Die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens hängt heute zunehmend von der Fähigkeit ab, auf Marktanforderungen schnell und flexibel reagieren zu können. Das erfordert Spitzenleistungen in Organisation und Abläufen sowie den Einsatz neuester Informationstechniken und -systeme. Zum Einsatz kommen so genannte ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning Systems), die alle Abläufe im Unternehmen, aber auch zu den Kunden und Lieferanten zuverlässig abbilden, planen, steuern und kontrollieren können. Es liegt eigentlich auf der Hand, dass diese IT-Systeme prozessorientiert eingeführt werden müssen. Man benötigt die Gesamtsicht über alle Funktionen, die von den Prozessen tangiert werden. Doch genau an dieser Stelle fehlen pragmatische Ansätze. Entweder werden aufwendige und sehr theoretische Beschreibungsmethoden verwendet, um diese Prozesse in ihrer Vielfalt und Interaktion abzubilden. Oder man vertieft sich in den Details funktionsbezogener Module und verliert dabei völlig die Gesamtschau einer Supply Chain. Das man in dieser Phase einer ERP-Einführung die Mitarbeiter, die später mit dem System arbeiten müssen, in die Planung integrieren sollte, ist zwar in der Literatur gängige Meinung, wird aber oft in der Praxis durch das Fehlen einer allgemein verständlichen Kommunikationsbasis verhindert.
Hier setzen die Autoren dieses Beitrags mit ihrem WAP-Konzept (Wertstrom als Projektgrundlage) an. Auf der Basis einer sinnvoll erweiterten Beschreibungsmethode für Wertströme können klare und einfach zu verstehende Abbilder der Material- und Informationsflüsse, aber auch der dazu notwendigen Steuerungsmechanismen erstellt werden. Ergänzt wird dies durch Komponenten, die eine Prozesskostenbetrachtung ermöglichen, Integrationsszenarien für die Einführungsphase aufrufbar machen und das gesamte Projektmanagement durch verlinkte To-Do-Listen, Formulare für Abnahmeprotokolle und eine mitlaufende Visualisierung des aktuellen Projektstatus standardisieren und vereinfachen. Dadurch wird der Einführungsprozess eines ERP-Systems nicht mehr zur „Geheimnis-umwitterten“ Generierung eines „Zaubersystems“ für einige wenige Spezialisten, sondern zur gemeinsamen Definition und Umsetzung eines allgemein verständlichen und in der Praxis erprobten Arbeitsmittels für alle Mitarbeiter im Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wertstromanalyse – Ursprung und Anwendung
2.1 „Wertstromanalyse“ – Ursprung
2.2 „Wertstromanalyse“ – Warum?
2.3 „Wertstromanalyse“ – zur Problem Lösung
2.4 „Wertstromanalyse“ – im Detail
2.4.1 Wirkungsraum
2.4.2 Ziele
2.4.3 Grundregeln
2.4.4 Merkmale
3. Werstrom als Projektgrundlage – Vorgehensweise
3.1 Das Gesamtkonzept im Überblick
3.2 Das Vorgehen im Detail
3.2.1 Aufnahme der Anforderungen aus der Geschäftsleitung
3.2.2 Definieren der charakteristischen Produkte
3.2.3 „Ist – Wertstrom“ aufnehmen
3.2.4 „Soll – Wertstrom“ ableiten
3.2.5 Prozesskosten rechnen (optionaler Schritt)
3.2.6 Wertstromkonzept und Themenliste erstellen
3.2.7 Projektplan festlegen
3.2.8 Realisierungsphase
4. Erstellen der Wertstromzeichnung
4.1 Wertstromsymbole – Übersicht
4.1.1 Materialfluss
4.1.2 Informationsfluss
4.1.3 Sonstige
4.1.4 Beispiel
5. Wertstromkonzept – Erstellung
5.1 Einleitung
5.2 Erklärung Wertstromanalyse
5.3 Übersicht der „Charakteristischen Produkte“
5.4 Gesamt-Wertströme der „Charakteristischen Produkte“
5.5 Hauptprozesse
5.5.1 Darstellung Wertstrom
5.5.2 Erläuterungen
6. Wertstromkonzept – praktische Umsetzung
6.1 Themenliste – Übersicht
6.1.1 Aufbau im Detail
6.2 Themenliste – To Do
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Vermittlung einer pragmatischen, prozessorientierten Methode zur ERP-Einführung, bei der die Wertstromanalyse als stabile Projektgrundlage dient, um Teiloptima zu vermeiden und das Gesamtoptimum zu erreichen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Unternehmen ihre Abläufe ganzheitlich visualisieren und als Anforderungsprofil in ein ERP-System überführen können.
- Grundlagen der Wertstromanalyse und deren Bedeutung für Unternehmensprozesse
- Die WAP-Methode: Wertstrom als Projektgrundlage bei der ERP-Einführung
- Methodik zur Erstellung von Ist- und Soll-Wertströmen
- Nutzung von Wertstromsymbolen zur prozessorientierten Dokumentation
- Steuerung der ERP-Realisierung mittels Themenlisten und To-Do-Instrumenten
Auszug aus dem Buch
3.2.3 „Ist – Wertstrom“ aufnehmen
Der Ist-Wertstrom ist die Visualisierung des aktuellen Entstehungsprozesses des „charakteristischen Produktes“. Für die Aufnahme und die Visualisierung des Ist-Prozesses bedient man sich einzelner Elemente aus dem Wertstromdesign (siehe Kapitel 4).
