Ausgewählte Möglichkeiten des Forderungsmanagements


Studienarbeit, 2008

32 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Motive und Ziele des Forderungsmanagements
2.1 Begriff Forderungsmanagement
2.2 Zielsetzung

3 Klassische Instrumente des Forderungsmanagements
3.1 Bonitätsprüfung
3.1.1 Risikoanalyse
3.1.2 Risikobewertung
3.2 Handelskredite
3.2.1 Lieferantenkredit
3.2.2 Kundenkredit
3.3 Vertragsgestaltung
3.3.1 Zahlungsvereinbarung
3.3.2 Klauseln

4 Weiterführende Maßnahmen des Forderungsmanagements
4.1 Debitorenbuchhaltung
4.1.1 Schuldnerüberwachung
4.1.2 Mahnwesen
4.1.2.1 Außergerichtliches Mahnverfahren
4.1.2.2 Gerichtliches Mahnverfahren
4.2 Inkasso
4.2.1 Ablauf eines Dokumenteninkassos
4.2.2 Dokumente gegen Akzept
4.2.3 Dokumente gegen „Trust Receipt“
4.3 Akkreditiv
4.4 Factoring
4.4.1 Funktionen und Arten des Factoring
4.4.2 Kosten
4.5 Kreditversicherung
4.5.1 Arten
4.5.2 Kosten

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Risikoklassen

Abb. 2: Arten der Handelskredite

Abb. 3: Ablauf eines Dokumenteninkassos,

Abb. 4: Ablauf eines Dokumenenakkreditivs

Abb. 5: Ablauf des Factoring

Abb. 6: Übersicht Forderungsausfall der XXXXXXX GmbH

Abb. 7: Konditionen des Inlandinkassos

Abb. 8: Konditionen des Auslandinkassos

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Eine Studie des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen vom November 2006 ergab, dass sich die Zahlungsmoral der Kunden mittelständischer Unternehmen kontinuierlich verschlechtert. Dahingehend unterscheiden sich private und gewerbliche Kunden deutlich voneinander. Bei gewerblichen Kunden sind vor allem kurzfristige Liquiditätsengpässe, Zahlungsausfälle bei den eigenen Kunden und eine zu geringe Ausstattung mit Eigenkapital der Grund für nicht fristgerecht geleistete Zahlungen. Anders als bei gewerblichen Schuldnern spielt bei privaten Kunden Überschuldung und Arbeitslosigkeit eine große Rolle. So wird in den Insolvenzstatistiken des Statistischen Bundesamts deutlich, dass die Anzahl der Privatinsolvenzen zunimmt wohingegen die Zahl der gewerbliche Konkurse derzeit (Stand Frühjahr 2007) weiterhin rückläufig ist. Viele Unternehmer setzen sich erst zu spät mit diesem Problem auseinander - erst dann wenn der Kunde bereits zahlungsunfähig oder - unwillig ist. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass sich mittelständige Unternehmen ständig mit dem Thema der Zahlungsmoral seiner Kunden beschäftigen sollten. Zudem ist das Forderungsmanagement wesentliches Instrument der Liquiditätssicherung. Dabei sollten nicht nur klassische Instrumente genutzt, sondern auch neue Möglichkeiten berücksichtigt werden.1

2 Motive und Ziele des Forderungsmanagements

2.1 Begriff Forderungsmanagement

Der Begriff Forderungsmanagement fasst alle unternehmensinternen und -externen Maßnahmen zusammen, welche geeignet sind, die Qualität der Debitoren zu verbessern, Forderungsausfälle zu vermeiden und die Zeit zwischen Rechnungsstellung und Bezahlung zu verkürzen.2

Die wesentlichen Maßnahmen des Forderungsmanagements sind neben der Bonitätsprüfung und Vertragsgestaltung auch das Mahn- und Inkassowesen, das Factoring, die Kreditversicherung und das Akkreditiv. Zu einem erfolgreichen Forderungsmanagement ist auch der effiziente Kontakt mit den Vertriebsbereichen hinsichtlich der Abstimmung der Zahlungskonditionen, der einzuräumenden Kreditlimits und der aktuellen Bonitätsprüfung von bestehenden oder potentiellen Kunden notwendig.3

2.2 Zielsetzung

Wesentliches Ziel des Forderungsmanagements ist das Eintreiben von Forderungen um dadurch einerseits die Steigerung der Rentabilität ebenso wie die Sicherung der Zahlungsfähigkeit und andererseits die Verbesserung der Bonität zu erreichen. Das Vermeiden von Zahlungsausfällen durch die Zahlungsunwilligkeit oder auch -unfähigkeit von Kunden ist dabei von erheblicher Bedeutung. Das Forderungsmanagement trägt folglich aktiv zur Sicherung der Existenz des Unternehmens bei und stärkt die Position im Wettbewerb um Kapitalgeber.4

3 Klassische Instrumente des Forderungsmanagements

3.1 Bonitätsprüfung

Mit der Bonitätsprüfung werden Zahlungsfähigkeit, Kreditwürdigkeit und weitere Plausibilitäten eines Unternehmens geprüft.5 Sie dient dahingehend als Entscheidungsgrundlage ob eine Geschäftsbeziehung eingegangen wird. So trägt die Bonitätsprüfung zur Minimierung der Risiken bei und reduziert somit den Aufwand des Mahn- und Inkassowesens. Unternehmen sollten sich dabei nicht nur auf neue Kunden beschränken, sondern auch bestehende Geschäftsbeziehungen prüfen.6

3.1.1 Risikoanalyse

Die Risikoanalyse ist ein maßgebender Anteil an der Bonitätsprüfung. Um ein effektives Forderungsmanagement betreiben zu können, müssen bestehende Risiken im In- und Auslandsgeschäft des Unternehmens bekannt sein.

