Das Internet - Ein Haifischbecken des Rechtsextremismus?

Eine Analyse der strategischen Propaganda der NPD


Hausarbeit, 2009

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Rahmen
2.1 Definition des Rechtsextremismus
2.2 Rechtsextremismus – Unterscheidungen und Ideologien

3 Inhaltliche Ebene
3.1 Wandel der Mobilisierung von Rechtsextremen seit 1970
3.2 Das Internet als Mobilisierungsmotor des Rechtsextremismus

4 Analyse
4.1 Strategische Nutzung des Internets als Propagandamittel
4.2 Fallbeispiel: Die Internetpräsenz der NPD
4.3 Problematik der Verfolgung von Rechtsextremismus im Internet

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Rechtsextremismus ist im 21. Jahrhundert angekommen. Wurde vor zwanzig Jahren noch ein verhältnismäßig kleiner Kreis an potentiellen Anhängern in der Regel über zeit- und kostenintensive Mund-zu-Mund-Propaganda, Straßenflyer, gezielte Telefonanrufe und persönliche Briefpost angesprochen, bietet heute das Internet einen Sammelpunkt für unzählige Menschen, die innerhalb kürzester Zeit selbst mit der rechten Szene in Kontakt treten können. Die Bandbreite an Möglichkeiten zur Erstellung von Diskussionsplattformen, die Anonymität und die schwer durchsetzbare umfassende Kontrolle dieses Mediums machen das Internet zum wichtigsten Kommunikationsmittel und Propagandainstrument des Rechtsextremismus überhaupt.

Nach Angaben des Internetportals „jugendschutz.net“ wurden 2009 bundesweit circa 1800 Seiten mit rechtsextremistischen Inhalten registriert.[1] Zum Vergleich: Das Bundesamt für Verfassungsschutz verzeichnete 1996 etwa 32 Seiten, Mitte 2000 waren es bereits 500 Websites.[2]

Die allgemeine Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus erfolgte bereits seit 1945 ausgehend von der historischen Erfahrung mit den nationalsozialistischen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Der neue Rechtsextremismus galt jahrelang als aus der Geschichte begründete „Nachwirkung“ der NS-Zeit.[3] Die Verbreitung des Internets Mitte der 1980er Jahre verdeutlichte jedoch das Phänomen eines „Rechtsextremismus ohne Nazis“[4], der besonders auf Kinder und Jugendliche abzielt. Die Wissenschaft beschäftigt sich erst seit wenigen Jahren mit den Besonderheiten rechtsextremer Selbstdarstellung und Propaganda im Internet (z.B. Pfeiffer, Fromm / Kernbach)[5] und sieht sich dabei mit der Tatsache konfrontiert, dass die Themen einerseits immer aggressiver gestaltet und verbreitet werden, andererseits zusehend subtiler und nicht auf den ersten Blick klar als rechtsextrem zu identifizieren sind.[6]

Der Gegenstand dieser Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern sich das Medium Internet von vorhergehenden Propagandamitteln unterscheidet und welche strategischen Instrumente das World Wide Web den Rechtsextremisten zur Verbreitung ihrer Inhalte bietet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung der aktuellen Internetseite der NPD. Vor diesem Hintergrund ergibt sich folgende Leitfrage:

Das Internet: ein Haifischbecken des Rechtsextremismus?
Eine Analyse der strategischen Propaganda der NPD

Da es für den Rechtsextremismus weder eine gängige Definition, noch eine Theorie gibt, werde ich im folgenden zweiten Teil einen theoretischen Rahmen für die Arbeit festlegen, indem ich auf Grundlage verschiedener wissenschaftlicher Definitionsansätze eine eigene Begriffsbestimmung für den Rechtsextremismus und seine Ideologien formuliere. Mit dieser theoretischen Analysebasis werde ich im dritten Teil der Arbeit die Bedeutung der Definition im Bezug auf die strategische Verwendung des Internets als Propagandainstrument anwenden. Dazu wird erst die Entwicklung der rechten Propagandamittel seit den 1970er Jahren skizziert und im zweiten Schritt die Entwicklung des Internets als neues Medium dargestellt. Es wird festgestellt, wie sich das Internet genau von den vorhergehenden Propagandaoptionen unterscheidet und wie es heutzutage strategisch eingesetzt wird. Durch die Bestimmung dieser strategischen Durchsetzungsinstrumente wird eine Grundlage geschaffen, die im vierten Teil eine Analyse der Internetpräsenz der NPD (www.npd.de) erlaubt. Danach werde ich kurz auf die bestehende Problematik der Strafverfolgung im Internet eingehen. Im letzten Teil der Arbeit werde ich abschließend das Fazit aus dieser Bearbeitung ziehen. Ich werde die Ergebnisse im Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit zusammenfassen und gleichzeitig eine kritische Bewertung der aktuellen Situation bezüglich des Rechtsextremismus Internet vornehmen.

