Soziolinguistische Aspekte der aktuellen Sprachenfrage in den ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus


Doktorarbeit / Dissertation, 2008
580 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

0 Einleitung
0.1. Forschungsgegenstand und thematische Eingrenzung
0.2. Feldzugang

1 Regionale Identitäten – außersprachliche Aspekte
1.1 Die ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus
1.2 Zur Verfügbarkeit offizieller statistischer Daten über die konfessionelle Zugehörigkeit der Ukrainer aus dem Untersuchungszeitraum 2003-2004
1.3 Konfessionelle Zuordnung von religiösen Organisationen
1.4 Religiösität und konfessionelle Zugehörigkeit der Ukrainer
1.5 Die Idee der Nationalkirche

2 Die ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus und ihre Sprachen
2.1 „Kirchensprache“ – der Versuch einer Abgrenzung
2.2 Die sprachliche Praxis in den Kirchen des byzantinischen Ritus
2.3 Die Erneuerung der ukrainischen Kirchensprache im Kontext der ukrainischen Sprachenfrage
2.4 Zur Wahl des Ausgangstextes, der Zielsprache und des idealen Übersetzers für die Neufassung von liturgischen Büchern
2.5 Der interdisziplinäre und interkonfessionelle Diskurs über die ukrainische Kirchensprache der Gegenwart

3 Zur Sprachenfrage in den Kirchen – Aussagen aus dem Feld
3.1 Die Studienteilnehmer
3.1.1 Konfessionelle Zugehörigkeit und Herkunft der Probanden
3.1.2 Erst- und Zweitsprachen in der Kommunikation der Kirchenangehörigen
3.1.3 Alter und Bildungsniveau der Befragten
3.1.4 Aktive und soziale Christen
3.1.5 Rückblick auf den Ukrainischunterricht während der Schulzeit
3.2 Identitätskonstruktionen und ihre Bedeutung für die Sprachenfrage
3.2.1 Annahmen über die Ursprünge nationaler Identität
3.2.2 Orthodoxie als Element nationaler Identität?
3.2.3 Kirchenslavisch und religiöse Identität
3.2.4 Die Übersetzung der Heiligen Schrift und ihre Bedeutung für die sogenannte nationale Wiedergeburt
3.2.5 Ansichten zum identitätsstiftenden Potenzial der Kirche(n)
3.2.6 Wahrnehmung der Kirchen in Bezug auf die nationale Identität
3.2.7 Vereinigung der orthodoxen Kirchen zu einer ukrainischen Landeskirche
3.2.8 Der Zusammenhang von Sprache und nationaler Identität
3.3 Aussagen zum Glaubensalltag in den Kirchen des byzantinischen Ritus
3.3.1 In der mündlichen Kommunikation verwendete Sprachen
3.3.2 Zugang zu kirchlichen Medien und präferierte Sprache des Medienkonsums
3.3.3 Auswirkungen der russisch-ukrainischen Zweisprachigkeit auf die sprachliche Situation in den Kirchen
3.3.4 Mit der politischen Transformation einhergehende sprachliche Veränderungen in den Kirchen
3.3.5 Die Verwendung der modernen ukrainischen Standardsprache
3.3.6 Der Übergang vom Kirchenslavischen zum Ukrainischen
3.3.7 Die Rolle der Kirchen im Hinblick auf die Sprachenfrage
3.3.8 Die Relevanz der Sprachenfrage im religiösen Alltag
3.3.9 Ansprüche an die Liturgiesprache
3.3.10 Aussagen zur Vereinheitlichung der Kirchensprache
3.4 Die öffentliche Meinung zur Entwicklung der Kirchensprache
3.4.1 Staatliche Sprachregelung im religiösen Bereich und Aktionsradius der Kirchen im sprachlichen Bereich
3.4.2 Der gewünschte Umgang mit der ukrainischen Sprache
3.4.3 Maßnahmen zur Modernisierung der Liturgiesprache
3.4.4 Umgang mit Stereotypen gegenüber im Gottesdienst verwendeten Sprachen
3.4.5 Die Perspektiven des Ukrainischen als Kirchensprache

4 Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse
4.1 Die Studienteilnehmer
4.2 Die Bedeutung von Identitätskonstruktionen für die Sprachenfrage
4.3 Die Kirchen und Ihre Sprachen
4.4 Der Diskurs über die Modernisierung der Kirchensprache
4.5 Die Wahrnehmung der Sprachenfrage
4.6 Spezifika der Sprachenfrage in der UOK MP
4.7 Ausblick

5 Coyioni+ræicwu¬+i acueuwu auwyana+oro uoæ+oro uuwa++e æ yupaï+cauux yepuæax æisa+wincauoro o6pegy, Ma+yena Miunac
5.1 Moæ+a upauwuua y yepuæax æisa+wincauoro o6pegy
5.2 Big+oæne++e yupaï+cauoï yepuoæ+oï uoæu y uo+weucwi uoæ+oro uuwa++e.
5.3 BucnoænDæa++e yogo uoæ+oro uuwa++e s cepegoæuya
5.3.1 V¬ac+uuu gocnigue++e
5.3.2 Ko+cwpyuyiï ige+wu¬+ocwi wa ïx s+a¬e++e gne uoæ+oro uuwa++e
5.3.3 Posgyuu upo uo+conigyD¬un uowe+yian yepuæu gne ige+wu¬+ocwi
5.3.4 BucnoænDæa++e upo 6yg+i æipyD¬ux æ yepuæax æisa+wincauoro o6pegy
5.3.5 Tpouagcaua gyuua yogo uan6yw+aoro posæuwuy yepuoæ+oï uoæu

6 Coyuonu+ræucwu¬ecuue acueuwu auwyana+oro esuuoæoro æoupoca æ yupau+cuux yepuæex æusa+wuncuoro o6pega, Ma+ysna Muunac
6.1 ªsuuoæae upauwuua æ yepuæex æusa+wuncuoro o6pega
6.2 Boso6+oæne+ue yupau+cuoro yepuoæ+oro esuua æ uo+weucwe esuuoæoro æoupoca
6.3 Bucuasuæa+ue, uacaDyuece esuuoæoro æoupoca us cpegu
6.3.1 V¬acw+uuu uccnegoæa+ue
6.3.2 Ko+cwpyuyuu uge+wu¬+ocwu u ux s+a¬e+ue gne esuuoæoro æoupoca
6.3.3 Pasuuune+ue o uo+conugupyDyeu uowe+yuane [epuæu gne uge+wu¬+ocwu
6.3.4 Bucuasuæa+ue o 6yg+ex æepyDyux æ yepuæex æusa+wuncuoro o6pega.
6.3.5 O6yecwæe++oe u+e+ue ow+ocuwena+o 6ygyyero pasæuwue yepuoæ+oro esuua

