Die politische Mitwirkung der Königin und Kaiserin Kunigunde


Seminararbeit, 2009
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Herkunft, Heirat und Krönung

3. Teilhabe an der Politik Heinrich II
3.1. Kunigunde als Intervenientin
3.2. Kunigundes Rolle am Hof und ihre Herrschaftsaufgaben
3.3. Kunigundes Rolle während der Witwenschaft

4. Vergleich mit anderen Herrscherinnen

5. Zusammenfassung

Literatur

1. Einleitung

Als „kluge Ratgeberin, eine tatkräftige Regentin [und als] eine liebe Frau“ wird die Königin und Kaiserin Kunigunde in heutiger Forschungsliteratur beschrieben.1 Sie war die Ehefrau des bayerischen Herzogs Heinrich IV., der 1002 König des Ostfrankenreiches wurde. Das volkstümliche Bild stellt sie als heilige Frau eines ebenso heiligen Gatten dar.2 Sowohl Thietmar von Merseburg als auch Adabold von Utrecht bieten in ihren Schriften nur wenige Informationen über Kunigunde, sondern beschäftigen sich hauptsächlich mit ihrem Gemahlen Heinrich. In Annalen wird sie häufig nur in einem Satz erwähnt, aber die Urkunden Heinrich II., in denen sie oft als Intervenientin auftritt, bieten einen gewissen Einblick in ihre Persönlichkeit.3 Wipo berichtet in seiner Gesta Chuonradi über die Zeit der Kaiserin Kunigunde nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1024 bis zum Herrschaftsantritt Konrad II.4 Um ein Bild über die historische und poltische Kunigunde entwerfen zu können, bedarf es der Abkehr von den zahlreichen Legenden. So muss „an die Stelle der Konstruktion […] die Rekonstruktion treten“.5

Mit Beginn des 2. Jahrtausend nahmen Frauen im Ottonenreich immer bedeutendere Positionen und Funktionen ein. Vor allem im 10. und 11. Jahrhundert stieg die Herrschaftsbeteiligung deutlich an. Neben Kaiserinnen wie Adelheid und Theophanu scheint auch Kunigunde aktiv auf die Politik ihres Gatten eingewirkt zu haben.6 Doch welche Aufgaben besaß die Frau an der Seite Heinrich II. konkret? Konnte sie tatsächlich auf die Politik ihres Mannes einwirken? Wenn ja, in welchen Bereichen war es ihr möglich? Das sind Fragen die in der folgenden Arbeit beantwortet werden sollen. Dazu ist vorerst nötig die Herkunft Kunigundes, ihre Heirat mit Heinrich II. und Krönung zur Königin vorzustellen, um anschließend ihre Teilhabe an der Politik zu zeigen. Dies wird in ihrer Rolle als Intervenientin, in ihren allgemeinen Aufgaben und in der Zeit ihrer Witwenschaft untersucht. Zum Schluss folgen ein Vergleich mit anderen Königinnen und eine Zusammenfassung.

2. Herkunft, Heirat und Krönung

Kunigunde wurde vermutlich zwischen 975 und 985 im Moselraum als Tochter des Grafen Siegfried geboren. Weder der Geburtsort noch das Jahr sind exakt bestimmbar, da im Mittelalter mehr der Sterbetag und der Ort der Grablege Bedeutung besaßen.7 Ihr Vater Siegfried war Vogt der Abtei Echternach und hatte durch zahlreiche Territorien im Mosel - und Saargau, sowie mit dem Kastell Luxemburg als Herrschaftszentrum großen Einfluss. Trotz dieser Stellung ist wenig über Kunigunde in jungen Lebensjahren bekannt, das ändert sich erst nach der Heirat mit dem Herzog von Bayern, Heinrich IV.8

