Die heutige Situation der Schüler und Schülerinnen im Kontext der Koedukation

Perspektiven für die Realisierung von Geschlechtergerechtigkeit in der Schule


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Weiblich – Männlich!?

B. Koedukation heute – „Geschlechtergerechte Schule“
1. Allgemeine Informationen zu Koedukation und
Koedukationsdebatte
1.1 Begriffsklärung
1.2 Chronologie der Koedukationsdebatte
2. Koedukation heute – Benachteiligung der Jungen?
2.1 Aktuelle Zahlen zum Bildungserfolg
2.2 Mögliche Ursachen und Prävention
2.2.1 Bedeutung der Lehrkräfte
2.2.2 Freizeitgestaltung
3. Praktische Ansätze zur Umsetzung einer
„Geschlechtergerechten Schule“
3.1 Stereotype Sichtweisen abbauen
3.1.1 Jungen – und Mädchendomänen
3.1.2 Verhalten der Lehrkräfte
3.2 Monoedukative Angebote
3.2.1 Zufällige methodische Trennung
3.2.2 Jungen – und Mädchenkonferenzen
3.2.3 Jungen und Mädchenbeauftragte
3.2.4 Fazit: Monoedukative Angebote nur unter bestimmten
Vorraussetzungen

C. Geschlecht muss Thema der Forschung bleiben

A: Weiblich – Männlich !?

Wenn man sich überlegt, welche Eigenschaften einem Mann oder einer Frau bzw. einem Jungen oder einem Mädchen zugeordnet werden können, wird man zunächst wahrscheinlich auf geschlechtspezifische Aussagen stoßen. „Mädchen sind ordentlich, Jungen sind frech“. So oder so ähnlich könnte eine Zuordnung ausfallen. Wir schreiben nämlich - ohne es zu merken – den Geschlechtern bestimmte Eigenschaften und Verhaltensformen zu. Dabei treffen wir jedoch keine Aussagen über männlich oder weiblich im Sinne einer Geschlechtszuordnung, sondern wir beschreiben so unser eigenes, subjektives Bild von einer Frau oder einem Mann.

Diese Geschlechtszuweisungen entsprechen der heutigen Theorie über das Geschlechtsbild, das von dem Begriff „Doing Gender“ geprägt ist. Zentraler Gesichtspunkt dieses Gedankens ist die Unterscheidung in biologisches und soziales Geschlecht. Dies impliziert die Erkenntnis, dass wir Menschen selbst die Unterschiede zwischen den Geschlechtern herstellen. So sind wir uns im Grunde genommen bewusst darüber, dass Geschlechtszuschreibungen stereotype Sichtweisen verstärken und zu Problemen führen können. Oft sind wir aber trotzdem nicht in der Lage diese zu unterlassen, da sie zu fest in unserem Alltag und in unserer zweigeschlechtlich geprägten Gesellschaft verankert sind.[1]

Auch unsere Schulen sind von Problemen, die Geschlechtsbilder mit sich bringen können, betroffen. In ihnen werden Mädchen und Jungen größtenteils gemeinsam unterrichtet, was bedeutet, dass sie täglich mit Geschlechterrollen und - unterschieden konfrontiert werden. Dies hat in der Vergangenheit zu einer Koedukationsdebatte geführt, die ständig neue Perspektiven hervorrief und zunächst die Mädchen, dann die Jungen ins Zentrum der Diskussion rückte.

Im Folgenden soll deshalb zunächst der Begriff der Koedukation charakterisiert und in einem weiteren Schritt die Chronologie der Debatte, die diese Unterrichtsform auslöste, skizziert werden. Daraufhin wird die heutige Situation der Schüler und Schülerinnen im Kontext der Koedukation beschrieben, vor allem unter Berücksichtigung der Situation der Jungen. Schließlich sollen Perspektiven für die Realisierung von Geschlechtergerechtigkeit in der Schule erläutert und diskutiert werden.

B: Koedukation heute – „Geschlechtergerechte Schule“

1. Allgemeine Informationen zu Koedukation und Koedukationsdebatte

1.1 Begriffsklärung

Zuerst stellt sich einmal die Frage, was der Begriff der Koedukation eigentlich ausdrücken soll. Er lässt sich von der lateinischen Vorsilbe co, die zusammen bedeutet und vom lateinischen Verb educare, das erziehen bedeutet, ableiten. Koedukation bezeichnet demnach „die gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen in allen Schularten“.[2]

Den eigentlichen Charakter der Koedukation macht der Begriff der „Reflexiven Koedukation“, den Hannelore Faulstich – Wieland 1991 prägte, deutlich. Dieser besagt, dass die Koedukation, die in ihrer Entstehung meist aus organisatorischen Gründen umgesetzt wurde, der Reflektion ihres Nutzens und ihrer Umsetzung bedarf.[3] „Um gemeinsame Erziehung fruchtbar werden zu lassen, muss man reflektieren, was man tut, und für das Ziel eines gelingenden Miteinanders der Geschlechter nötigenfalls geeignete Maßnahmen ergreifen“.[4]

