Die deutschen Unternehmen sind Teil einer globalisierten Weltwirtschaft. Auf den internationalisierten Güter-, Dienstleistungs- und Kapitalmärkten agieren neben Großkonzernen auch mittelständische Unternehmen. Der Trend zur Internationalisierung zeichnet sich gleichermaßen auch in der Rechnungslegung der einzelnen Unternehmen ab.
Kapitalmarktorientierte Unternehmen sind seit dem Geschäftsjahr 2005 verpflichtet, internationale Rechnungslegungsstandards bei der Erstellung ihrer Jahresabschlüsse zu beachten.
Um die Abschlüsse nach HGB und IFRS vergleichbarer zu machen, hat die Bundesregierung am 30.07.2008 den Gesetzesentwurf zur Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG) dem Deutschen Bundestag zur Beschlussfassung vorgelegt. In der Neufassung des HGB wird das deutsche Handelsrecht durch Elemente internationaler Rechnungslegungsstandards erweitert und gestärkt. Ziel war es insbesondere, das bestehende Recht nicht aufzugeben, sondern zu einer vollwertigen, aber kostengünstigeren und einfacheren Alternative im Vergleich zu den internationalen Rechnungslegungs- und Berichterstattungsstandards weiterzuentwickeln. Des Weiteren sollte durch das BilMoG die Informationsfunktion handelsrechtlicher Abschlüsse durch die neu hinzugefügten IFRS-Elemente betont werden.
Das BilMoG ist die weitreichendste Reform des Bilanzrechts seit dem Bilanzrichtliniengesetz (BiRiLiG) aus dem Jahr 1985. Die Neuerungen durch das BilMoG umfassen Streichungen nicht mehr zeitgemäßer Bestimmungen des „alten“ HGB, durch welche die Aussagekraft, die Verlässlichkeit sowie die Vergleichbarkeit der handelsrechtlichen Jahresabschlüsse eingeschränkt waren.
Mit dem BilMoG werden auch die Regelungen zur Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen als Teil der betrieblichen Altersversorgung grundlegend reformiert und an internationale Standards angeglichen, um den „Schwachpunkt der deutschen Rechnungslegung“ zu beseitigen.
Ziel dieser Arbeit ist es, auf der Grundlage der Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung und des BilMoG die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen darzustellen und die sich durch die Gesetzesänderung ergebenen Möglichkeiten und Grenzen der Bilanzverkürzung aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Die Grundlagen der betrieblichen Altersversorgung
2.1 Drei-Säulen- bzw. Drei-Schichten-Theorie
2.2 Begriff und Definition der betrieblichen Altersversorgung
2.3 Zusagearten
2.3.1 Leistungsorientierte Zusage
2.3.2 Beitragsorientierte Zusage
2.4 Finanzierungsmöglichkeiten
3 Die Modernisierung des deutschen Bilanzrechts
3.1 Entstehung des BilMoG
3.2 Ziele
3.3 Änderungen für die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen
3.3.1 Bewertung zum Erfüllungsbetrag
3.3.2 Abzinsung
3.3.3 Saldierung
3.3.4 Planvermögen
4 Die Bilanzierung von Pensionsgeschäften
4.1 Bilanzierung nach HGB
4.1.1 Allgemeines zur deutschen Rechnungslegung
4.1.2 Bilanzierung
4.1.3 Bewertung
4.1.4 Ausweis
4.1.4.1 Saldierung von Vermögensgegenständen und Schulden
4.1.4.2 Bewertung und Ausweis des zu verrechnenden Vermögens
4.1.5 Anhangsangaben
4.1.6 Übergangsregelungen
4.1.6.1 Positiver Unterschiedsbetrag aufgrund höherer Rückstellungen
4.1.6.2 Negativer Unterschiedsbetrag aufgrund niedrigerer Rückstellungen
4.2 Bilanzierung nach IFRS
4.2.1 Allgemeines zur Rechnungslegung nach IFRS
4.2.2 Bilanzierung