Auch das Datum der Hochzeit lässt sich nicht exakt datieren, es wird der Zeitraum zwischen 995 und 1000 vermutet. Da Heinrich Bamberg als Morgengabe an Kunigunde verliehen hatte, muss er noch bayerischer Herzog gewesen sein, aber auch schon das väterliche Erbe angetreten haben. Dies bedeutet, dass die Hochzeit nach dem Tode Heinrich des Zänkers, also am 28. August 995, stattgefunden haben muss.9 Ob diese Ehe durch die Vermittlung von Dritten oder aufgrund gegenseitiger Bekanntschaft der beiden Familien zustande kam, gilt noch heute als ungeklärt.10 Als Morgengabe, das Geschenk des Gatten am morgen nach der Hochzeit, erhielt Kunigunde Bamberg und andere „zahlreiche Besitzungen an verschiedenen Orten wurden ihr als Wittum übertragen“.11 Somit besaß sie schon von Beginn an einen recht großen politischen Einfluss.12 Für das Luxemburger Grafenhaus war diese Ehe ein enormer Bedeutungszuwachs. Kunigunde heiratete einen Urenkel von Heinrich I., der aus einer Seitenlinie der Ottonen stammte, und somit für die Luxemburger eine verwandtschaftliche Nähe zum Kaiserhaus brachte.13 Auf Heinrichs Seite entsprach diese Heirat jedoch nicht dem Heiratsverhalten der Liudolfinger, weil Kunigunde als Grafentochter nicht die Bedeutung wie die Tochter eines Königs oder Kaisers inne hatte. Das Zustandekommen der Verbindung scheint der Verdienst des Kaisers Otto III. gewesen zu sein, der damit Heinrich IV. an die Familie „eines seiner treusten Gefolgsleute“ band, um so eine Heirat mit einer bedeutungsvolleren Herrschaftsfamilie zu vermeiden, die eventuell die Gefahr eines Aufstandes gegen ihn gebracht hätte.14 Heinrich selbst war zu dieser Zeit mit dem Ausbau seiner Stellung im Herzogtum beschäftigt. Aus seiner Sicht besaß die Hochzeit auch keinen poltischen Zweck, da Otto III. jünger war als er und eine Thronnachfolge somit ohnehin unrealistisch erschien.15 Dies erwies sich 1002 jedoch als Irrtum. Nach dem Tod Otto III. trat Heinrich die Nachfolge an und wurde noch im selben Jahr zum König Heinrich II. gekrönt und gesalbt.16 Kunigunde wurde zwar auch 1002, aber später als ihr Gatte, zur Königin erhoben. Am Tag des heiligen Laurentius, den 10. August, fand die Krönung und Salbung in Paderborn durch den Mainzer Erzbischof Willigis statt.17 Sie war somit die erste „ostfränkisch-deutsche Königin“.18 Der Mainzer Krönungsordo der Königinnen war schlichter als der für ihre Gemahlen. Es findet eine Verknüpfung der Königin mit Frauengestalten des Alten Testamentes statt, die die Vorstellung von einer „tapferen, gerechten und mit politischer Klugheit agierenden Königin“ besaßen.19 Nach Baumgärtner symbolisiere diese eigenständige Krönung Kunigundes ein gemeinsames Vorgehen des Herrscherpaares beim Erfassen des Reiches, das höchsten noch durch die Kaiserkrönung der beiden am 14. Februar 1014 übertroffen wird.20 Dagegen argumentiert Pflefka, indem er darauf hinweist, dass die eigenständige Krönung Kunigundes aus der Not heraus geboren worden sei. Denn zur Krönung ihres Mannes war sie nicht anwesend, sodass eine gemeinsame Krönung ausgeschlossen war. Das Argument Baumgärtners, in dem die doppelte Krönung für ein gemeinsames Erfassen des Reiches gilt, weist er ab, da Kunigunde erst in Grone auf ihrem Mann traf und ihn demnach nur einen geringen Teil des Umritts begleitete.21

3. Teilhabe an der Politik Heinrich II

3.1. Kunigunde als Intervenientin

Als Intervenientin, also Fürsprecherin bei der Urkundenausstellung Heinrich II., nimmt Kunigunde eine entscheidende Funktion in der Regierung ihres Mannes ein. Mittelalterliche Urkunden verwiesen nämlich auch auf die Personen, die beim Austeller Fürbitte leisteten.22

Diese Rolle erhält besondere Bedeutung, weil nicht alle Menschen Zugang zum König oder Kaiser hatten, sodass sie selbst als Bittsteller hätten auftreten können. Vielmehr gab es einen überschaubaren Beraterkreis, in dem vor allem bei Heinrich II. Kunigunde die entscheidende Person gewesen ist, da sie ihm als Gattin am nächsten stand. Kunigunde intervenierte demnach auch während der gesamten Regierungszeit am häufigsten.23 Nach den Untersuchungen Pflefkas sind es exakt 149 von 509 Urkunden Heinrich II., das entspricht 29 Prozent. Diese Urkunden dienen dem Historiker auch als wichtigste Quellen über Kunigunde.24

Allgemein lassen sich Interventionen über das ganze Gebiet nördlich der Alpen finden, aber auch für Italien trat die Königin und Kaiserin ein.25 Einige Bistümer und Klöster treten jedoch vermehrt auf. Da wären beispielsweise die Bistümer Bamberg, Paderborn, Worms und Salzburg sowie die Klöster Kaufungen und Fulda zu nennen.26

Aber auch in Urkunden, in denen Kunigunde nicht intervenierte, liegt der Schwerpunkt bei den aufgelisteten Beispielen. Dies spiegelt das gute Zusammenwirken und die politische Einigkeit des Paares wider.27 Auffallend hoch ist die Mitwirkung Kunigundes bei Urkunden für Nonnenklöster, deren Interventionsanzahl bei 44 Prozent liegt.28 Die Personen, welche mit Kunigunde intervenierten galten als die bedeutendsten Fürsten der Zeit. Nach Pflefka besteht deshalb ein enger Zusammenhang zwischen politischer Macht und Mitintervention.29 Kunigunde schien also eine hilfreiche Rolle bei der Umsetzung der Ziele darzustellen, so intervenierten einige Personen, wie zum Beispiel die Erzbischöfe Erkanbald und Aribo von Mainz, ausschließlich mit der Gattin Heinrichs.30 Hierbei wird deutlich welchen großen Einfluss Kunigunde auf ihren Ehemann besessen haben muss. Sie scheint also mit „Fingerspitzengefühl, diplomatischem Geschick und politischem Verstand“ diese Funktion gut ausgefüllt zu haben.31

Die Diplomata enthielten im Allgemeinen die Bezeichnung „consors regni“, was soviel heißt wie „Teilhaberin am Reich“.32

[...]


