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Soziologie des Essens. Pierre Bourdieus "Die feinen Unterschiede"

Hat der kulturtheoretische Ansatz Bourdieus Erklärungskraft für das heutige Ernährungsverhalten?

Title: Soziologie des Essens. Pierre Bourdieus "Die feinen Unterschiede"

Diploma Thesis , 2009 , 84 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stephanie Junk (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Summary Excerpt Details

Die Art und Weise, wie Menschen sich ernähren, ist eng mit anderen Aspekten ihrer Lebensführung verknüpft. Für den Ethnologen Claude Lévi-Strauss wird die Gesamtheit der gesellschaftlichen Strukturen mit der Nahrung auf unbewusste Weise weitergegeben. Inzwischen kann man auch aufgrund einer Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen davon ausgehen, dass das Ernährungsverhalten und die soziale Lage von Personen in enger Beziehung zueinander stehen. Doch wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären?

Pierre Bourdieus kulturwissenschaftliche Gesellschaftstheorie „Die feinen Unterschiede“, in der die Geschmackswahl durch tief verwurzelte, erlernte Präferenzen erklärt wird, kann als „starting point for many debates“ betrachtet werden. Sie bietet eine theoretische Grundlage, um die Ursachen für die Unterschiede im Ernährungsverhalten verständlich zu machen.
In der folgenden Arbeit soll geklärt werden, ob der Bourdieusche kulturtheoretische Ansatz insbesondere für das Ernährungsverhalten in unserer heutigen modernen Wohlstandgesellschaft noch relevant ist. Dabei wird anhand einzelner, auch von Bourdieu erwähnter wichtiger sozioökonomischer Variablen, nämlich Alter, Geschlecht und soziale Klasse, beleuchtet, inwiefern diese für die Ernährung von Bedeutung sind. Ein möglicher Zusammenhang wird anhand theoretischer Bezüge zu Bourdieu überprüft.

Zunächst wird das Werk Bourdieus, „Die feinen Unterschiede“, in seinem theoretischen sowie empirischen Gehalt dargestellt. Auf die empirischen Ergebnisse Bourdieus wird v. a. was die Resultate zur Ernährung angeht, Bezug genommen. Das darauf folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Einordnung des wissenschaftlichen Forschungsfeldes der Ernährung und einiger zentraler gesellschaftlicher sowie sozialer Entwicklungen in diesem Bereich, die einen vertieften Blick auf das Ernährungsverhalten erst ermöglichen. Im dritten Kapitel soll der Zusammenhang zwischen den soziökonomischen Determinanten Alter, Geschlecht sowie sozialer Klasse und der Ernährung beleuchtet werden. Weiterhin werden verschiedene Studien genauer sekundär analysiert, die aufbauend auf Bourdieus Theorie diesen Zusammenhang behandeln. Deren Ergebnisse werden darauf folgend mit den Resultaten von Bourdieus Untersuchung verglichen. Im abschließenden Fazit wird dann noch einmal zusammenfassend darauf eingegangen, ob Bourdieus Theorie noch relevant bzw. hilfreich ist, um die Wirkungszusammenhänge einer Soziologie der Ernährung zu erklären.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Bourdieu: „Die feinen Unterschiede“

