Die digitale Transformation ändert die Art und Weise wie Menschen heute und in Zukunft miteinander arbeiten und damit auch die Anforderungen an Arbeitnehmer. Die Ergebnisse einer unternehmensinternen Befragung zweier zentraler Bereiche der Weiterbildungsinstitution WBS TRAINING AG ergab einen Bildungsbedarf in Bezug auf die Etablierung einer wertschätzenden Feedback-Kultur im Kontext agiler Zusammenarbeit. Dazu wurde ein Web Based Training entwickelt und die Effekte des Lernangebotes, insbesondere motivatonale Effekte, forschungsleitend untersucht. Zentrale Begriffe wurden geklärt, der aktuelle Forschungsstand sowie das Bildungsproblem dargestellt und die zugrunde liegende Theorie, der Pragmatismus nach Dewey sowie das Design des Medienproduktes, die Theorie des multimedialen Lernens (KTML) nach Mayer, dargelegt. Anschließend wurde die Forschungsfrage sowie die Hypothesen aus der Forschungsliteratur hergeleitet, die Operationalisierung des zu untersuchenden Konstruktes, der Fragebogen sowie die Datenauswertung, -interpretation und -diskussion beschrieben. Die Arbeit schließt mit einem Fazit und einem Ausblick.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1 Web Based Training
2.3 Motivation im Kontext von Lernen und Selbstbestimmung
3 Aktueller Forschungsstand
4 Didaktisches Konzept
4.1 Bildungsproblem: Selbststeuerung in agilen Teams
4.2 Zielgruppenanalyse: Arbeitnehmer*innen der WBS TRAINING AG
4.3 Abdeckung des Bildungsbedarfs: WBT mit Articulate Rise
4.4 Lehr- Lernziele
4.5 Lerntheoretische Verortung: Pragmatismus nach Dewey
4.6 Didaktisches Modell und Mediendesign: KTML nach Mayer
5. Der Forschungsprozess: Evaluation des WBT’s mit Articulate Rise
5.1 Herleitung der Forschungsfrage und Hypothesen
5.3 Operationalisierung: Intrinsic Motivation Inventory nach Deci & Ryan
5.2 Der Fragebogen
5.4 Datenauswertung
5.5 Dateninterpretation und -diskussion
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit ein mit dem Programm Articulate Rise erstelltes Web Based Training die Motivation von Arbeitnehmern im Kontext betrieblicher Weiterbildung fördert, um die Etablierung einer wertschätzenden Feedback-Kultur im Arbeitsalltag zu unterstützen.
- Analyse des Bildungsbedarfs für wertschätzende Feedback-Prozesse in agilen Teams.
- Erstellung und didaktische Konzeption eines betrieblichen Web Based Trainings.
- Anwendung der kognitiven Theorie des multimedialen Lernens nach Richard E. Mayer.
- Evaluation der Lernmotivation mittels des Intrinsic Motivation Inventory (IMI).
- Interpretation der statistischen Ergebnisse hinsichtlich Interesse und Nützlichkeit.
Auszug aus dem Buch
4.6 Didaktisches Modell und Mediendesign: KTML nach Mayer
Aufgrund der multimedialen Aufbereitungsmöglichkeit eines WBT’s sowie dessen interaktive Bearbeitungsmöglichkeit durch die Lernenden (siehe Kap. 2.1 und 4.3) wurde die kognitive Theorie des multimedialen Lernens (KTML) von Richard E. Mayer (2009) als grundlegendes Modell für die Gestaltung des WBT’s mit dem Titel „Agilität: Wertschätzendes Feedback“ herangezogen. Die KTML beruht auf der Prämisse, dass Menschen besser lernen, wenn Erklärungen mit Worten und Bildern dargestellt werden, als ausschließlich mit Worten (Multimediaprinzip) (Mayer, 2009, S. 223-241). Mayers KTML basiert auf drei lerntheoretischen Annahmen über die menschliche Informationsverarbeitung.
Die erste Annahme betrifft die Verarbeitung von Informationen über zwei Kanäle, dem visuellen und dem auditiven Kanal. Die KTML greift mit dieser Zweiteilung auf die duale Kodierungstheorie von Paivio (1986) und dem Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley (1992) zurück (Mayer, 2009, S. 63). Abbildung 1 zeigt den Ablauf der kognitiven Informationsverarbeitung nach Mayer (2009, S. 61). Die Informationen in Form von Worten und Bildern, z.B. durch eine multimediale Präsentation, werden mithilfe der Augen und Ohren im sensorischen Speicher aufgenommen. Ausgewählte Worte und Bilder gelangen dann in das Arbeitsgedächtnis und werden dort zwischengespeichert und mit dem Vorwissen der lernenden Person aus dem Langzeitgedächtnis verbunden (Mayer, 2009, S. 61-62).