1 KLAUS GUTH, Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde. Das heilige Herrscherpaar; Leben, Legende, Kult und Kunst, Petersberg 2002, S. 80.

2 SVEN PFLEFKA, Heilige und Herrscherin - Heilige oder Herrscherin? Rekonstruktionsversuche zu Kaiserin Kunigunde, in: Bericht des Historischen Vereins Bamberg 137 (2001), S. 35.

3 SVEN PFLEFKA, Kunigunde und Heinrich II. Politische Wirkungsmöglichkeiten einer Kaiserin an der Schwelle eines neuen Jahrtausends, in: Bericht des Historischen Vereins Bamberg 135 (1999), S. 199.

4 AMALIE FÖßEL, Die Königin im mittelalterlichen Reich. Herrschaftsausübung, Herrschaftsrechte, Handlungsspielräume, Stuttgart 2000, S. 339.

5 SVEN PFLEFKA, Heilige und Herrscherin - Heilige oder Herrscherin?, S. 36.

6 INGRID BAUMGÄRTNER, Kunigunde. Politische Handlungsspielräume einer Kaiserin, in: INGRID BAUMGÄRTNER (Hg.), Kunigunde - eine Kaiserin an der Jahrtausendwende, Kassel 1997, S. 11.

7 Ebd., S. 36.

8 Ebd., S. 36.

9 SVEN PFLEFKA, Kunigunde und Heinrich II., S. 204-205.

10 Ebd., S. 205.

11 SVEN PFLEFKA, Heilige und Herrscherin - Heilige oder Herrscherin?, S. 37.

12 SVEN PFLEFKA, Kunigunde und Heinrich II., S. 266.

13 SVEN PFLEFKA, Heilige und Herrscherin - Heilige oder Herrscherin?, S. 36.

14 Ebd., S. 37.

15 Ebd., S. 37.

16 STEFANIE DICK & CARLA MEYER, 2. Akt: Leben und Nachleben Kunigundes, in: MATTHIAS WEMHOFF (HG.), Kunigunde - empfange die Krone, Paderborn 2002, S. 69.; SVEN PFLEFKA, Kunigunde und Heinrich II., S. 67.

17 STEFAN WEINFURTER, Heinrich II.: Herrscher am Ende der Zeiten, Regensburg3 2002, S. 97.

18 SVEN PFLEFKA, Heilige und Herrscherin - Heilige oder Herrscherin?, S. 37.

19 SVEN PFLEFKA, Kunigunde und Heinrich II., S. 222-223.

20 INGRID BAUMGÄRTNER, Kunigunde. Politische Handlungsspielräume einer Kaiserin, S. 22.

21 STEFANIE DICK & CARLA MEYER, 2. Akt: Leben und Nachleben Kunigundes, S. 69; SVEN PFLEFKA, Kunigunde und Heinrich II., S. 215.

22 INGRID BAUMGÄRTNER, Fürsprache, Rat und Tat, Erinnerung. Kunigundes Aufgaben als Herrscherin, in: STEFANIE DICK u.a. (Hg.), Kunigunde - consors regni. Vortragsreihe zum tausendjährigen Jubiläum der Krönung Kunigundes in Paderborn (1002 - 2002), München 2004, S. 50.

23 STEFANIE DICK & CARLA MEYER, 2. Akt: Leben und Nachleben Kunigundes, in: MATTHIAS WEMHOFF (HG.), Kunigunde - empfange die Krone, Paderborn 2002, S. 68.

24 SVEN PFLEFKA, Kunigunde und Heinrich II., S. 199.

25 Ebd., S. 230.

26 Ebd., S. 230.

27 Ebd., S. 230.

28 Ebd., S. 230.

29 Ebd., S. 230.

30 Ebd., S. 230.

31 STEFANIE DICK & CARLA MEYER, 2. Akt: Leben und Nachleben Kunigundes, S. 68.

32 INGRID BAUMGÄRTNER, Fürsprache, Rat und Tat, Erinnerung. Kunigundes Aufgaben als Herrscherin, S. 50.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die politische Mitwirkung der Königin und Kaiserin Kunigunde
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Seminar:Heinrich II.: Heiliger oder Gewaltherrscher?
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V151163
ISBN (eBook)
9783640627516
ISBN (Buch)
9783640627707
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mitwirkung, Königin, Kaiserin, Kunigunde
Arbeit zitieren
David Kirsch (Autor), 2009, Die politische Mitwirkung der Königin und Kaiserin Kunigunde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151163

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