Frauenmordfälle in Sachprosa und Narrativik von Emilia Pardo Bazán

„La discriminación del Derecho Penal“ „Por una justicia que no discrimine“ „La vida contemporánea“ im Vergleich mit „La puñalada“


Seminararbeit, 2009

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hausarbeit

1. Einleitung

2. Emilia Pardo Bazán

3. Frauenmordfälle in den Sachtexten
3.1 Bazáns Kritik an Staat und Gesellschaft
3.2 Schwere der Taten und angemessene Strafen
3.3 Die Darstellung der Täter und ihrer Motive
3.4 Die Darstellung der Opfer
3.5 Bazáns Sprache und Stil

4. Frauenmordfall im narrativen Text „La puñalada“
4.1 Die Darstellung des Täters und des Motivs
4.2 Die Darstellung des „Opfers“

5. Frauenmord im Sachtext vs. Frauenmord in Narrativik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anlage 1
Anlage 2
Anlage 3
Anlage 4

Hausarbeit

1. Einleitung

Das Thema „Frauenmord“ hat bis heute nicht an Aktualität verloren. Nicht zuletzt in Spanien ist Gewalt gegenüber Frauen regelmäßig in den Medien präsent. Die Be­weggründe für die Taten sind vielfältig. Oft spielen Ehre und Eifersucht eine ent­scheidene Rolle. Ein Eingeständnis an die lange Tradition (Kultur) so gelagerter Ta­ten ist die Tatsache, dass sie schon früher auf unterschiedliche Weise, auch literarisch festgehalten und beurteilt wurden. Unterschiedliche, thematische Beiträge leistete auch die galizische Autorin Emilia Pardo Bazán bereits um 1900.

Gegenstand dieser Hausarbeit ist die literarische Ausarbeitung von Frauenmordfällen und Gewalt gegen Frauen in Sachprosa und, im Vergleich narrativen Texten bei Emilia Pardo Bazán. Hierzu werden nach einigen biographischen Angaben zur Verfasserin der für diese Arbeit relevanten Werke die drei Sachtexte:

- „Por una justicia que no discrimine“,
- „La discriminación del Derecho Penal“ und
- „La vida contemporánea“
im Zusammenhang erschlossen, um diese anschließend hinsichtlich des Inhaltes und der Themenverarbeitung dem narrativen Text der selben Autorin
- „La puñalada“
vergleichend gegenüberzustellen.[1]

2. Emilia Pardo Bazán

Emilia Pardo Bazán gilt als Vorreiterin des Naturalismus in Spanien.[2] Sie bemängelte u.a. die Vorherrschaft des Mannes in der spanischen Öffentlichkeit und setze sich für die Rechte und Gleichberechtigung der Frau, sowie für deren Bildungschancen ein.[3]

Sie wird am 16.9.1851 in La Coruña, Galizien geboren. Ihre Eltern, José Pardo Bazán y Mosquera und Amalia de la Rúa Figueroa y Somoza gehörten zum spanischen Adel. Emilia bleibt ihr einziges Kind. Die Eltern ermöglichen ihrer Tochter Emilia den Zugang zu Literatur Kunst, Sprache und Naturwissenschaften, lediglich den Klavierunterricht lehnt sie ab. Stattdessen bittet Sie um die Erlaubnis Latein lernen zu dürfen. Emilias unstillbarer Wissensdurst führte dazu, dass sie durch autodidaktisches Studium eine breitgefächerte Bildung und intellektuelle Reife erlangt. 1868 heiratete sie mit nur siebzehn Jahren den zwanzigjährigen Jurastudenten José Quiroga, mit dem sie drei Kinder bekommen sollte. Im selben Jahr zog Emilia mit ihrem Ehemann und den Eltern aufgrund der Wahl ihres Vaters zum Abgeordneten nach Madrid. Sie reiste durch Europa und setzt sich 1876, zurück in Spanien, bei einem Essaywettbewerb über Benito Jerónimo Feijoo, ausgeschrieben von der Stadt Ourense, gegen die galizische Autorin Concepción Arenal durch. Damit beginnt ihre öffentliche literarische Karriere, die sie schließlich ihre Ehe kostet.

Bazán schreibt zahlreiche Erzählungen, Romane, Essays, Theaterstücke, sowie einen Gedichtband, ist Schriftstellerin und Journalistin zugleich, schreibt für mehrere Zeitungen und veröffentlicht 1890 ihre eigene Zeitschrift „El nuevo teatro critico“.

Am 12.5.1921 stirbt sie schließlich nach kurzer Krankheit in Madrid.