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang 1: Qualitativer Fragebogen
Anhang 2: Qualitative Befragungsergebnisse
Anhang 3: Quantitativer Fragebogen
Anhang 4: Urliste (quantitative Befragung)
Anhang 5: Abfragen (quantitative Befragung)
Anhang 6: Musterauswertungen (quantitative Befragung)
Anhang 7: Zusatzkommentare der Probanden (quantitative Befragung)
Anhang 8: Datentabelle (quantitative Befragung)

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anteil der Bürger mit ukrainischer Muttersprache an der Gesamtbevölkerung

Abb. 2: Anteil der Bürger mit ukrainischer Muttersprache an der Gesamtbevölkerung

Abb. 3: Die ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus in Zahlen

Abb. 4: Zunahme der Anzahl von Pfarrgemeinden

Abb. 5: Zunahme der Anzahl von Priestern

Abb. 6: Religiöse Organisationen nach Konfession

Abb. 7: Religiöse Organisationen nach Konfession (Westen)

Abb. 8: Chrysostomus-Liturgie, Griechenland 1991 (in einer Kirche der UOK KP erworben)

Abb. 9: Chrysostomus-Liturgie (St. John's Ukrainian Catholic Church Newark, N. J. 1984)

Abb. 10: Der konfessionelle Funktionalstil der modernen ukrainischen Standardsprache

Abb. 11: Lexik des konfessionellen Funktionalstils der ukrainischen Standardsprache

Abb. 12: Herkunft der Probanden

Abb. 13: Konfessionelle Zugehörigkeit der befragten Theologen

Abb. 14: Konfessionelle Zugehörigkeit der befragten Laien

Abb. 15: Herkunft der befragten Probanden

Abb. 16: Alter der befragten Laien der RKK, UAOK, UGKK, UOK KP und UOK MP

Abb. 17: Höchste abgeschlossene Bildungsstufe der befragten Laien

Abb. 18: Anteil der gläubigen Laien an der Gesamtzahl der befragten Laien

Abb. 19: Aussagen über den Ukrainischunterricht in Abhängigkeit vom Alter

Abb. 20: Aussagen über den Ukrainischunterricht in Abhängigkeit vom Bildungsniveau

Abb. 21: Beurteilung des Ursprungs der ukrainischen Nation nach Konfession

Abb. 22: Beurteilung des Ursprungs der ukrainischen Nation nach für die Alltags- kommunikation präferierten Sprachen

Abb. 23: Beurteilung des Ursprungs der ukrainischen Nation in Abhängigkeit von der Definition des ukrainischen Volks als orthodoxes

Abb. 24: Beurteilung des Ursprungs der ukrainischen Nation nach Bildungsniveau

Abb. 25: Beurteilung des Ursprungs der ukrainischen Nation nach Alter

Abb. 26: Aussagen über das Verhältnis der Ukrainer zur Orthodoxie

Abb. 27: Religiöse Identität der Ukrainer (Laien)

Abb. 28: Bedeutung des Kirchenslavischen für die kirchliche Tradition aus Sicht der Laien...105 Abb. 29: Bedeutung des Kirchenslavischen für die kirchliche Tradition (Theologen)

Abb. 30: Vereinbarkeit des Gottesdienstes in einer modernen Standardsprache mit der Orthodoxie

Abb. 31: Bekannte Bibelübersetzungen ins Ukrainische (Laien)

Abb. 32: Bekannte Bibelübersetzungen ins Ukrainische (Theologen)

Abb. 33: Nationale Wiedergeburt und Übersetzung der Heiligen Schrift (Theologen)

Abb. 34: Nationale Wiedergeburt und Übersetzung der Heiligen Schrift aus Sicht der Laien...112 Abb. 35: Einfluss der Kirche auf die Konsolidierung des Staates

Abb. 36: Möglicher Beitrag der Kirche zur Konsolidierung des Staats (Theologen)

Abb. 37: Aussagen der Laien zur Rolle der Kirche bei der „Reukrainisierung“

Abb. 38: Aussagen der Theologen zur Rolle der Kirche bei der „Reukrainisierung“

Abb. 39: Rolle der Kirche bei der „Reukrainisierung“ in Abhängigkeit von der Einstellung zu Fragestellung 3.10. (Laien)

Abb. 40: Vereinigung der Kirchen entsprechend der Einschätzung der Laien

Abb. 41: Vereinigung der Kirchen entsprechend der Einschätzung der Laien

Abb. 42: Aussagen der Laien über ethnosprachliche Identitätskonstruktionen

Abb. 43: Aussagen der Probanden über ethnosprachliche Identitätskonstruktionen

Abb. 44: Aussagen der Theologen über ethnosprachliche Identitätskonstruktionen

Abb. 45: Zusammenhang zwischen nationaler Identität und Sprache (Laien)

Abb. 46: Zusammenhang zwischen nationaler Identität und Sprache (Theologen)

Abb. 47: Zugang der Laien zu kirchlichen Massenmedien

Abb. 48: Bevorzugte Sprache(n) des Medienkonsums aus Sicht der Laien

Abb. 49: Bevorzugte Sprache(n) des Medienkonsums aus Sicht der Theologen

Abb. 50: Folgen der Zweisprachigkeit für die Sprachenverwendung in der Kirche (Laien)

Abb. 51: Folgen der Zweisprachigkeit für die Sprachenverwendung in der Kirche (Theologen)

Abb. 52: Bedeutung interkonfessioneller Differenzen für die sprachliche Situation (Laien)

Abb. 53: Bedeutung interkonfessioneller Differenzen für die sprachliche Situation (Theologen)

