Unfassbar, dass Ulrike Meinhof, eine der angesehensten Journalistinnen der 60er Jahre, plötzlich ihre berufliche Tätigkeit aufgab und ihre beiden Töchter zurückließ, um in den Untergrund zu gehen. Zunächst arbeitete sie von 1959 bis 1969 für die linke Zeitschrift konkret, bei der sie von 1961 bis 1964 Chefredeakteurin war und mit dessen Herausgeber, Klaus Rainer Röhl, sie von 1961 bis 1967 verheiratet war und zwei Töchter hatte. In dieser Zeit wurde sie zu einer Symbolfigur der deutschen Linken. Sie nahm an zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen und Demonstrationen teil, bis sie 1970 Gründungsmitglied und Führungsperson der Roten Armee Fraktion (RAF) wurde, deren ideologisches Konzept sie maßgeblich mitverfasste.
Aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit stellte Sprache für Meinhof stets ein wichtiges Medium dar, derer sie sich sowohl in ihrer Zeit als Journalistin als auch während ihrer terroristischen Tätigkeit bediente.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Sprache Ulrike Meinhofs und will dabei die Instrumentalisierung und Funktionalisierung ihrer Worte in den Stationen als Journalistin und als Terroristin herausarbeiten. Hierzu gilt vorweg zu sagen, dass Sprache nicht nur das wichtigste Ausdrucksmittel darstellt, welches menschliches Denken und Handeln vermittelt, sondern auch Abbild der Wirklichkeit ist. Da Worte also im Mittelpunkt des Interesses dieses Beitrags stehen, können anhand der Meinhof-Texte einerseits Aussagen über die damaligen gesellschaftspolitischen Verhältnisse getroffen werden und andererseits müssen historische Fakten ebenso in die sprachliche Analyse einfließen, um einzelne Äußerungen in den richtigen Kontext einordnen zu können. Ausgangspunkt bietet dabei weniger eine Corpusfülle als vielmehr eine selektierte Auswahl der Kolumnen und Polemiken Meinhofs hinsichtlich ihres Aussagewertes. Zur sprachwissenschaftlichen Fundierung erscheinen an den relevanten Stellen Anmerkungen in Form einer Fußnote, die hierbei zur Sprachanalyse verhelfen sollen, jedoch nur einen möglichen Ansatzpunkt aufzeigen. Grundlegende Fundamente bieten hierzu die Begründer der Semiotik Ferdinand de Saussure mit seinem Cours de linguistique générale, Charles Sanders Peirce, sowie das Organonmodell von Karl Bühler und die Diskussion um die Verwendung von Politsprache. Aufgrund des begrenzten Umfangs umfasst die Untersuchung hierbei lediglich die Ebene der Lexik.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Sprache Ulrike Meinhofs als Journalistin
1. Auf lexikalischer Ebene
III. Die Sprache Ulrike Meinhofs als Terroristin
1. Auf lexikalischer Ebene
IV. Resümee – Rebellion im Medium der Sprache
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Entwicklung Ulrike Meinhofs und analysiert, wie sie Sprache sowohl in ihrer journalistischen Tätigkeit als auch während ihrer Zeit als Terroristin als Medium der Rebellion und Instrumentalisierung einsetzte. Dabei steht insbesondere die Veränderung ihres Wortschatzes im Kontext der gesellschaftspolitischen Ereignisse der 1960er Jahre im Fokus.
