Der Autor des Buches “Der römische Prinzipat als Republik”, Prof. Dr. Helmut Castritius profilierte sich in der Geschichtswissenschaft durch Veröffentlichungen in Buchform, vor allem aber in Aufsatzform zu verschiedenen Themen wie z.B. Studien zu Maximinus Daia (1969), Korruption im Altertum (1982), Der römische Prinzipat als Republik (1982), Die Haltung Roms gegenüber den Juden in der ausgehenden Republik und Prinzipatszeit (1984), zu römischen Steininschriften (1977) und zum Ende der Antike am Oberrhein und der oberen Donau (1979). Des weiteren veröffentlichte er verschiedene Handbuchartikel und Aufsätze, z.B. in Historia, v.a. zu Numismatik und Geldgeschichte, zu alemannischer Ethnogenese (1990) und pannonischer Besiedlungsgeschichte (1995). Ebenfalls wirkte er als Rezensent einiger Fachbücher und ist Mitherausgeber verschiedener Handbücher, u.a. für Lehrer und auch für das Neue Lexikon des Judentums (1992).
Diese lange (unvollständige) Liste von Veröffentlichungen und die Spezialisierung auf unterschiedliche Themenkomplexe der Alten Geschichte lassen Helmut Castritius als Experten seines Faches erscheinen. Um so erstaunlicher ist es, daß ihm und seinem Buch “Der römische Prinzipat als Republik” in Fachkreisen auf den ersten Blick der Ruf vorauseilt, völlig abwegige Thesen zu vertreten.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird nun versucht, diese angeblich so abwegigen Thesen von Castritius herauszuarbeiten, allerdings auf die Regierungszeit des Augustus beschränkt. Um eine Einschätzung seiner Thesen vornehmen zu können, wird die Argumentationskette des Autoren ausführlich dargestellt, wobei das Hauptaugenmerk auf drei Kernpunkte der Macht des Augustus gelegt wird, auf die tribunicia potestas, das imperium proconsulare und auf die Kollegialität in den Ämtern. Im Anschluß daran wird versucht, sich kritisch mit Castritius’ Argumentationsweise auseinanderzusetzen.
Dieser Arbeit wurde nicht zum Ziel gesetzt, die Forschungsgeschichte der Diskussion um den Charakter des Prinzipats als Monarchie, Dyarchie, Republik oder einer Staatsform sui generis herauszuarbeiten, sondern um neben der Darstellung der Thesen von Castritius, einen Versuch zu wagen, den Umgang der Geschichtswissenschaft mit der Theorie eines Vertreters ihrer Zunft exemplarisch ein wenig zu erhellen. Daher wird im folgenden Kapitel versucht, den Stellenwert des Buches “Der römische Prinzipat als Republik” in der Geschichtswissenschaft abzuschätzen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Buch "Der römische Prinzipat als Republik"
- Argumentationsvoraussetzungen und Hauptthesen
- Der Argumentationsgang
- Tribunicia Potestas
- Imperium Proconsulare
- Kollegialität
- Kritik
- Rezeption in der Geschichtswissenschaft
- Rezensionen
- Darstellungen und Aufsätze
- Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die vom Historiker Helmut Castritius in seinem Werk "Der römische Prinzipat als Republik" vertretenen Thesen zur Regierungszeit des Augustus zu analysieren. Der Fokus liegt dabei auf drei Kernpunkte der Macht des Augustus: die tribunicia potestas, das imperium proconsulare und die Kollegialität in den Ämtern. Die Arbeit zielt darauf ab, Castritius' Argumentationskette zu beleuchten und kritisch zu betrachten.
- Die Interpretation des römischen Prinzipats als Republik durch Castritius.
- Die Rolle der tribunicia potestas, des imperium proconsulare und der Kollegialität in der Regierungszeit des Augustus.
- Die Rezeption von Castritius' Thesen in der Geschichtswissenschaft.
- Die Bedeutung von Castritius' Werk für das Verständnis des römischen Prinzipats.
Zusammenfassung der Kapitel
Das Buch "Der römische Prinzipat als Republik" untersucht die Frage, ob das Römische Reich unter Augustus tatsächlich eine Republik war. Es analysiert die einzelnen Machtbefugnisse des Augustus, insbesondere die tribunizische Gewalt und das prokonsularische Imperium, sowie die Rolle der Kollegialität in der Verwaltung des Reichs.
- Das erste Kapitel befasst sich mit der tribunizischen Gewalt unter Augustus und untersucht deren Ausgestaltung und Bedeutung für die politische Ordnung des Reiches.
- Das zweite Kapitel beleuchtet das prokonsularische Imperium des Augustus und analysiert dessen rechtliche Grundlage und seine praktische Anwendung.
- Das dritte Kapitel widmet sich der Nachfolgeregelung von Augustus und dem Übergang der Macht auf Tiberius.
- Das vierte Kapitel untersucht die Rolle der Kollegialität in der Verwaltung des Römischen Reiches unter den Nachfolgern von Augustus bis Mark Aurel.
- Das fünfte Kapitel behandelt die Souveränitätsrechte des römischen Volkes und die Legitimation der Herrschaft im Prinzipat.
Schlüsselwörter
Römisches Prinzipat, Augustus, Republik, Tribunicia Potestas, Imperium Proconsulare, Kollegialität, Machtbefugnisse, Herrschaftslegitimation, Geschichtswissenschaft, Rezeption.
Häufig gestellte Fragen
Welche Hauptthese vertritt Helmut Castritius zum römischen Prinzipat?
Castritius vertritt die These, dass der römische Prinzipat unter Augustus strukturell weiterhin als Republik und nicht als reine Monarchie zu verstehen ist.
Was bedeutet „tribunicia potestas“ im Kontext von Augustus?
Die tribunizische Gewalt war eine der Kernbefugnisse des Augustus, die ihm zivile Machtbefugnisse verlieh, ohne dass er das Amt eines Volkstribuns formell bekleiden musste.
Warum ist die Kollegialität für Castritius' Argumentation wichtig?
Die Aufrechterhaltung kollegialer Strukturen in den Ämtern dient Castritius als Beleg dafür, dass republikanische Prinzipien unter Augustus fortbestanden und die Alleinherrschaft formal begrenzt war.
Wie wird das Werk von Castritius in der Fachwelt aufgenommen?
Obwohl seine Thesen oft als abwegig oder provokant bezeichnet wurden, gilt Castritius als anerkannter Experte, dessen Argumente die Diskussion um den Charakter des Prinzipats neu belebt haben.
Was ist das „imperium proconsulare“?
Es handelt sich um die militärische Befehlsgewalt über die Provinzen, die Augustus eine rechtliche Basis für seine Macht über das Heer und die Verwaltung außerhalb Roms verschaffte.
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- Daniel Richter (Autor), 2003, Der Prinzipat in der Forschung: Castritius' Republik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15100