Frauen und Männer in modernen Staaten

Herrschaft und Macht am Beispiel der Geschlechterkonstruktion


Essay, 2009
23 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sinn und Aufgabe Politischer Soziologie

3 Theorien der Macht

4 Theorien der Herrschaft

5 Bourdieus männliche Herrschaft

6 Macht und Herrschaft vs. Feministische Konzepte und politische Realität

7 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Dass Frauen und Männer unterschiedliche Wesen sind, diese Erfahrung dürfte wohl ein Jeder in seinem Leben gemacht haben. Und das Interesse, worin die Unterschiede – abgesehen von der Anatomie des Körpers – zu finden sind und woher sie kommen, ist in den letzten Jahren wesentlich stärker ausgeprägt als es noch vor Jahrzehnten der Fall gewesen ist. In der Literatur und bei einschlägigen Künstlern des Fernsehens und der Comedyszene ist zu beobachten, dass Frauen und Männer wichtige Themen bilden.

Die vorliegende Arbeit versucht im Rahmen der Politischen Soziologie das Geschlechterverhältnis abseits von Klischees und Allgemeinplätzen zu untersuchen. Moderne Staaten sollen in dieser Arbeit verstanden werden, als die Länder, die als Industrienationen gelten, speziell mitteleuropäische Staaten. Demokratische Grundstrukturen und die Überwindung feudaler Systeme sind entscheidende Faktoren, die solche Staaten kennzeichnen. Die Theorien, auf die im Laufe dieser Darstellung zurückgegriffen werden wird, sind größtenteils von europäischen Autoren entwickelt worden.

Der Frage, der nachgegangen werden soll, ist die, ob es wirklich eine sogenannte männliche Herrschaft in unserer Gesellschaft gibt wie es viele Wissenschaftler unterstellen. Und wenn es sie gäbe, soll untersucht werden, wie es zu einer solchen gekommen ist. Die These lautet: wenn es in unserer modernen Gesellschaft wirklich eine männliche Herrschaftsform gibt, so kann diese nur gesellschaftlich konstruiert worden sein.

Methodologisch wird zunächst der Begriff der Politischen Soziologie näher erläutert (Kapitel 2), da es sich bei dieser wissenschaftlichen Disziplin um eine spezielle Fachrichtung der Politischen Wissenschaft handelt. Die Besonderheiten und Aufgaben sollen näher erörtert werden, damit im weiteren Verlauf der Arbeit keinerlei Verständnisprobleme auftreten, weshalb in dieser Form die Ausführungen gemacht werden. Danach erfolgen Definitionen zu den Begrifflichkeiten der Macht (Kapitel 3) und der Herrschaft (Kapitel 4) und verschiedene Theorien von Wissenschaftlern werden vorgestellt. Dies ist meines Erachtens nach sinnvoll, da Macht und Herrschaft unterschiedliche Dimensionen beinhalten und andere Voraussetzungen benötigen, um als solche gesellschaftlich erkannt zu werden. Macht und Herrschaft werden so voneinander abgegrenzt und differenzierter dargestellt. Im Hauptteil wird dann die männliche Herrschaft in ihrer Form und in ihren Ursprüngen behandelt (Kapitel 5). Der Text, der diesem Kapitel zu Grunde gelegt wird, ist „Die männliche Herrschaft“ von Pierre Bourdieu. Es handelt sich hierbei um eine sehr ausführliche und detaillierte Darstellung, die beweisen wird, dass es eine männliche Herrschaftsform auch in unserer Gesellschaft und unserem sozialen Leben gibt. Die Begründung wird anhand der historischen und gesellschaftlichen Entwicklung gemacht werden. Abschließend soll noch Raum für eine Behandlung der Emanzipationsbewegung gegeben sein (Kapitel 6), da es sich hier um eine neuere Erscheinungsform unserer Gesellschaft handelt. Besonderes Augenmerk wird auf die männliche Herrschaftsform gelegt und in ihren wissenschaftlichen Theorien werden ebenfalls Erklärungen abgeliefert und Empfehlungen abgegeben, wie man der primären Stellung des männlichen Geschlechts entgegentreten könnte. Ziel ist eine Gleichberechtigung beider Geschlechter zu erlangen. Ziele und Erfolge sollen hier skizzenhaft umrissen werden um einen aktuellen und gesellschaftlichen Bezug der bis dahin vorgestellten Theorien zu ermöglichen. Nachdem dies alles geschehen ist, werden die wichtigsten Aussagen noch einmal zusammengefasst und es erfolgt ein Fazit, inwiefern die These Berechtigung haben darf (Kapitel 7).

Es sei an dieser Stelle noch gesagt, dass Macht und auch Herrschaft grundlegende Strukturen gesellschaftlichen Zusammenlebens sind, die offen oder versteckt das Zusammenleben der verschiedenen Individuen prägen und gestalten. Man kommt, um Gesellschaft verstehen zu wollen, an diesen beiden Begriffen nicht vorbei, was die Berechtigung der Themenauswahl hinreichend erklären dürfte.