Die zweite Annahme bezieht sich auf die Menge der zu verarbeitenden Informationen. Analog der Cognitive Load Theory von Sweller (1991) geht Mayer von einer begrenzten Menge an Informationen, etwa fünf bis sieben, aus, die ein Mensch gleichzeitig verarbeiten kann (Mayer, 2009, S. 63). Die dritte Annahme bezieht sich auf die aktive Wissenskonstruktion der Lernenden. Durch bewusste Verarbeitung, z.B. relevante Informationen auswählen und an bestehendes Wissen anknüpfen, kann Lernen eintreten (Mayer, 2009, S. 63). Für die Erstellung des WBT’s bedeutete dies, möglichst häufig beide Kanäle zu bedienen, die Lernenden nicht durch zu viele Informationen auf einmal kognitiv zu überlasten und Informationen auszuwählen, die mit großer Wahrscheinlichkeit als (beruflich) relevant und damit nützlich angesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen durch die digitale Transformation und agiles Arbeiten, woraus die Notwendigkeit für das Web Based Training sowie die zentrale Forschungsfrage resultieren.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden theoretische Grundlagen zu Web Based Trainings und dem psychologischen Konstrukt der Motivation erläutert, um ein gemeinsames Verständnis für die weitere Arbeit zu schaffen.
3 Aktueller Forschungsstand: Das Kapitel reflektiert existierende Erkenntnisse zum Einsatz digitaler Medien in der betrieblichen Weiterbildung und identifiziert die Forschungslücke bezüglich Articulate Rise.
4 Didaktisches Konzept: Dieses Kapitel beschreibt das Bildungsproblem, die Zielgruppe sowie die didaktische Begründung des Konzepts auf Basis des Pragmatismus und Mayers KTML.
5. Der Forschungsprozess: Evaluation des WBT’s mit Articulate Rise: Das Kapitel dokumentiert die wissenschaftliche Erhebung, die Operationalisierung mittels IMI, die Datenauswertung durch SPSS und die Diskussion der Ergebnisse.
6. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung bewertet den Erfolg der Maßnahme, reflektiert kritisch den Entwicklungsprozess und skizziert künftige Integrationsmöglichkeiten in den betrieblichen Onboarding-Prozess.
Schlüsselwörter
Web Based Training, betriebliche Weiterbildung, Motivation, Selbstbestimmungstheorie, Articulate Rise, agiles Arbeiten, Feedback-Kultur, kognitive Theorie des multimedialen Lernens, Intrinsic Motivation Inventory, Lernerfolg, Instructional Design, E-Learning, Digitalisierung, Kompetenzentwicklung, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung und formative Evaluation eines betrieblichen Lernmoduls zur Einführung einer wertschätzenden Feedback-Kultur innerhalb eines agilen Unternehmensumfelds.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die zentralen Themen sind digitales Lernen, agile Arbeitsmethoden, Motivationspsychologie sowie das didaktische Mediendesign für E-Learning-Anwendungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu ergründen, inwieweit ein spezifisch gestaltetes Web Based Training die Lernmotivation von Arbeitnehmern nachhaltig beeinflussen und zur professionellen Anwendung von Feedback-Methoden befähigen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde zur Datenerhebung verwendet?
Es wurde eine quantitative Forschungsstrategie gewählt, die das „Intrinsic Motivation Inventory“ (IMI) nutzt, um Interessens- und Nützlichkeitsaspekte des Lernmoduls mittels einer siebenstufigen Likert-Skala statistisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung (Pragmatismus nach Dewey, KTML nach Mayer) als auch die detaillierte Beschreibung der Zielgruppenanalyse und das konkrete didaktische Konzept für das Medienprodukt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Schlagworte Web Based Training, Motivation, Agilität, Feedback-Kultur und die Evaluation von E-Learning-Programmen beschreiben.
Welche Rolle spielt die verwendete Software Articulate Rise in der Evaluation?
Die Software dient als technisches Werkzeug für die Umsetzung des WBT. Die Arbeit bewertet, wie gut das Tool die didaktischen Prinzipien unterstützt und ob die Lernenden die Arbeit mit dem Programm als motivierend empfinden.
Gibt es spezifische Herausforderungen bei der Implementierung?
Ja, ein zentraler Punkt ist die Heterogenität der Zielgruppe in Bezug auf Vorwissen und zeitliche Ressourcen sowie die Notwendigkeit, trotz asynchroner Lernweise ein Gefühl von Partizipation und Lerndiskurs zu erzeugen.
- Arbeit zitieren
- Nadin Hecht (Autor:in), 2021, Neue Medien in der Bildungswissenschaft. Planung, Gestaltung, Umsetzung, Evaluation und Diskussion eines digitalen Medienprodukts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1514753