Lernen unterliegt gegenwärtig einer starken Veränderung, nachdem der konventionelle Unterricht in „Schieflage“ geraten ist, wie uns die Ergebnisse aus den Bildungsstudien PISA oder TIMSS seit gut zehn Jahren suggerieren. Nicht ein Wissens-, sondern ein Könnensdefizit wurde deutschen Schülern attestiert, wodurch belegt wird, dass reiner Wissensadaption im Sinne traditioneller Lehre die Nachhaltigkeit fehlt. Somit müssen neue Zugänge zum Lernen geschaffen werden, die sich in der Vorgabe nach einer umfassenden Handlungskompetenz seitens der Politik und Berufswelt manifestieren. Das künftige Wissen ist nicht mehr vorhersehbar, weshalb ein dynamisches Modell des Weiter-, Um- und Neulernens entwickelt werden muss. Wesentliche Bedeutung erhält das selbstgesteuerte Lernen. Doch verbirgt sich dahinter eine Gefahr: Wie komme ich als Lehrer mit meinen Schülern auf einen guten Pfad des Lernens, dass sie sich ihrer Lernstrategien bewusst werden und tatsächlich selbstständig arbeiten, um auf das „lebensbegleitende Lernen“ hinzuwirken? Maßnahmen zur Förderung von selbstgesteuertem Lernen müssen bisweilen als Desiderat betrachtet werden.
Wesentlich ist, dass im Kraftzentrum von schulischer Bildung nicht mehr der Inhalt, sondern das Lernen als persönliches Erfahren, Erleben und Interpretieren steht. Das setzt voraus, dass für die Zielverfolgung einer bestimmten Lernproblematik nicht mehr einzig ein allgemeinverbindlicher Weg in einem engen Lernkorridor begehbar ist, weshalb dem Schüler geholfen werden muss, ihm einen individuellen Zugang zu ermöglichen. Dieses Recht wird ihm qua Gesetz zugebilligt, denn jedes Individuum lernt unter identischen Umgebungsvariablen verschieden, da es je durch einen anderen Denk- bzw. Lernstil geprägt ist. Gleichzeitig muss die Verschiedenheit von Schülern nicht als Problem, sondern als Reichtum betrachtet werden – wenn für das Verstehen ein kommunikativer Austausch gewährleistet ist.
Gelingt es dauerhaft, den Schüler mit seiner Biographie zu fokussieren, die von eigenen Vorkenntnissen, Motivationen und intellektuellen Fähigkeiten getragen wird , so kann er sich in einem nächsten Schritt seiner Verantwortung bei seinen Entscheidungen und Handlungen für sich und der Gesellschaft bewusst werden. Um diesem Anspruch zu genügen, müssen Instrumente vorliegen, sodass in der aktuellen Lehr-Lernforschung das Lerntagebuch als probates Mittel diskutiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemaufriss
1.1 Veränderte Herausforderungen von schulischer Bildung
1.2 Etwas mehr Metakognition, bitte?! Bestandsaufnahme des eigenen Unterrichts
2 Perspektiven meines Vorhabens
2.1 Was sagt die Lernforschung? Selbstgesteuertes Lernen und Konstruktivismus als theoretisches Fundament einer neuen Lernkultur
