Das Konzept der Lernenden Region als Ansatz wissensbasierter Regionalentwicklung scheint ein vielversprechender Ansatz neuerer Zeit zu sein um auf regionaler Ebene Impulse für wirtschaftliches Wachstum setzen zu können. Die Popularität solcher Ansätze und Theorien scheinen dabei einer Fluktuation zu unterliegen und werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten mehr oder minder heiß diskutiert. Mitte der 1990er Jahre war für die Regionalentwicklung
unter anderem der Ansatz der Lernenden Region ein viel besprochenes Konzept. Um dieses Konzept besser einordnen zu können, sollen in dieser Arbeit wesentliche Punkte des Konzeptes vorgestellt und kritisch betrachtet werden. Dazu wird im Kapitel zwei der Wandel wirtschaftlicher Aktivitäten sowie verbundenen Änderungen der Anforderungen an Unternehmen erläutert. nschließend befasst sich das Kapitel drei intensiver mit dem
Konzept der Lernenden Region. Auf Grundlage der im Kapitel drei erläuterten Merkmalen und Definitionen werden im Kapitel vier zwei Fallbeispiele vorgestellt und anschließend der
Spannungsbogen des theoretischen Ansatzes in der Praxis überprüft und hinsichtlich der Umsetzbarkeit betrachtet. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Lernende Region charakteristisch
vorzustellen. Zum Ende der Untersuchung wird sich zeigen in wie weit es Die Lernende Region gibt und wo Mängel bestehen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. PARADIGMENWECHSEL UND DIE NOTWENDIGKEIT NEUER ANSÄTZE
3. DAS KONZEPT DER „LERNENDEN REGION“
3.1 THEORETISCHE EINORDNUNG
3.2 DEFINITION
3.3 ZIELE
3.4 MERKMALE
3.5 AKTEURE
4. KRITISCHE BETRACHTUNG UND SPANNUNGSFELDER ZWISCHEN ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT
5. FALLBEISPIELE
5.1 DIE LERNENDE REGION GRAZ
5.1.1 Geographische Abgrenzung
5.1.2 Aufgaben und Ziele
5.1.3 Initiierung und Verlauf des Konzeptes Lernende Region Graz
5.1.4 Vergleich zwischen Theorie und Praxis
5.2 LERNENDE REGION MIA – MITTELDEUTSCHE INDUSTRIEREGION IM AUFBRUCH
5.2.1 Geographische Abgrenzung
5.2.2 Aufgaben und Ziele
5.2.3 Ergebnisse
5.2.4 Vergleich zwischen Theorie und Praxis
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Lernenden Region" als wissensbasierten Regionalentwicklungsansatz, um regionale wirtschaftliche Impulse in Zeiten globaler Veränderungen zu bewerten und kritisch einzuordnen.
- Grundlagen des Paradigmenwechsels in der Regionalentwicklung
- Theoretische Einordnung und definitorische Abgrenzung des Konzepts
- Ziele, Merkmale und Akteursstrukturen der Lernenden Region
- Kritische Analyse von Spannungsfeldern zwischen Theorie und Praxis
- Fallstudien: Vergleich der Lernenden Region Graz und der Lernenden Region MIA
Auszug aus dem Buch
3.1 Theoretische Einordnung
Die Einordung des Konzeptes LERNENDE REGION in die Wirtschaftsgeographie erfordert einen theoretischen Ansatzpunkt, der in der New Economic Geography zu suchen ist. Der Ansatz der „neuen Wirtschaftsgeographie“ ist verhältnismäßig jung und wurde in den 1980er Jahren erstmals von Autoren wie Romer, Williamson, Krugman, Nelson und Winter aufgegriffen26. Zu der neuen Wirtschaftsgeographie gehören die Ansätze der Geographical Economies, vertreten durch Krugman27, die Ansätze der neuen Wachstumstheorien und neuen Außenhandelstheorien, vertreten durch Romer und Rivera Batiz28 sowie die Ansätze aus interdisziplinären Fachbereichen der Sozialwissenschaften, vertreten durch Granovetter29. Die letzten Jahrzehnte der Wirtschaftsgeographie sind demnach durch vielfältige inter- und transdisziplinäre Einflüsse gekennzeichnet.
