In jedem Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit kommen wir SozialarbeiterInnen mit Menschen in Berührung, die durch verschiedene Ereignisse in Krisen geraten. Wir sollten jede Krise ernst nehmen, nicht zuletzt auch deshalb, weil im Rahmen der Sozialen Arbeit immer deutlicher wird, dass es auch im Sinne der Prävention sinnvoll ist, Menschen in Krisen beizustehen. Allgemein spricht man von einer Krise, wenn für einen oder mehrere Personen ein belastendes Ungleichgewicht zwischen der subjektiven Bedeutung eines Problems und den zur Verfügung stehenden Bewältigungsmöglichkeiten entstanden ist. Diese Dynamik führt zu einer immer größer werdenden Einengung des Lebens.
In meiner Arbeit spezialisiere ich mich auf Krisen im Kinder- und Jugendalter. Der erste Schwerpunkt wird sein herauszukristallisieren, welche Krisen es gibt. Kinder reagieren ganz unmittelbar auf belastende Ereignisse, können aber noch wenig verbalisieren, was die Auslöser oder Hintergründe der Krise sind. Sie zeigen Verhaltensänderungen, die häufig nicht als Krisensymptome verstanden werden. Auch die Entwicklungsphasen Pubertät und Adoleszenz sind bei den meisten Menschen krisenhafte Zeiten. Danach gehe ich auf theoretische Grundlagen des Spiels ein. Im weiteren Verlauf erkläre ich die Wirkung des Rollenspiels und beschreibe die unterschiedlichen Formen dieser Methode.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Beschreibung der Krise
2.1 Wortherkunft
2.2 Der Krisenzustand
3. Krisen bei Kindern und Jugendlichen
3.1 Krisen bei Kindern
3.2 Krisen bei Jugendlichen
4. Das Spiel
4.1 Die Bedeutung des kindlichen Spiels für die Entwicklung der Spiegelneuronen
4.2 Das soziale Drama
4.3 Spontaneität im Spiel
4.4 Theaterarbeit in sozialen Feldern
5. Das Rollenspiel
5.1 Auswirkungen des Rollenspiels
5.2 Typen des angeleiteten Rollenspiels
6. Das Sozialtherapeutische Rollenspiel
6.1 Allgemeine Darstellung des Sozialtherapeutischen Rollenspiels
6.2 Die Ziele des Sozialtherapeutischen Rollenspiels
6.3 Veränderung durch das Sozialtherapeutische Rollenspiel
6.3.1 Hilfe zur Identitätsentwicklung
6.3.2 Die Zunahme sozialer Kompetenz
6.3.3 Die Aussöhnung mit der Vergangenheit
6.4 Das Sozialtherapeutische Rollenspiel im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe
6.4.1 Das Fantasiebild „Der fliegende Teppich“
6.4.2 Auswertung der Bilder
7. Das Playback-Theater
7.1 Erfahrungen mit Playback Theater
7.2 Die unterstützende Wirkung des Playback
7.2.1 Playback in sozialen Hilfeprozessen der Kinder- und Jugendhilfe
A) Cosmos Geschichte
B) Die Auswertung von Cosmos Geschichte
8. Jeux Dramatiques
8.1 Requisiten und Räume
8.1.1 Die Tücher
8.1.2 Weitere Spielsachen
8.1.3 Die Musikinstrumente
8.1.4 Die Spielräume
8.2 Spielverlauf und methodische Grundlagen
8.2.1 Die Spielressourcen
8.2.2 Die Spielvorbereitung
8.2.3 Die Spieldurchführung
8.2.4 Das Nachgespräch
8.3 Die Wirkung der Jeux Dramatiques
8.3.1 Die Bedeutung der Gruppe
8.3.2 Jeux Dramatiques als Entwicklungsförderung
9. Sozialtherapeutisches Rollenspiel, Jeux Dramatiques und Playback-Theater im Vergleich
10. Heilt Spielen?
11. Das Spiel in Bezug zur Sozialen Arbeit
12. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Arbeit untersucht, inwiefern theaterpädagogische Methoden wie das Rollenspiel, das Playback-Theater und Jeux Dramatiques Kindern und Jugendlichen dabei helfen können, Krisensituationen zu bewältigen und ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.
- Analyse von Krisenphänomenen bei Kindern und Jugendlichen
- Theoretische Grundlagen des Spiels und dessen gehirnphysiologische Basis
- Vergleichende Darstellung therapeutischer und pädagogischer Spielmethoden
- Bedeutung des Spiels für den Hilfeprozess in der Sozialen Arbeit
- Biographische Aufarbeitung und Stärkung sozialer Kompetenzen durch szenisches Spiel
Auszug aus dem Buch
6.4.1 Das Fantasiebild „Der fliegende Teppich“
Die Kinder bekamen die Aufgabe, sich in ihrer Fantasie einen Teppich auszusuchen, und wurden aufgefordert, mit ihm eine Reise in ihre eigene Traumwelt anzutreten.
