Betroffene einer Depression greifen verstärkt zu dysfunktionalen Emotionsregulations-Strategien zurück. Beim Versuch, Emotionen zu bewältigen wird mitunter auf das Smartphone, einem mittlerweile omnipräsenten Begleiter, zurückgegriffen. Wenige Studien setzen sich bisher damit auseinander, wie genau depressive Menschen das digitale Endgerät als Tool zur Emotionsregulation nutzen. Es fehlen Erkenntnisse dazu, welche Bedeutung diese Art der digitalen Emotionsregulation für Betroffene trägt. Im Rahmen dieser empirischen Arbeit wurden daher sieben Personen mit depressiver Symptomatik interviewt, um der Forschungsfrage nachzugehen, inwiefern depressive Erwachsene ihr Smartphone zur digitalen Emotionsregulation nutzen und wie entsprechende smartphone-basierte Regulations-Strategien hinsichtlich ihrer Funktionalität wahrgenommen werden. Die qualitative Untersuchung ergab, dass die Befragten insbesondere die Kommunikation mit Bezugspersonen, digitale Medien (v.a. Social Media), Musik, Organisations-Tools sowie die Internet-Recherche vor dem Hintergrund der Emotionsregulation einsetzen und sich die verschiedenen Strategien teilweise hinsichtlich ihrer wahrgenommenen kurz- und langfristigen Wirksamkeit unterscheiden. Von Bedeutung sind hierbei nicht nur die Smartphone-Funktionen selbst, sondern insbesondere auch Kontextfaktoren, wie die wahrgenommene Kontrolle über die Nutzung. Insgesamt tragen die gewonnenen Erkenntnisse zu einem besseren allgemeinen Verständnis über den speziellen Phänomenbereich bei, was wiederum einen Beitrag zur Entwicklung von Interventionen leistet, die speziell das digitale Emotionsregulations-Management adressieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Teil
2.1 Emotionsregulation
2.1.1 Grundlagen und Modelle der Emotionsregulation
2.1.2 Emotionsregulation aus dem Blickwinkel der Klinischen Psychologie
2.1.3 Digitale Emotionsregulation
2.2 Störungsbild Depression
2.2.1 Charakteristika und Klassifikation
2.2.2 Besonderheiten der Emotionsregulation im Rahmen der Depression
2.2.3 Risikofaktoren und Entstehungsbedingungen
2.2.4 Psychologische Therapie der Depression
2.3 Smartphone-Nutzung
2.3.1 Grundlagen der Smartphone-Nutzung
2.3.2 Risiken der Smartphone-Nutzung
2.3.3 Emotionsregulation und problematische Smartphone-Nutzung
2.4 Integration
2.4.1 Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse
2.4.2 Auswahl relevanter theoretischer Konzepte für das weitere Vorgehen
2.4.3 Präzisierung der Zielsetzung
3. Methodenteil
3.1 Untersuchungsdesign
3.2 Stichprobe
3.2.1 Vorgehensweise bei der Fallauswahl und Rekrutierung
3.2.2 Beschreibung der Stichprobe
3.3 Methoden der Datenerhebung und -aufarbeitung
3.3.1 Auswahl der Erhebungsmethode
3.3.2 Planung der leitfadengestützten Interviews
3.3.3 Durchführung der Interviews
3.3.4 Vorgehen bei der Datenaufbereitung
3.4 Methode der Datenanalyse
3.4.1 Auswahl der Auswertungsmethode
3.4.2 Planung und Durchführung der qualitativen Inhaltsanalyse
4. Ergebnisse
4.1 Analyse 1 - induktive Kategorienbildung
4.2 Analyse 2 – deduktive Kategorienanwendung
5. Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse
5.2 Kritische Reflexion des eigenen Vorgehens
5.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Abschlussarbeit untersucht, inwiefern depressive Erwachsene ihr Smartphone als Werkzeug zur digitalen Emotionsregulation nutzen. Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Bedeutung der Smartphone-Nutzung bei depressiven Erkrankungen zu schaffen und die Funktionalität verschiedener digitaler Regulationsstrategien zu analysieren, um Ansätze für zukünftige Interventionen zu gewinnen.
