Ausstellungsarbeit im Kunstunterricht

Zur Entwicklung der GALERIE TREPPENWERK am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung


Examensarbeit, 2000

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Autors

Einleitung

1. Die Bedeutung schulischer Galeriearbeit als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermittlung im Rahmen des Faches Kunsterziehung

2. Zwei Galerien - eine Konzeption. Die GALERIE TREPPENWERK am Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig und die Studiengalerie Fach Kunst an der Padagogischen Hochschule Ludwigsburg
2.1 Die Konzeption der Galerie Treppenwerk am Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermittlung
2.2 Ein Blick auf die Studiengalerie Fach Kunst an der Padagogischen Hochschule Ludwigsburg

3. Die Entstehungsgeschichte der GALERIE TREPPENWERK am Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig

4. Zum visuellen Erscheinungsbild der GALERIE TREPPENWERK

5. Statistische Erfassung der formalen Entwicklung der GALERIE TREPPENWERK in den Jahren 1996 bis 2000

6. Tabellarische Obersicht aller Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK innerhalb und auBerhalb des Institutes fur Kunstpadagogik 1995 - 2000

7. Kurzberichte zu den Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK 1995 - 2000
1/1 1. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „MITEINANDER - AUSEINANDER“
2/2 FINDLINGE - Internationale Kinderzeichnungen der funfziger Jahre
3/3 Einander begegnen - einander erfreuen. Eine Ausstellung von Forderschulen aus Leipzig und Eisleben
4/4 1. Ausstellung von Schulerarbeiten der Leistungskurse Kunst des Freistaates Sachsen
5/5 2. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „MIKRO - MAKRO“
6/6 DER BUNTE HUND und anderes ... Fur Kinder in den besten Jahren. Ausgewahlte Arbeiten aus dem Verlag Beltz & Gelberg
7/7 Farbengeister traumen laut. Ausstellung der BIP-Kreativitatsschulen Dresden, Leipzig und Zeitz
8/8 Hommage a Georg Maurer. Illustrationen von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik und Schulern der Listschule Leipzig
9/9 be----ob----achten. Objekte, Installationen, Aktion. StudentInnen des Bereichs Plastik stellen aus
10/10 3. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „PASSAGEN“
11/A1 STUFEN. Malerei und Grafik von Kunstpadagogikstudenten entstanden unter der Leitung von Renate Herfurth
12/11 Hans Dieter Junker. Cartoons 40 13/12 Studienergebnisse aus dem Wintersemester 1997/98. Arbeiten von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik
14/A2 Ausgewahlte Arbeiten von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik
15/13 Werbung in den neuen Bundeslandern 1996 - 1998. Fotografien von Wolf Winkler
16/14 Bilder zur Musik. Studierende des Institutes fur Kunstpadagogik zeigen Ergebnisse aus den ersten drei Workshops „Malen zu Musik“
17/A3 Bilder zur Musik. Studierende des Institutes fur Kunstpadagogik zeigen Ergebnisse aus den ersten drei Workshops „Malen zu Musik“
18/15 Von Anorte bis Wilfried. Ergebnisse aus dem Unterricht im Fach Kunsterziehung am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium Markkleeberg von Nancy Lindacher
19/16 4. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „DRUCKGRAFIK“
20/A4 Melange. Malerei und Grafik von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik
21/A5 MUSIK UND MALEREI. Ergebnisse von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik aus dem 4. Workshop „Malen zu Musik“
22/17 Werther Goethe! Ausstellung von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik anlasslich des 250. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe
23/A6 DIALOG MIT DER BIBEL. Arbeiten auf Papier von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik und der Theologischen Fakultat der Universitat Leipzig
24/18 „Mein Gott...“ Zeichnungen von religios und nicht religios erzogenen Kindern und Jugendlichen
25/A7 Ausgewahlte Arbeiten von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik
26/19 5. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „FOTOGRAFIE“
27/A8 Mitige. Malerei und Grafik von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik
28/20 Die 10o Worter des Jahrhunderts. 100 Buchdruck - Typografiken auf Einzelblattern von Claus Lorenzen
29/A9 DIALOG MIT DER BIBEL. Arbeiten auf Papier von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik und der Theologischen Fakultat der Universitat Leipzig
30/A10 Spurensuche - Alltag in Leipzig zur Zeit des Nationalsozialismus. Ausstellungsbeteiligung von Kunstpadagogikstudierenden
31/A11 DIALOG MIT DER BIBEL. Arbeiten auf Papier von Studierenden des Institutes fur Kunstpadagogik und der Theologischen Fakultat der Universitat Leipzig
32/A12 Johannes Gensfleisch Gutenberg. Studierende des Institutes fur Kunstpadagogik zeigen ihre Arbeiten anlasslich des 600. Geburtstages des Jahrtausendmannes und Erfinders der beweglichen Letter

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorwort des Autors

Die GALERIE TREPPENWERK sieht sich seit ihrem Bestehen als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermittlung in dreierlei Hinsicht.

Erstens wird die Galerie fur Schulerausstellungen genutzt. Daraus ergeben sich zum einen Motivationschancen fur die am Institut ausstellenden Kinder und Jugendlichen (und deren Kunsterzieherinnen und -erzieher), und zugleich geben die Exponate den Studie- renden auch Einblicke in Ergebnisse des Kunstunterrichts der Schuler und bieten Anlass zum fachdidaktischen Diskurs.

Zweitens findet eine Nutzung der Galerie fur Studentenausstellungen statt. So dient sie als Kommunikations- und Diskussionsforum fur die Studierenden und Lehrenden des Institutes fur Kunstpadagogik.

