Generell läßt sich das Gesamtwerk Horvaths in drei Epochen enteilen: Charakteristisch für die
Dichtung seiner frühen Epoche von 1926-1929 ist die politische Orientierung seines Schaffens ("Die
Bergbahn", "Sladek, der schwarze Reichswehrmann"). Aufgrund des Machtaufbaus der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei warnt Horvath in seinen Werken zunehmend vor den Gefahren des Faschismus.
Zwischen den Jahren 1930 und 1932 veröffentlicht Ödon seine Volksstücke, die auf moralisch-satirische Weise Kritik an der zeitgenössischen Gesellschaft üben. So schildert er besonders eindringlich alle Facetten kleinbürgerlicher Mentalität. Allerdings zeigt er nicht nur die Niedertracht, Dumpfheit, Brutalität und den Selbstmitleid der modernen Gesellschaft, sondern
verweist gleichzeitig auf die sozialen und ökonomischen Bedingungen, die jene Gesellschaftformen.
Das Spätwerk, das in der Zeit zwischen 1933 und 1938 entsteht, ist durch eine ethisch-religiöse Ausrichtung bestimmt. Horvaths schonungslos sezierende Beobachtung weicht nun einer humanistisch-
moralisierenden Nachdenklichkeit. Seine fatalistische Weltanschauung von der unveränderlichen Gesellschaft und den scheinheiligen politischen und religiösen Lehren wandelt sich im Spätwerk.
Während der junge Horvath Kirche und Gott in seinen Stücken nur negativ beleuchtet, finden sich im
Spätwerk positive Wertungen dieser Themen.
Inhaltsverzeichnis
1 ÖDÖN VON HORVÁTH
1.1 Lebensdaten des Autors
1.2 Werke des Autors
1.3 Grundpositionen im Werk Horváths
2 DAS STÜCK: „KASIMIR UND KAROLINE“
2.1 Literaturepoche
2.2 Gattung
2.3 Entstehungshintergrund
2.4 Inhalt
2.5 Figuren
2.6 Aufbau des Textes
2.7 Sprache
3 INTERPRETATION
3.1 Interpretationsansätze
3.2 Motive und Symbole
4 LITERATUR
4.1 Eingesehene Primärliteratur
4.2 Eingesehene Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Ödön von Horváths Volksstück "Kasimir und Karoline" auseinander. Das primäre Ziel besteht darin, die ideologiekritische Dimension des Werkes zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Horváth durch die Demaskierung des kleinbürgerlichen Bewusstseins die gesellschaftlichen Verhältnisse und den moralischen Zerfall der Zeit widerspiegelt.
- Biografie und schriftstellerische Entwicklung Ödön von Horváths.
- Einordnung des Stücks in die Epoche der Neuen Sachlichkeit.
- Analyse der zentralen Figuren und ihrer sozialen Verhaltensweisen.
- Untersuchung sprachlicher Merkmale wie des Bildungsjargons.
- Deutung wesentlicher Motive und Symbole im Kontext der Weltwirtschaftskrise.