2 Theoretischer Rahmen

2.1 Definition des Rechtsextremismus

Bevor der eigentliche Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit inhaltlich erfasst werden kann, ist es zunächst notwendig eine möglichst präzise Definition des allgemeinen Begriffs von Rechtsextremismus zu erarbeiten. Dieser Anspruch auf eine trennscharfe Definition wird durch folgende Problematik deutlich: Einerseits besteht sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft die Neigung zu einer ungenauen und verzerrten Verwendung unterschiedlicher Bezeichnungen im Bezug auf den Rechtsextremismus. Mit dem Ziel des politischen Missbrauchs des Begriffs[7] stufen beispielsweise antifaschistische Gruppierungen den gesamten rechtskonservativen Block als rechtsextremistisch ein[8], während Nationalliberale und Konservative mit dem Verweis auf rechtsextreme Tendenzen in anderen europäischen Ländern die Gefahr auf linke Lager projizieren.[9] Gleichzeitig wird die Bedeutung des Rechtsextremismus auf diese Weise zunehmend mit Begrifflichkeiten wie „Rechtsradikalismus“, „Neo-Nazismus“ und „Neo-Faschismus“ verwechselt.[10] Tageszeitungen und Nachrichtensendungen verwenden die Begriffe fast bedeutungsgleich, blenden dabei aber verfassungswidriges Handeln extremistischer Parteien und die Verfassungskonformität radikaler Parteien aus.[11]

Der zweite Grund für die Notwendigkeit einer präzisen Beschreibung von Rechtsextremismus wird somit durch den Facettenreichtum des Begriffs deutlich. Er ist ein Sammelbegriff für zahlreiche unterschiedliche politische Phänomene und Splittergruppen, und muss daher von ähnlichen Tendenzen (Linksextremismus, demokratische Rechte) und Ausprägungsformen (Gewalt, Ideologie, Parteipolitik) deutlich abgrenzbar sein.[12]

In der Sozialwissenschaft ist der Begriff des Rechtsextremismus jedoch weder klar und kategorisch beschrieben, noch existiert eine allgemein anerkannte Definition.[13] Diese Tatsache resultiert aus der historisch hochgradig wertebehafteten Konnotation des Begriffs hinsichtlich Relevanz, Ursachen und effektiver Abwehr von Rechtsextremismus. Deshalb steht an dieser Stelle keine druckreife Lehrbuchdefinition. Vielmehr soll auf Basis bereits existierender unterschiedlicher Definitionsversuche eine möglichst strukturierte Darstellung des „unübersichtlichen Terrains“[14] von Rechtsextremismus folgen. Der Umriss des Begriffs von „Rechtsextremismus“ soll als Voraussetzung für das grundlegende Verständnis und die wissenschaftliche Auseinandersetzung in dieser Arbeit dienen.

2.2 Rechtsextremismus – Unterscheidungen und Ideologien

Wie bereits im vorhergehenden Abschnitt deutlich wurde, existiert keine allgemein anerkannte Definition des Rechtsextremismus. Dennoch gibt es rechtliche und politikwissenschaftliche Annäherungen an den Begriff.[15] Voraussetzung für eine solche Annäherung ist die Bestimmung des (politischen) Extremismus, der sich aus staatlicher Sicht über die Ablehnung der Ordnung des demokratischen Verfassungsstaats[16] mit seinen Regeln und Prinzipien definiert. „Extremisten wollen das freiheitlich-demokratische politische System überwinden.“[17] Dazu gehören politische Anstrengungen gegen das Mehrheitsprinzip, die Volkssouveränität und die auf den Menschenrechten basierende Verfassung.[18]