2.2 Der Weg ist das Ziel – Bühne frei für: Das Lerntagebuch
2.2.1 Die Funktionen von Lerntagebüchern
2.2.2 Die Arten von Lerntagebüchern
2.3 Meine Möglichkeiten als angehender Lehrer
2.4 Ableitung der Konzeptualisierung
3 Handlungskontext für die Umsetzung meines Vorhabens
3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen von Schule
3.2 Wir sind eben noch nicht soweit! Selbstgesteuertes Lernen im Schulalltag
3.2.1 Ein Meinungsbild zum Lernverständnis in der Lerngruppe „Informationstechnische Assistenten“
3.2.2 Lehrergespräche: Welche Kollegen setz(t)en Lerntagebücher ein?
3.3 Institutionelle Voraussetzungen
4 Schritte zum Einsatz eines Lerntagebuchs
4.1 Einführung vor dem Hintergrund des Meinungsbildes
4.1.1 Die Erwartungshaltung der Schüler
4.1.2 Der Mehraufwand für alle Beteiligten
4.1.3 Noten als Geißel schulischer Bildung
4.1.4 Aufwertung des Lernprozesses
4.1.5 Fremd- und Selbstregulation auf dem Kontinuum selbstgesteuerten Lernens
4.1.6 Das Selbstbewusstsein stärken, das Lernen klären
4.1.7 Kooperativer Austausch über Lernprozesse
4.2 Gelingensbedingungen eines Lerntagebuchs auf einen Blick
4.2.1 Die Seite 0
4.2.2 Kommentare durch den Lehrer
4.3 Lerntagebuch im Web 2.0 – Der Weblog
5 Reflexion – Was war, was ist, was wird…
5.1 Erdung der Problemstellung hinsichtlich meiner Funktion als Lehrer
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung einer fundierten Konzeption zur Einführung von Lerntagebüchern, um das selbstgesteuerte Lernen innerhalb der Lerngruppe der „Informationstechnischen Assistenten“ am Berufskolleg gezielt zu fördern. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie dieses Instrument unter Berücksichtigung des spezifischen Lernverständnisses der Schüler sowie der institutionellen Rahmenbedingungen erfolgreich implementiert werden kann, um eine neue Lernkultur zu etablieren.
- Theoretische Fundierung von selbstgesteuertem Lernen und Konstruktivismus.
- Analyse des Ist-Zustands des Lernverständnisses bei Informationstechnischen Assistenten.
- Entwicklung von Strategien für den Einsatz von Lerntagebüchern im Unterricht.
- Integration digitaler Medien (Weblogs) als moderne Form der Lerndokumentation.
- Bewertung der Gelingensbedingungen für eine nachhaltige Implementierung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Veränderte Herausforderungen von schulischer Bildung
Lernen unterliegt gegenwärtig einer starken Veränderung, nachdem der konventionelle Unterricht in „Schieflage“ geraten ist, wie uns die Ergebnisse aus den Bildungsstudien PISA oder TIMSS seit gut zehn Jahren suggerieren. Nicht ein Wissens-, sondern ein Könnensdefizit wurde deutschen Schülern attestiert, wodurch belegt wird, dass reiner Wissensadaption im Sinne traditioneller Lehre die Nachhaltigkeit fehlt. Somit müssen neue Zugänge zum Lernen geschaffen werden, die sich in der Vorgabe nach einer umfassenden Handlungskompetenz seitens der Politik und Berufswelt manifestieren. Das künftige Wissen ist nicht mehr vorhersehbar, weshalb ein dynamisches Modell des Weiter-, Um- und Neulernens entwickelt werden muss.
Wesentliche Bedeutung erhält das SGL: „However, most people, most organisations, simply do not know how to learn. SRL contains the potential to bypass learning dysfunctions.” Doch verbirgt sich dahinter eine Gefahr: Wie komme ich als Lehrer mit meinen Schülern auf einen guten Pfad des Lernens, dass sie sich ihrer Lernstrategien bewusst werden und tatsächlich selbstständig arbeiten, um auf das „lebensbegleitende Lernen“ hinzuwirken? Maßnahmen zur Förderung von SGL müssen bisweilen als Desiderat betrachtet werden.
Wesentlich ist, dass im Kraftzentrum von schulischer Bildung nicht mehr der Inhalt, sondern das Lernen als persönliches Erfahren, Erleben und Interpretieren steht. Das setzt voraus, dass für die Zielverfolgung einer bestimmten Lernproblematik nicht mehr einzig ein allgemeinverbindlicher Weg in einem engen Lernkorridor begehbar ist, weshalb dem Schüler geholfen werden muss, ihm einen individuellen Zugang zu ermöglichen. Dieses Recht wird ihm qua Gesetz zugebilligt, denn jedes Individuum lernt unter identischen Umgebungsvariablen verschieden, da es je durch einen anderen Denk- bzw. Lernstil geprägt ist. Gleichzeitig muss die Verschiedenheit von Schülern nicht als Problem, sondern als Reichtum betrachtet werden – wenn für das Verstehen ein kommunikativer Austausch gewährleistet ist. Gelingt es dauerhaft, den Schüler mit seiner Biographie zu fokussieren, die von eigenen Vorkenntnissen, Motivationen und intellektuellen Fähigkeiten getragen wird, so kann er sich in einem nächsten Schritt seiner Verantwortung bei seinen Entscheidungen und Handlungen für sich und der Gesellschaft bewusst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemaufriss: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, angesichts der PISA- und TIMSS-Ergebnisse das selbstgesteuerte Lernen zu fördern und die Rolle des Lerntagebuchs als Instrument für den Unterricht zu prüfen.