1.1 Historische und kulturelle Einbettung

1.2 Der Habitus als zentrale erklärende Variable

1.3 Die soziale Struktur

1.3.1 Die Position im sozialen Raum

1.3.2 Die Verwendung des Klassenbegriffs bei Bourdieu

1.3.3 Der Raum der Lebensstile

1.4 Der Geschmack als zentraler Begriff für das untersuchte Ernährungsverhalten

1.4.1 Der Begriff des Geschmacks bei Bourdieu

1.4.2 Klassiker der Kultursoziologie

1.5 Kritik an Bourdieus Konzept

1.6 Empirische Analysen Bourdieus

2 Das Thema Ernährung in den Sozial- und Kulturwissenschaften

2.1 Das Verhältnis zu den Ernährungswissenschaften

2.2 Historischer und sozialstruktureller Wandel

2.3 Die soziale Dimension von Ernährungsempfehlungen

3 Der Zusammenhang von Ernährungsverhalten und sozioökonomischen Determinanten

3.1 Der Einfluss des Alters auf die Ernährung

3.2 Geschlechtsspezifisches Ernährungsverhalten

3.2.1 „Doing Gender“ beim Essen

3.2.2 Vergeschlechtlichte Verzehrsituationen und Arbeitsteilung

3.3 Klassenhabitus und Unterschiede im Ernährungsverhalten

3.3.1 Die Rolle des ökonomischen Kapitals für das Ernährungsverhalten

3.3.2 Die soziale Wertigkeit von Lebensmitteln und Aspekten der Mahlzeit

3.3.3 Klassenspezifisches Essverhalten

3.4 Zwischenfazit

4 Empirische Erhebungen zum Zusammenhang von Ernährungsverhalten und sozioökonomischen Determinanten

4.1 Methodische Herangehensweisen und Ergebnisse

4.2 Inwieweit sind die empirischen Resultate kompatibel mit den Ergebnissen von Bourdieu?

5 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Relevanz des kulturtheoretischen Ansatzes von Pierre Bourdieu zur Erklärung des Ernährungsverhaltens in der modernen Gesellschaft. Im Fokus steht die Frage, inwieweit sozioökonomische Determinanten wie soziale Klasse, Alter und Geschlecht durch den Habitus-Begriff verständlich gemacht werden können.

  • Analyse der soziologischen Theorie Bourdieus im Kontext von Ernährung
  • Untersuchung des Zusammenhangs von Ernährungsverhalten und sozioökonomischen Faktoren
  • Vergleichende Analyse empirischer Studien zu Ernährungsstilen
  • Kritische Reflexion der Anwendbarkeit des Bourdieuschen Modells in der Gegenwart

Auszug aus dem Buch

1.2 Der Habitus als zentrale erklärende Variable

Das kulturtheoretische Konzept Bourdieus umfasst verschiedene Theoriekomponenten wie die Habitus-, Feld-, Kapital- sowie Klassentheorie. Diese stehen in einem relationalen Zusammenhang und müssen daher immer relational betrachtet werden. Der Übersicht halber werden diese einzelnen Komponenten der Reihe nach behandelt, wobei sich eine Vermischung an einzelnen Stellen nicht immer vermeiden lässt.

Zentral für Bourdieu ist der Habitus. Er soll erklären wie die soziale Praxis erzeugt wird bzw. zustande kommt. Im Habitus verfestigen sich unbewusste, nicht rationale Orientierungen wie Geschmack, Neigungen und Grundüberzeugungen. Bourdieu beschränkt die Wirksamkeit des Habitus ausschließlich auf das Unbewusste. Sobald Handlungsorientierungen und Strategien bewusst und absichtsvoll ablaufen, ist dieser nicht mehr erklärungskräftig.

Der Habitus wird durch die soziale Herkunft und den weiteren Werdegang bestimmt. Er entwickelt sich in der frühkindlichen Sozialisation, ist dadurch also im Besonderen geprägt. Einen verstärkenden Faktor hat dabei das pädagogische Handeln. Es reproduziert in besonderem Maße die gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsstrukturen. Weiterhin fließen die gesellschaftlichen Bedingungen und damit verschiedene Gruppenzugehörigkeiten, zum Beispiel nach Alter, Geschlecht oder sozialer Schicht, mit in den Habitus ein. Der Habitus ist trotz seiner frühkindlichen Prägung nicht vollständig von ihr determiniert. Er kann sich durch Veränderungen, z. B. in der Bildung oder der gesellschaftlichen Klasse, durchaus wandeln. Dieser Wandel findet jedoch nicht kurzfristig statt, sondern erfolgt zeitverzögert als Reaktion auf diese Veränderungen in der Gesellschaft bzw. der eigenen sozialen Lage. Denn Bourdieu nimmt eine gewisse Stabilität des Habitus an, die er als Hysteresis-Effekt bezeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Bourdieu: „Die feinen Unterschiede“: Darstellung der theoretischen Konzepte Bourdieus, insbesondere Habitus, Geschmack und soziales Kapital, als Grundlage für die soziologische Analyse.

