Die Neue Kronen Zeitung gilt als das mächtigste Medium in Österreich. Mit einer Reichweite von über 40 Prozent erreicht das Kleinformat täglich an die drei Millionen Leser. Eine ähnliche Monopolstellung am Zeitungsmarkt findet man nicht in der Medienwelt. Mit dem Boulevardblatt ist ein Name unzertrennlich verbunden – Hans Dichand. Der heute 87-Jährige wurde zum Journalisten des Jahrhunderts gekürt und hat eine beispiellose Karriere hinter sich. Der Erfolg der „Krone“ ist eng an seinen Namen geknüpft.
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der „Kronen Zeitung“ seit ihrem Gründungsjahr 1959. Damals sicherte sich Hans Dichand als ehemaliger „Kurier“-Chefredakteur die Titelrechte und begann, seine Vision eines Volksblattes in die Tat umzusetzen. Gemeinsam mit Kurt Falk wurde die Zeitung ein Erfolg und hatte bald die Vormachtstellung im Land. Dazwischen folgte die Olah-Affäre, in der Hans Dichand um „seine“ Krone kämpfen musste. Der ÖGB beanspruchte die Zeitung für sich, da Gewerkschaftsboss Franz Olah damals ÖGB-Sparbücher als Bankgarantie für die „Krone“ hinterlegte. Immer wieder kommt es zwischen Hans Dichand und seinen Partnern zum Bruch. Kurt Falk wird aus der Zeitung herausgekauft und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) übernimmt zur Hälfte die Krone (und den „Kurier“). Damit wird die Mediaprint gegründet. 2001 eskaliert der Streit mit den Herren aus dem Ruhrpott und dauert bis heute an. Die WAZ akzeptiert Sohn Christoph nicht als Chefredakteur.
Ein weiterer Wegbegleiter Dichands war und ist Friedrich Dragon. Er arbeitete 40 Jahre lang an der Seite von Dichand, heute ist er Prokurist der WAZ und arbeitet gegen seinen einstigen Chef. Die „Krone“ ist berühmt für ihre tendenziöse Berichterstattung. So greift das Kleinformat politische Kampagnen auf, mit der Erfolge gefeiert werden. Vom Sternwartepark bis zur Hainburger Au, von Zwentendorf bis Temelin, von Waldheim-Wahlkampf zur EU, immer wieder gibt es eine klare Botschaft und eine einseitige Berichterstattung. Jüngstes Beispiel ist die Rolle der „Kronen Zeitung“ im Nationalratswahlkampf 2008. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der Macht der „Kronen Zeitung“ und letztendlich auch des Herausgebers Hans Dichand.
Ich will in dieser Literaturarbeit der Frage nachgehen, wie die „Kronen Zeitung“ zum mächtigsten Printmedium in Österreich avancieren konnte und wie viel Macht Hans Dichand und seine Zeitung tatsächlich ausüben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2. Forschungsfragen und Hypothesen
1.3. Methode
1.4. Aufbau der Arbeit
2. Hans Dichand und seine Partner
2.1. Vom Nobody zum Chefredakteur der Krone
2.2. Dichand und die Macht „seiner“ Zeitung
2.3. Das Erfolgsrezept
2.4. Kurt Falk
2.5. Friedrich Dragon
2.6. Der Streit mit der WAZ
3. Die Wiederauferstehung einer Zeitung
3.1. Die „alte“ Krone
3.2. Voraussetzungen für eine neue Tageszeitung
3.3. Gründung der „neuen“ Krone
3.4. Die Olah-Affäre
3.5. Weitere Entwicklung der Zeitung
3.6. Die Gegenwart
4. Eine Zeitung macht Politik
4.1. Politische Kampagnen der Krone
4.1.1. Nein zu Temelin
4.1.2. Die Waldheim-Verteidigung
4.2. Die EU als Feind
4.3. Antisemistismus und Rassismus
4.4. „Onkel Hans“ als Kanzlermacher?
5. Konklusion
5.1. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
5.2. Schlussfolgerungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Bakkalaureatsarbeit analysiert die Entwicklung der „Kronen Zeitung“ seit ihrer Neugründung im Jahr 1959. Ziel der Untersuchung ist es, den Aufstieg des Mediums zum mächtigsten Printmedium Österreichs nachzuvollziehen sowie den Einfluss von Hans Dichand und seinen Geschäftspartnern auf die Berichterstattung und die österreichische Politik kritisch zu hinterfragen.
- Biografische Analyse von Hans Dichand und seinen prägenden Wegbegleitern.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte und der wirtschaftlichen Strukturen (WAZ, Mediaprint).
- Darstellung der boulevardesken Berichterstattung und politischer Einflussnahme (Kampagnen).
- Analyse kontroverser Themen wie der Olah-Affäre und Vorwürfen von Antisemitismus/Rassismus.
- Bewertung der Rolle der „Kronen Zeitung“ im Nationalratswahlkampf 2008.
Auszug aus dem Buch
2.1. Vom Nobody zum Chefredakteur der Krone
Hans Dichand wurde am 29. Jänner 1921 in Graz geboren. Seine Mutter (Leopoldine Dichand) war Hausdame, sein Vater (Johann Dichand) ein Unternehmer. Die einst gut situierte Familie musste nach dem Bankrott des Vaters in ärmliche Verhältnisse absteigen. Dichand wuchs in einer armen Gegend von Graz auf (vgl. Janitschek 1992, 31ff.). Dass Hans Dichand Journalist werden wollte, wusste er schon bald. Auf dem Schulweg kam er stets an der Druckerei der „Kleinen Zeitung“ vorbei, damals eine Nachbildung der „Illustrierten „Kronen Zeitung“ (Anm.: Vorgängerin der „Neuen „Kronen Zeitung“). Vor allem die Überschriften und Illustrationen sollen es dem kleinen Dichand damals angetan haben.
Bald war er der einzige seiner Klasse, der den Wunsch hegte, Journalist zu werden (vgl. Janitschek 1992, 46f.). Dichand schrieb bereits in jungen Jahren an die Redaktion der „Kronen Zeitung“ mit der Frage, wie er seinen Traumberuf erlernen könnte. Die Zeitung antwortete ihm mit dem Rat, das Buchdruckergewerbe zu erlernen. Dichand war 13 Jahre alt, als er diesen Rat befolgte und nach seiner Hauptschulzeit Schriftsetzerlehrling wurde (vgl. Janitschek 1992, 48). Dichand meldete sich im zweiten Weltkrieg freiwillig der Kriegsmarine. Bei einem seiner Einsätze wäre der heute 87-Jährige beinahe umgekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Forschungsfrage nach der Macht der „Kronen Zeitung“ und Hans Dichands sowie die methodische Vorgehensweise.
2. Hans Dichand und seine Partner: Beleuchtet den Werdegang von Hans Dichand, seine Arbeitsweise und die konfliktreichen Beziehungen zu Partnern wie Kurt Falk, Friedrich Dragon und der WAZ.
3. Die Wiederauferstehung einer Zeitung: Beschreibt die Geschichte der Krone von der historischen Gründung über die Olah-Affäre bis hin zur modernen Marktstellung und internen wirtschaftlichen Verflechtungen.
4. Eine Zeitung macht Politik: Analysiert den Kampagnen-Journalismus der Krone anhand von Beispielen wie Temelin, Waldheim und der Rolle im Wahlkampf 2008 sowie rassistische Tendenzen.
5. Konklusion: Fasst die Ergebnisse zusammen, interpretiert die politische Macht des Herausgebers und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Zeitung.
Schlüsselwörter
Kronen Zeitung, Hans Dichand, Boulevardjournalismus, Medienpolitik, Österreich, Kurt Falk, Mediaprint, Politische Kampagnen, WAZ, Pressefreiheit, Boulevardisierung, Macht, Wahleinfluss, Olah-Affäre, Printmedien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Aufstieg und den politischen Einfluss der „Kronen Zeitung“ in Österreich unter der Führung ihres langjährigen Herausgebers Hans Dichand.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Biografie Dichands, die wirtschaftliche Entwicklung des Blattes, die Rolle von Geschäftspartnern sowie die politische Instrumentalisierung durch boulevardeske Kampagnen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, wie die „Krone“ zum mächtigsten Printmedium Österreichs wurde und welchen realen Einfluss Hans Dichand auf die nationale Politik ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse unter Einbeziehung von Fachquellen, Medienberichten, Transkripten und Internetrecherche zu aktuellen Geschehnissen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehungsgeschichte, den Zerwürfnissen mit Geschäftspartnern (Falk, WAZ), der Olah-Affäre sowie konkreten Beispielen politischer Kampagnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Hans Dichand, „Kronen Zeitung“, Boulevard, politische Kampagnen, Machtpotenzial und Medienkonzentration.
Wie verhält sich die WAZ zur Führung der „Kronen Zeitung“?
Das Verhältnis zwischen dem deutschen Investor WAZ und Dichand war von jahrelangen Konflikten geprägt, insbesondere bezüglich der Chefredaktion und der strategischen Ausrichtung des Verlages.
Welche Bedeutung hatte die Olah-Affäre für die Zeitung?
Die Affäre war eine existenzielle Krise für die Zeitung, da der ÖGB aufgrund verpfändeter Sparbücher versuchte, den Besitzanspruch auf das Blatt geltend zu machen.
Wie beeinflusst die „Kronen Zeitung“ politische Prozesse?
Die Zeitung nutzt tendenziöse Berichterstattung, Reizwörter und gezielte Kampagnen, um Themen oder politische Personen entweder zu diskreditieren oder zu unterstützen.
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- Heidi Huber (Author), 2009, Die Kronen-Zeitung nach 1959. Hans Dichand und seine Partner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151115