Drittens - und das ist besonders sinnvoll vor dem Anspruch, „den Kunstunterricht (...) als kunstlerische Bildung und als kunstanalogen Prozess“ (Regel 2008, S. 363f.) zu verste- hen - dient die Galerie als Ausstellungsplattform fur freischaffende Kunstlerinnen und Kunstler.

Der Kunstpadagoge und Kunsttheoretiker Diethard Herles (2007, S. 4-9) hat mit seiner Abhandlung „Medium Ausstellung als Aufgabe im Kunstunterricht“[1] explizit auf den hohen kunstpadagogischen Stellenwert der Ausstellungsarbeit aufmerksam gemacht, sofern die Schulerinnen und Schuler in die Aspekte der Ausstellungsgestaltung eingebunden wer- de.[2] So wird den Schulerinnen und Schulern mit dem Ausstellen eigener Gestaltungen eine aktive Teilnahme am offentlichen Leben der Schule ermoglicht. Ihnen wird dabei bewusst, dass ihre Exponate ein Mitteilungspotential besitzen, das eine weitere Kommu- nikation und Diskussion anregen kann.

Die vorliegende Arbeit unterstreicht Herles’ Auffassung vom „Medium Ausstellung [.] als Gestaltungsaufgabe“ (ebd., S. 5), die weitere kreative und kommunikative Aufgaben hinsichtlich der damit einhergehenden Medien- und Offentlichkeitsarbeit impliziert (vgl. ebd., S. 5).

Ich widme die vorliegende Veroffentlichung meiner wissenschaftlichen Arbeit im Fach Kunsterziehung an der Universitat Leipzig (2000) der Malerin und Grafikerin Renate Her- furth (1943-2009), die im Rahmen ihrer Lehrtatigkeit im Fachbereich Kunsterziehung am Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig die GALERIE TREPPENWERK seit 1995 kunstlerisch- und didaktisch-professionell sowie mit groBem Engagement leitete. Fur die vielen hilfreichen Hinweise und die Hilfe bei der retrospektiven Recharchearbeit zur Geschichte der damals 5-jahrigen GALERIE TREPPENWERK mit damals bereits 38 Ausstellungen sei ihr an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.

Mein Dank gilt zudem meinem Betreuer dieser Arbeit Prof. Dr. habil. Frank Schulz, der mir bei inhaltlichen Fragen zur Seite stand und mich in Kontakt mit Prof. Klaus Bushoff an der Padagogischen Hochschule Ludwigsburg gebracht hat, der mir zahlreiche Materialien zur dortigen studentischen Galerie zukommen lieB, wodurch eine Orientierungs- und Ver- gleichsebene zum Thema aufgebaut werden konnte.

Ein ganz personlicher Dank geht an meinen Opa Max Spengler (*1911), der die vorlie- gende Arbeit mit zahlreichen fundierten didaktischen Gesprachen vorangetrieben hat. Er war von 1945 bis 1976 als Lehrer und noch bis 1985 als Vertretungslehrer in Leipzig tatig.

Stefan Spengler Februar 2010

Einleitung

Hauptanliegen dieser Arbeit ist die Erstellung einer fortsetzbaren Dokumentationsreihe, in die alle Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK innerhalb und auBerhalb des Insti­tutes fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig retrospektiv resumierend aufgenommen werden sollen.

Diese Arbeit will damit einen Beitrag zum Erhalt der Entwicklungsgeschichte der GALE­RIE TREPPENWERK am Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig und gleich- zeitig einen Beitrag zur Bewahrung der im Jahr 2002 50jahrigen Institutsgeschichte leis- ten.

Die GALERIE TREPPENWERK bietet als spezifisches Forum kunstpadagogischer Ver- mittlung - als eine der] Eigenart des Faches entsprechende Moglichkeit kunstpadagogi­scher Ausbildung - Studierenden am Institut fur Kunstpadagogik die Gelegenheit zur Galeriearbeit. Die Konzeption der GALERIE TREPPENWERK ergibt sich aus der Not- wendigkeit schulischer Ausstellungsarbeit in Bezug auf die eigenen asthetisch- praktischen Arbeiten der Schuler. Dieser Anspruch setzt Kunsterzieher mit Kenntnissen uber Ausstellungsgestaltung voraus.

Ist in dieser Arbeit von schulischen Ausstellungen oder schulischer Galeriearbeit die Rede, sind damit - wie bereits angedeutet - Ausstellungen der eigenen asthetisch- praktischen Arbeiten der Schuler gemeint, wobei der eigenstandigen Konzipierung bzw. der Mitplanung und Mitgestaltung der Ausstellung seitens der Schuler besondere Bedeu- tung beigemessen werden muss.

Mit Blick auf eine Fachliteraturauswahl zum Kunstunterricht soll daher zunachst der Frage nachgegangen werden, inwieweit schulische Ausstellungsarbeit im Rahmen schulischer und auBerschulischer Offentlichkeit als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermitt- lung zu den Zielen des Kunstunterrichts und den allgemeinen Erziehungszielen beitragen kann.

Es ist festzustellen, dass es bezuglich einer solchen Ausstellungsgestaltung von Schulern - im Gegensatz zu den zahlreichen Abhandlungen zur „Museumspadagogik“ - nur sehr wenige allgemeine Abhandlungen gibt. Die drei Aufsatze von Irene Below, Axel von Crie- gern und Ludwig Zerull, die in der Zeitschrift KUNST+UNTERRICHT 52/1978 erschienen sind und auf die in dieser Arbeit auch Bezug genommen wird, sind aus meiner Sicht die einzigen Abhandlungen, die dieses Thema in ihrer Eigenart und Bedeutung fur Kunstun- terricht und Schule detailliert erfassen[1]. Ansonsten wird der schulischen Ausstellungsges­taltung - abgesehen von einer uberschaubaren Zahl veroffentlichter Ausstellungsbeispiele der durch Schuler konzipierten Ausstellungen eigener Gestaltungen[1] - leider meist nur am Rande Beachtung geschenkt.

