„Lehrer sind von Berufs wegen verpflichtet, ihre Schüler laufend beim Lernen zu beobachten, das Lernverhalten zu analysieren, Fehler zu erkennen, Lernhilfen zu geben, um so zu einer Fehlerkorrektur anzuleiten.“
In dieser Arbeit wird das Thema Lernprozesse auslösen behandelt. Die zentrale Fragestellung heißt: „Lassen sich Lernvoraussetzungen und –prozesse der Schüler einer 5. Klasse anhand transparenter Beurteilungsmaßstäbe, wie Selbsteinschätzungs- und Beobachtungsbögen mit formativer Rückmeldung, systematisch und objektiv nach dem Förderkreislauf diagnostizieren, fordern und fördern?“
Im ersten Abschnitt werden die Lernsituation und die Zusammensetzung der Lerngruppe erörtert. Im Fokus steht dabei einerseits der Lernstand zu Beginn der Einheit, der mit Hilfe eines Selbsteinschätzungsbogens erhoben wurde. Andererseits werden auszugsweise SuS beschrieben, um dem Leser das Interpretieren zu erleichtern und die Ergebnisse nachvollziehbar darzulegen.
Im folgenden Teil erfolgt die Beschreibung der Durchführung des Projekts. Dabei wird die Unterrichtseinheit nach dem Förderkreislauf skizziert, es werden geeignete Instrumente und Maßnahmen zur Realisierung des Vorhabens diskutiert und es werden der Prozess, Lernzuwachs und die diagnostische Förderfunktion aufgezeigt. Abschließend erfolgt die Vorstellung der Ergebnisse des Projekts. Außerdem nimmt der Autor kritisch Stellung zur Methode, dem Einsatz der Instrumente und gibt einen Ausblick auf die Weiterarbeit.
Wenn BECKER, Professor für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik, in obigem Eingangszitat dem Prozess des Beobachtens einen hohen Stellenwert einräumt, reiht er sich ein bei Autoren wie PARADIES, LINSER und GREVING, die Beobachtungsbögen, „(…) ergänzt (…) durch systematisch reflektierende Beobachtungen (…)“, als wichtige und grundlegende Diagnoseinstrumente zur objektiven Erhebung des Lernfortschritts empfehlen. Darin sind bereits die Relevanz des Untersuchungsgegenstandes und die Auswahl des Themas vorliegender Arbeit begründet, denn:
„Die Hauptursache für das schwache Abschneiden vieler Lernender ist die zu wenig ausgeprägte Diagnosekompetenz von Lehrern, denn wenn Lernrückstände nicht erkannt werden, können sie auch nicht abgebaut werden.“
BECKER, Georg, E., Durchführung von Unterricht. Handlungsorientierte Didaktik Teil II, Weinheim und Basel 1998, S. 115.
PARADIES, Liane, LINSER, Hans Jürgen, GREVING, Johannes, Diagnostizieren, Fordern und Fördern, Berlin 2007, S. 85.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bedingungsanalyse
2.1 Lernsituation
2.2 Beschreibung der Lerngruppe
2.3 Einzelne Schülerbeobachtungen
3 Durchführung der Unterrichtseinheit – Lernprozesse auslösen
3.1 Begründete Ziele und Zieltransparenz
3.2 Umsetzung und Implementierung geeigneter Instrumente und Maßnahmen
3.3 Prozess, Lernzuwachs und diagnostische Förderfunktion
4 Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich Lernvoraussetzungen und Lernprozesse von Schülern einer 5. Klasse durch den Einsatz transparenter Beurteilungsmaßstäbe, wie Selbsteinschätzungs- und Beobachtungsbögen, im Rahmen eines Förderkreislaufs diagnostizieren und gezielt fördern lassen.
- Einsatz von Diagnoseinstrumenten zur Erfassung von Lernständen
- Implementierung eines strukturierten Förderkreislaufs im Unterricht
- Förderung der Selbstregulationsfähigkeit und Lernreflexion bei Schülern
- Vergleich von Selbsteinschätzung und objektivem Lernzuwachs
Auszug aus dem Buch
3.2 Umsetzung und Implementierung geeigneter Instrumente und Maßnahmen
Zunächst wirft sich die Frage auf, mit welchen Instrumenten das Vorhaben zielführend umgesetzt werden kann und an welche Inhalte das Projekt gekoppelt werden soll, das heisst mit welchen Mitteln lassen sich die Lernvoraussetzungen und –prozesse der Schüler diagnostizieren und wie lassen sich auf dieser Grundlage geeignete Maßnahmen zum Fordern und Fördern umsetzen?
Der Autor entschied sich für den Einsatz zweier Instrumente, die er inhaltlich und methodisch aufeinander abstimmte, um den Schülern die Arbeit mit den für sie neuen Verfahren zu erleichtern. Zum Einsatz kam einerseits der Selbsteinschätzungsbogen andererseits der Beobachtungsbogen.