Abb. 54: Bevorzugte Gottesdienstsprache(n) der Laien

Abb. 55: Geeignetste Gottesdienstsprachen aus Sicht der aktiven Christen

Abb. 56: Geeignetste Gottesdienstsprachen aus Sicht aller Respondenten

Abb. 57: Geeignetste Gottesdienstsprachen aus Sicht der Theologen

Abb. 58: Sinnhaftigkeit spezieller kirchenslavischer Gottesdienste (Laien)

Abb. 59: Sinnhaftigkeit spezieller kirchenslavischer Gottesdienste (Theologen)

Abb. 60: Beurteilung des Übergangs vom Kirchenslavischen zur modernen Standardsprache (Laien)

Abb. 61: Beurteilung des Übergangs vom Kirchenslavischen zur modernen Standardsprache (Theologen)

Abb. 62: Einschätzung der Rolle des Kirchenslavischen in der Kirche durch die Laien

Abb. 63: Einschätzung der Rolle des Kirchenslavischen in der Kirche durch die Theologen. .153 Abb. 64: Angaben der Theologen zur Verwendung des Kirchenslavischen

Abb. 65: Selbsteinschätzung der Laien in Bezug auf die Kirchenslavischkenntnisse

Abb. 66: Selbsteinschätzung der Theologen in Bezug auf die Kirchenslavischkenntnisse

Abb. 67: Verständnisprobleme während des Gottesdienstes aus Perspektive der Laien (Selbstbild)

Abb. 68: Verständnisprobleme während des Gottesdienstes aus der Perspektive der Theologen (Fremdbild)

Abb. 69: Erwartungshaltung in Bezug auf die Förderung des Ukrainischen (Laien)

Abb. 70: Erwartungshaltung der Laien mit Affinität zum Kirchenslavischen in Bezug auf die Förderung des Ukrainischen

Abb. 71: Erwartungshaltung der Theologen in Bezug auf die Förderung des Ukrainischen

Abb. 72: Engagement der Kirche(n) für das Ukrainische (Theologen)

Abb. 73: Engagement der Kirche(n) für das Ukrainische (Laien)

Abb. 74: Engagement der Kirche(n) für das Ukrainische aus Sicht der Laien (Fremdbild)

Abb. 75: Engagement der Kirche(n) für das Ukrainische aus Sicht der Theologen (Fremdbild)

Abb. 76: Engagement der Seelsorger für das Ukrainische aus Sicht der Theologen

Abb. 77: Engagement der Kirche(n) für das Ukrainische aus Sicht der Laien

Abb. 78: Engagement der Kirche(n) für das Ukrainische aus Sicht der aktiven Christen

Abb. 79: Bekanntheit uneinheitlicher Fassungen des Vaterunser bei den Laien

Abb. 80: Bekanntheit uneinheitlicher Fassungen des Vaterunser bei den Theologen

Abb. 81: Beurteilung uneinheitlicher Fassungen des Vaterunser durch die Laien

Abb. 82: Beurteilung uneinheitlicher Fassungen des Vaterunser durch die Theologen

Abb. 83: Aussagen in Bezug auf die Vereinheitlichung liturgischer Texte

Abb. 84: Der Einfluss der Kirche auf die Ukrainisierung aus Sicht der Respondenten

Abb. 85: Der Einfluss der Kirche auf die Ukrainisierung aus Sicht der Laien

Abb. 86: Der Einfluss der Kirche auf die Ukrainisierung aus Sicht der Theologen

Abb. 87: Erwartungshaltung der Laien im Hinblick auf die Ausbildung von Priestern

Abb. 88: Erwartungshaltung der Theologen im Hinblick auf die Ausbildung von Priestern

Abb. 89: Angleichung der Kirchensprache an moderne Sprachen (Laien)

Abb. 90: Angleichung der Kirchensprache an moderne Sprachen (Theologen)

Abb. 91: Probanden mit Affinität zum Kirchenslavischen über die Modernisierung der Kirchensprache

Abb. 92: Rollenverständnisse in Bezug auf die Entwicklung einer Liturgiesprache (Laien)

Abb. 93: Rollenverständnisse in Bezug auf die Entwicklung einer Liturgiesprache (Theologen)

Abb. 94: Beurteilung des Nutzens von Hilfsübersetzungen durch die Laien

Abb. 95: Beurteilung des Nutzens von Hilfsübersetzungen durch die Theologen

Abb. 96: Überwindung der Unverständlichkeit von Texten (aktive Christen)

Abb. 97: Überwindung der Unverständlichkeit von Texten (soziale Christen)

Abb. 98: Lösungsansätze der Theologen zur Überwindung der Unverständlichkeit von Texten.

Abb. 99: Ansichten der Laien zum Ersatz des Kirchenslavischen durch moderne Standardsprachen

Abb. 100: Theologen zum Ersatz des Kirchenslavischen durch moderne Standardsprachen

Abb. 101: Ansichten der Laien zum Ersatz von Kirchenslavismen

Abb. 102: Ansichten der Theologen zum Ersatz von Kirchenslavismen

Abb. 103: Auswirkungen des Ersatzes kirchenslavischer Elemente auf die Kirchensprache (Theologen)

Abb. 104: Umgang der Laien mit dem Stereotyp „Kirchenslavisch = Russisch“

Abb. 105: Umgang der Theologen mit dem Stereotyp „Kirchenslavisch = Russisch“

Abb. 106: Einstellung der Laien zum Stereotyp „Kirchenslavisch = Russisch“

Abb. 107: Einstellung der Theologen zum Stereotyp „Kirchenslavisch = Russisch“

Abb. 108: Beurteilung der Eignung des Kirchenslavischen als Liturgiesprache (Laien)

Abb. 109: Beurteilung der Eignung des Kirchenslavischen als Liturgiesprache (Theologen). .213 Abb. 110: Einschätzung der Perspektiven des Kirchenslavischen als Kirchensprache (Laien)

Abb. 111: Perspektiven des Kirchenslavischen als Kirchensprache (Theologen)

Abb. 112: Erwartungen der Laien in Bezug auf die sprachliche Ausbildung der Priester (Kirchenslavisch)

Abb. 113: Erwartungen der Theologen in Bezug auf die sprachliche Ausbildung der Priester (Kirchenslavisch)

