Ganztägige Schulformen sind in einen Unterrichtsteil und in ein Betreuungsteil zu gliedern. Diese können in getrennter oder verschränkter Abfolge geführt werden. Für die Führung einer Klasse mit verschränkter Abfolge des Unterrichts- und des Betreuungsteiles ist erforderlich, dass alle Schüler einer Klasse am Betreuungsteil während der ganzen Woche angemeldet sind sowie dass die Erziehungsberechtigten von mindestens zwei Dritteln der betroffenen Schüler und mindestens zwei Drittel der betroffenen Lehrer zustimmen; in allen übrigen Fällen sind der Unterrichts- und Betreuungsteil getrennt zu führen. Bei getrennter Abfolge dürfen die Schüler für den Betreuungsteil in klassenübergreifenden oder schulstufenübergreifenden Gruppen zusammengefaßt werden; der Betreuungsteil darf auch an einzelnen Nachmittagen der Woche in Anspruch genommen werden. Laut Paragraph 8 i des SchOG sind unter ganztägigen Schulformen Schulen zu verstehen, an denen neben dem Unterrichtsteil ein Betreuungsteil angeboten wird, wobei der Betreuungsteil aus folgenden Bereichen besteht:
a) fachbezogene Lernzeit, die sich auf bestimmte Pflichtfächer bezieht,
b) individuelle Lernzeit,
c) Freizeit.
Die Frage, ob eine Schule als ganztägige Schulform zu führen ist, obliegt dem jeweiligen gesetzlichen Schulhalter. Als wesentlicher Grundsatz ergibt sich, dass der Besuch ganztägiger Schulformen nur aufgrund einer Anmeldung möglich ist, weshalb für alle Schüler, die nicht zu einer ganztägigen Betreuung angemeldet werden, öffentliche Schulen in zumutbarer Entfernung ohne ganztägige Betreuung oder ganztägige Schulformen mit getrennter Abfolge des Unterrichts- und des Betreuungsteiles zur Verfügung stehen müssen
Inhaltsverzeichnis
1. Definition ganztägiger Schulformen
2. Geschichtlicher Überblick
3. Arten der Schulen
3.1 Die offene Schule
3.2 Die Ganztagsschule
3.3.1 Die Ganztagsschule in offener Form
3.3.2 Die Ganztagsschule in gebundener Form
3.3 Die Tagesheimschule
3.4 Schule und Hort
4. Grundstruktur der Ganztagsschule
5. Ziele und Aufgabenfelder der Ganztagsschule
6. Rhythmisierung des Schultages
7. Begründung für die Ganztagsschule
8. Angebot und Nachfrage
9. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Arbeitsfeld der Grundschule unter dem Aspekt der Ganztagsbetreuung. Das primäre Ziel ist es, verschiedene Modelle ganztägiger Schulformen zu definieren, ihre historische Genese sowie deren strukturelle und pädagogische Aufgabenfelder zu analysieren, um ein Verständnis für die aktuelle Debatte um Bedarf und Akzeptanz zu schaffen.
- Historische Entwicklung der Ganztagsschule in der BRD
- Klassifizierung der verschiedenen Schulmodelle und Organisationsformen
- Pädagogische Konzepte zur Rhythmisierung und Strukturierung des Schultages
- Sozialpolitische Begründungen und elterliche Nachfrage nach Ganztagsangeboten
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Die Ganztagsschule in gebundener Form
Ganztagsschulen in gebundener Form haben die Möglichkeit einer lerngerechten und kind- und jugendgemäßen Tagesrhythmisierung. Es wechseln gelenkte und ungelenkt Lernphasen mit offenen Aktivitäten, lehrgangsorientierter Unterricht mit Gruppenarbeit und Einzelarbeit, Spiel und Freizeit. Hausaufgaben können durch Arbeits- und Übungsstunden ersetzt werden; Fördermaßnahmen und fachunabhängige Arbeitsgemeinschaften werden in den Schulablauf integriert. Die Teilnahme an den Fördermaßnahmen, Lern-, Spiel- und Freizeitangeboten sind in der Regel für alle Schüler/innen der Schule obligatorisch.