3. Frauenmordfälle in den Sachtexten

Die Zeitung „La Ilustración Artística“[4], diente Emilia Pardo Bazán von 1895 bis 1916 regelmäßig als Plattform, um über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse Spaniens zu reflektieren und die Leserschaft für diese Themen zu sensibillisieren.

Intensiv beschäftigte sich Bazán hier mit der Lebenssituation der Frau und machte es sich u.a. zur Aufgabe, die Umstände von Frauenmord und (häuslicher) Gewalt gegen Frauen zu beleuchten. Gerade die Häufigkeit solcher brutalen Übergriffe beunruhigte Bazán.

Auch die für diese Arbeit relevanten Sachtexte, „La discriminación del Derecho Penal“, „Por una justicia que no discrimine“ und „La vida contemporánea“, erschienen in diesem Blatt und erhielten von ihm ihre Titel.

Während die ersten beiden Texte kurz nacheinander bereits 1901 erschienen, wurde „La vida contemporánea“ erst drei Jahre später, 1904 abgedruckt. Unter dem Titel „La vida contemporánea“ erschienen zahlreiche Texte, in denen Bazán die spanischen Gesellschaftsverhältnisse vorstellt und bespricht.

Gemeinsam haben alle drei Artikel zwar das Thema des Frauenmordes, dennoch kann nicht von einer einfachen ‚Themenwiederholung in zeitlichen Abständen’ gesprochen werden, da jeder Text anders aufbereitet ist und andere Schwerpunkte setzt.

3.1 Bazáns Kritik an Staat und Gesellschaft

Bazán erhebt in den Sachtexten schwere Kritik an vielen Fronten. Sie kritisiert die Handlungsabsichten der Mörder, die unreflektierte gesellschaftliche Reaktion auf die Taten bzw. die mangelnde politische, juristische und eben gesellschaftliche Aktion.

Die passive Haltung der gesamten Umwelt bzw. Gesellschaft führt zu der Vielzahl der Verbrechen. Bereits früh vertritt Bazán damit eine heute deutlich breiter vertretene Aufassung nach der einer ‚Kultur des Wegsehens’ eine tragende Rolle zukommt.[5]

Lo que vengo repitiendo aquí un día y otro, se ha confirmado de la más espantosa manera con el horrible caso acaecido en Madrid hace unos días, y de que la prensa habló poco y cesó de hablar pronto [.][6]

Dem Staat wird die Diskriminierung der Frau vorgeworfen. Sie werden unterdrückt, haben kaum Zugang zu Bildung und Beruf. Frauen, die anständige Arbeit suchen, finden häufig keine, werden sich selbst überlassen und landen laut Bazán nicht selten in der Prostitution.

No hemos llegado todavía en España, la «nación católica por excelencia», a preocuparnos de este caso frecuente y baladí: que una mujer desea y necesita trabajo no encuentre en qué ni en dónde! En qué. ¡Diablo! Sí: hay un trabajo que siempre encuentra facilmente [.].[7]

Teilweise kündigen Täter ihre Taten an, doch die Morde werden trotzdem nicht vereitelt.

[.] él anunció, con la anticipación debida, lo que iba a suceder; él avisó para que se preparasen: «Que voy a matar a esa chica», dijo en tiempo. «Que la mato». Peor para la chica, y para la autoridad, si no lo evitaron, si le dejaron que cumpliese el fino gusto.[8]

Der Justiz wird also eine unangemessene Milde im Vor- aber ebenso im Nachfeld vorgeworfen. Die Anerkennung falscher Verteidigungen der Täter seitens der Justiz führt vielfach zu Straffreiheit oder vergleichbar unverhältnismäßig geringen Strafrahmen und mitleidsbedingten Verurteilungen. Bazáns Vorstellung einer angemessenen Bestrafung ist deutlich härter, als die der Gerichte. Für angemessen hält sie „todo el rigor de la ley“[9] und sieht Grund zu „indignada severidad.“[10]

Auch spricht sie sich ganz offen für den Tod des Mörders aus[11]:

„Que simpática parece la ley de Lynch!“[12]

„Tu peux tuer cet homme avec tranquillité.“[13]

Ihre Argumentation ist vielfältig.

Bazán weist auf die Gefahr der Nachahmung hin, welche aus der vorherschendenden Straffreiheit und milden Urteilen resultiert. Die Gnade der Justiz sei insbesondere in diesen Fällen nicht geeignet, den in Europa zu dieser Zeit noch vorherschenden Strafzweck[14] der ‚Abschreckung’ zu erzielen. Den Folgetätern wird durch die gerichtliche Anerkennung bestimmter Rechtfertigungen zudem eine Handlungsskizze bereigestellt, mit der sie ohne Schaden davonkommen.