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden zwei Studiengalerien konzeptionell vorgestellt: die GALERIE TREPPENWERK am Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig, die aus der Bedeutung der schulischen Ausstellungsgestaltung und der Eigenart des Faches Kunsterziehung resultiert und die Studiengalerie Fach Kunst an der Padagogischen Hochschule Ludwigsburg, die in ihrer Konzeption gleichgesetzt werden konnen.

Nach der „gedanklichen Kurzreise“ an die Padagogische Hochschule Ludwigsburg wird der Entstehungsgeschichte der GALERIE TREPPENWERK nachgegangen.

Im darauf folgenden Kapitel wird das visuelle Erscheinungsbild der Galerie vorgestellt, das mit der Offentlichkeitsarbeit der Galerie und des Institutes im Zusammenhang steht.

Bevor zur Dokumentation der einzelnen Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK innerhalb und auBerhalb des Institutes fur Kunstpadagogik ubergegangen wird, soll die formale Entwicklung der GALERIE TREPPENWERK in den Jahren 1996 bis 2000 statis- tisch erfasst werden. Es sollen dabei Informationen sichtbar gemacht werden, die Anzahl und Art der Ausstellungen innerhalb und auBerhalb des Institutes fur Kunstpadagogik wahrend dieser funf Jahre verdeutlichen.[2]

1. Die Bedeutung schulischer Galeriearbeit als spezifisches Forum kunstpadago- gischer Vermittlung im Rahmen des Faches Kunsterziehung

„Wie es die Aufgabe der Dichtung ist, Gedanken in uns zu erzeugen, die der Musik, Ge- fuhle auszudrucken oder hervorzurufen, so soil die Malerei erheben! Ein Bildwerk soil etwas erzahlen und dem Beschauer zu denken geben, so gut wie eine Dichtung, und ihm den Eindruck machen, wie ein Tonstuck.“ (Arnold Bocklin zit. nach Oestrich 1968, S. 2)

So, wie im Schulfach Musik eine musikalische Auffuhrung fur Schuler einen Hohepunkt ihrer vorangegangenen vorbereitenden Anstrengungen darstellt, verhalt es sich auch mit einer selbst organisierten Schulerausstellung der eigenen praktischen Arbeiten im Fach Kunsterziehung, das als einziges Fach den Schulern weitreichendes praktisch-kreatives Arbeiten ermoglicht.

Die schulischen Lehrplane enthalten - wenn auch nur als kurze Anmerkungen - die Aus- stellungsgestaltung als Bestandteil des Faches Kunsterziehung.

So bezeichnet der Lehrplan fur Gymnasien die „Prasentation von Arbeitsergebnissen in Ausstellungen und Galerien“ als „Bestandteil des kulturellen Lebens an der Schule und in der Offentlichkeit“ (Lehrplan Gymnasium - Kunsterziehung 1992, S. 8, vgl. auch S. 13). Auch der Lehrplan fur Grundschulen weist auf die Gestaltung einer Ausstellung mit eige­nen Arbeiten hin (vgl. Lehrplan Grundschule - Kunsterziehung 1992, S. 13).

Diese Erfassung im Lehrplan ist anzuerkennen, m. E. aber nicht konkret genug. Erfreulich ist, dass bereits an einer Vielzahl von Schulen Ausstellungen dieser Art bestehen. Sol- chen Ausstellungen und Prasentationen darf jedoch nicht nur die Funktion der Schul- hausgestaltung im Sinne einer Schulhausverschonerung zuerkannt werden, wie das sowohl aus der Sicht der Lehrer, der Eltern und nicht zuletzt der Schuler teilweise leider noch der Fall sein durfte. Irene Below bemangelte bereits 1978, also vor uber 20 Jahren, an der Ausstellungspraxis von Schulerarbeiten aus dem Kunstunterricht, dass die bildne- rischen Produkte der Schuler nicht von vornherein fur einen Ausstellungszusammenhang konzipiert, sondern von den Fachlehrern als Unterrichtsergebnisse ausgewahlt, zusam- mengestellt und der Offentlichkeit zuganglich gemacht worden waren (vgl. Below 1978, S. 65). „Nicht die zufallig im Schulfundus vorhandenen Bilderrahmen und Vitrinen sollten mit Schulerarbeiten bestuckt werden; ...“ (Zerull 1978, S. 37) Die Schulerausstellung selbst muss von allen Kunsterziehern als bedeutsamer Unterrichtsgegenstand und alter- nativer Unterrichtsort erkannt werden, wobei sich die Wichtigkeit schulischer Galeriearbeit - die die Galeriegestaltung auRerhalb des Schulhauses einschlieRt und der besondere Beachtung geschenkt werden sollte - aus den Zielen des Kunstunterrichts ergibt. Anders ausgedruckt kann Ausstellungsgestaltung als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermittlung einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung fachdidaktischer und grundlegend erzieherischer Zielstellungen leisten, wie:

- Anregung zur Gestaltung und Reflexion, bezogen auf die eigene praktische Arbeit und die ihrer Mitschuler
- Entfaltung von Urteilsvermogen und Sensibilisierung fur visuelle Informationen aller Art (vgl. GRUNEWALD 1982, S. 10)
- zielgerichtetes Arbeiten in der Gruppe, wobei Kommunikation, Diskussion, Mitteilungs- und Kritikfahigkeit sowie Kritikaufnahmebereitschaft bei gleichzeitiger gegenseitiger Tole- ranz gefordert werden konnen (vgl. Kneile/Kiesel 1996, S. 124)
- Forderung der Sozialisation (vgl. Zerull 1978, S. 37)
- „... Uberbruckung der Kluft zwischen Lernen im Klassenzimmer und der komplexen Alltagswirklichkeit“ (Criegern 1978, S. 42), wobei die „Schuler erfahren, dass durch Ausstellungen Welt in die Schule hereingeholt werden kann“ (Zerull 1978, S. 37) bzw. ein Weg in Richtung auRerschulische Offentlichkeit erschlossen werden kann.