Infolgedessen muss eine Risikoidentifizierung stattfinden, um Spannungsfelder zu lokalisieren. Daher müssen Informationen über Geschäftspartner, Lieferanten und Abnehmer gewonnen werden. Hierzu werden relevante betriebswirtschaftliche Daten, welche sich auf die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage des zu überprüfenden Unternehmens beziehen, benötigt.7 Dabei sind wirtschaftliche und länderspezifische Risiken ebenso wie Währungs- und Transportrisiken von erheblicher Bedeutung. Kundenspezifische (wirtschaftliche) Risiken sind insbesondere das Fabrikationsrisiko (ein nach den Wünschen des Kunden gefertigtes Produkt wird nicht abgenommen) und die Zahlungsunfähigkeit oder -unwilligkeit des Kunden. Forderungsausfälle durch Konkurs des Schuldners, erfolglose Zwangsvollstreckung und Zahlungseinstellung oder im Nichtzahlungsfall müssen daher abgesichert sein. Besonders bei Exportgeschäften müssen politische Risiken, wie zum Beispiel (z. B) außerordentliche Maßnahmen oder politische Ereignisse im Importland, welche die Zahlung verhindern und ein mögliches Währungs- und Transportrisiko berücksichtigt werden.8

3.1.2 Risikobewertung

Im Anschluss an die Identifizierung der bestehenden Risiken werden diese bewertet.

Die Risikobewertung umfasst neben der Ermittlung von Eintrittwahrscheinlichkeiten auch die Kalkulation der möglichen Schadenshöhe. Dabei ist es notwendig sich einen Überblick über die positiven und negativen Einflussmöglichkeiten zu verschaffen, da bei steigender Wahrscheinlichkeit und großer Schadenshöhe das Projekt gefährdet ist und umgeplant werden muss. Für diese Bewertung sind vor allem Faktoren wie die Größe des Unternehmens, Absicherungsmöglichkeiten und die finanzielle Lage entscheidend.9

Basierend auf der Bewertung folgt die Einteilung in Risikoklassen. Diese kann folgendermaßen aussehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Risikoklassen, Quelle: [Dre07], S. 4

Basierend auf der Indexspanne sind die Unternehmen in der jeweiligen Risikoklasse mit unterschiedlichen Zahlungsverhalten erfasst.

Gruppe A umfasst alle Geschäftspartner, welche den vollständigen Rechnungsbetrag innerhalb der Skontofrist, innerhalb von 30 Tagen oder innerhalb des vereinbarten

Zahlungstermins begleichen. Geschäftspartner, die immer innerhalb der Skontofrist zahlen, erhalten z.B. die Indexzahl 100. Unternehmen, welche einmal innerhalb der Skontofrist und ein anderes Mal innerhalb des Zahlungsziels ihre Verbindlichkeiten begleichen, erhalten den Index 135.

Gruppe B erfasst Geschäftspartner, bei denen 80% des gesamten Rechnungsbetrags innerhalb von 30 Tagen und 20% innerhalb der darauffolgenden 30 Tage bezahlt werden. Gruppe C sind Unternehmen, von denen 75% den vollständigen Rechnungsbetrag innerhalb von 45 Tagen nach Rechnungseingang und 20% den Großteil des Rechnungsbetrages innerhalb der nächsten 3 Tage bezahlen. 5% der „ Gruppe-C-Unternehmen“ zahlen zögerlich oder gar nicht.

Gruppe D erfasst Betriebe, welche 70% der Leistung innerhalb von 60 Tage begleichen. 20% der Geschäftspartner kommen ihrer Verpflichtung nicht gänzlich, jedoch innerhalb der der nächsten 30 Tage nach. Allerdings sind 10% nicht in der Lage, die geforderte Leistung zu erbringen.

Die Einteilung in die Risikoklassen sollte eine Einstufung der Unternehmen darstellen. Darauf aufbauend sind Maßnahmen zur Sicherung der Forderungen zu ergreifen.10

3.2 Handelskredite

Unter einem Handelskredit versteht man im Allgemeinen eine zeitlich begrenzte Hingabe eines Geldbetrages gegen Zahlung eines Zinses.11 Der Handelskredit zielt dennoch nicht auf die Erwirtschaftung von Zinsgewinnen ab sondern eine der Vertragsparteien räumt der Anderen ein Zahlungsziel und damit eine Kaufpreisstundung ein. Dabei unterscheiden sich die Handelkredite in Lieferanten- und Kundenkredit.