4.2.3 Bewertung
4.2.4 Ausweis
4.2.5 Anhang
4.3 Bilanzierung nach US-GAAP
4.3.1 Allgemeines zur Rechnungslegung nach US-GAAP
4.3.2 Bilanzierung
4.3.3 Bewertung
4.3.4 Ausweis
4.3.5 Anhangsangaben
4.4 Tabellarische Darstellung der Bilanzierungswege
5 Auswirkungen der Bilanzverkürzung
5.1 Auswirkungen auf die Bilanzanalyse
5.1.1 Allgemeines
5.1.2 Ansätze der Bilanzanalyse
5.1.2.1 Ausgewählte Kennzahlen der traditionellen Bilanzanalyse
5.1.2.2 Moderne Ansätze der Bilanzanalyse
5.1.3 Neue Maßstäbe durch das BilMoG
5.2 Auswirkungen auf die Bilanzpolitik
5.2.1 Allgemeines
5.2.2 Ausgewählte Instrumente der Bilanzpolitik
5.2.2.1 Ansatzwahlrechte
5.2.2.2 Bewertungswahlrechte
5.2.2.3 Ermessensspielräume
5.2.3 Verlagerung der bilanzpolitischen Instrumentarien
5.3 Lösungsansätze zur Auslagerung von Pensionsverpflichtungen
5.3.1 Contractual Trust Arrangements (CTA)
5.3.2 Verpfändung von Rückdeckungsversicherungen
5.3.3 Umstellung auf versicherungsförmige Durchführungswege
5.3.4 Abspaltung auf eine Pensionsgesellschaft
5.3.5 Abfindungszahlungen
6 Folgen der Bilanzverkürzung
6.1 Bilanzielles Vermögen
6.2 Basel II und Unternehmensratings
6.2.1 Neue Baseler Eigenkapitalverordnung
6.2.1 Bonitätseinstufungen
6.3 Latente Steuern
7 Kritische Würdigung der Neuregelungen
7.1 Pensionsrückstellungen und Planvermögen
7.1.1 Bewertung
7.1.1.1 Erfüllungsbetrag und Abzinsung
7.1.1.2 Planvermögen
7.1.2 Übergangsregelungen
7.1.3 Ansatz mittelbarer Verpflichtungen sowie von Altzusagen
7.2 Möglichkeiten und Grenzen der Bilanzverkürzung
7.2.1 Bilanzverkürzung
7.2.2 Bilanzpolitik und Bilanzanalyse
7.2.3 Fair value
7.2.4 Verrechnung von „Äpfeln und Birnen“
7.3 Wurden die Ziele des BilMoG erfüllt?
7.4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, auf Basis der Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung und des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen zu analysieren und die sich durch die Gesetzesänderungen ergebenden Möglichkeiten sowie Grenzen der Bilanzverkürzung aufzuzeigen.
- Neuregelungen zur Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen durch das BilMoG
- Vergleich der Bilanzierungswege nach HGB, IFRS und US-GAAP
- Auswirkungen der Bilanzverkürzung auf die Bilanzanalyse und Bilanzpolitik
- Instrumente zur Auslagerung von Pensionsverpflichtungen (z.B. CTA)
- Kritische Würdigung der Erreichung der BilMoG-Ziele
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Saldierung
Eine wichtige Neuregelung durch das BilMoG ist eine Ausnahme vom Saldierungsverbot nach § 246 Abs. 2 S. 1 HGB. Demnach sind nun gem. § 246 Abs. 2 S. 2 HGB Vermögensgegenstände, die ausschließlich der Erfüllung von Altersvorsorgeverpflichtungen oder anderen langfristigen Verpflichtungen (aus Altersteilzeit, Lebensarbeitzeitkonten etc.) dienen und im Fall einer Insolvenz dem Zugriff aller Gläubiger entzogen sind, mit ebendiesen Schulden zu verrechnen. Diese zugriffsfreien und insolvenzgesicherten Vermögensgegenstände werden analog den IFRS auch als Planvermögen bezeichnet.67 Vor dem BilMoG war diese handelsbilanzielle Verrechnung nicht zulässig.68
Diese Verrechnung hat steuerlich gem. § 5 Abs. 1a S. 1 EStG (a.F. und n.F.) zu unterbleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit beleuchtet die Modernisierung des deutschen Bilanzrechts durch das BilMoG mit einem Fokus auf die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen.