Abb. 114: Beurteilung eines Kirchenslavischunterrichts für Laien (Selbstbild)

Abb. 115: Beurteilung eines Kirchenslavischunterrichts für Laien durch Theologen

Zur Förderung der Leserlichkeit von Beschriftungen werden die befragten Laien kurz als „Laien“, die befragten Theologen und Kleriker analog als „Theologen“ bezeichnet

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Konfessionelle Zugehörigkeit der ukrainischen Bevölkerung

Tab. 2: Die ukrainischen Verwaltungseinheiten nach Regionen

Tab. 3: Internetpräsenz der ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus

Tab. 4: Aktuelle Ansätze in der Debatte über die Neufassung liturgischer Bücher

Tab. 5: In sprachlicher Hinsicht schwer verständliche Teile des Gottesdienstes

Tab. 6: In sprachlicher Hinsicht schwer verständliche Teile des Gottesdienstes

Tab. 7: Qualitative Kommentare der Befragten zu den Perspektiven des Ukrainischen als Kirchensprache

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Die vorliegende Arbeit geht auf das vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützte Forschungsprojekt „P-15184 Das Ukrainische als Kir- chensprache“ und den unter der Leitung Michael Mosers, ao. Professor am Institut für Slawistik an der Universität Wien, verfassten Beitrag „Soziolinguistische Aspekte der aktuellen Sprachenfrage in den ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus“ zurück (Buchmayer 2005: 243ff). Sie stellt eine erstmals über den theoretischen Dis- kurs hinausgehende, auf verschiedene Erhebungsmethoden gestützte Analyse der Sprachenfrage in den Kirchen des byzantinischen Ritus sowie der Bedeutung der Sprachenfrage im religiösen Alltag ukrainischer Christen dar.

0 Einleitung

1.1 Forschungsgegenstand und thematische Eingrenzung

“fl upaøocnaø+uu ¬enoøeu, e øepa ø fl+yuoøu¬a“ 1

Die Ukraine, einer der flächenmäßig größten Staaten Europas, ist seit der sogenann- ten „Orangenen Revolution“ ins europäische Bewusstsein gerückt. In Erinnerung ge- blieben ist v.a. der Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen im Herbst 2004, der vom bewussten Spiel mit nationalen und religiösen Symbolen geprägt war. Vor dem Hintergrund der allgemeinen russisch-ukrainischen Zweisprachigkeit eignet sich die Sprachenfrage in besonderer Weise als Mittel zur Polarisierung der Gesellschaft – dies hatten auch die beiden verbleibenden Spitzenkandidaten erkannt, sodass in den Wahlprogrammen offen für die eine oder andere Sprache Stellung bezogen wurde (konkret: für das Russische oder das Ukrainische). „Die Kandidatur von Viktor Janu- kovyc bei den Wahlen 2004 unterstützen jene, die (...) für einen offiziellen Status der russischen Sprache und für die weitere Bewahrung und Entwicklung der ukraini- schen Staatssprache eintreten.“2 Und es ist kein Geheimnis, dass sich der damals oppositionelle Kandidat Viktor Jušcenko insbesondere in den ukrainisch-nationalbe- wussten Gebieten des Westens bzw. des Zentrums großer Beliebtheit erfreute. Doch auch sein Ansatz der parallelen fakultativen Verwendung des Russischen als Verwal- tungssprache in Abhängigkeit vom Wunsch des individuellen Bürgers hat sich eben- so wenig wie die positive Diskriminierung des Ukrainischen als probates Mittel zur Klärung der sprachlichen Probleme im Land herausgestellt.3 Drei Jahre nach der sog.

„Orangenen Revolution“ hat sich am Status quo wenig geändert, aus der Sprachen- frage wird weiterhin politisches Kleingeld geschlagen, auch wenn diese Medien- berichten zufolge nur mehr 8% der Bevölkerung interessiert.4 Derzeit diskutiert man die Angelegenheit im Kontext der Europäischen Charta der Regional- oder Minder- heitensprachen und noch immer wird auch nach Ansicht der Experten um eine „na- tionale Sprachenpolitik zur harmonischen Integration“ der russischen Sprache bzw. der russophonen Bevölkerung gerungen.5 Die Praxis hat gezeigt, dass ein ethnisch fundiertes kulturelles Selbstverständnis auf dem Boden der Exklusion eines Teils der ukrainischen Bevölkerung begrenzt funktionieren wird.6

Kaum eine andere posttotalitäre Gesellschaft Osteuropas ist in nationaler und religiöser Hinsicht so gespalten wie die ukrainische. Die Ukraine verfügt über eine kurze eigenstaatliche Tradition, sie war über mehrere Jahrhunderte hinweg zwischen unterschiedlichen Großmächten aufgeteilt und insbesondere seit dem 17. Jahrhun- dert wechselten immer wieder die Machtverhältnisse – im Osten und Südosten domi- nierte Russland, während die westlichen Gebiete u. a. auch unter österreichischem und polnischem Einfluss standen. Der kurzen Phase der staatlichen Souveränität zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgten Jahrzehnte sowjetischer Diktatur. Seit der Herr- schaft Peter des Großen, insbesondere jedoch seit Katharina II wurde die Sprache politisch instrumentalisiert. Neuere Forschungen der Ukrainistik belegen zusätzlich, dass in vormals polnisch dominierten Gebieten eine vollständig entwickelte ruthe nische Kanzlei- und Geschäftssprache während weniger Jahrzehnte im 18. Jahrhun- dert völlig aus dem Gebrauch verdrängt wurde (Moser 2000: 140), z.B. durch Bü- cherverbrennungen oder explizite Verbote (zuletzt aus den Jahren 1863 und 1876). Spätestens seit der Eingliederung des gesamten Territoriums des heutigen ukraini- schen Staates in die Sowjetunion richtete sich auch im Westen der heutigen Ukraine die sowjetische Nationalitätenpolitik im Dienste der Schaffung eines „sowjetischen“ Volks gegen jeglichen „ukrainischen Nationalismus“. Dies bedeutete die Marginalisie- rung des Ukrainischen.