Eine solche Ausstellungsarbeit kann m. E. den von Gunter Otto im Kunstunterricht gefor- derten „Zusammenhang von Entdecken und Sammeln, von Handeln und Reflektieren, von Machen, Erinnern und Vergleichen, den Zusammenhang und seine Perspektive auf neues Sehen, auf Entdeckungen“ (Otto 1998, S. 74) unterstutzen. Im Hinblick auf eine bevor- stehende, selbst zu gestaltende Ausstellung, auf ein Ausstellungsereignis bzw. eine Aus- stellungseroffnung und hinsichtlich des Ausstellungsverlaufes soll nachfolgend verallge- meinert gezeigt werden, dass dieser Zusammenhang durch den Kunstunterricht, der die Ausstellungsgestaltung zum Gegenstand macht, gefordert werden kann.

Die Schuler durchlaufen zunachst einen Suchprozess, bei dem sie nach geeigneten Materialien und bildnerischen Ausdrucks- und Gestaltungsweisen Ausschau halten, die der inhaltlichen Vorgabe der zu organisierenden oder mit zu gestaltenden Ausstellung entsprechen konnten. Eine moglichst groRe Auswahl in dieser Richtung muss vom Lehrer angeboten werden, wobei die Schuler aber auch auf schon Bekanntes zuruckgreifen konnen.

Wahrend der Ausstellungsplanung werden die Schuler auf verschiedene Prasentations- moglichkeiten stoRen bzw. auf diese vom Fachlehrer hingewiesen, aus denen sie eine dem Anliegen der Ausstellung entsprechende Prasentationsform auswahlen mussen, wodurch das Gesprach, das Kritik- und Urteilsvermogen und die Vertraglichkeit von Kritik des Einzelnen in der Gruppe, die zur Wahl des endgultigen Ausstellungsdesigns fuhren, gefordert werden. Der Kunsterzieher muss dabei eine beratende Funktion einnehmen und darauf achten, dass die auszustellenden Gestaltungen im richtigen MaR ausgewahlt werden, um beispielsweise eine visuelle Uberforderung des Ausstellungsbetrachters zu vermeiden (vgl. Wilhelm 1988, S. 8).

Eine bevorstehende Ausstellung wird in den Gedanken der Schuler wahrend ihrer asthe- tisch-praktischen Arbeit einen besonderen Motivationsfaktor darstellen. Sie werden teil- weise von selbst und vor Beendigung ihrer Gestaltungen[1] uber ihre eigenen Arbeiten und die der Mitschuler noch wahrend deren Entstehung und nach ihrer Fertigstellung diskutie- ren, wobei eine solche Reflexion auch noch Auswirkungen auf die Endfassung ihrer Ges­taltungen haben kann. Damit wird m. E. die von Axel von Criegern formulierte Forderung, dass das den Unterricht im Rahmen der Asthetischen Erziehung bestimmende Prinzip der Wechselwirkung von Produktion und Reflexion auch in die Ausstellung hinein verlangert wirken solle (vgl. Criegern 1978, S. 43), schon durch die Eigenart der Ausstellungsges- taltung erfullt. Ebenso kann die vollendete Ausstellung an ihr beteiligte und unbeteiligte Schuler auch auBerhalb des in der Regel zweistundigen Kunstunterrichts - beispielsweise in Pausen und Freistunden - zum reflexiven Gesprach uber ihre Arbeiten anregen. Die Aussage von Constanze Kirchner und Gunter Otto uber die Begegnung mit Kunstwerken: gemeinsames Sinnstiften rege zur Kommunikation und Diskussion an und fordere Aus- tausch, Verstandigung und Meinungsaustausch (vgl. Kirchner/Otto 1998, S. 8f.), ist m. E. auf die Begegnung der Schuler mit Arbeiten aus dem Kunstunterricht ihrer Klassen- bzw. Schulkameraden ohne weiteres ubertragbar.

Mit Recht konnen die an der Ausstellungsgestaltung beteiligten Schuler stolz auf ihre ausgestellten Ergebnisse sein, wobei sich die Einzelleistung mit der Gruppenleistung verbindet und die Entwicklung ihres Selbstwertgefuhls gefordert wird (vgl. Zerull 1978, S. 37). Aus der Sicht der Schuler stellt die Teilnahme an der mitgestalteten Ausstellung m. E. sowohl eine Wertschatzung ihrer in den ausgestellten Arbeiten mitgeteilten Absichten und Interessen, als auch eine Mitteilungsmoglichkeit gegenuber einer schulischen oder auBerschulischen Offentlichkeit dar. So kann sich - besonders in Bezug auf auBerschuli- sche Ausstellungen - beispielsweise bei Anwesenheit der an der Ausstellung beteiligten Schuler bei der Ausstellungseroffnung die Chance ergeben, Reaktionen eines breitge- streuten Rezipientenkreises unmittelbar zu erleben und personlich Stellung zu beziehen (vgl. Schneyder 1981, S. 45).