- Sprachliche Instrumentalisierung in Journalismus und Terrorismus
- Analyse der lexikalischen Ebene von Meinhofs Texten
- Verbindung von politischer Radikalisierung und Sprachwandel
- Einfluss marxistischer Theorien auf den Sprachgebrauch
- Kontrastierung von "Journalistin" und "Terroristin" durch sprachwissenschaftliche Kategorien
Auszug aus dem Buch
II. Die Sprache Ulrike Meinhofs als Journalistin
Ab dem Wintersemester 1955/56 studierte Ulrike Meinhof an der Marburger Universität Philosophie, Pädagogik, Soziologie und Germanistik. Noch im selben Jahr trat sie der seit 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen KPD bei. Im nächsten Jahr wechselte sie an die Universität von Münster, wo sie ab 1958 kurzzeitig Mitglied des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) war und für verschiedene studentische Blätter schrieb. Im Folgejahr brach sie ihr Studium ohne akademischen Abschluss ab und zog auf Anfrage der konkret-Redaktion nach Hamburg, um sich dort als verantwortliche Auslandsredakteurin der journalistischen Tätigkeit zu widmen. Drei Jahre später stieg sie zur Chefredakteurin auf. Ihr erster Beitrag zeigt die schnelle Entwicklung der Journalistin und wie zuverlässig sie die außenpolitischen Aufgaben in der Redaktion erfüllte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Biografie Ulrike Meinhofs ein und umreißt das Ziel der Arbeit, ihren sprachlichen Wandel von der Journalistin zur Terroristin zu untersuchen.
II. Die Sprache Ulrike Meinhofs als Journalistin: Dieses Kapitel behandelt Meinhofs Werdegang als Journalistin und analysiert ihren frühen Sprachgebrauch, insbesondere die Verwendung von Begriffen mit emotionaler Konnotation.
III. Die Sprache Ulrike Meinhofs als Terroristin: Hier wird der radikale Wandel in Meinhofs Sprache nach ihrer Hinwendung zur Illegalität und der Sprache der RAF analysiert.
IV. Resümee – Rebellion im Medium der Sprache: Das Fazit fasst die Radikalisierung ihrer Wortwahl zusammen und stellt fest, wie ihre Sprache zunehmend ideologisch und aggressiv geprägt wurde.
Schlüsselwörter
Ulrike Meinhof, Journalismus, Terrorismus, RAF, konkret, Sprachanalyse, Politische Sprache, Lexik, Radikalisierung, Ideologie, Studentenbewegung, 68er, Marxismus, Wortschatz, Rhetorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachliche Entwicklung von Ulrike Meinhof anhand ihrer Texte in zwei verschiedenen Lebensabschnitten: als Journalistin bei der Zeitschrift konkret und als Akteurin der Roten Armee Fraktion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die linguistische Analyse der lexikalischen Ebene, der Wandel von der journalistischen Reflexion hin zur agitatorischen Sprache und die Spiegelung gesellschaftspolitischer Umbrüche im Wortschatz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Instrumentalisierung von Sprache bei Ulrike Meinhof nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie sie ihr Ausdrucksmittel nutzte, um sich von einer Journalistin zu einer Akteurin der politischen Gewalt zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine inhaltsanalytische, sprachwissenschaftliche Vorgehensweise gewählt, die auf Begriffen der Semiotik (u.a. Ferdinand de Saussure, Karl Bühler) basiert und den Kontext der politischen Ereignisse einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die lexikalischen Besonderheiten in den Kolumnen und Texten Meinhofs, unterteilt in ihre Phase bei konkret und ihre Zeit im Untergrund.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Journalismus, Terrorismus, RAF, konkrete Ideologie, Sprachwandel, politische Semantik und Radikalisierung.
Warum spielt die Zeitschrift konkret für die Analyse eine wichtige Rolle?
Die Zeitschrift diente als Plattform für Meinhofs journalistische Arbeit, in der sich ihre erste politische Formung und der Gebrauch einer zunehmend schärferen, gesellschaftskritischen Sprache manifestierten.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den Phasen als Journalistin und Terroristin?
Die Analyse verdeutlicht, dass Meinhof als Journalistin noch innerhalb eines diskursiven Rahmens argumentierte, während ihre spätere Sprache zunehmend durch Agitation, Komposita mit negativer Konnotation und die Übernahme eines "kriegerischen" Vokabulars geprägt war.
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- Diana Ingeborg Klein (Autor), 2008, Ulrike Meinhof und ihre Sprache. Instrumentalisierung und Funktionalisierung von Worten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151047