Auszug aus dem Buch
2.5 Figuren
Nach seinen eigenen Worten will Horváth in seinen Stücken den „Kleinbürger“ darstellen:
Nun aber besteht Deutschland, wie alle übrigen europäischen Staaten zu neunzig Prozent aus vollendeten oder verhinderten Kleinbürgern. Will ich also das Volk schildern, darf ich natürlich nicht nur die zehn Prozent schildern, sondern als treuer Chronist meiner Zeit ,die große Masse'. (Krischke, Traugott: Gesammelte Werke. Kommentierte Werkausgabe in Einzelbänden. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. 1994. S.219)
Es wird deutlich, daß Horváth die Kategorie des Mittelstandes nicht ökonomisch versteht, sondern ideologisch. So muß man den Begriff „Kleinbürger“ in einem weiteren Sinn gelten lassen. Gemeint ist nicht der Mittelstand an sich, also die Gesellschaftsschicht zwischen den lohnabhängigen Arbeitern und dem wirtschaftlich gesicherten Bürgertum, gemeint sind Menschen, die durch gewisse Bewußtseinsinhalte, Einstellung und Verhaltensmuster geprägt sind. Der Kleinbürger ist der stumpfe, ungeistige, verstockte Mensch, der ohne Überlegung lebt und wenig Reflexionsvermögen hat. Gleichzeitig ist dieser Mensch voller Zorn, Haß und Aggressivität. In „Kasimir und Karoline“ wird das vor allem an Kasimir, aber auch an Rauch, Speer und Merkl Franz deutlich. So läßt Kasimir seine Wut über die Entlassung am Haut-den-Lukas aus und reagiert aggressiv auf den Versuch Karolines, ein Gespräch zu beginnen. Ebenso legt Merkl Franz gegenüber Erna eine aggressive Haltung an den Tag. Zwischen den Freunden Rauch und Speer kommt es aufgrund des Streits um Karoline letztendlich sogar zu einer Rauferei. Der Haß der Kleinbürger ist deswegen unkontrolliert und unkontrollierbar, weil sie nicht rational argumentieren können. Demnach ist eine Versöhnung zwischen Kasimir und Karoline offensichtlich nicht möglich, da beide nicht in der Lage sind, in angemessener Weise miteinander zu sprechen und aufeinander zu hören.
Zusammenfassung der Kapitel
1 ÖDÖN VON HORVÁTH: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Überblick über das Leben, das Werk und die grundlegenden künstlerischen Positionen des Autors.
2 DAS STÜCK: „KASIMIR UND KAROLINE“: Hier werden die epochenspezifischen Hintergründe, die Gattungsmerkmale, der Entstehungshintergrund sowie Inhalt, Figuren, Aufbau und Sprache des Werks analysiert.
3 INTERPRETATION: In diesem Teil werden zentrale Interpretationsansätze diskutiert sowie die tragenden Motive und Symbole des Stücks näher erläutert.
4 LITERATUR: Das letzte Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Ödön von Horváth, Kasimir und Karoline, Neue Sachlichkeit, Volksstück, Kleinbürgertum, Ideologiekritik, Bewusstseinsdemaskierung, Weltwirtschaftskrise, Sozialkritik, Bildungsjargon, Symbole, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse von Ödön von Horváths Stück "Kasimir und Karoline" unter Berücksichtigung biografischer und historischer Kontexte.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die soziale Deklassierung während der Weltwirtschaftskrise, die Psychologie des Kleinbürgertums und die kritische Auseinandersetzung mit der Sprache der Charaktere.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die ideologiekritische Entlarvung der Figuren und die Untersuchung, wie Horváth durch ihre Darstellung die gesellschaftlichen Missstände seiner Zeit spiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text im Kontext seiner Entstehungsgeschichte, der Epoche der Neuen Sachlichkeit und unter Einbeziehung von Sekundärliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte stoffliche Analyse des Stücks (Figuren, Aufbau, Sprache) und eine anschließende inhaltliche Interpretation der zentralen Motive und Ansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe "Kleinbürgertum", "Ideologiekritik", "Neue Sachlichkeit" und "Demaskierung des Bewusstseins" definieren.
Wie bewertet der Autor den Begriff des Kleinbürgers bei Horváth?
Der Autor legt dar, dass der Begriff bei Horváth nicht primär ökonomisch, sondern ideologisch definiert ist, wobei das Augenmerk auf stumpfen Verhaltensmustern und mangelnder Reflexionsfähigkeit liegt.
Welche Funktion haben die Symbole im Werk?
Symbole wie das Luftschiff oder der Haut-den-Lukas dienen dazu, die Entfremdung der Figuren, die Machtverhältnisse und den Gegensatz zwischen den gesellschaftlichen Schichten sinnbildlich zu verdeutlichen.
- Citation du texte
- Lucia Prado (Auteur), 2001, Zu Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline". Interpretationsansätze und Grundpositionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15127