Die Schuler lernen an der eigenen Ausstellungsarbeit die mit der Museumsarbeit verbun- denen Schwierigkeiten kennen und achten (vgl. Philippi 1984, S. 57). Dadurch kann es auch gelingen, das Interesse der Schuler fur zukunftige Museumsbesuche, fur Kunst uberhaupt und damit auch fur Kunstunterricht nachhaltig zu motivieren und zu sensibilisie- ren.

Dies kann mit Hilfe einer allgemeineren Aussage John Deweys bezuglich des Erfahrungs- zuwachses fundiert werden: „Erfahrung verandert denjenigen, der sie macht, wahrend diese Veranderung ihrerseits wieder die Qualitat der folgenden Erfahrungen beeinfluBt.“ (John Dewey, zitiert nach Kirchner/Otto 1998, S. 5).

Aber auch auf einige nicht unmittelbar an der Ausstellung beteiligte Schuler kann eine Ausstellung der eigenen Schule motivierend wirken. Einerseits werden sie von den Ges- taltungen ihrer Mitschuler fur ihr eigenes asthetisch-praktisches Tun angeregt, anderer- seits werden auch sie durch eine Ausstellung oder Ausstellungsbeteiligung der eigenen Schule mit Stolz erfullt.

Die Ausstellungsgestaltung kann auBerdem als Chance zu einem sich offnenden Kunst- unterricht angesehen werden, wobei die Offnung des Kunstunterrichts mit Hilfe der Aus­stellungsgestaltung auf die von Dietrich Benner bereits 1977 aufgezeigten drei Dimensio- nen der Offenheit bezogen werden kann, namlich die institutionelle, inhaltliche und me- thodische Offenheit (vgl. Benner 1977, S. 34)[1]:

Erstens bringt die Ausstellungsgestaltung eine institutionelle Offnung des Kunstunterrich- tes bezuglich des Unterrichtsortes mit sich - im Sinne einer alternativen Verschiebung vom Klassenzimmer bzw. vom Kunstraum zur schulischen bzw. auBerschulischen Gale- rie.

Dabei werden die von Schulern konzipierten Ausstellungen auBerhalb der Schule, also an anderen Ausstellungsorten wie Banken, Rathaus, Kinder-, Jugend- und Kulturzentren u. a., neben den Ausstellungen in der Schulgalerie immer etwas Besonderes fur die teilneh- menden Schuler sein, da hier eine andere Ebene der Offentlichkeit - fur die Schuler be- stimmt eine hohere - erreicht wird, die auBerhalb des „Schonraums Schule“ (Schutz 1998, S. 147) liegt, wobei ihnen das Gefuhl einer offentlichen Verantwortlichkeit vermittelt werden kann[2]. Ich stimme Helmut Georg Schutz zu, der in der Moglichkeit des auBerschu- lischen Unterrichtes nicht nur eine Veranderung der Kommunikation zwischen Lehrer und Schulern sowie der Schuler untereinander, sondern auch eine Hinfuhrung zu einem Un- terricht erkennt, der seinerseits wiederum auf den Unterricht in der Schule ausstrahle (vgl. ebd., S. 147)[3].

Zweitens verbindet sich damit eine Offnung hinsichtlich der Adressaten der prasentierten Gestaltungen der Schuler - im Sinne des Erreichens einer, von einer breiten schulischen bzw. auBerschulischen Offentlichkeit getragenen Rezipientengruppe, was mit einer inhalt- lichen Offnung verbunden ist. Aus der Ausstellungsgestaltung als Unterrichtsthema er- wachsen Handlungsmoglichkeiten in der auBerschulischen Wirklichkeit (vgl. Ramseger 1992, S. 25).

Drittens kann die Ausstellungsgestaltung die Offnung in Bezug auf die Unterrichtsform fordern, also eine methodische Offnung veranlassen durch Schaffung einer Arbeitssituati- on, bei der der Schuler Erkundungen selbst oder mitplanen kann, einer Arbeitssituation, die vielschichtiges Denken anregt, die Erlebnishaftes in den Vordergrund stellt und emoti- onale Reaktionen zulasst (vgl. Kahrmann 1992, S. 16).

Die schulische Galeriearbeit sollte somit als spezifische Moglichkeit des Kunstunterrichtes - als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermittlung - aufgefasst und genutzt und damit als „Werkstatt-Prinzip“ verstanden werden, bei dem es darum geht, „Lernen und Aneignung von Welt als ganzheitlichen Prozess zu verstehen, wobei dem handelnden Umgang entscheidende Bedeutung zukommt“ (ebd. 1992, S. 15). Gerhard Wollenweber beschrieb 1982 das „Prinzip Werkstatt“ als Moglichkeit der gegenseitigen Anregung und des Austauschs in der Gruppe, wahrenddessen der Einzelne seine Grenzen ausfindig machen kann, die er dann mit Hilfe der anderen Gruppenmitglieder und des fachkundigen Leiters zu uberwinden lernt (vgl. Kahmann 1992, S. 17; zit. n. Wollenweber 1982).

Nicht zuletzt sei auch auf den Nutzen der von Schulern konzipierten Ausstellungen fur die Lehrer selbst verwiesen. So misst Hilda Sandtner den Ausstellungen von Schulerarbeiten fur die Lehrerfortbildung groBe Bedeutung zu. Solche Ausstelllungen konnen im Rahmen von Lehrerfortbildungen zum kollegialen Gesprach anregen, zur Erweiterung des fachli- chen Blickfeldes und zu neuen Impulsen fur die eigene Unterrichtspraxis fuhren (vgl. SANDTNER 1978, S. 244).