- Rolle des Smartphones bei der Emotionsregulation depressiver Erwachsener
- Identifikation und Kategorisierung digitaler Emotionsregulationsstrategien
- Wahrnehmung der Wirksamkeit smartphone-basierter Strategien
- Zusammenhang zwischen depressiver Symptomatik und Smartphone-Nutzung
- Funktionalität vs. Dysfunktionalität digitaler Bewältigungsansätze
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Das am stärksten verbreite digitale Endgerät, welches sich innerhalb der letzten 15 Jahre rasant in großen Teilen der Welt durchgesetzt hat und damit im Zentrum der Technologisierung des Alltags steht, ist das Smartphone. (Kaufmann, 2018, S. 139) Mit seinen unzähligen Funktionen erleichtert und verändert der omnipräsente Begleiter das Leben von mittlerweile mehr als 4 Milliarden Nutzenden in vielerlei Hinsicht. (Degenhard, 2024) Smartphones ermöglichen nicht nur einen nahezu unbegrenzten Zugriff auf Informationen und Wissen, sie bieten zudem Zugang zu unterschiedlichen Formen der Unterhaltung sowie der sozialen Vernetzung. (Shi, Koval, Kostakos, Goncalves & Wadley, 2023, S. 1)
Ein aktuell zunehmend relevantes Phänomen ist die digitale Emotionsregulation. Der Begriff beschreibt, dass Menschen digitale Geräte, allen voran das Smartphone, bewusst zur Emotionsregulation, also zur Steuerung affektiver Zustände, funktionalisieren. (Wadley, Smith, Koval & Gross, 2020, S. 412) Shi et al. (2023) konnten im Rahmen ihrer empirischen Studie beispielsweise bestätigen, dass ein erheblicher Anteil der Smartphone-Nutzung auf die Regulierung unangenehmer Gefühle (z. B. Stress, Langeweile) zurückzuführen ist. (S.1) Dabei betonen die Autor*innen die Komplexität der Beziehung zwischen Smartphone und emotionalem Wohlbefinden.
Für Menschen mit einer depressiven Erkrankung stellt die funktionale Emotionsregulation eine besondere Herausforderung dar. (Sören et al., 2022, S. 1) Das Störungsbild zeichnet sich diesbezüglich durch Symptome wie Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit (Caspar, Pjanic & Westermann, 2017, S. 56) sowie eine gehäufte Nutzung dysfunktionaler Emotionsregulations-Strategien aus. (Sören et al., 2022, S. 1) Darüber hinaus bestätigt die aktuelle Studienlage Korrelationen zwischen dem Störungsbild der Depression und exzessiver Smartphone-Nutzung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Smartphones als digitales Emotionsregulationstool ein und leitet die Forschungsfrage über depressive Erwachsene her.
2. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel liefert die Grundlagen über Emotionsregulation, die Klinik der Depression und Smartphone-Nutzungsrisiken, um den aktuellen Forschungsstand zu integrieren.
3. Methodenteil: Hier wird das qualitative Forschungsdesign dargelegt, inklusive der Stichprobenauswahl von sieben depressiven Erwachsenen und der Durchführung leitfadengestützter Telefoninterviews.
4. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die induktive Kategorienbildung der Emotionsregulationsstrategien sowie deren deduktive Analyse hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Funktionalität.
5. Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert, kritisch reflektiert und in den bisherigen Forschungsstand eingeordnet, ergänzt um einen Ausblick auf künftige Interventionsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Emotionen, Emotionsregulation, Smartphone, Depression, Interviews, Digitale Emotionsregulation, Psychische Gesundheit, Smartphone-Nutzung, Qualitative Inhaltsanalyse, Coping, Reappraisal, Rumination, Psychologische Therapie, Smartphone-Sucht, Nutzerverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen mit einer depressiven Erkrankung ihr Smartphone bewusst im Alltag einsetzen, um ihre Emotionen zu regulieren oder affektive Zustände zu beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf den Gebieten der Emotionsregulation, dem klinischen Störungsbild der Depression sowie einer differenzierten Analyse der verschiedenen Bereiche der Smartphone-Nutzung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, welche Bedeutung die digitale Smartphone-Nutzung für depressive Erwachsene hat und wie diese Strategien ihre psychische Verfassung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Datengewinnung verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Studie mit sieben leitfadengestützten Interviews, die in einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu den drei zentralen Themenbereichen, die methodische Darlegung der Studie sowie die anschließende Ergebnisanalyse der geführten Interviews.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "digitale Emotionsregulation", "Smartphone-Nutzung", "Depression" und "qualitative Interviewforschung" beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Smartphone-Nutzung bei Depressiven von Gesunden?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass depressive Personen das Smartphone häufiger für ein habituelles oder impulsives Emotionsregulations-Management nutzen, was bei mangelnden Alternativstrategien zu einer problematischen Nutzung führen kann.
Welche Rolle spielt die "Always-On-Konnektivität" für die untersuchten Personen?
Die ständige Erreichbarkeit wird einerseits als Ressource zur sozialen Vernetzung und Unterstützung genutzt, andererseits birgt sie das Risiko eines Kontrollverlusts über das Nutzungsverhalten.
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- Daline Ostermaier (Author), 2024, Das Smartphone als Emotionsregulations-Tool, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1511705