Die normale Gesellschaft und ihr Komplement


Hausarbeit, 2002

26 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung

2. Prolegomena - Was ist Gesellschaft?

3. Ursachen krimineller Tendenzen

4. Kriminell Handelnde

5. Erscheinungen im Umgang mit Kriminalität

6. Abschließende Bemerkungen

7. Quellenverzeichnis

8. Thesenpapier

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Zufriedenheit und Unterversorgung in Deutschland

Abbildung 2 : Straftaten in Deutschland

1. Einleitung

Am Ende des Mesozoikums begann es, das, was die Welt von nun an beherrschen sollte. Der Mensch jener Leviathan, welcher vernunftbegabt, aber dennoch die eigenen Ziele nie aus den Augen lässt, betrat die Welt. Am Anfang waren es nur wenige, aber damals schon in Horden lebend, um sich vor der rauen Umwelt zu schützen. Und heute? Da leben sie, wenn wir von einigen Naturvölkern einmal absehen in komplexen Gesellschaften, in denen die Individuen Subkulturen bilden und diese wiederum in dem aufgehen, was heute allgemein unter einer Nation verstanden wird. Schon Aristoteles war der Auffassung, dass der Mensch ein gemeinschaftsbildendes Wesen ist, welches erst im Staat zeigen kann, was es ist.[1]

Aber warum ist es heute nicht mehr möglich, dass jeder für sich lebt und eine Subsistenzwirtschaft betreibt? Hierfür sind primär zwei Gründe anzuführen: eine schnell anwachsende Bevölkerung und 30% eine Erdoberfläche, die zu gut zwei Drittel mit Wasser bedeckt ist. Wenn dann noch die lebensfeindlichen Gebiete, wie Wüsten oder Urwälder abgezogen werden, was bleibt dann noch an Lebensraum für eine Gesellschaft, die sich selbst als hochentwickelt bezeichnet? Menschen sind nutzenmaximierende Geschöpfe, die wie die Armeisen, ihre Intergruppenbeziehung dadurch aufrechterhalten, dass sie zwar gemeinsam leben und ihre Vorhaben planen, andererseits jedem Mitglied eine Schlüsselposition in ihrem Gefüge zuteilen, die mit bestimmten Rechten und Pflichten ausgestattet ist.

In der vorliegenden Arbeit wird es darum gehen, aufzuzeigen, wie Gesellschaft überhaupt möglich ist. Es geht um die Frage, in wieweit es möglich ist, Normen und Werte für eine ganze Gesellschaft zu deklarieren und umzusetzen. Wie ich zeigen werde, wird es die herrschende Kraft niemals schaffen, dass sich alle Gesellschaftsmitglieder an einen gemeinsamen Normen- und Wertekonsens zu halten. Es stellt sich jetzt die Frage, warum sie das nicht tun? Nun, die Gründe sind sehr vielschichtig, angefangen bei hungrigen Menschen, die wirtschaftlich nicht in der Lage sind, sich ihren Lebensunterhalt zu sichern, bis hin zu Mängeln in der Sozialisation, die kriminogenes Verhalten implizieren können. Des Weiteren werde ich auf die Erscheinung krimineller Taten eingehen und wie der Gesetzeshüter darauf reagieren sollte.

2. Prolegomena - Was ist Gesellschaft?

Eine sehr allgemeine Definition formulierte Theodor Geiger. Demnach ist Gesellschaft der „Inbegriff räumlich vereint lebender oder vorübergehend auf einen Raum vereinter Personen[2] “, mit dem Ziel eigene Interessen und Bedürfnisse sicherzustellen.

Im Folgenden gilt es diese Thematik zu konkretisieren. Dies erfordert aber zuerst die Bearbeitung einer anderen Problematik: Wie ist menschliches Zusammenleben überhaupt möglich? Hierzu werden im Folgenden die Begriffe der Kultur und der Gesellschaft kurz beleuchtet:

Erstens, jede Gruppe benötigt für ihre Existenz Regeln, sogenannte Normen. Diese stellen Vorhaltensanforderungen und damit Erwartungen dar, wie sich jeder Einzelne in einer bestimmten Situation zu verhalten hat. Diese Normen können einerseits durch Gesetze, andererseits aber auch informell durch Sitten und Bräuche festgeschrieben sein. Damit diese Regeln auch zur Anwendung kommen, ist es erforderlich, dass die Gruppenmitglieder über eine gemeinsame Erfahrungsbasis durch Interaktion verfügen und somit eine Kultur leben.