„Bemerkenswert ist, daß die Kinder bei dieser Spielform zu einer Stille und „inneren Einkehr“ fähig sind, die ihnen im Alltag meist nicht gelingt.“ 71
Das Fantasiebild von Helma:
„Ich bin mit meinem Teppich ganz weit weg geflogen, dorthin, wo es keinen Streit miteinander gibt und wo jeder das Nötigste hat, was er braucht. Ich habe zu meinem Teppich gesagt: Komm, jetzt machen wir beide ganz alleine eine Reise! Zu meiner Mutter habe ich gesagt: Gib mir Geld, damit ich eine schöne Reise machen kann, bis die Schule wieder anfängt! Dann bin ich los geflogen. Irgendwann wollte ich nicht mehr weiter und bin in einem Hotel gelandet. Ich habe das Geld bezahlt für eine Übernachtung. Am Abend habe ich mir noch ein feines Essen bestellt und noch einen Abendteuerfilm angeschaut.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Krisenbegriff und stellt das Vorhaben vor, den Einsatz von Spielmethoden als Mittel zur Krisenbewältigung bei Kindern und Jugendlichen zu untersuchen.
2. Die Beschreibung der Krise: Dieses Kapitel erläutert die Wortherkunft des Krisenbegriffs und beschreibt den Zustand einer Krise als Unterbrechung gewohnter Lebensabläufe.
3. Krisen bei Kindern und Jugendlichen: Hier werden die spezifischen Auslöser und Symptome krisenhafter Zustände in der Kindheit und während der Pubertät thematisiert.
4. Das Spiel: Das Kapitel widmet sich der Bedeutung des Spiels für die menschliche Entwicklung, insbesondere der Rolle von Spiegelneuronen und dem Konzept des sozialen Dramas.
5. Das Rollenspiel: Es erfolgt eine Definition des Rollenspiels als Probehandeln sowie die Vorstellung verschiedener Typen wie Planspiel oder Psychodrama.
6. Das Sozialtherapeutische Rollenspiel: Dieses Kapitel beschreibt eine spezifische, auf die Soziale Arbeit ausgerichtete Methode zur Förderung der Identitätsentwicklung und sozialen Kompetenz.
7. Das Playback-Theater: Die Methode des Playback-Theaters wird als Form des Improvisationstheaters vorgestellt, das persönliche Erfahrungen in kollektive Erlebnisse überführt.
8. Jeux Dramatiques: Hier werden die Grundlagen dieser theaterpädagogischen Methode, der Spielverlauf und die Bedeutung der Gruppe für den Entwicklungsprozess erörtert.
9. Sozialtherapeutisches Rollenspiel, Jeux Dramatiques und Playback-Theater im Vergleich: Die drei Methoden werden gegenübergestellt, wobei Gemeinsamkeiten in der Arbeit mit Imagination, Kreativität und dem Wunsch nach Identitätsstärkung hervorgehoben werden.
10. Heilt Spielen?: Das Kapitel diskutiert kritisch die heilende Wirkung des Theaterspiels und grenzt diese von einem medizinischen Krankheitsbegriff ab.
11. Das Spiel in Bezug zur Sozialen Arbeit: Die Autorin verknüpft die vorgestellten Methoden mit den Prinzipien der Lebensweltorientierung und des kreativen Hilfeprozesses.
12. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht das Potenzial des Rollenspiels als Methode für die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Krise, Soziale Arbeit, Rollenspiel, Spieltherapie, Kinder, Jugendliche, Identitätsentwicklung, Spiegelneuronen, soziales Drama, Playback-Theater, Jeux Dramatiques, Theaterpädagogik, Empathie, Krisenbewältigung, Lebensweltorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den theoretischen Hintergrund und die praktische Anwendung von theaterpädagogischen Methoden zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Krisensituationen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Definition von Krisen, die Entwicklungspsychologie, die Bedeutung von Spiegelneuronen, verschiedene Rollenspielformen und deren Relevanz für den Bereich der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie spielerische Methoden Kindern und Jugendlichen helfen können, ihre Krisen zu verarbeiten, soziale Kompetenzen zu stärken und neue Handlungsmöglichkeiten zu erlernen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und reflektiert eigene Praxiserfahrungen sowie qualitative Ansätze in der theaterpädagogischen Arbeit.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden das Sozialtherapeutische Rollenspiel, das Playback-Theater und die Jeux Dramatiques detailliert vorgestellt, analysiert und miteinander in ihren Wirkungsweisen verglichen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Resilienz durch Spiel, Identitätsbildung, biographische Arbeit, kreative Krisenbewältigung und die Verknüpfung von Kunst mit sozialen Hilfeprozessen.
Welche Rolle spielt das „Fantasiebild“ im Sozialtherapeutischen Rollenspiel?
Das Fantasiebild ermöglicht es Klienten, über symbolische Reisen (wie im Beispiel „Der fliegende Teppich“) innere Sorgen und Wünsche auf eine Weise auszudrücken, die im normalen Alltag oft tabuisiert bleibt.
Wie unterscheidet sich die Arbeit des Playback-Theaters von den Jeux Dramatiques?
Während das Playback-Theater gezielt biographische Erlebnisse aus dem Alltag der Erzähler aufgreift und szenisch spiegelt, setzen die Jeux Dramatiques oft auf freies Spiel, Musik oder Märchen und verzichten bei den Spielenden auf den Einsatz von Sprache.
- Citation du texte
- Dana Skibbe (Auteur), 2010, Das Spiel - Eine Methode zur Bewältigung von Krisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151419