Zusammenfassende Thesen fur eine Ausstellungsgestaltung als Unterrichtsgegenstand bzw. als spezifisches Forum des Faches Kunsterziehung

1) Die Gestaltung einer Ausstellung ist mit Problemlosungsprozessen verbunden, die zur Diskussion und zum Meinungsaustausch anregen, was mit einer Forderung des Urteils- vermogens, der Kritikfahigkeit, der Kritikvertraglichkeit und gegenseitiger Toleranz der Schuler verbunden ist.
2) Die eigene Ausstellungsgestaltung vermittelt den Schulern einen Einblick in die mit der Ausstellungs-/Galerie- bzw. Museumsarbeit verbundenen Probleme, was zu deren Aner- kennung fuhren und so zur Steigerung ihrer Motivation hinsichtlich kommender Muse- umsbesuche, der Kunst uberhaupt und des Kunstunterrichtes beitragen kann.
3) Umgekehrt wird den Schulern durch ein an der Schulertatigkeit orientiertes Gestalten von Ausstellungen die Moglichkeit geboten, die bei Museums- und Ausstellungsbesuchen erlebte Praxis der Vermittlung von Kunst zu reflektieren und diese zu kritisieren (vgl. Below 1978, S. 65).
4) Die eigene Ausstellung als Hohepunkt und Resultat der vorangegangenen geleisteten Ausstellungsarbeit erfullt die Schuler zu Recht mit Stolz, wodurch ihr Selbstwertgefuhl gesteigert wird. In ihnen wird das Bewusstsein gefordert, dass sie durch ihre Exponate bzw. ihre Ausstellungsprasentation eine Mitteilungsmoglichkeit haben und dass ihre in den Gestaltungen formulierten Aussagen und Absichten ernst genommen werden.
5) Die von den Schulern konzipierte Ausstellung - in und besonders auRerhalb der Schule - als Moglichkeit der Offnung des Kunstunterrichts bezuglich einer institutionellen, inhaltli- chen und methodischen Offnung, verbindet sich mit der Hinwendung zur Lebenswelt der Schuler und fuhrt zur relativen Eigenstandigkeit, zu zunehmendem Verantwortungsgefuhl und zur Anregung der Kommunikation untereinander.
6) Durch Artikulation ihrer Erkenntnisse und Bedurfnisse und deren wirksame Dokumenta- tion und Prasentation in der schulischen und auRerschulischen Offentlichkeit sammeln die Schuler im Hinblick auf das Erwachsenenalter Erfahrungen der Selbstverstandigung und Selbstorganisation und werden mit Verfahrens- und Verhaltensweisen vertraut, wie sie fur eine kunftige Praxis demokratischen, gemeinschaftlichen und emanzipatorischen Han- delns notig sind (vgl. Junker 1977, 11).

2. Zwei Galerien - eine Konzeption. Die GALERIE TREPPENWERK am Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig und die Studiengalerie Fach Kunst an der Padagogischen Hochschule Ludwigsburg

2.1 Die Konzeption der Galerie Treppenwerk am Institut fur Kunstpadagogik der Univer­sitat Leipzig als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermittlung

Im vorangegangenen Kapitel wurde gezeigt, dass die schulische Ausstellung als spezifi­sches Forum kunstpadagogischer Vermittlung die allgemeinen Erziehungsziele und die fachlichen Zielsetzungen des Kunstunterrichtes zu fordern vermag. Der Kunsterzieher muss also von seiner Kompetenz her letztlich auch Galerist sein, um die Schuler zur Ausstellungsarbeit anzuregen und ihnen wahrend dieser hilfreich zur Seite stehen zu konnen. Daraus ergibt sich fur eine Institution, die zukunftige Kunsterzieher ausbildet, die Notwendigkeit und Forderung von Moglichkeiten zur Galeriearbeit. Ebenfalls wie bei den Schulern liegt auch in den kunstlerisch-praktischen Arbeiten der Studierenden des Faches Kunsterziehung eine Mitteilungsabsicht verborgen, der Beachtung geschenkt werden will und beigemessen werden muss. Die GALERIE TREPPENWERK am Institut fur Kunstpa­dagogik der Universitat Leipzig ist aus dieser Konsequenz heraus als spezifisches Forum kunstpadagogischer Vermittlung entstanden. Sie hat das langfristige Ziel, die bereits erwahnte Entwicklung der zunehmenden Ausstellungsarbeit an einem GroBteil der Schu- len positiv zu beeinflussen.

So ist auch im Vorlesungsverzeichnis des Institutes die Ausstellungsgestaltung der GA­LERIE TREPPENWERK als fakultative Lehrveranstaltung aufgenommen, die vom groB- ten Teil der Studierenden im Laufe ihres Studiums in Anspruch genommen wird. Die zahlreiche Teilnahme an studentischen Ausstellungen zeigt sich in der Fulle der einge- reichten Gestaltungen. So wurden beispielsweise in Verbindung mit dem ausgeschriebe- nen studentischen Wettbewerb fur die Gutenbergausstellung - die 22. Ausstellung im Institut fur Kunstpadagogik - 155 Arbeiten eingereicht, aus denen 55 Arbeiten von 33 Studierenden ausgewahlt wurden.

Die GALERIE TREPPENWERK bietet den Studierenden aller Studienjahre die Moglich- keit, eigene kunstlerisch-praktische Arbeiten hinsichtlich einer bestimmten Ausstellung zu erarbeiten, was ausschlieBt, dass zufallig vorhandene Gestaltungen einem Ausstellungs- thema zusammenhanglos zugeordnet werden.

Von der Dozentin und Galerieleiterin Renate Herfurth, die sich fur die GALERIE TREP­PENWERK engagiert einsetzt und unermudlich auf der Suche nach neuen Ausstellungs- moglichkeiten auBerhalb des Institutes ist, werden Studierende am Institut fur Kunstpada­gogik mit der Galeriearbeit vertraut gemacht, die zugleich eine enge Zusammenarbeit der Studierenden fordert. Dabei werden nicht nur Ausstellungen der eigenen kunstlerischen Arbeiten, sondern auch Ausstellungen mit Gastbeitragen realisiert, die Impulse fur die eigene kunstlerische Praxis der Studierenden enthalten und eine vergleichende Betrach- tung ermoglichen.

Die GALERIE TREPPENWERK bietet angehenden Kunstpadagogen die Moglichkeit, ihre kunstlerischen Arbeiten sowohl untereinander als auch einer breiten Offentlichkeit zu prasentieren. Die Studierenden gewinnen dadurch einen Einblick in die kunstlerisch- praktische Arbeit ihrer Mitstudenten und erhalten daraus wiederum Anregungen fur ihr eigenes praktisches Tun. Die GALERIE TREPPENWERK bietet als „Treppenhausgalerie“ auch auBerhalb der Lehrveranstaltungen immer wieder Anlasse zum Meinungsaustausch der Studierenden untereinander und zum Gesprach der Studierenden mit den Lehrkraften des Institutes.

Die Offentlichkeitsarbeit der GALERIE TREPPENWERK wird durch Ausstellungen auBer- halb des Institutes fur Kunstpadagogik gefordert, wobei versucht wird, zahlreiche Verbin- dungen zu offentlichen Ausstellungsmoglichkeiten in Leipzig und - wie sich bei der Do- kumentation der Ausstellungen auBerhalb des Institutes zeigt - auch uber die Stadtgrenze hinaus herzustellen.

Ein weiterer gleichgewichtiger Schwerpunkt der GALERIE TREPPENWERK liegt auf Ausstellungen bildnerischer Arbeiten von Kindern und Jugendlichen. Mit den Kinder- und Jugendkunstausstellungen - die einmal im Jahr vom Kulturamt der Stadt Leipzig in Zu- sammenarbeit mit dem Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig, der Kunstpa- dagogischen Gesellschaft Leipzig e. V., dem Haus SteinstraBe e. V. und teilweise mit dem Jugendamt der Stadt ausgeschrieben werden - und anderen Schulerausstellungen leistet die GALERIE TREPPENWERK einen Beitrag zur Ausstellungsmoglichkeit fur Schuler gegenuber einer Offentlichkeit auBerhalb der Schule. Zugleich veranschaulichen diese Ausstellungen mit Gestaltungen von Kindern und Jugendlichen deren prozesshafte bildnerische Entwicklung und vermitteln dadurch angehenden Kunstpadagogen zu alters- spezifischen Gestaltungsmerkmalen Kenntnisse, die fur einen zukunftigen Kunstunter- richt, der auf verschiedene Altersgruppen abzielt, unerlasslich sind.

Die Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK werden daher auch gern in Lehrveran­staltungen des Institutes eingebunden. So wurde z. B. im Wintersemester 1995/96 von Dr. Gunther Berger im Rahmen der Hausarbeit innerhalb der Lehrveranstaltung Fachdi- daktik I die Aufgabe gestellt, ein selbst gewahltes Bild der 1. Kinder- und Jugendkunst- ausstellung zu charakterisieren, zu interpretieren und an diesem Beispiel Lernziele und einen moglichen Unterrichtsverlauf darzustellen.

Die GALERIE TREPPENWERK kann sich somit als spezifisches Forum kunstpadagogi- scher Vermittlung in zweifacher Hinsicht verstehen: Zum Einen vermittelt sie angehenden Kunstpadagogen Einblicke in die Galeriegestaltung, die einer zukunftigen schulischen

Ausstellungsgestaltung hilfreich sind, zum Anderen dienen die Ausstellungen selbst auf- grund ihrer Anregung zum Gesprach und ihrer Einbindung in Lehrveranstaltungen der Wissensvermittlung.

2.2 Ein Blick auf die Studiengalerie Fach Kunst an der Padagogischen Hochschule Ludwigsburg

Dieses Kapitel will einen Einblick in die Studiengalerie Fach Kunst an der Padagogischen Hochschule Ludwigsburg unter der Leitung von Professor Klaus Bushoff geben, die in ihrem Konzept der GALERIE TREPPENWERK gleichgesetzt werden kann. Die Studien­galerie wurde am 30. Mai 1984 mit der Ausstellung „Schraffur-Zeichnungen“ eroffnet. Gezeigt wurden etwa 74 Studienarbeiten von funfzehn Kunststudenten, die die Entwick- lung der einzelnen Studierenden von der einfachen formalen Schraffur hin zu einer emoti- onalen oder konstruktiven Verwendung mit thematischem Bezug verdeutlichten (vgl. information 64/1987, S. 10).

Seit Grundung der Studiengalerie Fach Kunst an der Padagogischen Hochschule Lud­wigsburg sind uber 70 Ausstellungen organisiert worden, darunter Einzelausstellungen von Kunstlern, Themenausstellungen mit speziell angefertigten Arbeiten von Kunstlern, Studierenden, Schulern, Kindern und Laien und seit 1985, jeweils im Dezember, Jah- resausstellungen mit Vergabe des Galeriepreises an Studierende. Zu jeder Ausstellung erscheinen ein selbst gedruckter Loseblatt-Katalog mit einer allgemeinen schriftlichen Abhandlung und Originalgraphiken, zum Teil auch mit originalen Zeichnungen, ein Editi- onsblatt und ein Plakat (vgl. Bushoff 2000a).