Eine gezielte Migrations- und Sprachenpolitik führte dazu, dass heute rund 17,3% der ukrainischen Bevölkerung als ethnische Russen zu bezeichnen sind (sie- he Zensus 2001 unter http://www.ukrcensus.gov.ua) und dass v.a. in den Gebieten der Ost- und Südostukraine die russische Sprache im Alltagsgebrauch dominiert. Man spricht in diesem Fall auch von einer Situation der Zweisprachigkeit. Dieses Phänomen ist als „Sekundarsymptom“ der ethnischen, sozialen und der religiösen Gespaltenheit der ukrainischen Gesellschaft zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anteil der Bürger mit ukrainischer Muttersprache an der Gesamtbevölkerung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Anteil der Bürger mit ukrainischer Muttersprache an der Gesamtbevölkerung

Der Anteil der ukrainischen Bürger mit Ukrainisch als Muttersprache bleibt konstant (Šanhina 2007b: 3). Gleichzeitig nimmt der Prozentsatz der Personen, die Russisch als Muttersprache bezeichnen (dieser liegt derzeit bei 25,7%), zugunsten der Gruppe laut eigenen Angaben russisch-ukrainisch bilingualer Menschen (2007 bei 21,5%), ab. Wer tatsächlich als „ukrainophon“ bezeichnet wird, hängt bis dato vom Erfassungsmodus ab: Z.B. wird aus dem Zensus nicht ersichtlich, ob Personen mit Ukrainisch als Muttersprache als monolingual oder bilingual (russisch-ukrainisch) zu sehen sind. Ich nehme an, dass die Zahlen des Zensus Ausdruck eines aktiven Bekenntnisses zum Ukrainischen sind, dieses wird im Zeitraum zwischen 1989 und 2001 in der Bevölkerung stärker, im Schnitt um 3,9%.7 Šanhina führt in ihrer Studie zusätzlich zu den Kategorien „Ukrainisch als Muttersprache“, „Russisch als Mutter- sprache“ (und andere) noch die Antwortoption „sowohl Russisch als auch Ukrainisch“ ein und bringt m.E. die tatsächlichen ethnolinguistischen Spezifika weiter Teile der ukrainischen Bevölkerung exakter zum Ausdruck. Wie bereits in der Vergangenheit tritt eine relative Mehrheit der ethnischen Ukrainer für die Beibehaltung des derzeiti- gen Status (Ukrainisch als Staatssprache) ein (47,4%), andererseits ist für 48,3% der Population auch eine „Koexistenz“ der beiden Sprachen auf staatlicher Ebene denk- bar (z.B. als Amtssprache in einzelnen Regionen des Landes oder als zweite Staat- sprache).8

Die im Umbruch begriffenen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen wirken sich in besonderem Maße auf die Sprache aus. Ein Indikator hierfür sind z. B. die von der Sprachwissenschaft intensiv erforschten Neuerungen in der ukrainischen Standardsprache (z. B. die Überwindung der so genannten „novomova“, der ukraini- schen Variante des sowjetischen Newspeak).9 Derzeit befindet sich das Ukrainische allem Anschein nach in einer Phase der Konsolidierung, welche in immer stärkerem Ausmaß auch den sensiblen Bereich der Religion erfasst. Die Rezeption dieser Ent- wicklung bzw. die Klärung der Relevanz für das ukrainische Christentum durch die Sprachwissenschaft, insbesondere durch die Soziolinguistik, weist jedoch bis dato ei- nige zentrale Defizite auf: Auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Thema Kir- chensprache von den durch die Transformation veränderten Voraussetzungen für die Tätigkeit der Sprachwissenschafter profitiert hat (besonders, was den Themen- und Methodenpluralismus betrifft), fehlen nach wie vor umfassende Darstellungen der sprachlichen Situation in den Kirchen (institutionelle Rahmenbedingungen etc.) oder auch eine einheitliche Definition des Begriffs „Kirchensprache“. Texte, die dem The- ma gewidmet sind, weisen z.T. noch immer einen populärwissenschaftlichen Charak- ter auf oder tragen eine ideologische Färbung. Der häufig zu beobachtende präskrip- tive bzw. ethnozentristische Zugang zur Sprache der Kirche führt zwangsläufig zu ei- ner Instrumentalisierung im Dienste der „Nationalen Wiedergeburt“.

Heute wird in den ukrainischen Kirchen das Kirchenslavische aus dem Sprachgebrauch zurückgedrängt. Die Rolle der Predigtsprache ist längst auf das Ukrainische bzw. Russische im Fall der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Mos- kauer Patriarchats übergegangen, und auch im Bereich der Liturgie wird die moderne Standardsprache die einst universelle Kultursprache der Slavia Orthodoxa aller Wahrscheinlichkeit nach ablösen.10 Die Fortführung dieser Entwicklung ist zum Ge- genstand einer Debatte über die Kirchensprache geworden. An ihr beteiligen sich v. a. Kleriker der hier behandelten Kirchen, Theologen und Philologen. Die Tatsache, dass sich heftige Diskussionen nicht nur an strukturell-sprachlichen Fragen entzün- den, sondern auch an dogmatischen, sowie das Faktum, dass zuweilen in der Frage Primat der Form vs. Primat des Inhalts der zentrale strittige Punkt der Sprachdebatte gesehen wird, hat in der Öffentlichkeit den Eindruck entstehen lassen, in der Frage der Kirchensprache stünden Vertreter „philologischer Standpunkte“ denen völlig kon- trärer theologischer Ansichten gegenüber. Dem aktuellen Stand der Diskussion wird eine derartige Verkürzung der Positionen auf eine ausschließlich pro-ukrainische Ori- entierung „der“ Sprachwissenschafter und eine pro-kirchenslavische „der“ Theologen allerdings nicht gerecht. Aus philologischer Sicht ist die historische Bedeutung des Kirchenslavischen unbestritten, genauso wie sich auch Theologen nicht grundsätz- lich gegen eine Modernisierung der Kirchensprache verwehren.

