Gegenstand dieser Hausarbeit ist die literarische Ausarbeitung von Frauenmordfällen und Gewalt gegen Frauen in Sachprosa und, im Vergleich narrativen Texten bei Emilia Pardo Bazán. Hierzu werden nach einigen biographischen Angaben zur Verfasserin der für diese Arbeit relevanten Werke die drei Sachtexte:
• „Por una justicia que no discrimine“,
• „La discriminación del Derecho Penal“ und
• „La vida contemporánea“
im Zusammenhang erschlossen, um diese anschließend hinsichtlich des Inhaltes und der Themenverarbeitung dem narrativen Text der selben Autorin
• „La puñalada“
vergleichend gegenüberzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emilia Pardo Bazán
3. Frauenmordfälle in den Sachtexten
3.1 Bazáns Kritik an Staat und Gesellschaft
3.2 Schwere der Taten und angemessene Strafen
3.3 Die Darstellung der Täter und ihrer Motive
3.4 Die Darstellung der Opfer
3.5 Bazáns Sprache und Stil
4. Frauenmordfall im narrativen Text „La puñalada“
4.1 Die Darstellung des Täters und des Motivs
4.2 Die Darstellung des „Opfers“
5. Frauenmord im Sachtext vs. Frauenmord in Narrativik
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche literarische Aufarbeitung von Frauenmordfällen und Gewalt gegen Frauen durch die spanische Autorin Emilia Pardo Bazán, wobei ein direkter Vergleich zwischen ihren Sachtexten und ihrem narrativen Werk gezogen wird, um Diskrepanzen in der Haltung der Autorin und der Darstellung der Gewalt aufzudecken.
- Biografische Einordnung von Emilia Pardo Bazán als Vorreiterin des Naturalismus.
- Kritische Analyse der gesellschaftlichen, politischen und juristischen Umstände von Frauenmorden.
- Vergleichende Untersuchung der Täter- und Opferdarstellung in Sachprosa und erzählender Literatur.
- Reflektion über den stilistischen und perspektivischen Wechsel der Autorin je nach Textgattung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Bazáns Kritik an Staat und Gesellschaft
Bazán erhebt in den Sachtexten schwere Kritik an vielen Fronten. Sie kritisiert die Handlungsabsichten der Mörder, die unreflektierte gesellschaftliche Reaktion auf die Taten bzw. die mangelnde politische, juristische und eben gesellschaftliche Aktion. Die passive Haltung der gesamten Umwelt bzw. Gesellschaft führt zu der Vielzahl der Verbrechen. Bereits früh vertritt Bazán damit eine heute deutlich breiter vertretene Aufassung eine tragende Rolle zukommt.
Lo que vengo repitiendo aquí un día y otro, se ha confirmado de la más espantosa manera con el horrible caso acaecido en Madrid hace unos días, y de que la prensa habló poco y cesó de hablar pronto [...]
Dem Staat wird die Diskriminierung der Frau vorgeworfen. Sie werden unterdrückt, haben kaum Zugang zu Bildung und Beruf. Frauen, die anständige Arbeit suchen, finden häufig keine, werden sich selbst überlassen und landen laut Bazán nicht selten in der Prostitution.
No hemos llegado todavía en España, la «nación católica por excelencia», a preocuparnos de este caso frecuente y baladí: que una mujer desea y necesita trabajo no encuentre en qué ni en dónde! En qué... ¡Diablo! Sí: hay un trabajo que siempre encuentra facilmente [...].
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Frauenmordes bei Emilia Pardo Bazán ein und steckt den Rahmen für den Vergleich zwischen Sachtexten und narrativer Prosa ab.
2. Emilia Pardo Bazán: Dieses Kapitel liefert biographische Hintergründe zur Autorin, ihrer Rolle im spanischen Naturalismus und ihrem Einsatz für die Rechte der Frau.
3. Frauenmordfälle in den Sachtexten: Hier werden die drei für die Arbeit zentralen Sachtexte Bazáns in Bezug auf ihre gesellschaftliche und politische Kritik analysiert.
3.1 Bazáns Kritik an Staat und Gesellschaft: Das Kapitel beleuchtet Bazáns Anklage gegen das spanische Justizsystem und die passive gesellschaftliche Haltung gegenüber Gewalt an Frauen.