Mit Hilfe des Selbsteinschätzungsbogens wurde zu Beginn der Einheit der aktuelle Wissenstand der Schüler erhoben. Infolgedessen hatte der Autor die Möglichkeit, anhand des aktuellen Lernstandes zu diesem Zeitpunkt einen Perspektivwechsel zu vollziehen und sich in die Schüler hineinzuversetzen. Er konnte durch die Auswertung Defizite auftun und für die weitere Feinplanung der Unterrichtseinheit miteinbeziehen. Außerdem lieferte die Erhebung Informationen darüber, welche Schüler bei welchem Thema besonders gefördert werden müssen, da für sie der Sachverhalt neu ist. Darüber hinaus lieferte der Bogen den Schülern direkt zu Beginn der Einheit eine Orientierung über die folgenden Inhalte anhand „kindgerecht“, d. h. banaler formulierter Lernziele und konnte vom Lehrer als Planungsinstrument genutzt werden.
Mit dem Beobachtungsbogen wurden zwei Ziele angestrebt. Zum Einen konnte mit diesem Instrument die formative Rückmeldung vollzogen und das Erreichen der Lernziele und der Lernfortschritt dokumentiert werden, zum Anderen vermittelte er, als eine Art Gliederung, den Schülern dauerhaft eine Struktur, da er während der Behandlung der Einheit in Verwahrung der Schüler blieb und ihnen zu jeder Zeit einen Rückblick auf Themen, die bereits behandelt wurden gestattete und einen Ausblick auf die nächste Stunde ermöglichte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Diagnosekompetenz im Lehrberuf und formuliert die zentrale Fragestellung zur diagnostischen Erfassung und Förderung von Lernprozessen in einer 5. Klasse.
2 Bedingungsanalyse: Dieses Kapitel analysiert die schulische Lernsituation und beschreibt die Zusammensetzung sowie das Arbeits- und Sozialverhalten der spezifischen Lerngruppe.
3 Durchführung der Unterrichtseinheit – Lernprozesse auslösen: Hier werden die didaktischen Ziele dargelegt, die verwendeten Instrumente wie Selbsteinschätzungs- und Beobachtungsbögen erläutert und der prozesshafte Verlauf des Unterrichtsprojekts beschrieben.
4 Reflexion: Das Fazit reflektiert die Umsetzung des Förderkreislaufs, bewertet den Lernerfolg der Klasse und zieht ein positives Resümee zur Wirksamkeit der eingesetzten Diagnosemethoden.
Schlüsselwörter
Diagnosekompetenz, Förderkreislauf, Selbsteinschätzungsbogen, Beobachtungsbogen, formative Rückmeldung, Lernzuwachs, Unterrichtsprojekt, Alpen, 5. Klasse, Differenzierung, Selbstregulation, Lernkultur, Qualitätssicherung, Lernpartner, Diagnoseinstrumente
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematischen Diagnose und Förderung von Schülern im Fach Gesellschaftslehre, indem Lernprozesse durch gezielte Rückmeldeinstrumente transparent gemacht und gesteuert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert auf die Themenbereiche Diagnose, Fordern und Fördern sowie die Etablierung einer transparenten Lernkultur in einer 5. Klasse am Beispiel des Themas "Alpen".
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob sich Lernvoraussetzungen und Lernprozesse durch den Einsatz transparenter Beurteilungsmaßstäbe, wie Selbsteinschätzungs- und Beobachtungsbögen mit formativer Rückmeldung, objektiv diagnostizieren und fördern lassen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wird ein methodischer Förderkreislauf angewandt, der Selbsteinschätzungsbögen zu Beginn und Ende der Einheit, kontinuierliche Beobachtungsbögen sowie formative Rückmeldephasen umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungsanalyse der Lerngruppe, die theoretische und praktische Fundierung der verwendeten Diagnoseinstrumente sowie die detaillierte Darstellung des Unterrichtsprozesses.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Diagnosekompetenz, Förderkreislauf, formative Rückmeldung, Lernzuwachs und Selbstregulation.
Warum wurden Selbsteinschätzungsbögen eingesetzt?
Sie dienen der Erhebung des Vorkenntnisstandes zu Beginn, der transparenten Zielsetzung für die Schüler während der Einheit und der Messung des individuellen Lernzuwachses am Ende.
Welche Rolle spielen die Lernpartner?
Lernpartner (meist Sitznachbarn) dienen im Rahmen der formativen Rückmeldung dazu, Ergebnisse unbefangen zu überprüfen, was die Sozialkompetenz fördert und die Schüler motiviert, den Lernstoff zu beherrschen.
Wie wurde mit Schülern umgegangen, die das Lernziel verfehlt haben?
Für diese Schüler wurde auf Basis der Diagnoseergebnisse eine gezielte Förderstunde durchgeführt, um schwer verständliche Themen zu wiederholen und fachliche Defizite auszugleichen.
- Arbeit zitieren
- Jan Schönherr (Autor:in), 2010, Diagnostizieren, Fördern, Beurteilen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151209