Robert Redfield umschrieb den Begriff der Kultur in seiner anthropologischen Sicht wie folgt: “In speaking of “culture“ we have reference to the conventional understandings, manifest in act and artifact, that characterize societies. The “understandings“ are the meanings attached to acts and objects. The meanings are conventional, and therefore cultural in so far as they have become typical for the members of that society by reason of inter-communication among the members. A culture is, then, an abstraction: it is the type toward which the meanings that the same act or object has for the different members of the society tend to confirm. The meanings are expressed in action and in the results of action, from which we infer them; so we may as well identify “culture” with the extent to which the conventionalised behavior of members of the society is for all the same”[3].

Zweitens, jetzt soll es um Theorien gehen, die aus unterschiedlichen Perspektiven versuchen, Gesellschaft zu begreifen: (i) Die älteste der hier vorgestellten Theorien ist die von Marx und Engels geschaffene Klassentheorie. Sie untersucht die Ursachen sozialer Ungleichheit auf Grundlage der Ungleichverteilung von Produktionsmitteln. Laut Marx und Engels besteht genau darin der Hauptklassengegensatz. Während die Bourgeoisie als Produktionsaufseher fungiert, ihr Kapital schnell wächst und allgemein als privilegiert gilt, lebt das besitzlose Proletariat in ständiger Abhängigkeit in Folge einer gering bezahlten Arbeit.

(ii) Die Schichtungstheoretiker setzen beim Individuum selbst an. Sie sehen eine „offene“, demokratische Gesellschaft, bei der ein Zugang zu gesellschaftlichen Positionen nicht von sozialen Gegebenheiten – wie soziale Herkunft und Hautfarbe – abhängt, sondern durch Aktivität und Leistungsbereitschaft des Einzelnen bestimmt wird[4]. Statusunterschiede ergeben sich daher aus der Besetzung gesellschaftlicher Positionen (z. b. Bildung, Beruf, Einkommen) und dem daraus resultierenden Belohnungssystem.

(iii) Eine horizontale Aufgliederung der Gesellschaft betrachten die Lebensstiltheoretiker. Gegenstand dieser Richtung sind einzelne Subkulturen – wie Menschen in Ost- und Westdeutschland – in ihrem aktuellen Zustand, aber auch in ihrer Entwicklung. Die Anhänger dieser Richtung sehen als Hauptursache sozialer Unterschiede Statuszuweisungen der Gesellschaft auf ihre Mitglieder.

3. Ursachen krimineller Tendenzen

Wie eben festgestellt, sind Normen Grundlage gesellschaftlicher Existenz. Es ist jetzt die Frage zu stellen, warum sich nicht alle Mitglieder an diese halten. Dieses Phänomen ist Resultat des Interagieren von Menschen, des dicht Zusammenlebens oder ganz einfach gesagt der Gesellschaft selbst.

Der Strafrechtsbegriff wurde erstmals im sechsten Jahrhundert ante Christum natum vom Athener Adel zum Schutz des Volkes gegen die Tyrannei des Staates und zur Verhinderung einer Revolution eingeführt.

Der Zweck des Rechts besteht nach Pound[5] darin, Interessen zu vertreten, also die der herrschenden Klasse. Die Gesellschaft ist demnach nicht auf einen Verhaltenskonsensus aus, es geht vielmehr darum, die von den Menschen gemachten Gesetze auf andere umzusetzen, das heißt sie zu kontrollieren. Und genau daraus resultiert der Konflikt: Abweichendes Verhalten als Antwort gegen die Unterdrückung. Quinney´s Lösung: „Nullem crime sine lege.[6] “ Auch er ist der Ansicht, dass das Recht nicht Kompromiss der Gesellschaft, sondern das Werkzeug der herrschenden Klasse ist, ihre Interessen auf Kosten des einfachen Volkes durchzusetzen.[7] Es ist die Frage zustellen, wie eine Komplementärgesellschaft aussehe, eine Gesellschaft ohne Recht und Ordnung oder wie es Lloyd treffend formulierte: „Die Idee, dass die menschliche Gesellschaft, ganz gleich auf welchem Entwicklungsstand, jemals auf der Basis existieren könnte, dass jeder einfach das tut, was ihm unter den besonderen Umständen richtig erscheint, ist zu phantastisch, um ernsthaft erörtert zu werden.“[8]

Im Folgenden werde ich auf vier kriminologische Ansätze eingehen, um das Problem mit den Normbrechern einzukreisen: Die ersten drei Ansätze nach Dürkheim, Schur und Goffman sehen Kriminalität des Einzelnen durch das Verhalten der Gesellschaft erklärt. Der vierte Ansatz, beruhend auf der bereits angesprochenen Schichtungs-Theorie, begreift abweichendes Verhalten als ein schichtspezifisches Sozialisationsphänomen.

Im Rahmen einer Selbstmordstudie entwickelt Durkheim die These, dass Kriminalität strukturell, aber auch funktional bedingt sei. Er ist der Auffassung, dass es eine Gesellschaft ohne Verbrechen nicht geben kann, weil sich diese aus den unterschiedlichen Statusniveaus der Gesellschaftsmitglieder ergibt. Das gesellschaftliche Sein gilt als ausgewogen, wenn der von der Peron selbst angenommene Status im Gleichgewicht zu der damit verbundenen Anerkennung der Gesellschaft steht. Gerät dieses Gleichgewicht in eine Schieflage, so löst dies eine Krise im sozialen Leben aus und fördert anomische Tendenzen. Diese können in einer Regellosigkeit, also dem gesellschaftlichen Verfall, enden, falls die Subkultur[9] in der die entsprechende Person lebt, die kollektive Verbundenheit nicht aufrecht erhält.[10]

Ein zentraler Begriff in Durkheims Arbeit ist der des Kollektivbewusstseins, den er in seinem 1893 erschienen Werk über die Arbeitsteilung entfaltet. Zentraler Betrachtungspunkt ist hierbei die strafende Gesellschaft, die primär gefühlsmäßig und nur sekundär ihrer Überzeugung nach handelt. Ein Verbrechen liegt demnach vor, wenn die von der herrschenden Kraft definierten Normen verletzt werden. Durkheims Schlussfolgerung lautet daher, dass jede Maßnahme zur Vermeidung bestimmter Verhaltensweisen neue Verbrechen erzeugt. Daher sei Kriminalität universell verbreitet!

Der amerikanische Gesellschaftskritiker Schur gibt in seinem Werk „Our criminal society“ einen profunden Einblick darüber, was Kriminalität ist und wie mit ihr zu verfahren sei. Seine Überlegungen beziehen sich zwar explizit auf die amerikanische Gesellschaft, es scheint an dieser Stelle jedoch angebracht, diese hier zu präsentieren, weil die Ursachen von Kriminalität und der Umgang mit ihr auch in unserer bundes-republikanischen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Seine Überlegungen beginnen mit einem Vergleich von Krieg und Kriminalität, weil beide Probleme hinsichtlich des Pragmatismus und Rationalismus aufweisen: „In beiden Fällen entwickeln sich starke soziale Emotionen, die eine Differenzierung zwischen denen, die Unrecht tun, und denen, die Unrecht erleiden, begünstigen. Diese Kategorien werden so betrachtet, als seien sie klar definierbar und unterscheidbar“[11] – entsprechend dem Leitsatz: Entweder man ist ein guter oder ein schlechter Mensch. „Im Krieg wie bei der Bekämpfung der Kriminalität herrscht weiterhin der Glaube, dass man höheren Werten dient, wenn man dem „Feind“ das zufügt, was er verdient hat. Und dementsprechend ist Argwohn verbreitet gegenüber einer „nachgiebigeren“ Politik die anscheinend der „anderen Seite“ Zugeständnisse macht. In beiden Fällen scheint gerade der Prozeß, in dem die Feinde definiert werden, für die Gesellschaft, die es mit jenen Übeltätern aufnimmt, wichtige psychologische, soziale oder sogar wirtschaftliche Funktionen zu erfüllen.“ Bei beiden Problemen spielt das Phänomen der Emotionalität, welche die Rationalität und Objektivität in den Hintergrund rücken lässt, eine entscheidende Funktion. Verfälschte Überzeugungen und übertriebene Ängste können zu Reaktionen führen, die gerade die Probleme verschärfen, die sie durch ihre Handlung beseitigen wollen.[12]

Krieg und Kriminalität hat es schon immer gegeben und es ist laut Schur wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, was unsere Normen und Werte bedroht. – Panik hat eine antagonistische Wirkung.