Zum weiteren Verständnis des Begriffs der Koedukation lässt sich das Eichstätter Appell anführen, welches das Ergebnis der Tagung mit dem Motto „Prima Mädchen – Klasse Jungs“ an der Universität Eichstätt im März 2009 darstellt. In diesem wird unter anderem betont, dass vorrangiges Ziel der Koedukation sei, Benachteiligungen abzubauen und neue Lernchancen zu eröffnen.[5]

1.2 Chronologie der Koedukationsdebatte

Die Koedukationsdebatte, die bis zum jetzigen Zeitpunkt besteht, begann etwa in den

70er – Jahren. Damals wurde die gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen eingeführt. Diese Phase kann als Koedukationseuphorie bezeichnet werden, da die gemeinsame Erziehung als Errungenschaft gefeiert wurde. „Einmal durchgesetzt, galt sie als längst überfälliges, sichtbares Zeichen einer auf Gleichberechtigung basierenden Gesellschaft“.[6]

Doch wie sich bald zeigte, war in der Praxis noch lange keine Gleichberechtigung erreicht und die anfängliche Euphorie für die Koedukation, schlug in Kritik um.

Die feministische Schulforschung machte auf Missstände, wie sexistische Schulbücher oder schlechtere Chancen von Abiturientinnen in Studium und Beruf, aufmerksam. Diese benachteiligenden Aspekte wurden unter dem Begriff „heimlicher Lehrplan der Geschlechtererziehung“[7] zusammengefasst. In der Zeit der Koedukationskritik wurde sogar zeitweise überlegt, zu monoedukativen Schulen zurückzukehren.

Parallel dazu entstanden in den 80er - und 90er - Jahren zunächst Konzepte zur Mädchenförderung. Emanzipatorische Lehrerinnen ergriffen die Initiative und riefen spezielle Angebote für Mädchen ins Leben, wie zum Beispiel Selbstverteidigungskurse oder Computerkurse. Der innovative Schwung ebbte jedoch nach 1990 wieder ab, da Lust und Energiemangel zu keinem Erfolg der Maßnahmen mehr führten und die Mädchen die Intention von oft nur halbherzigen Angeboten hinterfragten. Bald darauf, seit Beginn der 1990er Jahre rückten dann allmählich die Jungen, die vorher entweder als Gewinner gesehen wurden oder denen gar keine Beachtung geschenkt wurde, ins Zentrum der Diskussion und es wurden Konzepte zu deren Förderung entworfen.[8]

Als Auslöser für die Aufnahme der Jungen in die Koedukationsdebatte gilt das Buch „Kleine Helden in Not“ von Dieter Schnack und Rainer Neutzling (1990). Als Reaktion darauf wurde Jungenarbeit zunächst nur sehr vage und praxisbezogen thematisiert. 2005 hatte sich das Thema Jungen jedoch bereits zu einem Trendthema entwickelt, dem bis heute in der Forschung große Aufmerksamkeit zukommt.[9]

2. Koedukation heute – Benachteiligung der Jungen?

Heute wird meist der Begriff der „Geschlechtergerechten Schule“ benützt, wenn von Koedukation die Rede ist. Nach der Phase der Mädchen- und Jungenförderung wird der Blick zunehmend auf die Relationen im Geschlechterverhältnis gerichtet.[10] „Geschlechtergerechte Schule (soll) den Mädchen und Jungen, den Frauen und Männern eine Entwicklung und Lebensgestaltung, die ihren jeweiligen individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen gerecht wird“[11] ermöglichen.

[...]


[1] Vgl. KREIENBAUM, A. M. / URBANIAK T.: Jungen und Mädchen in der Schule, S.39.

[2] HORSTKEMPER, M. / KRAUL, M.: Koedukation, S.7.

[3] Vgl. KREIENBAUM, A. M. / URBANIAK T.: Jungen und Mädchen in der Schule, S.45.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Eichstätter Appell.

[6] KREIENBAUM, A. M. / URBANIAK T.: Jungen und Mädchen in der Schule, S.44.

[7] KREIENBAUM, A. M. / URBANIAK T.: Jungen und Mädchen in der Schule, S.44.

[8] Vgl. KREIENBAUM, A. M. / URBANIAK T.: Jungen und Mädchen in der Schule, S. 44 f.

[9] Vgl. KREIENBAUM, A. M. / URBANIAK T.: Jungen und Mädchen in der Schule, S.55 ff.

[10] Vgl. BUDDE, J. u. a.: Geschlechtergerechtigkeit in der Schule, S.11.

[11] PESCHEL, B.: Positionspapier – Geschlechtergerechte Schule, S.1

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die heutige Situation der Schüler und Schülerinnen im Kontext der Koedukation
Untertitel
Perspektiven für die Realisierung von Geschlechtergerechtigkeit in der Schule
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V151417
ISBN (eBook)
9783640629893
ISBN (Buch)
9783640630042
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koedukation, Geschlechtergerechte Schule, Gemeinschaftserziehung, Geschlecht in der Schule, Geschlecht
Arbeit zitieren
Irina Wittmann (Autor), 2010, Die heutige Situation der Schüler und Schülerinnen im Kontext der Koedukation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151417

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