Sozialwissenschaften, die mit der Netzwerktheorie und dem Konzept der embeddedness (sozial eingebettet sein) starken Einfluss auf wirtschaftsgeographische Betrachtungen ausüben. Daraus entwickelten sich die Ansätze der New Economic Geography , die nunmehr hinterfragen, wie Unternehmen, Institutionen und allgemein Akteure ihr Umfeld so gestalten, dass sozioökonomischen Wachstum generiert werden kann. Wichtige Standpunkte sind dabei die Endogenisierung von Wachstumsfaktoren wie Wissen, technischer Fortschritt, Innovationen und positive externe Effekte bedingt durch Lernprozesse. Damit stellt die New Economic Geography eine Gegenposition zu den bestehenden wirtschaftsgeographischen Theorien dar.30 Mit bestehenden Theorien sind dabei die Konzepte des raumwirtschaftlichen-, des verhaltenswissenschaftlichen-, des funktionalen- und des Wohlfahrtsansatzes gemeint.31 Die neue Wirtschaftsgeographie verlässt die neoklassischen Modelle, mit ihren statischen Gleichgewichtsannahmen, und erklärt Wachstumsunterschiede über Agglomerationen, durch mobile Produktionsfaktoren, durch kumulative Prozesse, durch unvollkommene Märkte sowie durch endogene Entwicklungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der wissensbasierten Regionalentwicklung und Darlegung der Zielsetzung, das Konzept der Lernenden Region kritisch zu untersuchen.
2. PARADIGMENWECHSEL UND DIE NOTWENDIGKEIT NEUER ANSÄTZE: Analyse des wirtschaftlichen Strukturwandels und der steigenden Bedeutung von Wissen als Produktionsfaktor in einer globalisierten Wirtschaft.
3. DAS KONZEPT DER „LERNENDEN REGION“: Theoretische Fundierung, Definition, Zielbestimmung und Identifikation der zentralen Merkmale und Akteure des Modells.
4. KRITISCHE BETRACHTUNG UND SPANNUNGSFELDER ZWISCHEN ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT: Reflexion über die methodischen Grenzen des Konzepts und die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung in unterschiedlichen regionalen Kontexten.
5. FALLBEISPIELE: Empirische Betrachtung zweier konkreter Regionen zur Überprüfung der theoretischen Annahmen in der regionalen Praxis.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, in der die Lernende Region als heuristisches Konzept zur Mobilisierung endogener Potentiale unter kritischer Würdigung seiner praktischen Anwendbarkeit eingeordnet wird.
Schlüsselwörter
Lernende Region, Regionalentwicklung, Wirtschaftsgeographie, Wissen, Humankapital, Innovation, Netzwerk, Globalisierung, Regionalisierung, Wissensgesellschaft, Kooperation, Endogenisierung, Strukturwandel, KMU, Lernprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem theoretischen Konzept der "Lernenden Region" als Instrument zur Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit durch wissensbasierte Lernprozesse.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung von Wissen als Produktionsfaktor, die Rolle von Netzwerken, Kooperationen zwischen regionalen Akteuren sowie die Auswirkungen der Globalisierung auf regionale Entwicklungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das Konzept der Lernenden Region zu charakterisieren, seine theoretische Basis innerhalb der neuen Wirtschaftsgeographie zu verorten und kritisch zu prüfen, wie das Konzept in der Praxis umgesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie den Vergleich zweier Fallbeispiele (Graz und MIA), um den Spannungsbogen zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der praktischen Anwendung zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung, die Definition und Zielsetzung, die Beschreibung der Merkmale sowie eine detaillierte kritische Reflexion und Analyse zweier praxisnaher Fallbeispiele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wissensgesellschaft, endogene Entwicklung, Netzwerke, Lernprozesse, Innovationsfähigkeit, Humankapital und regionale Disparitäten.
Inwiefern unterscheidet sich das Konzept der Lernenden Region von klassischen Ansätzen?
Im Gegensatz zu neoklassischen Modellen mit statischen Annahmen setzt das Konzept auf dynamische, evolutorische Prozesse, räumliche Wissensbindung und die aktive Gestaltung des regionalen Umfelds durch die Akteure selbst.
Welche Rolle spielen Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) in der Lernenden Region?
KMU bilden aufgrund ihrer hohen Anzahl das Rückgrat der regionalen Wirtschaft; ihre Mobilisierung und Vernetzung ist essenziell, um komplementäre Potenziale zu bündeln und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Welche Hauptkritikpunkte werden an dem Konzept geäußert?
Die Kritikpunkte umfassen die mangelnde empirische Überprüfbarkeit, das Definitionsproblem hinsichtlich des Begriffs "Region" sowie die Diskrepanz zwischen idealtypischen Ansprüchen und der komplexen Realität der Umsetzung.
Was zeigen die Fallbeispiele konkret über die Praxisanwendung?
Die Beispiele verdeutlichen, dass sich das theoretische Modell in der Praxis oft in bildungspolitische Förderprojekte wandelt, die den Fokus eher auf soziale Integration als auf die rein wirtschaftliche Vernetzung wissensintensiver Unternehmen legen.
- Citar trabajo
- Felix Hacker (Autor), 2010, Wissensbasierte Regionalentwicklung - Das Konzept der "Lernenden Region", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151187