Ähnlich wie Quinney gibt auch Schur zu bedenken, dass das politische System, mit seiner Schar von auf doktrinierten Gesetzen einerseits und dem sozialen System mit seinem propagierten Ideal von Chancengleichheit und gleichen Rechten andererseits, zu Wertdiskrepanzen und Widersprüchlichkeiten geführt haben und somit abweichendes Verhalten heraufbeschworen hat.

Laut Schur lässt das Wort „Krimineller“ zu viele Interpretationsmöglichkeiten offen, weshalb er eine Unterscheidung zwischen „Normalen“ und „Abweichenden“ fordert – dies kann aber nicht Ziel „einer“ Gesellschaft sein. Deshalb plädiert Schur für neutralere Begriffe, wie „Verdächtiger“, „Angeklagter“ oder „Verurteilter“.

Wenn wir nun die Gesellschaftsmitglieder nicht stigmatisieren sollen, können wir dann die Gesellschaft als solches der Kriminalität bezichtigen? – Ja, wir können:

1. Die (amerikanische) Gesellschaft ist kriminell, weil sie voller Ungleichheit ist.

Hierbei wirft Schur der amerikanischen Gesellschaft vor, nicht genügend für die Befriedigung primärer Bedürfnisse, wie einen Arbeitsplatz, eine bewohnbare Wohnung und gute medizinische Versorgung,[13] zu tun.

Ein weiteres Problem, welches heute in einer eher abgeschwächten Form, aber immer noch existenten Form vorhanden ist, der eingeschränkte Minderheitenschutz. Insbesondere sei hier an die Rassenkämpfe zwischen schwarzen und weißen Amerikanern erinnert.

Schur hält es für zu einfach, Armut als Ursache aller kriminellen Tendenzen anzusehen. Er gibt aber zu Bedenken, dass der soziale und ökonomische Druck eine gewisse Not impliziert, die abweichendes Verhalten als einziges Kompensations-mittel hervorruft.

2. Die (amerikanische) Gesellschaft ist kriminell, weil sie im Ausland Gewalttätigkeiten unvorstellbaren Ausmaßes verübt.

Hierbei ist zu konstatieren, welche Auswirkungen externes Kriegstreiben der eigenen Regierung und den damit verbundenen Gräueltaten an ausländischen Völkern[14] auf das heimische Kriminalitätspotential haben. Darüber gibt es keine langjährigen Untersuchungen, es zeigt sich jedoch die Tendenz, dass sich gewisse Individuen ermutigt fühlen es ihrer per Gesetz legitimierter Regierung ebenbürtig zu tun[15].

3. Die (amerikanische) Gesellschaft ist kriminell, weil sie bestimmte kulturelle Werte

betont, die zu der Entstehung von Verbrechen beitragen.

Im öffentlichen Leben gibt es zunehmende Diskrepanzen zwischen allgemein

anerkannten Werten und dem tatsächlichen Verhalten. Es gilt daher das

(monetaristisch) ausgelegte Wertsystem zu überprüfen. Insbesondere gilt dies für

Werte wie Individualität, persönlicher Erfolg oder Wettbewerb – Diese Werte sind

Indikatoren für Frustrationen und sozialen Druck, die Menschen zu kriminellen

Verhalten bringen.

4. Die (amerikanische) Gesellschaft ist kriminell, weil sie unnötig viele Verbrechen

geschaffen hat.

Schur geht hierbei auf die bereits angesprochene Tatsache ein, dass die Schaffung von

Gesetzen neue Verbrechen durch die Einschränkung des Handlungsraumes fördern.

5. Die (amerikanische) Gesellschaft ist kriminell, weil sie eine realitätsblinde und

unpraktische Haltung gegenüber Problemen der Kriminalität angenommen hat.

Nur eine gezielte Reaktion auf das Problem, wie emotionsloses Handeln oder der

Versuch den ärmsten Schichten zu helfen, und nicht die extreme Problematisierung

dessen worum es geht, also die Teilung der Gesellschaft, wird helfen, es zu

schmälern.[16]

[...]


[1] Vgl. Eibach, Joachim: Der höfliche Räuber war gern gesehen; in Frankfurter Allgemeine Zeitung; IV, 23.01.1999, Nummer 19.

[2] Vgl. Schäfers, Bernhard: Grundbegriffe der Soziologie, Leske + Budrich, Opladen, 2000, S. 109.