2 Sinn und Aufgabe Politischer Soziologie

Zunächst sollte der Begriff der „Politischen Soziologie“ kurz erörtert werden. Im Kern geht es um die Lösung politischer Grundprobleme und für das Ziel arbeitet die Soziologie mit der Politischen Wissenschaft zusammen, da die Gegenstandsbereiche der Politischen Soziologie ein Dreieck aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bildet (vgl. Lenk 1982: S.10).

„Gegenstand der Sozialwissenschaften ist der soziale, der gesellschaftlich lebende und handelnde Mensch. Er ist es, der in der Gesellschaft mit seinesgleichen die materiellen Schöpfungen und Ideen, die Institutionen und Verhaltensweisen hervorbringt, die zusammen die menschliche Kultur und die menschliche Gesellschaft ausmachen und die ihrerseits das menschliche Leben prägen und bestimmen [...] So gesehen, sind die Geschichtsschreibung, Politische Wissenschaft und Soziologie von der realen Entstehung und Entwicklung ihrer wirklichen Gegenstände, der modernen Kultur und Politik, des modernen Staates und der „bürgerlichen Gesellschaft“ nicht zu trennen“ (von Oertzen 1965: S. 103ff).

Das Forschungsinteresse richtet sich dabei darauf, die Interdependenzen zwischen gesellschaftlichen Gruppen sowie politischer Ordnung und Geschehen zu untersuchen – es kommt hier demnach die enge Verflechtung von Gesellschaft und Politik zum Ausdruck. Die Politische Soziologie braucht verschiedene sozialwissenschaftliche Disziplinen, da Gesellschaft und Kultur sich schnell verändern und die politische Ordnung dem unterliegt. Somit handelt es sich hierbei um eine „Gegenwartswissenschaft“, die gesellschaftspolitische Entwicklungen beobachtet, analysiert und interpretiert (vgl. Stammer/Weingart 1972).

Dennoch gilt es noch soziales und politisches Handeln zu unterscheiden. Während soziales Handeln sich auf das Verhalten anderer bezieht und in seinem Ablauf orientiert ist, zeichnet sich politisches Handeln dadurch aus, dass es an Gruppen und deren Normen, Werten und Regeln orientiert wird. Dennoch ist Handeln und Verhalten auch immer Ausdruck von Beeinflussung und/oder Veränderung der Gesellschaft (vgl. Lenk 1982).

„Da menschliches Handeln aber sinnvolles, in die Zukunft gerichtetes Handeln ist, heißt dies zugleich, die Leitbilder, Normen und Zwecke der Handelnden verstehen, heißt es, die fraglichen Situationen in ihrer Wirklichkeit auf ihre Möglichkeiten hin zu interpretieren“ (von Oertzen 1965: S. 106).

Dies soll nun im Folgenden an Herrschaft und Macht gezeigt werden in Bezugnahme auf die Geschlechterkonstruktion in den modernen Staaten. Denn Frauen und Männer haben sich in der von ihnen selbst geprägten und gemachten Geschichte unterschiedlich entwickelt. Während Frauen Rechte einfordern im Zuge der Emanzipation verharren Männer bisweilen auf den althergebrachten Normen und Werten. Für diesen Untersuchungsgegenstand ist das Instrument der Politischen Soziologie durchaus anzuwenden, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen.

3 Theorien der Macht

Der Begriff der Macht wird unterschiedlich in den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen definiert. Hier soll eine kurze Übersicht der Definition von Macht anhand ausgesuchter Beispiele gegeben werden, um mit diesem Begriff operationalisieren zu können.

Unterstellt wird im allgemeinen, „dass es in jeder menschlichen Institution ein geordnetes Machtsystem gibt, eine „Machtstruktur“, die integraler Bestandteil der Organisation ist und deren Stratifikation widerspiegelt“ (Bachrach/Baratz 1972: S. 223). Demnach ist Macht ein soziales Verhältnis, denn Menschen verhalten sich zueinander und ordnen so die Verhältnisse, in denen sie miteinander kommunizieren. Die Stellung jedes Akteurs wird verteilt und dauerhafte Strukturen werden gebildet. Durch die Verteilung der Macht entsteht Gesellschaft und ist somit eine zentrale Form der Vergesellschaftung (vgl. Sofsky: S. 9ff.).

„Das Konzept der Machtfiguration [...] erlaubt eine genuin soziologische Analyse. Es rekonstruiert die Dynamik von Machtprozessen nicht aus der Art der Machtinstrumente, sondern aus dem sozialen Verhältnis selbst. Im Vordergrund stehen deshalb nicht die Mittel der Macht, [...] sondern das strukturelle Arrangement der Macht“ (Imbusch 1998: S. 13).