2 Das Thema Ernährung in den Sozial- und Kulturwissenschaften: Theoretische Einordnung der Ernährung als sozial geregeltes und kulturell geprägtes Phänomen jenseits rein biologischer Funktionen.

3 Der Zusammenhang von Ernährungsverhalten und sozioökonomischen Determinanten: Analyse der Einflüsse von Alter, Geschlecht und sozialer Schicht auf das Ernährungsverhalten unter Anwendung des Habitus-Begriffs.

4 Empirische Erhebungen zum Zusammenhang von Ernährungsverhalten und sozioökonomischen Determinanten: Sekundäranalyse verschiedener empirischer Studien im Vergleich zu den Ergebnissen von Bourdieu.

5 Fazit und Ausblick: Kritische Zusammenfassung der Arbeit und Beantwortung der Frage nach der aktuellen Relevanz des Bourdieuschen Ansatzes.

Schlüsselwörter

Bourdieu, Habitus, Ernährungsverhalten, soziale Klasse, Distinktion, Geschmack, sozioökonomische Determinanten, Kapital, Sozialisation, Lebensstil, Ernährung, Soziologie, Klassenkörper, Notwendigkeitsgeschmack, Luxusgeschmack

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob Pierre Bourdieus kulturtheoretische Gesellschaftstheorie dazu geeignet ist, die Zusammenhänge zwischen Ernährungsverhalten und sozioökonomischen Faktoren wie Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft heute noch zu erklären.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit thematisiert die Soziologie des Essens, die Konstruktion von Geschlecht beim Essen, die Bedeutung des sozialen Raums und die empirische Überprüfbarkeit der Theorie Bourdieus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Erklärungskraft von Bourdieus „feinen Unterschieden“ für das heutige Ernährungsverhalten zu prüfen und zu bewerten, ob das Modell trotz gesellschaftlicher Veränderungen relevant bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Werkes von Bourdieu kombiniert mit einer sekundäranalytischen Auswertung verschiedener empirischer Studien zu diesem Forschungsbereich.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Habitus, Kapital, Geschmack) erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse des Einflusses von Alter, Geschlecht und sozialer Schicht auf das Ernährungsverhalten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Bourdieu, Habitus, Distinktion, soziale Klasse, Geschmack, Ernährungsverhalten, Lebensstil und sozioökonomische Determinanten.

Wie unterscheidet Bourdieu zwischen verschiedenen Ernährungsstilen?

Bourdieu unterscheidet zwischen dem Notwendigkeitsgeschmack, der bei unteren Klassen dominiert, und dem Luxusgeschmack, der eher in der Oberklasse zu finden ist, und nutzt diese zur sozialen Distinktion.

Welche Kritik wird an Bourdieus Ansatz in Bezug auf moderne Ernährung geäußert?

Kritiker führen an, dass das Modell zu statisch sei, soziale Mobilität unzureichend berücksichtige und durch die heutige Pluralisierung der Lebensstile an Erklärungskraft verloren haben könnte.

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Details

Title
Soziologie des Essens. Pierre Bourdieus "Die feinen Unterschiede"
Subtitle
Hat der kulturtheoretische Ansatz Bourdieus Erklärungskraft für das heutige Ernährungsverhalten?
College
University of Trier
Grade
1,0
Author
Stephanie Junk (Author)
Publication Year
2009
Pages
84
Catalog Number
V151463
ISBN (eBook)
9783640635856
ISBN (Book)
9783640636365
Language
German
Tags
Bourdieu Ernährung Ernährungsverhalten soziale Unterschiede Alter Geschlecht soziale Schicht Habitus Die feinen Unterschiede Essverhalten Soziologie des Essens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephanie Junk (Author), 2009, Soziologie des Essens. Pierre Bourdieus "Die feinen Unterschiede", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151463
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