Inhaltlich unterscheidet man zusätzlich zwischen Verhaltens- und Einstellungsmustern. Rechtsextremistische Einstellungen – geprägt durch Autoritarismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Nationalismus – sind die Vorraussetzung für rechtsextremes Verhalten in Form von organisierten politischen Aktionen oder Gewaltanwendungen. Dennoch schließt eine rechtsextremistische Einstellung nicht unbedingt rechtsextremes Verhalten ein. Auf ideologischer Ebene weist der Rechtsextremismus besondere Merkmale auf. Vor dem Hintergrund eines „Differenzprinzips“[19] zwischen den Menschen misst der Rechtsextremismus der eigenen „Nation“ und der eigenen „Rasse“ einen höheren Stellenwert im politischen Sinn bei. Die Konsequenz ist die Unterdrückung und Ausschließung Anderer auf Grund ethnischer, geistiger und körperlicher Unterschiede (Rassismus). Nationalismus hat den höchsten Stellenwert im politischen Denken. Das Gesellschaftsverständnis im Rechtsextremismus fordert eine homogene Gesellschaft, in der ein „Kollektiv“[20] zwischen Regierenden und Regierten entsteht, man spricht dabei von einer „Volksgemeinschaft“. Innerhalb des autoritären Systems ordnet sich das Individuum im Rechtsextremismus der Gesellschaft und dem Staat unter (Kollektivismus).[21]

[...]


[1] Vgl. O.V.: Hass-Seiten – Anzahl rechtsextremistischer Internetseiten steigt. 2009, URL: http://www.noows.de/anzahl-rechtsextremistischer-internetseiten-steigt-10087, letzter Zugriff: 07.10.2009

[2] Vgl. Fromm, Rainer; Kernbach, Barbara: Rechtsextremismus im Internet – Die neue Gefahr: 1. Auflage, Olzog-Aktuell GmbH, München 2001, S. 9

[3] Vgl. Klärner, Andreas (Hrsg.), Kohlstruck, Michael (Hrsg.): Moderner Rechtsextremismus in Deutschland. 1. Auflage, Hamburger Edition, Hamburg 2006, S. 7

[4] ebd., S. 7

[5] Vgl. Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. 4. Auflage, CH Beck Verlag, München 2006, S. 11

[6] Vgl. Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Musik – Mode – Markenzeichen. Rechtsextremismus bei Jugendlichen. 5. Auflage, F.W Becker GmbH, Arnsberg 2008, S. 59

[7] Vgl. Stöss, Richard; Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.) Rechtsextremismus im Wandel. 2. Auflage, Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2007, S. 11

[8] Vgl. ebd., S. 11

[9] Vgl. Stöss, Richard; Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.) Rechtsextremismus im Wandel. 2. Auflage, Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2007, S. 11

[10] Vgl. Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. 4. Auflage, CH Beck Verlag, München 2006, S. 11

[11] Vgl. Stöss, Richard: S. 12

[12] Vgl. Phal-Traughber: S. 11

[13] Vgl. Stöss, Richard: S. 13

[14] Stöss, Richard: S. 11

[15] Vgl. Grumke, Thomas: Rechtsextremismus in Deutschland: Begriff – Ideologie – Struktur, In: Glaser, Stefan; Pfeiffer, Thomas (Hrsg.): Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenverachtung mit Unterhaltungswert; Hintergründe, Methoden, Praxis der Prävention. 1. Auflage, Wochenschau-Verlag, Schwalbach 2007, S. 20

[16] Vgl. Grumke, Thomas: Rechtsextremismus in Deutschland: Begriff – Ideologie – Struktur, In: Glaser, Stefan; Pfeiffer, Thomas (Hrsg.): Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenverachtung mit Unterhaltungswert; Hintergründe, Methoden, Praxis der Prävention. 1. Auflage, Wochenschau-Verlag, Schwalbach 2007, S. 20

[17] ebd. Grumke, Thomas: S. 21

[18] Vgl. Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. 4. Auflage, CH Beck Verlag, München 2006, S. 11

[19] Ebd. Pfahl-Traugber: S. 11

[20] Grumke, Thomas: S. 24

[21] Vgl. Grumke, Thomas, S. 24

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Internet - Ein Haifischbecken des Rechtsextremismus?
Untertitel
Eine Analyse der strategischen Propaganda der NPD
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Die extreme Rechte in der Bundesrepublik Deutschland
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V151268
ISBN (eBook)
9783640628032
ISBN (Buch)
9783640627868
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Internet, NPD, Propaganda, rechtsradikal, rechtsextrem, Hitler, Gansel, studivz, twitter, myspace
Arbeit zitieren
Anete Eva Oles (Autor), 2009, Das Internet - Ein Haifischbecken des Rechtsextremismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151268

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Internet - Ein Haifischbecken des Rechtsextremismus?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden