Die Teilung Deutschlands ist einer der prägendsten Einschnitte in der Geschichte des Landes, dauerte dieser Zustand der zwei Staaten doch mehrere Jahrzehnte. Obwohl beide die gleiche
Vergangenheit hatten, entwickelten sie sich, vor allem aufgrund der verschiedenen Besatzungsmächte und deren unterschiedlichen Ideologien, in zwei verschiedene Richtungen.
Diese Differenzen und vor allem die Menschen in Ost- und Westdeutschland stellt Uwe Johnson in seinem zweiten Buch „Das dritte Buch über Achim“ (DBA) in den Mittelpunkt. Da er
selbst vom Osten in den Westen Berlins umzog, verfügte er über eine große Menge an Einsichten und Erfahrungen. Er ist auch einer der ersten gewesen, die das Thema der Grenzproblematik
literarisch umgesetzt haben. Schnell wurde er zu dem deutschen Schriftsteller, der als 'Dichter des geteilten Deutschlands' galt, da die Teilung dieses Landes (seines Landes) immer der
Ausgangspunkt für seine Romane gewesen ist.
Deswegen ist es besonders interessant, das Phänomen der Fremdheit im vorliegenden Buch zu betrachten und auch seine Ursachen und Wirkungen, da die Hauptpersonen stellvertretend für Tausende andere Deutsche zu dieser Zeit stehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ein Land – zwei Staaten: Fremdheit in BRD und DDR
2.1 Das Straßenbild
2.2 Die Sprache
3 Das Fremde zwischen den Menschen
3.1 Ost vs. West: Achim und Karsch
3.2 Einheimisch und doch fremd: Karin
3.3 Karschs Bemühungen um Verständnis
4 Wie die Fremdheit zum Scheitern führt
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Fremdheit als zentralen Grund für das Scheitern des Protagonisten Karsch in Uwe Johnsons Roman „Das dritte Buch über Achim“. Dabei wird analysiert, inwieweit die gesellschaftlichen und ideologischen Unterschiede zwischen der DDR und der BRD eine gegenseitige Verständigung unmöglich machen.
- Die Rolle der Fremdheit im geteilten Deutschland
- Einfluss von Sprache und Alltagswahrnehmung auf zwischenmenschliche Beziehungen
- Die Unmöglichkeit der Biografiearbeit bei ideologischen Differenzen
- Das Scheitern des Protagonisten Karsch als Repräsentant einer scheiternden Verständigung
- Das Verhältnis von Wahrheit und politischer Darstellung
Auszug aus dem Buch
3.1 Ost vs. West: Achim und Karsch
Der Rahmen, in dem sich Ost und West im „Dritten Buch über Achim“ begegnen, ist zunächst ein privater, der dann jedoch öffentlich wird. Anlass der Geschichte ist zunächst das Wiedersehen des westdeutschen Journalisten Karsch mit seiner Ex-Freundin Karin, die im Osten lebt.
Bei einer öffentlichen Feier des Rennfahrers Achim ist Karsch bei den Ehrungen im Stadion anlässlich des 30. Geburtstages „fasziniert von der scheinbaren gelungenen ‚Zusammenarbeit von Sport und Macht der Gesellschaft in einer Person‘“. So kommt es zu dem Biografieprojekt, dass der Sportler und DDR-Bürger Achim in einem dritten Buch darstellen soll. Zwei Biografien existieren bereits, haben aber beide den Sportler Achim im Mittelpunkt, während Karsch vor allem den Menschen Achim darstellen soll. Bei diesem Prozess wird „Karsch oft ganz zurückgenommen in seinen Blick auf den ostdeutschen Staat und seinen Versuch, diesen durch die Biografie eines prominenten Bürgers zu verstehen.“ Dabei wird vom Erzähler mehrfach gesagt: „Auf ihn kam es gar nicht an.“ Es geht mehr um Achim als öffentliche, also repräsentative Person der DDR und die Verständigung aufgrund der geplanten Biografie zwischen ihm und Karsch, sinnbildlich zwischen Ost und West.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung thematisiert die Teilung Deutschlands als prägende Zäsur und stellt Uwe Johnsons Auseinandersetzung mit der Grenzproblematik sowie die zentrale Rolle der Fremdheit in seinem Werk dar.
2 Ein Land – zwei Staaten: Fremdheit in BRD und DDR: Dieses Kapitel untersucht, wie sich die Wahrnehmung des Straßenbildes und der Sprache in den beiden deutschen Staaten auf das Fremdheitserleben der Protagonisten auswirkt.
3 Das Fremde zwischen den Menschen: Der Abschnitt beleuchtet die individuellen Konstellationen zwischen Karsch, Achim und Karin und analysiert, wie diese durch politische und kulturelle Barrieren in ihrer Interaktion behindert werden.
4 Wie die Fremdheit zum Scheitern führt: Hier wird dargelegt, warum das Biografieprojekt aufgrund unvereinbarer Verständniskonzepte und politischer Instrumentalisierung zwangsläufig scheitern muss.
5 Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Fremdheit als umfassendes, strukturelles Problem das Scheitern nicht nur der zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch des gesamten Projekts determiniert.
Schlüsselwörter
Uwe Johnson, Das dritte Buch über Achim, Fremdheit, Teilung Deutschlands, DDR, BRD, Karsch, Achim, Karin, Biografie, Identität, Sprachbarriere, Ost-West-Konflikt, politische Instrumentalisierung, literarische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Uwe Johnsons Roman „Das dritte Buch über Achim“ unter dem Aspekt, wie das Phänomen der Fremdheit zwischen Menschen im geteilten Deutschland zu einem Scheitern zwischenmenschlicher und beruflicher Projekte führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kulturelle und sprachliche Entfremdung, die Diskrepanz zwischen öffentlicher Selbstdarstellung und privater Wahrheit sowie die Schwierigkeit, ein Leben in einem fremden politischen System objektiv zu erfassen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass nicht nur die politischen Rahmenbedingungen, sondern die tiefliegende Fremdheit das Scheitern des Biografieprojekts des Protagonisten Karsch verursacht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Romananalyse, die den Text unter Einbeziehung von Sekundärliteratur auf erzählerische Strukturen und thematische Leitmotive hin untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des staatlich geprägten Fremdheitserlebens, die Analyse der persönlichen Beziehungen zwischen Karsch, Achim und Karin sowie das Scheitern der kommunikativen Verständigungsversuche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie „Fremdheit“, „Teilung Deutschlands“, „Biografiearbeit“ und „Ost-West-Verständnis“ beschreiben.
Warum gelingt Karsch keine objektive Biografie über Achim?
Karsch scheitert, weil er einerseits eine „wahre“ Biografie über den Menschen Achim schreiben will, dieser aber durch die DDR-Führung politisch instrumentalisiert wird und Informationen bewusst filtert.
Welche Rolle spielt die Figur Karin im Kontext der Fremdheit?
Karin fungiert als Bindeglied zwischen Karsch und dem Osten, ist jedoch selbst in ihrer Identität gespalten und gefangen zwischen Anpassung an den Staat und dem Wunsch nach einer anderen Realität.
- Arbeit zitieren
- Katharina Brömel (Autor:in), 2009, Phänomen der Fremdheit als Grund für das Scheitern des Protagonisten Karsch in Uwe Johnsons "Das dritte Buch über Achim", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151117