2 Perspektiven meines Vorhabens: Dieses Kapitel verankert das Lerntagebuch theoretisch im Konstruktivismus und erläutert dessen Funktionen als Mittel zur Prozessreflexion für den Lernenden.
3 Handlungskontext für die Umsetzung meines Vorhabens: Hier wird der spezifische Kontext der Lerngruppe der „Informationstechnischen Assistenten“ untersucht, wobei insbesondere die institutionellen Voraussetzungen und Einstellungen der Schüler durch eine Befragung analysiert werden.
4 Schritte zum Einsatz eines Lerntagebuchs: Der praktische Teil beschreibt detailliert, wie ein Lerntagebuch unter Berücksichtigung von Schülererwartungen, Notenfreiheit und digitaler Medien als Weblog eingeführt werden kann.
5 Reflexion – Was war, was ist, was wird…: Das abschließende Kapitel reflektiert die Rolle des Lehrers und diskutiert die Herausforderungen bei der Implementierung einer neuen Vertrauenskultur im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Lerntagebuch, Selbstgesteuertes Lernen, Konstruktivismus, Informationstechnische Assistenten, Lernprozess, Reflexion, Weblog, Individualisierung, Berufskolleg, Handlungskompetenz, Lerncoaching, Leistungsbeurteilung, Medienkompetenz, Schulentwicklung, Förderdiagnose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Implementierung von Lerntagebüchern als Instrument zur Förderung des selbstgesteuerten Lernens bei Schülern des Bildungsgangs „Informationstechnische Assistenten“ an einem Berufskolleg.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der lernpsychologischen Fundierung, der Ist-Analyse des Lernverständnisses der Zielgruppe, didaktischen Strategien zur Einführung des Instruments und der Nutzung digitaler Formate wie Weblogs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine praxisnahe Strategie zu entwickeln, um Schüler zu einer bewussten Reflexion über ihren eigenen Lernprozess anzuleiten, ihre Eigenverantwortung zu stärken und damit langfristig ihre Handlungskompetenz zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erhebung angewendet?
Zur Bestandsaufnahme wurde eine quantitative Befragung mittels der Software GrafStat durchgeführt, um ein Meinungsbild der Schüler zu ihrem Lernverhalten und ihrer Einstellung zu traditionellen Lerninstrumenten zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Nutzen und die Funktionen des Lerntagebuchs expliziert. Zudem werden die notwendigen Einführungsschritte und Gelingensbedingungen diskutiert, einschließlich der besonderen Anforderungen bei der Arbeit mit Online-Weblogs.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Publikation charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Lerntagebuch, selbstgesteuertes Lernen, Reflexion, Lernprozessbegleitung, Konstruktivismus und Schulentwicklung beschreiben.
Welche Rolle spielt die digitale Umsetzung via Weblog in diesem Konzept?
Der Weblog dient als moderne, webbasierte Variante des Lerntagebuchs, die aufgrund der hohen Affinität der Zielgruppe zu Informationstechnologien besonders motivierend wirkt und interaktive Möglichkeiten zur Lernprozessdokumentation bietet.
Wie soll der problematische Zusammenhang von Notengebung und Lerntagebuch gelöst werden?
Der Autor argumentiert stark für eine strikte Trennung zwischen dem Lerntagebuch als bewertungsfreiem Reflexionsinstrument und klassischen Leistungserhebungen, um eine offene Lern- und Vertrauenskultur zu ermöglichen.
- Quote paper
- Torsten Strecke (Author), 2009, Konzeption einer Einführung eines Lerntagebuchs auf der Grundlage des Lernverständnisses in der Lerngruppe „Informationstechnische Assistenten“ an einem Berufskolleg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150891