiale Gewalt, Rechtsadressaten und soziale Kontexteffekte.
Warum kritisiert der Autor die Vernachlässigung der Makro-Ebene bei Frehsee?
Die Vernachlässigung der Makro-Ebene führt dazu, dass wichtige Einflussfaktoren wie soziale Schichtung, Werte, Normen und Wissensrestriktionen nicht in die Erklärung des Verhaltens einfließen können.
Wie bewertet der Autor den Nutzen von Frehsees Befunden?
Der Autor stuft den Nutzen der empirischen Befunde von Frehsee als stark eingeschränkt ein, da die Oberflächlichkeit der Analyse eine fundierte Erklärung des Antwortverhaltens der Befragten verhindert.
- Quote paper
- Diplom-Pädagoge Falk Arians (Author), 2008, Das Hamburger Modell zur Rechtswirkungsforschung von Giese/Runde und die empirischen Arbeiten von Frehsee u. a. zur Wirkung von Recht im Kontext familialer Gewalt - Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150830