2 Die Grundlagen der betrieblichen Altersversorgung: Es werden die theoretischen Modelle und Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland erläutert.
3 Die Modernisierung des deutschen Bilanzrechts: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte des BilMoG sowie die spezifischen Änderungen für die Pensionsrückstellungsbewertung.
4 Die Bilanzierung von Pensionsgeschäften: Ein Vergleich der nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards (HGB, IFRS, US-GAAP) bei der Behandlung von Pensionsverpflichtungen.
5 Auswirkungen der Bilanzverkürzung: Die Arbeit analysiert, wie sich die Bilanzverkürzung auf Kennzahlen der Bilanzanalyse und die bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume auswirkt.
6 Folgen der Bilanzverkürzung: Es wird diskutiert, wie sich die Bilanzänderungen auf das bilanzielle Vermögen und die Unternehmensratings (Basel II) auswirken.
7 Kritische Würdigung der Neuregelungen: Eine abschließende Bewertung, ob die Ziele des BilMoG erreicht wurden und inwieweit die Neuregelungen einen Fortschritt darstellen.
Schlüsselwörter
BilMoG, betriebliche Altersversorgung, Pensionsrückstellungen, Bilanzverkürzung, Planvermögen, Saldierung, Handelsgesetzbuch, IFRS, US-GAAP, Bilanzanalyse, Bilanzpolitik, Erfüllungsbetrag, Abzinsung, Unternehmensrating, Fair Value.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Neuregelungen durch das BilMoG auf die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen deutscher Unternehmen auswirken.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die betriebliche Altersversorgung, die Neugestaltung des Handelsrechts durch das BilMoG, den Vergleich mit internationalen Standards sowie die Auswirkungen auf Bilanzanalyse und Unternehmensrating.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen nach dem BilMoG gestaltet ist und welche Möglichkeiten sowie Grenzen sich hieraus für eine Bilanzverkürzung ergeben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis von Gesetzestexten, aktueller Fachliteratur und Stellungnahmen zum Bilanzrecht, unterstützt durch eine rechtsvergleichende Perspektive zwischen HGB, IFRS und US-GAAP.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Bewertungsvorschriften, den Ausweis in der Bilanz, die Anhangsangaben sowie die Auswirkungen der Saldierung von Pensionsrückstellungen mit Planvermögen.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie BilMoG, Pensionsrückstellungen, Planvermögen, Saldierung, Bilanzanalyse, Bilanzpolitik und internationale Rechnungslegungsstandards.
Was bedeutet der Begriff "Planvermögen" in diesem Kontext?
Planvermögen sind insolvenzgesicherte und zweckgebundene Vermögensgegenstände, die nach den neuen BilMoG-Regelungen mit den Pensionsverpflichtungen saldiert werden können.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Alt- und Neuzusagen wichtig?
Die Unterscheidung ist für das Passivierungswahlrecht entscheidend, da für Altzusagen vor 1987 bestimmte Übergangsregelungen und Wahlrechte gelten, die für Neuzusagen so nicht anwendbar sind.
Wie wirkt sich die Bilanzverkürzung auf die Kennzahlen aus?
Durch die Saldierung von Pensionsrückstellungen und Planvermögen verringert sich die Bilanzsumme, was klassische Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote oder den Return on Investment (ROI) beeinflusst.
Was ist die "Saarbrücker Initiative"?
Es handelt sich um eine Interessensgruppe, die kritisch gegenüber der Ausbreitung der Fair-Value-Bewertung in deutschen Jahresabschlüssen eingestellt ist.
- Quote paper
- Henrike Kersting (Author), 2010, Möglichkeiten und Grenzen der Bilanzverkürzung durch die Neuregelungen im BilMoG zur Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151441