[3] Redfield, Robert: The Folk Culture of Yucatan, University of Chicago Press, 1941, p. 132.

[4] In der Bundesrepublik Deutschland ist dies zumindest theoretisch durch das Grundgesetz Artikel 3 (3)

garantiert. Siehe unter anderem Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Grundgesetz, Clausen & Bosse, 2001.

[5] Quinney, Richard: Ansätze zu einer Soziologie des Strafrechts – Richtungen in der theoretischen Kriminologie; in: Lüderssen, Klaus und Fritz Sack (Hrsg.): Seminar: Abweichendes Verhalten, Band 2, Suhrkamp 1985.

[6] Zu deutsch: kein Verbrechen ohne Gesetz – zentraler Denkansatz der „klassischen Schule“ im 18. Jahrhundert,

als Reaktion auf die Ungerechtigkeiten im Strafrecht (Quelle: Quinney, Richard: Ansätze zu einer Soziologie des Strafrechts – Richtungen in der theoretischen Kriminologie; in: Lüderssen, Klaus und Fritz Sack (Hrsg.): Seminar: Abweichendes Verhalten, Band 2, Suhrkamp 1985, S. 45.

[7] Vgl. Quinney, Richard: Die Ideologie des Rechts: Über eine radikale Alternative zum legalen Zwang, in: Lüderssen, Klaus und Fritz Sack (Hrsg.): Seminar: Abweichendes Verhalten, Band 1, Suhrkamp 1984, S. 82 ff.

[8] Ebenda S. 85.

[9] Unter Subkultur soll in diesem Zusammenhang der engere Bekanntschaftskreis eines sich nicht den Normen- und Wertekonsens verhaltenden Individuums verstanden werden.

[10] Der eben dargestellte Zusammenhang ist auch Gegenstand der Anomietheorie. Merton hat diese Theorie

weiter entwickelt. Er ist der Auffassung, dass soziale Strukturen zu keinem konformen Verhalten führen und

versteht den Begriff der Anomie, als den Zusammenbruch kultureller Strukturen, der besonders dort erfolgt, wo

eine scharfe Diskrepanz zwischen kulturellen Normen und Zielen einerseits und den sozialstrukturierten

Möglichkeiten, in Übereinstimmung hiermit zu handeln, andererseits besteht. (Quelle: Merton, Robert K.: Social Theory and Social Structure, New York 1968)

[11] Schur, Edwin M.: Die Notwendigkeit einer besonnen Betrachtung (deutsche Übersetzung der Einleitung zu

Our criminal society), in: Lüderssen, Klaus und Fritz Sack (Hrsg.): Seminar: Abweichendes Verhalten, Band 1, Suhrkamp 1984, S. 52.

[12] Vgl. ebenda S. 52f.

[13] An dieser Stelle sei auf die bedenkliche Situation für eine medizinische Versorgung in Deutschland und deren

(Zu)zahlung durch den Patienten, trotz einer Krankenversicherung hingewiesen.

[14] Dieser Punkt beinhaltet auch die indirekten Gräueltaten, z. b. die Isolation eines Landes, und die damit

verbundenden Lebensumstände der Zivilbevölkerung.

[15] Cohen und White haben die sogenannte Subkulturtheorie konzipiert: „Delinquency areas“ sind nicht desorganisiert, sondern verfügen über unterschiedliche Normensysteme und stellen so ein Antisystem gegen das Herrschaftssystem der Gesamtgesellschaft dar. (Quelle: Kunz, Karl-Ludwig: Kriminologie, UTB, 1994, S. 148ff)

[16] Schur, Edwin M.: Die Notwendigkeit einer besonnen Betrachtung (deutsche Übersetzung der Einleitung zu

Our criminal society), in: Lüderssen, Klaus und Fritz Sack (Hrsg.): Seminar: Abweichendes Verhalten, Band 1, Suhrkamp 1984, S.70 – 76.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die normale Gesellschaft und ihr Komplement
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Mikrosoziologie
Note
1.0
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V15104
ISBN (eBook)
9783638203210
ISBN (Buch)
9783638681742
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Überarbeitete Version, Stand: Juli 2007
Schlagworte
Gesellschaft, Komplement, Mikrosoziologie
Arbeit zitieren
Sven Paschke (Autor:in), 2002, Die normale Gesellschaft und ihr Komplement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15104

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