Die Entstehung von Kunden- und Lieferantenkrediten und die daraus resultierenden Forderungen und Verbindlichkeiten zeigt folgende Abbildung auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Arten der Handelskredite, Quelle: [Kra95], Sp. 905

3.2.1 Lieferantenkredit

Dem Lieferantenkredit liegt ein gültiger Kaufvertrag zwischen dem Lieferanten als Kreditgeber und dem Kunden als Kreditnehmer zu Grunde, welcher Waren oder Dienstleistungen unter Stundung des Kaufpreises (also auf Ziel) erhält. Der Abnehmer ist demzufolge berechtigt die Gegenleistung in Form der Kaufpreiszahlung zu einem späteren Zeitpunkt oder innerhalb eines eingeräumten Zahlungszieles zu erbringen. Da der Kaufpreis nicht sofort, sondern erst zum vereinbarten Termin fällig wird, entstehen dem Kreditgeber „Forderungen aus Lieferung und Leistung (Ford. a. LuL)“ (siehe Abb.2 - (1)), welche bis zur Bezahlung in der Debitorenbuchhaltung als offener Posten geführt werden. Dem Abnehmer hingegen entsteht eine „Verbindlichkeit aus Lieferung und Leistung (Verb. a. LuL)“(siehe Abb.2 - (2)).12

3.2.2 Kundenkredit

Um einen Kundenkredit handelt es sich, wenn der Kunde einen Teil oder den gesamten Gegenwert der Ware oder Dienstleistung vor deren Erhalt bezahlt. Der Abnehmer wird aufgrund seiner Vorleistung zum Kreditgeber. Daher entsteht für den Abnehmer eine Forderung aus „geleisteten Anzahlungen auf LuL“ (siehe Abb. 2 - (3)) Demzufolge entsteht dem Lieferanten eine Verbindlichkeit aus „erhaltenen Anzahlungen auf LuL“ (siehe Abb.2 -

(4)). Durch Lieferung und Leistung tilgt der Lieferant seine Verbindlichkeiten.13

3.3 Vertragsgestaltung

Die Geschäftspartner können durch die Vertragsgestaltung Regelungen über Zahlungskonditionen, Sicherheitsleistungen oder Produkteigenschaften detailliert und juristisch einwandfrei festlegen. Das Gläubiger-Unternehmen kann so die Wahrscheinlichkeit eines Forderungsausfalls minimieren.14

3.3.1 Zahlungsvereinbarung

Zahlungsvereinbarungen können sowohl in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt als auch individuell mit dem Geschäftspartner im Kaufvertrag vereinbart werden. Die Zahlungsmodalitäten legen fest, wie die Zahlung zu erfolgen hat. Dahingehend ist das Bargeschäft beziehungsweise (bzw.) die Lieferung per Nachname die sicherste Zahlungsmodalität, da der Eintritt von Forderungsausfall ausgeschlossen ist. Da diese beiden Varianten in der Praxis wesentliche Nachteile haben, wird meist auf Überweisung und Lastschriftverfahren zurückgegriffen. Welche Zahlungsmodalitäten ein Unternehmen vereinbart ist abhängig von der Struktur der Kunden, deren Risikopotential und den Geflogenheiten15.

Außerdem werden Zahlungskonditionen wie z.B. Skontovereinbarungen (Skontosätze und - fristen) und Zahlungsziele, welche den letztmöglichen Zeitpunkt der Zahlung angeben, festgelegt. Die Zahlungskonditionen hängen von der Bonität des Kunden ab. So erhalten Kunden mit schwacher Bonität selten ein langes Zahlungsziel.16

3.3.2 Klauseln

Um spätere Streitigkeiten zu vermeiden, können die Geschäftspartner Klauseln im Kaufvertrag vereinbaren.

Bei der Fälligkeitsklausel handelt es sich um einen fest vereinbarten Termin, an dem die Zahlung fällig wird. Es tritt automatisch nach Ablauf des Fälligkeitsdatums der Verzug ein, da nach § 286 Abs. 2 Nr. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) eine Mahnung nicht erforderlich ist. Dies muss individuell vereinbart sein, da eine solche Klausel nach § 309 Nr. 4 BGB nicht Bestandteil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sein darf.

[...]


1 [Glo05]

2 [For03]

3 [And03a]

4 [Neb94], S.19

5 [Bon06]

6 [SB99], S. 38

7 [KPS00], S. 14

8 [Dre07], S. 2 ff.

9 [Dre07], S. 2 ff.

10 [Mon94], S. 47

11 [JJW90], S. 6

12 [Olf99], S. 284ff.

13 [Kra95], Sp. 905ff.

14 [Neb94], S.21

15 [JJW90], S. 25

16 [Olf99], S. 267

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Ausgewählte Möglichkeiten des Forderungsmanagements
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
32
Katalognummer
V151342
ISBN (eBook)
9783640628902
ISBN (Buch)
9783640628957
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forderungen, Forderungsmanagement, Mahnwesen, Inkasso, Akkreditiv
Arbeit zitieren
B.A. Julia Huber (Autor), 2008, Ausgewählte Möglichkeiten des Forderungsmanagements, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151342

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