Lehrgangs- und fachbezogener Unterricht kann am ehesten im gebundenen Modell der Ganztagsschule mit fächerübergreifendem Lernen und Neigungsangeboten verknüpft, kognitives, praktisches und soziales Lernen verbunden werden. Es bleibt ebenso Zeit für erfahrungs- und handlungsorientiertes, kreatives und eigentätiges Lernen wie für Zuwendung und soziale Beziehungen. Die Ausgestaltung des Erziehungskonzepts und des Schullebens ermöglicht die Entwicklung der Schule zu einem Lern- und Erfahrungsraum für Schulkinder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition ganztägiger Schulformen: Erläutert die Gliederung in Unterrichts- und Betreuungsteile sowie die rechtlichen Voraussetzungen für verschränkte und getrennte Abfolgen.
2. Geschichtlicher Überblick: Beschreibt die Entstehung der Ganztagsforderungen in der Nachkriegszeit als Reaktion auf soziale Notlagen und Wohnungsnot.
3. Arten der Schulen: Unterscheidet verschiedene Organisationsmodelle wie die offene Schule, die gebundene Ganztagsschule, die Tagesheimschule sowie die Kooperation von Schule und Hort.
4. Grundstruktur der Ganztagsschule: Definiert den zeitlichen Rahmen der Ganztagsschule und die pädagogische Organisation von Unterricht, Übung und Freizeit.
5. Ziele und Aufgabenfelder der Ganztagsschule: Fokussiert auf soziales Lernen, die Förderung der Schülerpersönlichkeit und die Verbesserung der Lernbedingungen.
6. Rhythmisierung des Schultages: Argumentiert für den Bruch mit starren Zeitrastern zugunsten eines lebens- und lernrhythmisch orientierten Schulalltags.
7. Begründung für die Ganztagsschule: Erörtert sozialpolitische und pädagogische Argumente, die eine intensivere Betreuung und Erziehung durch Ganztagsangebote fordern.
8. Angebot und Nachfrage: Analysiert den aktuellen Informationsstand zu Organisationsformen, den Bedarf der Eltern und die Akzeptanz bei verschiedenen Akteuren.
9. Fazit: Fasst zusammen, dass die Nachfrage die derzeitigen Angebote übersteigt und Aufklärungsarbeit notwendig ist, um Vorurteile gegenüber Ganztagsschulen abzubauen.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Grundschule, Tagesheimschule, Schulentwicklung, Rhythmisierung, Betreuungsteil, Unterrichtsteil, Erziehungsdefizite, soziale Integration, schülerorientiertes Lernen, Halbtagsschule, Bildungsanspruch, Ganztagsbetreuung, pädagogische Konzepte, Schulorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption, den verschiedenen Formen und der gesellschaftlichen sowie pädagogischen Begründung von ganztägigen Schulformen im Bereich der Grundschule.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung, die schultheoretische Differenzierung zwischen offenen und gebundenen Modellen sowie die empirisch belegte Nachfrage durch Eltern und Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für den Bedarf und die Notwendigkeit der Ganztagsschule zu schaffen und die pädagogischen Möglichkeiten jenseits der traditionellen Halbtagsschule aufzuzeigen.
Welche methodische Herangehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte, Bestandsaufnahmen und empirischer Erhebungen zur Ganztagsschulthematik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die verschiedenen Schultypen definiert, die Bedeutung einer rhythmisierenden Tagesstruktur erörtert sowie die Argumente für die Einrichtung ganztägiger Angebote detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ganztagsschule, Rhythmisierung, soziale Integration, individuelle Förderung und die Unterscheidung zwischen offenen und gebundenen Schulformen.
Was unterscheidet die gebundene von der offenen Form der Ganztagsschule?
In der gebundenen Form ist die Teilnahme für alle Schüler verpflichtend und der Schultag ist pädagogisch durchstrukturiert, während die offene Form auf freiwilliger Teilnahme basiert und Unterricht und Freizeit stärker voneinander abgrenzt.
Warum ist die Rhythmisierung des Schultages so entscheidend?
Sie dient dazu, starre Zeitvorgaben (wie den 45-Minuten-Takt) aufzubrechen, um den Lernprozess besser an die individuellen biologischen und lernpsychologischen Bedürfnisse der Kinder anzupassen.
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- Gerlinde Weinzierl (Author), 2000, Die Ganztagsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1513