Der Wertstrom beinhalte zwei gleichermaßen wichtige Informationen in einer Darstellung.
Materialfluss: Bei dem Materialfluss handelt es sich um den physischen Ablauf des Produktentstehungsprozesses. Der Materialfluss wird in der Darstellung immer unten von links nach recht aufgezeichnet.
Informationsfluss: Bei dem Informationsfluss handelt es sich um die Darstellung der Informationen und der zugehörigen Informationswege, die benötigt werden, um den „Materialfluss“ zu durchlaufen. Der Informationsfluss wird in der Regel in der Darstellung oben von rechts nach links aufgezeichnet. Es kann hierbei vorkommen, dass der Materialfluss es notwendig macht, diese Darstellung zu modifizieren.
Die Material- und Informationsflüsse der einzelnen Prozesse des „charakteristischen Produktes“ werden komplett, von Anfang bis Ende, analysiert und dargestellt. Eine Besonderheit ist, dass man bei diesem Arbeitsschritt entgegen dem Materialfluss vorgeht – was man auch als „flussaufwärts“ bezeichnet – also zum Beispiel vom Versand rückwärts bis zum Wareneingang der Rohstoffe. Diese Richtung wird gewählt, da im Idealfall, der Kunde mit seinen regelmäßigen Abrufen (Kundentakt), alle vor gelagerten Aktivitäten auslöst.
Die Aufnahme des Ist-Wertstromes erfolgt mit Papier und Bleistift. Hierbei wird wie folgt vorgegangen: 1. Charakteristische Produkt: Die Stückliste des charakteristischen Produktes wird ausgedruckt, um die Teile-Nummern des betrachteten Produktes zu kennen. Diese wird bei der ab Punkt 4 beschriebenen Befragung benötigt, damit man die Teilenummern kennt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Problematik von Teiloptima in ERP-Projekten und begründet die Notwendigkeit einer ganzheitlichen, prozessorientierten Sichtweise.
2. Wertstromanalyse – Ursprung und Anwendung: Erläutert die Herkunft der Methode aus dem Toyota Produktionssystem und deren Ziel, Verschwendung durch Visualisierung zu eliminieren.
3. Werstrom als Projektgrundlage – Vorgehensweise: Führt das WAP-Konzept ein und beschreibt den iterativen Prozess von der Anforderungsaufnahme bis zur Realisierungsphase.
4. Erstellen der Wertstromzeichnung: Detailliert die Symbolik für Material- und Informationsflüsse, um komplexe Prozessabläufe einfach darstellbar zu machen.
5. Wertstromkonzept – Erstellung: Zeigt, wie Erkenntnisse aus der Analyse in ein strukturiertes Anforderungsprofil und konkrete Hauptprozesse überführt werden.
6. Wertstromkonzept – praktische Umsetzung: Erklärt die Verwendung von Themen- und To-Do-Listen als zentrale Steuerungsinstrumente zur Überwachung des ERP-Einführungsfortschritts.
7. Schlussbemerkung: Fasst das Anliegen des Buches zusammen und betont die Bedeutung von Projektmanagement-Kenntnissen und Softskills für den Projekterfolg.
Schlüsselwörter
Wertstromanalyse, ERP-Einführung, Prozessorientierung, WAP-Methode, Materialfluss, Informationsfluss, Soll-Wertstrom, Ist-Wertstrom, Projektmanagement, Themenliste, Charakteristische Produkte, Wertstromdesign, Prozesskostenrechnung, Unternehmensabläufe, Supply Chain.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer praxisnahen Methode, um ERP-Systeme nicht funktionsbezogen, sondern prozessorientiert einzuführen, indem der Wertstrom als zentrale Projektgrundlage dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Visualisierung von Wertströmen, die Definition von charakteristischen Produkten sowie die Steuerung der technischen ERP-Implementierung durch strukturierte Themen- und Aufgabenlisten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ERP-Einführungsprojekte durch Transparenz und ein für alle Mitarbeiter verständliches Kommunikationsmedium planbarer, effizienter und prozessorientierter zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Wertstromanalyse als Basis, die jedoch um spezifische Elemente für die ERP-Projektwelt (WAP-Methode) erweitert und an moderne IT-Anforderungen angepasst wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Vorgehensweise zur Ist- und Soll-Wertstromaufnahme, die Symbolik der Zeichnung, das Erstellen des Wertstromkonzepts sowie die praktische Steuerung über Listen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Wertstromanalyse, ERP-Einführung, Prozessorientierung, WAP-Methode und prozessorientiertes Projektmanagement definieren.
Welche Rolle spielen „Charakteristische Produkte“ in diesem Modell?
Sie dienen als Repräsentanten der unternehmensspezifischen Abläufe, anhand derer das gesamte ERP-System verprobt und abgenommen wird, um die Vollständigkeit der Prozessabbildung sicherzustellen.
Warum ist die „Themenliste“ für den Projekterfolg so entscheidend?
Sie fungiert als zentrales Steuerungsinstrument, das den Status aller Prozessschritte und Integrationstests übersichtlich dokumentiert und so die Verbindlichkeit im Projekt erhöht.
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- Arno Holzwarth (Author), Dietmar Lohr (Author), 2010, WAP, Wertstrom als Projektgrundlage. Eine prozessorientierte ERP-Einführung (Enterprise Resource Planning Systems), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151324