Nach Focault ist das menschliche „Ich“ in ein Netz aus vorgängigen Strukturen und Praktiken eingelassen, die es formen und konstituieren. Für ihn ist Macht ein Privileg von Personen, Gruppen, Klassen oder Institutionen, die so sämtliche sozialen Beziehungen formt. Dies zeigt er an der geschichtlichen Entwicklung Europas seit dem Mittelalter (vgl. Focault 2005: S.222ff). Zudem sieht er die Hauptfunktion von Macht in der Freisetzung von Energien, oder anders ausgedrückt: Macht produziert. Und damit unterliegt sie dem Prozess der gesellschaftlichen Modernisierung, bzw. treibt diese voran (vgl. Kneer 1998: S. 240f). Zudem ist Macht eine Beziehungsform unter Individuen und somit eine Form handelnder Einwirkung auf andere. Sie existiert nur als Handlung, stützt sich dabei auf dauerhafte Strukturen und beruht nicht auf Konsens. Da Macht eine Beziehung unter Partnern ist, sind Machtbeziehungen im gesamten gesellschaftlichen Geflecht verwurzelt,. Somit ist Macht kein theoretisches Konstrukt, sondern Teil der Erfahrung. Wichtig ist es, die Subjekte in Machtverhältnissen zu betrachten; nämlich wie diese geschaffen und institutionalisiert werden. Besondere Bedeutung hat hier die Sexualität, da über diese die Kontrolle der Menschen bis in den privatesten Bereich gewährleistet werden kann. Besonders durch die Sexualmoral im 18. und 19. Jahrhundert. Es ist ein Kampf gegen die „Objektivierung“ der Gesellschaft (vgl. Focault 2005).

Seine Überlegungen hängen eng mit den Vorstellungen zusammen, wie Subjekte in der Gesellschaft hergestellt werden. Im Zentrum seiner Analysen stehen die Familie, das Selbst, der Körper und auch die Sexualität. Die juridische Macht, die einen Souverän braucht und eine Macht über Leben und Tod inne hat, wurde teilweise im 18. Jahrhundert abgelöst durch die so genannte Disziplinarmacht. Diese zielt auf Techniken ab, die die Individualisierung sicher stellen als auch die Homogenität des Gesellschaftskörpers (vgl. Dunker 1996: S. 27f).

„Von den Machtbeziehungen zu unterscheiden sind außerdem die Kommunikationsbeziehungen, die über eine Sprache, ein Zeichensystem oder ein anderes symbolisches Medium Information übertragen. Natürlich heißt Kommunizieren immer auch, in gewisser Weise auf den oder die anderen einzuwirken. Durch die Erzeugung und Verbreitung von Bedeutungselementen kann auch Machteffekte zum Ziel oder zur Folge haben, und solche Machteffekte stellen keineswegs bloß einen Aspekt dieser Prozesse dar. Machtbeziehungen haben ihre Besonderheit, ob sie nun über Kommunikationssysteme vermittelt sind oder nicht“ (Focault 2005: S. 252).

In den klassischen Machttheorien wird Macht auch zur Ursache von Wirkungen erklärt – beinhaltet damit Kausalität, ist aber auch ein soziales Interaktionsmedium (vgl. Brodocz 1998: S. 183f.). Für Luhmann ist die Ausübung von Macht ein Selektionsvorgang von Verhaltensprämissen. Denn jedem Akteur steht es frei, der Macht zu gehorchen oder eine Alternative vorzuziehen. Es setzt voraus, dass beide Seiten wissen, dass eine Partei Macht inne hat. So erzeugen Systeme Macht durch Selektion bestimmter Alternativkonstellationen, sind also eine Verdoppelung von Handlungsalternativen. Denn Macht kann

„nur entstehen, wenn in einer gemeinsam definierten Situation, also in einem Sozialsystem, eine unterschiedlich pejorisierte Alternative vorhanden ist, dass heißt eine Alternative, deren Realisierung beide Seiten vermeiden möchten, die eine Seite aber dringender als die andere. Macht beruht systemtheoretisch gesehen, darauf, dass die Struktur eines Sozialsystems so beschaffene „Vermeidungsalternativen“ erzeugt“ (Luhmann 1969: S. 168).

Demnach ist Macht als ein Phänomen anzusehen. Ihre Bedeutung erschließt sich nur aus der Verbindung mit gesellschaftlichen Interessensstrukturen, Werten, Institutionen. Nicht jedes Machtverhältnis hat gesamtgesellschaftliche Wirkungen oder ist gesellschaftspolitisch dominant wie die männliche Herrschaft. Macht ist ein soziales Verhältnis und kann man nicht für sich allein besitzen, sondern besitzt es in Bezug auf andere. „Da sie eine zentrale Form der Vergesellschaftung ist, erscheint Macht zugleich als ubiquitäres Phänomen von Gesellschaften“ (Imbusch 1998: S. 13). Wichtig ist aber auch, dass Macht der Ursprung und die Grundlage von Herrschaft ist, da es ohne Macht keine Herrschaft geben kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Frauen und Männer in modernen Staaten
Untertitel
Herrschaft und Macht am Beispiel der Geschlechterkonstruktion
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Politische Theorie und Soziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V151062
ISBN (eBook)
9783640634101
ISBN (Buch)
9783640634521
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bouddieu, männliche Herrschaft, Frauen, Männer
Arbeit zitieren
Ingo Jacobs (Autor), 2009, Frauen und Männer in modernen Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151062

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