Die vorliegende Arbeit stellt die aktuelle sprachliche Situation jener ukraini- schen Kirchen, die einen historischen Bezug zu den aktuell vorherrschenden Identi- tätskonstrukten der ukrainischen Gesellschaft aufweisen, erstmals aus unterschiedli- chen Perspektiven mit einem Schwerpunkt auf mittels qualitativer und quantitativer Erhebungsmethoden gewonnenen Informationen dar. Es wird der Frage nachgegan- gen, ob sich die verschiedenen Aussagen im Diskurs über die weitere Entwicklung der Kirchensprache auf eine Opposition von theologischen Ansichten zu solchen der Sprachwissenschafter reduzieren lassen, ob in der Normdebatte geäußerte Positio- nen in Abhängigkeit von der konfessionellen Zugehörigkeit divergieren und inwiefern die Wahrnehmung der Sprachenfrage in den Kirchen des byzantinischen Ritus durch die mit der politischen Transformation der letzten Jahre einhergehenden veränderten Rahmenbedingungen für die metasprachliche Reflexion beeinflusst wird.

Der Forschungsgegenstand wird entlang der folgenden Analysedimensionen behandelt:

- außersprachliche Aspekte der Sprachenfrage in den Kirchen des byzantinischen Ritus,
- Ansätze im Diskurs über die Erneuerung der Kirchensprache und
- Relevanz der Sprachenfrage bzw. der Sprachendebatte im Glaubensleben der Christen.

Welche Charakteristika weist die jeweilige sprachliche Situation einer Kirche auf und wie hängen diese mit ethnolinguistischen Spezifika zusammen? Wie gehen die Christen unterschiedlicher Kirchen mit dem Phänomen der Zweisprachigkeit und mit dem damit einhergehenden Bilingualismus vieler Sprecher um?11 Welche Aussagen können über den Funktionsradius unterschiedlicher Sprachen und über die Erfahrun- gen der Gläubigen mit dem Funktionieren von Sprachen in ihren Kirchen und ande- ren Denominationen gemacht werden? Werden Veränderungen in der sprachlichen Praxis bewusst wahrgenommen oder bleiben diese „unter der Wahrnehmungs- schwelle“? Was ist der Gegenstand des theoretischen Diskurses über die Kirchen- sprache als Teilsystem der ukrainischen Standardsprache? Welche Motive bewegen Angehörige verschiedener Denominationen sowie unterschiedlicher Disziplinen zur Teilnahme am Diskurs über die Modernisierung der Kirchensprache? Welche Ansät- ze des Umgangs mit dem Kirchenslavischen sind derzeit aktuell? Ist die Bewahrung des kirchenslavischen Erbes als bewusste Zuwendung zur traditionellen Liturgiespra- che oder als Brauchtumspflege zu verstehen? Wie gehen Gläubige mit aus dem (po- pulärwissenschaftlichen) Alltagsdiskurs der ersten Jahre staatlicher Souveränität her- rührenden Stereotypen in Bezug auf nationale und sprachliche Identität um?

Bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Kirchen eröffnet sich dem Forschenden allein im Fall der Ukraine ein unüberblickbares Spektrum an etwa siebzig verschiedenen christlichen Gemeinschaften, deshalb erscheint mir eine Ein „Es gibt in der Ukraine keine offiziell festgeschriebene Zweisprachigkeit. Wir haben eine Staatsspra- che, das Ukrainische, welches sich am besten für den Gottesdienst eignet. Weder das Russische noch das Kirchenslavische können diese Rolle, die die Staatssprache in sämtlichen gesellschaftli- chen Sphären, darunter auch (...) in der Kirche erfüllt, beanspruchen. Auch, wenn man den ange- führten Begriff (Kommentar: der Zweisprachigkeit) als die Beherrschung von zwei Sprachen auf- fasst, ist er falsch gewählt: weshalb den Bürger auf zwei Sprachen beschränken? In dieser Ausle- gung des Wortes sind unsere Bürger nicht zweisprachig, sondern vielsprachig, denn abgesehen von der Staatssprache, die für die Mehrheit die Muttersprache ist, beherrschen sie noch eine Reihe von Fremdsprachen – Englisch, Weißrussisch, Deutsch, Polnisch, Russisch und Ungarisch, Franzö- sisch.“ (Frage 1.9. des qualitativen Fragebogens, Z. Philologe, L'viv) schränkung des Forschungsfeldes zweckmäßig. Als Kriterium lässt sich in diesem Zusammenhang das Merkmal Ritus verwenden, welches aus orthodoxer Sicht fol- gende Elemente umfasst (Ivanczo 1998: 38): die Liturgie in ihrer allgemeinen Bedeu- tung als Dienst an Gott bzw. enger gefasst als Eucharistie, die Doktrin einer Glau- bensgemeinschaft, die Tradition einer bestimmten Gruppe von Christen (i.e. das geistig-kulturelle Erbe), die Sprache und Kultur sowie die nationale Identität. Bezieht man das Kriterium Ritus auf die Sprache, so lässt sich für zumindest vier Kirchen feststellen, dass auf Grund gemeinsamer historischer Wurzeln eine einheitliche Kir- chensprache (v. a. im engeren Sinne einer vereinheitlichten Terminologie) denkbar ist. Letztere bezieht sich im Fall der Ukraine auf Realien des Christentums in seiner östlichen Ausprägung. Deshalb verfügt die Kategorie „byzantinischer Ritus“ über das Potenzial, in sprachlicher Hinsicht folgende ukrainische Kirchen zu einen (Reihenfol- ge nach der Größe der Glaubensgemeinschaft): die Ukrainische Orthodoxe Kirche (des Moskauer Patriarchats, im Weiteren mit der Abbreviatur „UOK MP“ bezeichnet), die Ukrainische Griechisch-katholische Kirche (UGKK), die Ukrainische Orthodoxe Kirche (des Kiewer Patriarchats, kurz: UOK KP) und die Ukrainische Autokephale Or- thodoxe Kirche (UAOK).12

Eine in der ukrainischen Literatur häufig anzutreffende Eingrenzung des For- schungsfeldes nach dem Kriterium „Tradition“ halte ich für unpräzise, da die Bedeu- tung des Begriffs „Tradition“ besonders im Hinblick auf den zeitlichen Aspekt noch nicht exakt definiert wurde.13 Z. B. unterscheidet Kravcuk (Kravcuk 1996: 16) zwi- schen den traditionellen Glaubensgemeinschaften, historisch verwurzelten (d. h. vor 1985 auf ukrainischem Territorium wirkenden wie die Russisch-Orthodoxe, die Arme- nische Kirche, die Gemeinschaft der Baptisten) und neuen, erst in der letzten Zeit re- gistrierten Religionsgemeinschaften. Zweifellos ist in der Geschichte des ukraini- schen Christentums die Orthodoxie historisch tiefer verwurzelt als der Protestantis- mus oder der Katholizismus in seiner römischen Ausprägung. Dennoch wäre es wohl unzulässig, die protestantische oder römisch-katholische Kirche als „nicht traditionell ukrainisch“ zu bezeichnen, auch wenn diese in der ukrainischen Öffentlichkeit häufig nicht als nationale Kirchen des ukrainischen Volks betrachtet werden (Marynovyc 1999: 496). Die im Folgenden untersuchten Kirchen repräsentieren (mit den an spä- terer Stelle noch erläuterten Einschränkungen) nicht nur das ukrainische Volk im Sin- ne einer ethnisch gedachten Entität bzw. die ukrainophonen Bürger des Landes, son- dern die Bevölkerung der Ukraine. Die vier Kirchen illustrieren somit den ukraini- schen Sonderfall der konfessionellen und territorialen Inkongruenz (Gieszen 1991: 243), und jede nimmt für sich eine besondere Rolle im Hinblick auf die nationale Wie- dergeburt („Vidrodžennja“) ein.

1.2 Feldzugang

Die soziolinguistische Annäherung an das Forschungsfeld der Sprachenfrage in den ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus gestaltete sich als ein langwieriges und kompliziertes Unterfangen. So zeigten sich im Rahmen der vorliegenden Studie kontaktierte potenzielle Auskunftspersonen (Theologen, Philologen, Kulturwissen- schafter und Laien) skeptisch und bedingt auskunftsbereit, wenn sie zum Thema Kir- chensprache Stellung nehmen sollten.14 Deshalb wurden schriftliche Expertenbefra- gungen mittels teilstandardisierter Fragebogen zur Gewinnung von qualitativen Aus- sagen mit explorativen Interviews verschiedener Repräsentanten der Kirchen sowie umfassenden Literaturrecherchen (Printmedien, Online-Medien, wissenschaftliche Publikationen) kombiniert und um Daten aus einer quantitativen Erhebung erweitert. Die vorliegende Arbeit stützt sich daher auf mehrere Forschungsmethoden, sie kom- biniert das Studium und die (Inhalts)analyse der „Produkte menschlicher Arbeit“ (Pri- mär-, Sekundärtexte) mit der Befragung über „aktuelles menschliches Verhalten“ (mittels qualitativer und quantitativer Fragebogen bzw. in mündlich geführten Gesprä- chen gewonnener Aussagen aus dem „natürlichen Umfeld“).

Ausgehend von in vorangegangenen Experteninterviews und aus einer quali- tativen Befragung von insgesamt 46 Philologen und Theologen gewonnenen Er- kenntnissen über das Meinungsspektrum zu Fragen der Kirchensprache wurden in den Jahren 2003 und 2004 (von August bis Juli des Folgejahres) mehr als 400 Ukrai- ner zur sprachlichen Situation in der Kirche befragt. Besonderes Augenmerk galt der Wahrnehmung der sprachlichen Situation (v.a. in der jeweils eigenen Kirche), dem Verständnis von religiöser und sprachlicher Identität, der Verwendung des Ukraini- schen im Gottesdienst aus einer „Innensicht“ und aus der „Außenperspektive“, der Beurteilung des Übergangs vom Kirchenslavischen zum Ukrainischen sowie der Wahrnehmung sog. „traditioneller Kirchen“, der interkonfessionellen Konflikte und der Einschätzung der Koexistenz der verschiedenen Kirchen.

Laut Planung sollten aus der Grundgesamtheit der erwachsenen ukrainischen Bevölkerung 1200 Probanden, die folgende Voraussetzungen erfüllten, befragt wer- den:15

- Personen mit Herkunft aus Regionen bzw. Städten, die in der Öffentlichkeit als Zentren des theoretischen Diskurses über das Ukrainische als Kirchensprache gelten (z.B. Charkiv, Kyjiv oder L’viv),
- Angehörige der ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus sowie in einge- schränktem Ausmaß der evangelischen und römisch-katholischen Kirchen (so- wohl der metasprachliche Diskurs als auch die Normdebatte beschränken sich im Wesentlichen auf die hier behandelten Kirchen).

Der Vergleich der Sample-Zusammensetzung mit Daten des offiziellen Zensus aus dem Jahr 2001 zeigt, dass die bearbeitete Stichprobe die ukrainische Grundge- samtheit nicht repräsentiert, hingegen mit Ausnahme der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK MP) die west- bzw. zentralukrainische Popu- lation statistisch ausreichend erfasst.16

Das von mir entwickelte und mit Natalja Purjajeva und Taras Hryncyšyn, da- mals wissenschaftlicher Leiter des Instituts „Religious Information Service Ukraine“ („RISU“) an der Katholischen Universität L’viv, überarbeitete Erhebungsinstrument wurde in zwei Etappen zu jeweils fünfhundert Stück vervielfältigt und verteilt. In einer Pilotphase nahmen wir geringfügige Veränderungen an der Formulierung vereinzel- ter Fragen vor und entfernten Frage 5.7. aus dem Erhebungsinstrument (“5.7. Eine in sprachlicher Hinsicht Moskau untergeordnete Kirche ist . Ukrainisch antiukrainisch – russisch.”)17. Durch den offiziellen Charakter der schriftlichen Kon- taktaufnahme mit den verschiedenen Hierarchien der jeweiligen Amtskirche18 sowie durch äußerst beharrliches Nachfassen und persönliche Präsenz der Interviewer (hauptsächlich meiner Person sowie Taras Hryncyšyns) konnte ein Rücklauf von ca. 45% erzielt werden.

Anders als bei den vorangegangenen Erhebungen werden im Fragebogen be- wusst geschlossene Fragen mit dem Ziel der Gewinnung quantifizierbarer Ergebnis- se formuliert. Zusätzlich dienen die an manchen Stellen eingestreuten Textfragen bzw. freien Textfelder (“andere Antwort”) der Beschreibung des Meinungsspektrums (z.B. Fragen der nationalen Identität betreffend) oder zielen auf die Exploration der Kompetenz eines Befragten ab (z.B. in Bezug auf das Kirchenslavische).