Aus der Sicht von Professor Klaus Bushoff verbindet sich die Galeriearbeit mit einer Viel- zahl fachpraktischer Tatigkeiten wie Herstellung der Plakate, Kataloge und Editionsblatter sowie organisatorischen MaRnahmen, wie Kaufersuche, Werbung, Druckauftragen auRer Haus und Geldbeschaffung sowie interdisziplinarer Arbeit, wie Vernissage- Beiprogrammen und Dokumentation. Die Grundung der Galerie resultiere nach Prof. Bushoff aus der kunstpraktischen Orientiertheit der Studierenden. Sie verstehe sich daher als sehr gute Moglichkeit, die Arbeiten der Studierenden nach innen und auRen vorzustel- len, zur Diskussion, zur Anregung und zum Verkauf anzubieten. Die Studierenden beka- men so eher ein wirklichkeitsbezogenes Verhaltnis zu ihren Arbeiten, sahen sie in offiziel- lerem Rahmen wieder und verglichen sie mit der Produktion der anderen Studenten und ausstellenden Kunstler. Das Kabinett diene neben der Hauptausstellung oft zur Koopera- tion mit den Schulen, wobei von Lehrern oder Schulpraxisstudenten betreute Ergebnisse ganzer Schulklassen dokumentiert wurden. Die Presentation von Arbeiten junger Kunstler trage zur Anregung und Information uber aktuelle kunstlerische Positionen bei (vgl. Bus­hoff 2000b).

[...]


[1] Diethard Herles hat mit seiner Ausgabe des KUNST+UNTERRICHT-Themenheftes „Ausstellen“ (Heft 312/313/2007) ein Thema aufgegriffen, das in der Fachliteratur lange Zeit zu kurz kam. Vgl. dazu die Ausfuhrungen in dieser Abhandlung S. 6f.

[2] Die Kritik an einer Ausstellungspraxis, bei der die Lehrertatigkeit im Mittelpunkt steht wird in dieser Arbeit mit Verweis auf Below (1978) und Zerull (1978) angesprochen (s. S. 8 dieser Abhand­lung).

[1] Die Arbeit wurde leicht uberarbeitet. Das Original der Arbeit mit umfangreichen Abbildungen kann als Handleihe im Institut fur Kunstpadagogik der Universitat Leipzig eingesehen werden (Signatur: Exa-2000-Spengler; www.uni-leipzig.de/studienart/forschung/suche.php).

[1] Vgl. auch FuBnote 1, S. 4.

[2] Einige Beispiele fur Veroffentlichungen von Schulerausstellungen dieser Art seien hier angefuhrt: Maak, Karin/MAAK, Uwe: Harburg-Ansichten. Ausstellung auf einem Altstadtfest. KUNST+UNTERRICHT 52/1978, S. 56f.; Philippi, Bernd: Figuren um uns. KUNST+UNTERRICHT 92/1985, S. 33f.; vgl. auch Philippi 1984 und Schneyder 1981.

[1] Wird in dieser Arbeit allgemein von Gestaltungen/Arbeiten von Schulern gesprochen, so konnen damit kunstlerische Ausdrucks- und Gestaltungsweisen im weitesten Sinne gemeint sein, d.h. sie konnen uber die zweidimensionale Flache hinausgehen und beispielsweise Aktion, Happening und Performance einschlieBen. So konnen hinsichtlich der Ausstellungsziele die Dimensionen kognitiv, affektiv und sensumotorisch einen unterschiedlichen Stellenwert einnehmen (vgl. Criegern 1978,43).

[1] Fur die ungebrochene Aktualitat der Forderung nach Offnung dieser drei von Benner aufgezeig­ten Dimensionen - auf die auch Ramseger Bezug nimmt (vgl. Ramseger 1992, S. 22-27) - spricht die Berufung auf diese Dimensionen in der Abhandlung zur Offnung der Kunstpadagogik von Helmut Schutz 1998 (vgl. Schutz 1998, S. 147).

[2] Auch Kneile/Kiesel weisen neben Schulerausstellungen im Klassenzimmer/Kunstraum und im Schulhaus auf die auBerschulische Prasentation von Schulerarbeiten an offentlichen Orten in groBeren Abstanden hin - mit dem Rat an die Fachlehrer: „Sie mussen nur die Kontakte herstel- len!“ (Kneile/Kiesel 1996, S. 128)

[3] Auch wenn Helmut Georg Schutz diese Aussagen in Bezug auf auBerschulischen Unterricht z. B. in Ausstellungen auf bereits ausgestaltete Ausstellungen bezieht, ist diese relativ allgemeindidakti- sche Aussage m. E. auf die Konzipierung von Ausstellungen durch die Schuler auBerhalb der Schule ubertragbar.

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Ausstellungsarbeit im Kunstunterricht
Untertitel
Zur Entwicklung der GALERIE TREPPENWERK am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
59
Katalognummer
V150987
ISBN (eBook)
9783640626601
ISBN (Buch)
9783640627134
Dateigröße
1248 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstunterricht, Kunstpädagogik, Ausstellung, Ausstellungen, Galeriearbeit, Schülerausstellung, Studiengalerie, Fachdidaktik, Kunstdidaktik, Universität Leipzig, Stefan Spengler, Spengler, Galerie Treppenwerk, Institut für Kunstpädagogik, Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig, Galerie, Schülergalerie, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Studiengalerie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Motivation, Produktion, Rezeption, Reflexion
Arbeit zitieren
Stefan Spengler (Autor), 2000, Ausstellungsarbeit im Kunstunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150987

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ausstellungsarbeit im Kunstunterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden