Die vorliegende Arbeit präsentiert die Hochschulsituation in der Russischen Föderation in den 90er Jahren.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen gewissen Einblick in das Studien- und Hochschulsystem der Russischen Föderation zu geben, die unterschiedliche Akzentsetzung in der Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftswertung Russlands hervortreten zu lassen. Darüber hinaus soll aufgezeigt werden, daß das Hochschulsystem der Russischen Föderation einen ganz anderen Hintergrund und ein ganz anderes Bauprogramm im Vergleich zu den westeuropäischen Ländern aufweist.
Inhaltsverzeichnis
1. Historischer Überblick
1.1 Gründungsphase
1.1.1 Die Gründung der Universität Moskau
1.1.2 Die Universitäten im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts
1.2 Die Universitäten unter Herrschaft Nikolaus I. 1825-1855
1.3 Die russischen Universitäten unter Alexander II. 1855-1881
1.4 Die Nachrevolutionszeit
1.5 Stalin – Ära und Zdanovcina
1.6 70er und 80er Jahre
2. Folgen der früheren Hochschuldeformation
3. Wandlungen im russischen Hochschulwesen in den 90er Jahren - die Hochschulen Rußlands vor neuen Herausforderungen
3.1 Private Hochschulgründungen
3.2 Staatliche Bildungsstandards
3.3 Das System der Lizensierung, Attestierung und Akkreditierung
3.3.1 Lizensierung
3.3.2 Akkreditierung
3.4 Einführung eines mehrstufigen Studiensystems
3.5 Die neue Autonomie der Hochschulen
3.5.1 Das neue demokratische Flair
3.5.2 Die Finanzautonomie
3.5.3 Die Erhebung der Studiengebühren
3.5.4 Die Übereignung von Grund und Boden
4. Gegenwärtiger Zustand und Entwicklungsprobleme der nichtstaatlichen Hochschulen in Rußland
4.1 Die Rechtsgrundlagen des nichtstaatlichen Hochschulsystems
4.2 Der Zustand der nichtstaatlichen Hochschulbildung
4.3 Aktuelle Probleme und Entwicklungstendenzen des nichtstaatlichen Hochschulwesens
5. Die Hochschulen in der Russischen Provinz
6. Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den tiefgreifenden Wandel des russischen Hochschulwesens in den 1990er Jahren, untersucht die historischen Hintergründe sowie die aktuellen Herausforderungen wie Finanzierungsprobleme, Autonomiebestrebungen und die Entstehung privater Bildungseinrichtungen angesichts des gesellschaftlichen Umbruchs.
- Historische Entwicklung des russischen Universitätssystems seit 1755
- Strukturelle Transformation und Folgen der früheren Hochschuldeformation
- Die Entstehung und der Stellenwert privater Hochschulgründungen
- Reformen bei staatlichen Bildungsstandards, Lizensierung und Akkreditierung
- Finanzielle Autonomie, Studiengebühren und die Krise der Provinzhochschulen
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Lizensierung
Die Lizensierung der Hochschule bedeutet Eingangskontrolle. Jede neue Hochschule muß vor der Aufnahme ihrer Arbeit diese Lizenz einholen. Voraussetzung ist die Registrierung als Hochschule bei den lokalen Behörden. Das Komitee überprüft im Rahmen der Lizensierung die Hochschulen auf ihre materiellen Bedingungen hin, prüft die Qualität der Gebäude, die Ausbildungsprogramme, die Kurse und die vorgesehene Methodik. (Vgl. DAAD; Studienführer, 1994, 24)
Durch die Expertenanalyse soll festgestellt werden, ob die Bildungseinrichtungen über die nötigen Bedingungen für die Ausbildung in Übereinstimmung mit den staatlichen Anforderungen verfügt. Besonders wichtig ist dabei das Vorhandensein einer bestimmten Zahl von habilitierten Professoren und promovierten Dozenten. (Vgl. Hochschulrektorenkonferenz: „Artikel 10, Verfahren für die Gründung und die Umstrukturierung von Hochschulen, die Lizensierung ihrer Tätigkeit und die Akkreditierung“ in: Russische Föderation, Föderales Gesetz über die höhere postgraduale berufliche Bildung, 2/1997, 21-23)
In der heutigen Situation bedeutet die Erstellung der Gutachten auch finanzielle Vorteile, weil jedes Gutachten einige Millionen Rubel kostet. Die zu lizensierende Bildungseinrichtung kann bei dem Verfahren, wie es jetzt praktiziert wird, nicht ganz sicher sein, ob das Gutachten von den besten Spezialiaten des Fachgebiets angefertigt wird. (Vgl. Svetlana Kibardina, in „Innovative Ausbildung – neue Eliten, Bildungsprozesse in Rußland“, 1997, 14)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historischer Überblick: Beleuchtet die Entwicklung der russischen Universitäten von der Gründung der Universität Moskau bis in die 1980er Jahre unter Berücksichtigung politischer Einflussnahme.
