Novalis, geboren als Freiherr Friedrich von Hardenberg am 2. Mai 1772 auf
Schloß Oberwiederstedt im damaligen Kursachsen, war neben Schelling, Tieck
und den Gebrüdern Schlegel der bedeutendste Schriftsteller der deutschen Romantik.
Hardenberg beschäftigte sich mit Kant und Fichte und erforschte ihre
Philosophien, welche er weiterentwickelte. Dies nahm deutlichen Einfluß auf
seine Schriften. Jedoch blieben die meisten seiner verfaßten Gedichte unvollendet.
In meiner Arbeit werde ich die „Hymnen an die Nacht“, die Ereignisse und
Entwicklungen zwischen 1797 und 1799/1800 veranschaulichen, von welchen
Novalis stark beeinflußt wurde, untersuchen. Diese waren der Tod seiner Braut
Sophie von Kühn und die Verlobung mit Julie von Charpentier, die Freiberger
Zeit mit ihren neuen Gedanken über die Zusammenhänge von Geist und Natur,
Immanenz und Transzendenz, die Selbstverständigung über die Religion und außerdem
Novalis‘ engagierte und erfolgreiche Berufstätigkeit1.
Wie bereits erwähnt, erweiterte Novalis – sein selbstgewähltes Pseudonym bedeutet
soviel wie „von Roden“ oder „der Neuland Bestellende“2 – Kants und
Fichtes philosophische Gedanken bezüglich des sogenannten „traszendentalen
Idealismus“. Dieses Neuland, das Novalis hierbei betrat, nannte er magischen
Idealismus, den ich, bevor ich auf sein Werk „Hymnen an die Nacht“ zu sprechen
komme, im ersten Teil meiner Arbeit in den wichtigsten Zügen erläutern werde.
1 vgl. Uerlings, Herbert. Novalis. Stuttgart: Reclam, 1998; S.128.
2 vgl. Uerlings: Novalis; S. 44.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Zur Dichtungskonzeption des magischen Idealismus
1.1 Die Theorie Kants als Basisgedanke
1.2 Fichtes Weiterentwicklung des Basisgedanken Kants
1.3 Novalis‘ magischer Idealismus
2. Die „Hymnen an die Nacht“
2.1 Allgemeine Überlegungen
2.2 Die „Hymnen an die Nacht“ unter Berücksichtigung des magischen Idealismus
3. Zusammenfassung
4. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die „Hymnen an die Nacht“ von Novalis unter besonderer Berücksichtigung seiner Dichtungskonzeption des magischen Idealismus. Dabei wird analysiert, wie philosophische Grundlagen von Kant und Fichte in Novalis' Werk einfließen und inwieweit das dichterische Wort als Instrument zur Versöhnung von Geist und Natur fungiert.
- Philosophische Grundlagen: Transzendentalphilosophie nach Kant und Fichte.
- Konzept des magischen Idealismus: Die Verwandlung von Natur in Selbstbegegnungen des Geistes.
- Analyse der „Hymnen an die Nacht“: Transformation von Tag- und Nachtsymbolik.
- Die Rolle der Liebe und des Todes als transzendente Erfahrung.
- Synthese von Antike und Christentum als romantische Mittlerfigur.
Auszug aus dem Buch
1.3 Novalis‘ magischer Idealismus
Die transzendentalen Physik ist für Novalis erste und zugleich aber auch niedrigste Wissenschaft. Einerseits ist sie das Fundament für das höhere Wissen, andererseits jedoch nur der Anfang der Wahrheit, um die Bedeutung von Geist und Natur sind. Fichtes Philosophie bildet jedoch die Grundlage für Novalis‘ weitere Feststellungen.
Novalis behauptet, das Produzierende sei in seinen Produkten anwesend, was soviel heißt wie, der Geist ist in der Natur als seinem Produkt anwesend. Hier sind deutlich Parallelen zu Fichte zu erkennen, der, wie bereits erwähnt, der Auffassung war, die Produktion einer Natur sei eine wesensnotwendige Aufgabe des Geistes. Allerdings stellt sich die vom Geist produzierte Natur als etwas Dingliches, als Nicht-Geist dar. Die Natur ist Produkt der andauernden Produktion durch den Geist, der trotzdem aber in dieser dinglichen Natur anwesend ist. Hierbei wird deutlich, daß es für den Geist nicht genügt, allein Selbstbewußtsein zu sein, wogegen sich die Natur als Nicht-Ich stellt. „[Novalis] radikalisiert die setzende Kraft des Ich zu einer welterlösenden Kraft. Er will aus der Prinzipienerkenntnis einen auch subjektiv vollziehbaren weltsetzenden Akt machen.“ Folglich ist, nach Novalis, die gegenständliche Natur der in einen Geheimniszustand versetzte Geist selbst.