3.2 Schwere der Taten und angemessene Strafen: Hier wird untersucht, wie Bazán eine härtere Bestrafung für Gewaltverbrechen einfordert und das spanische Rechtssystem kritisiert.
3.3 Die Darstellung der Täter und ihrer Motive: Dieses Kapitel analysiert die scharfe Aburteilung der Täter durch die Autorin und identifiziert Gier und Eifersucht als zentrale Motive.
3.4 Die Darstellung der Opfer: Es wird dargelegt, wie die Autorin die Opfer als schuldlos zeichnet und dabei ihre gesellschaftliche Schwäche hervorhebt.
3.5 Bazáns Sprache und Stil: Dieses Kapitel widmet sich der rhetorischen Strategie Bazáns, insbesondere dem Einsatz von Ironie und rhetorischen Fragen zur Argumentationssicherung.
4. Frauenmordfall im narrativen Text „La puñalada“: Hier wird die literarische Umsetzung des Themas in der Erzählung „La puñalada“ und die Rolle des auktorialen Erzählers untersucht.
4.1 Die Darstellung des Täters und des Motivs: Dieses Kapitel zeigt auf, wie der Täter Onofre innerhalb der erzählten Geschichte differenzierter und in gewisser Weise exkulpiert dargestellt wird.
4.2 Die Darstellung des „Opfers“: Es wird analysiert, wie Claudia als Figur zwischen Eifersucht und gesellschaftlichem Druck agiert.
5. Frauenmord im Sachtext vs. Frauenmord in Narrativik: Dieses Kapitel stellt die diskrepante Themenverarbeitung zwischen der fordernden Haltung in Sachtexten und der erzählerischen Ambivalenz im Fiktionalen gegenüber.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert, warum Bazán unterschiedliche Strategien für die Wirkung ihrer Texte in den verschiedenen Gattungen wählt.
Schlüsselwörter
Emilia Pardo Bazán, Frauenmord, Gewalt gegen Frauen, Naturalismus, Spanien, Sachtext, Narrativik, Justizkritik, La puñalada, La discriminación del Derecho Penal, Por una justicia que no discrimine, La vida contemporánea, Opferschutz, Täterprofil, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Emilia Pardo Bazán das Thema des Frauenmordes und der Gewalt gegen Frauen in unterschiedlichen Textgattungen, nämlich Sachtexten und erzählender Literatur, verarbeitet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Frauenrechte, gesellschaftliche Missstände im Spanien des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die Rolle der Justiz bei Gewaltverbrechen und die moralische Bewertung von Tätern und Opfern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Kontrast in der Darstellung des gleichen Themas durch dieselbe Autorin aufzuzeigen und zu erklären, warum sie in Sachtexten klare Forderungen stellt, während sie in der Erzählung eine andere, subtilere Perspektive einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und vergleichende Analyse der Primärtexte (drei Sachtexte und eine Erzählung) unter Einbeziehung biographischer und fachspezifischer Sekundärliteratur angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Sachtexte hinsichtlich ihrer gesellschaftspolitischen Kritik und vergleicht diese Ergebnisse mit der narrativen Struktur und Charakterzeichnung in der Erzählung „La puñalada“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Frauenmord, Naturalismus, soziale Gerechtigkeit, Täterdarstellung, Opferperspektive und der Vergleich zwischen journalistischer Prosa und erzählender Literatur.
Wie unterscheidet sich Bazáns Haltung gegenüber den Tätern in Sachtexten und der Erzählung?
In den Sachtexten verurteilt sie Täter scharf als Unmenschen und fordert harte Strafen, während sie in der Erzählung „La puñalada“ den Täter psychologisch differenzierter darstellt und seine Tat in Ansätzen durch seinen Charakter oder äußere Umstände erklärt.
Warum nutzt Bazán laut der Autorin der Hausarbeit unterschiedliche Gattungen für dasselbe Thema?
Es wird vermutet, dass Bazán Sachtexte nutzte, um direkt und mit moralischem Zeigefinger auf Missstände hinzuweisen, während sie in der Fiktion ein Nachdenken beim Leser anregen wollte, ohne eine vorgefertigte moralische Lösung zu präsentieren.
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- LIsa Conrad (Author), 2009, Frauenmordfälle in Sachprosa und Narrativik von Emilia Pardo Bazán, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151206