„Han aprendido los criminales que eso de «la pasión» es una gran defensa prevenida, y que por «la pasión» se sale a la calle libre y en paz de Dios y no se descuidan en revestir de colores pasionales sus desahogos mujericidas.[15]

Bazán erklärt, ihr ginge es nicht um bloße Rache, sondern um den Schutz des Opfers und letztlich aller Frauen, unabhängig von ihrer Biographie.

[.] o saldrá pronto a pasearse y acechar a otra mujer indefensa, asegurandola mejor con la muerte, para que no lo denuncie.[16]

[.] pues la libertad del criminal es para el inocente decreto de muerte.

Der Frauenmord wird damit zu einer kulturellen Option.[17]

Weiterhin kritisiert Bazán die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Frauenmorden. Zum einen, da diese nicht ausreichend statt findet, sie fast als schicksalhaft hingenommen werden und man sich gemein hin eher für andere Verbrechen interessiert und zum anderen, weil den Opfern häufig leichtfertig eine Mitschuld zugeschrieben wird, die letztlich gleichzeitig als Entschuldigung der Taten und Täter gewertet werden könne.

[...]


[1] Auf die Einarbeitung bloßer Inhaltsangaben der einzelnen Primärtexte in diese Arbeit wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet. Eine inhaltliche Zusammenfassung findet sich im Anhang zu dieser Arbeit.

[2] Vgl. hierzu beispielhaft Faus, 2001, Band 1, Seite 187 ff.

[3] Die folgenden biographischen Angaben zu Emilia Pardo Bazán wurden zusammengestellt aus den Angaben in den Werken Faus, 2001 (Band 1); Quesada Novas, 2005.

[4] „La Ilustración Artística“ erschien von 1881 bis 1916 wöchentlich und wurde von Montaner y Simón in Bacelona verlegt - Ruiz-Ocaña Dueñas, 2004, Seite 67 .

[5] Ein Problem dass sich nach heutigen Auffassungen nicht nur in Vorfällen süddeutscher U-Bahnen ausdrückt, sondern insbesondere die häusliche Gewalt gegen Frauen bis heute begünstigt.

[6] „Por una justicia que no discrimine“ In: E. Pardo Bazán: La mujer española y otros escritos. Seite 267.

[7] ebenda, Seite 287

[8] „La discrimación del Derecho Penal“ In: E. Pardo Bazán: La mujer española y otros escritos. Seite 263.

[9] „La discrimación del Derecho Penal“ In: E. Pardo Bazán: La mujer española y otros escritos. Seite 264

[10] ebenda

[11] Zwar spricht sie sich grundsätzlich nicht für Selbstjustiz oder Todesstrafen aus, in einigen Fällen jedoch schon. Jedenfalls bevorzugt sie diese Methoden gegenüber der Straffreiheit.

[12] „Por una justicia que no discrimine“ In: E. Pardo Bazán: La mujer española y otros escritos. Seite 271

[13] „La vida contemporánea“ In: E. Pardo Bazán: La mujer española y otros escritos. Seite 280

[14] Eigene Anmerkung.

[15] „La discriminación del Derecho Penal“ In: E. Pardo Bazán: La mujer española y otros escritos. Seite 263

[16] „„Por una justicia que no discrimine“ In: E. Pardo Bazán: La mujer española y otros escritos. Seite 270

[17] Ein Phänomen, dass sich in jüngster Zeit in anderer Form wie den Amokläufen verzweifelter Jungendlicher ausdrückt, die durch die „Vortaten“ beeinflusst werden und glauben eine Handlungsoption zu erhalten. Ein Umstand, der die offenkundige Zeitlosigkeit der gegenständlichen Kritik verdeutlicht.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Frauenmordfälle in Sachprosa und Narrativik von Emilia Pardo Bazán
Untertitel
„La discriminación del Derecho Penal“ „Por una justicia que no discrimine“ „La vida contemporánea“ im Vergleich mit „La puñalada“
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Philologisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Emilia Pardo Bazán: Erzählungen und Sachtexte
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V151206
ISBN (eBook)
9783640624638
ISBN (Buch)
9783640624805
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenmordfälle, Sachprosa, Narrativik, Emilia, Pardo, Bazán, Derecho, Penal“, Vergleich
Arbeit zitieren
LIsa Conrad (Autor), 2009, Frauenmordfälle in Sachprosa und Narrativik von Emilia Pardo Bazán, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151206

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