Doch was ist das Geheimnisvolle daran?
Der Geist erscheint sich selbst im natürlichen und im wissenschaftlichen Bewußtsein als Nicht-Geist, als Dingwelt. Novalis faßt die von den Naturwissenschaften durchforschte Natur als „eine versteinerte Zauberstadt“ auf – die Natur sei der ins Gegenständliche verzauberte, stillgestellte Geist.
Durch irgend etwas muß dieser Zauber jedoch gebrochen werden, um die Natur in ihr wahres Wesen zu befreien. Dieser Gegenzauber ist ein Wort.
Dieses die Natur aus ihrer transzendentalen Entzauberung erlösende Wort ist das dichterische Wort. Auch das dichterische Wort ist ein Zauber; denn es verwandelt die verzauberte Natur in ihre natürliche Gestalt. Und alle Befreiung aus einer Verzauberung beruht selbst auf einem Zauber.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Vorstellung des Autors Novalis und Hinführung zur Fragestellung der Arbeit im Kontext seiner Zeit und Philosophie.
1. Zur Dichtungskonzeption des magischen Idealismus: Erläuterung der philosophischen Basis durch Kant und Fichte sowie die Definition des magischen Idealismus durch Novalis.
1.1 Die Theorie Kants als Basisgedanke: Darstellung der erkenntnistheoretischen Voraussetzungen Kants, insbesondere der Differenz zwischen transzendental und transzendent.
1.2 Fichtes Weiterentwicklung des Basisgedanken Kants: Analyse der schöpferischen Tätigkeit des Ich und der Setzung des Nicht-Ich als Ausgangspunkt für Novalis.
1.3 Novalis‘ magischer Idealismus: Untersuchung der Auffassung von Natur als Produkt des Geistes und der Rolle des dichterischen Wortes als erlösende Kraft.
2. Die „Hymnen an die Nacht“: Einordnung des Werks in den literaturwissenschaftlichen Diskurs hinsichtlich Datierung und Fassungen.
2.1 Allgemeine Überlegungen: Diskussion um die Entstehungsgeschichte, den Einfluss des Sophie-Erlebnisses und die Struktur des Hymnen-Zyklus.
2.2 Die „Hymnen an die Nacht“ unter Berücksichtigung des magischen Idealismus: Detaillierte Untersuchung der sechs Hymnen und deren Symbolik von Licht, Nacht, Tod und Christus.
3. Zusammenfassung: Resümee über die schwierige Anwendung der Theorie des magischen Idealismus auf die konkrete Textanalyse der Hymnen.
4. Bibliographie: Verzeichnis der herangezogenen wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Novalis, Hymnen an die Nacht, magischer Idealismus, Transzendentalphilosophie, Fichte, Kant, Romantik, Geist, Natur, Dichtungskonzeption, Nacht, Tod, Sophie von Kühn, Poesie, Transzendenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Novalis' Werk „Hymnen an die Nacht“ im Hinblick auf die philosophische Theorie des magischen Idealismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den philosophischen Einflüssen von Kant und Fichte, der frühromantischen Dichtungskonzeption sowie der symbolischen Deutung von Licht und Nacht im Werk.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Novalis durch sein Konzept des magischen Idealismus versucht, die Trennung von Geist und Natur künstlerisch aufzuheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse und vergleicht den Text mit den theoretischen philosophischen Schriften der Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die philosophischen Grundlagen gelegt, gefolgt von einer detaillierten Exegese der sechs „Hymnen an die Nacht“ und deren symbolischer Gehalte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wesentlichen Begriffe sind Novalis, magischer Idealismus, Romantik, Transzendenz, Poesie, Licht und Nacht.
Wie spielt das „Sophie-Erlebnis“ für das Verständnis der Hymnen eine Rolle?
Das persönliche Trauererlebnis wird als signifikanter, wenngleich nicht als alleiniger Anlass für das Werk diskutiert, wobei Novalis das private Erleben in eine universalere religiöse Sinnstiftung überführt.
Inwiefern nimmt Novalis in den Hymnen Bezug auf Christus?
Christus wird in den späteren Hymnen als zentrale Mittlerfigur eingeführt, die den Tod neu deutet und eine Brücke zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen schlägt.
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- Kerstin Bielert (Autor), 2002, Novalis' "Hymnen an die Nacht" unter Berücksichtigung seiner Dichtungskonzeption des magischen Idealismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15123