2. Folgen der früheren Hochschuldeformation: Analysiert die negativen strukturellen Auswirkungen der sowjetischen Hochschulpolitik auf Qualität, Forschung und Wissenschaftskultur.
3. Wandlungen im russischen Hochschulwesen in den 90er Jahren - die Hochschulen Rußlands vor neuen Herausforderungen: Untersucht die Kernveränderungen nach 1991, insbesondere Privatisierung, neue Bildungsstandards und das Akkreditierungssystem.
4. Gegenwärtiger Zustand und Entwicklungsprobleme der nichtstaatlichen Hochschulen in Rußland: Bewertet die rechtlichen Rahmenbedingungen, den aktuellen Stand und die spezifischen Schwierigkeiten privater Bildungseinrichtungen.
5. Die Hochschulen in der Russischen Provinz: Beschreibt die prekäre wirtschaftliche und soziale Lage der Hochschulen außerhalb der Metropolen, die von Verfall und Isolation geprägt ist.
6. Schlußbemerkung: Fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert die anhaltende Krise sowie den schwierigen Erneuerungsprozess des russischen Hochschulsystems.
Schlüsselwörter
Russische Föderation, Hochschulwesen, Bildungsreform, Perestrojka, Private Hochschulen, Akkreditierung, Lizensierung, Studiengebühren, Finanzautonomie, Universität Moskau, Wissenschaftssystem, Provinzhochschulen, Bildungspolitik, Transformationsprozess, Hochschulautonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und den Wandel des russischen Hochschulsystems in den 1990er Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die historische Genese der Universitäten, die Auswirkungen der sozialistischen Hochschuldeformation, die Einführung marktwirtschaftlicher Elemente und die aktuelle Krise des Sektors.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, einen Einblick in das Studien- und Hochschulsystem zu geben, die Spätschäden früherer Deformationen aufzuzeigen und die Herausforderungen der Transformation sowie der Privatisierung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine deskriptive und analysierende Zusammenfassung existierender Studien, Berichte und Rechtsdokumente aus dem Zeitraum des Umbruchs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Rückblick, eine Analyse der Folgen früherer Hochschulpolitik, die Untersuchung von Wandlungsprozessen in den 90ern sowie die spezifische Situation privater Einrichtungen und der Provinzhochschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hochschulwesen, Transformationsprozess, Finanzautonomie, Privathochschulen, Akkreditierung und die Krise der russischen Wissenschaft.
Welche spezifische Rolle spielt das "Telefonrecht" an russischen Hochschulen?
Das Telefonrecht beschreibt die informelle, korrupte Einflussnahme von Beamten oder Mächtigen, um Schützlinge unverdient an Studienplätze zu bringen oder Prüfungsresultate zu beeinflussen.
Wie wirken sich die gekürzten staatlichen Finanzierungen auf die Provinzhochschulen aus?
Sie führen zu einer schleichenden Katastrophe mit verfallender Infrastruktur, unbezahlbaren Lebenshaltungskosten für Dozenten, Lehrermangel und einer Isolation der Provinz von internationalen Standards.
- Quote paper
- Natalie Fedine (Author), 1999, Wandlungen im russischen Hochschulwesen in den 90er Jahren. Die Hochschulen Russlands vor neuen Herausforderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150951