1 Regionale Identitäten – außersprachliche Aspekte

1.1 Die ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus

Angesichts der großen Anzahl von heute in der Ukraine aktiven christlichen Glau- bensgemeinschaften wurden als Untersuchungsgegenstand für die vorliegende Ar- beit jene Kirchen ausgewählt, die als gemeinsames Merkmal den byzantinischen Ri- tus aufweisen.

Die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK MP) stellt mit über 10.000 Pfarrgemeinden die größte Glaubensgemeinschaft der Ukraine dar, sie vereinigt ca. ein Drittel aller ukrainischen Christen auf sich – wird jedoch trotz des seit 1992 bestehenden autonomen Status innerhalb der Russischen Orthodoxen Kir- che von Teilen der Bevölkerung als deren „Filiale“ wahrgenommen und abgelehnt. Das Bestreben, zu dieser Kirche ein Gegengewicht in der Form einer eigenen Lan- deskirche aufzubauen, führte zu Beginn der 1990-er Jahre zur Gründung der Ukraini- schen Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats (UOK KP). Nach Ausein- andersetzungen rund um die Person des Patriarchen Filaret (Mychajlo Denysenko), dem Korruption bzw. Kollaboration mit dem sowjetischen Geheimdienst vorgeworfen wurde, spaltete sich von dieser Kirche ein Teil des Klerus ab und schloss sich der durch die Unterstützung von Angehörigen der ukrainischen Diaspora erstarkten Ukrainischen Autokephalen Kirche (UAOK) an.19 Insbesondere in den zentral und südöstlich gelegenen Gebieten, wo der Anteil der ethnischen Russen bis zu 40% be- trägt, gelten diese bis heute durch die Moskauer Kirche nicht anerkannten Gemein- schaften als Rückhalt für nationalbewusste Ukrainer .20 Im Westen kommt eine ähn- liche Bedeutung der aus dem Untergrund zurückgekehrten UGKK zu, die bei den rund 90% ethnischen Ukrainern dieser Region durchaus den Status einer Nationalkir- che hat – sie verfügt über etwa 3.000 Pfarrgemeinden.

Somit finden wir in der Ukraine eine Situation vor, in der sich die UOK MP nach Moskau orientiert, die UOK KP nach Konstantinopel – wo sie sich bis dato ver- geblich um eine Anerkennung bemüht.21 Die UGKK genießt entsprechend des im Zu- ge des II. Vatikanums beschlossenen Ostkirchenkanon einen Sonderstatus innerhalb der Römisch-katholischen Kirche und kann als „ecclesia sui generis“ ihren by- zantinischen Ritus beibehalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus in Zahlen

Seit Jahren wird über die Vereinigung dieser Kirchen zu einer Nationalkirche spekuliert, denn jede von ihnen wird in der ukrainischen Öffentlichkeit mit nationalen Ideen in Verbindung gebracht. Bedeutende Persönlichkeiten wie Ivan Ohijenko, An drij Šeptyc'kyj oder Josyp Slipyj haben einen großen Beitrag zum Entstehen des mo- dernen ukrainischen Nationalstaats bzw. zur Herausbildung einer nationalen Identität geleistet. In den Jahrzehnten der sowjetischen Herrschaft galten die Untergrundkir- chen (besonders die Griechisch-katholische Kirche) als jene Rückzugsbereiche, in denen man „ukrainisch“ sein durfte, was gleichermaßen die Sprache wie die religiöse Ausrichtung betraf. Während jedoch die im byzantinischen Ritus verwurzelten ukrai- nischen Kirchen bis heute als Bewahrer der ukrainischen Kultur und somit auch der Sprache gelten, wird das Moskauer Patriarchat nach wie vor ob seiner widersprüchli- chen Rolle im Hinblick auf die Unterdrückung des ukrainischen nationalen Bewusst- seins und wegen der bis in die Zeit des Zarismus zurückreichenden Assimilation der Ukrainer angegriffen.22

Auch die allgemeinen ethnischen und sozialen Spannungen im Land rücken die Zukunftsvision einer geeinten ukrainischen Kirche in weite Ferne. Darüber hinaus ist es weder der griechisch-katholischen noch den drei orthodoxen Kirchen gelungen, sich landesweit als ukrainische Nationalkirche zu etablieren. Mittlerweile hat die Zahl der offenen interkonfessionellen Konflikte abgenommen, Oleh Turij, ein Kenner der Situation, meint jedoch, es habe sich ein Gleichgewicht der Schwäche ausgebildet.23

1.2 Zur Verfügbarkeit offizieller statistischer Daten über die konfessionelle Zugehörigkeit der Ukrainer aus dem Untersuchungszeitraum 2003-2004

Die (größtenteils über das Internet zugänglichen) statistischen Quellen mit einer zeit- lichen Nähe zur vorliegenden Analyse enthalten unterschiedliche Aussagen über die konfessionelle Zugehörigkeit der Ukrainer. Zwar fanden sich in der Vergangenheit In- formationen über die ethnokonfessionellen Spezifika der ukrainischen Bevölkerung auf sämtlichen Websites der größeren Konfessionen, meist fehlten solchen Darstel lungen jedoch Angaben über die Prognosegüte der jeweiligen Studien. Solche Arbei- ten blieben Informationen über die jeweilige Sample-Zusammensetzung und den Stichprobenumfang meist schuldig.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Zunahme der Anzahl von Pfarrgemeinden

Das staatliche Komitee für Statistik (Deržkomstat) veröffentlicht regelmäßig Daten, die die einzelnen Konfessionen ausführlich behandeln; es wird jedoch haupt- sächlich die Anzahl religiöser Organisationen und der ihnen zuzuordnenden Institu- tionen erhoben. Die Zuordnung der ukrainischen Bevölkerung zu den Konfessionen wird nicht erfasst. Auch die Ermittlung von Kennzahlen auf Basis der amtlichen Sta- tistik führt beim Versuch, von offiziell publizierten Daten auf die konfessionelle Zuge- hörigkeit der Ukrainer zu schließen, nach wie vor (d.h. im Jahr 2008) in den Bereich der Spekulation. Z.B. setzt um das Jahr 2000 in den vier untersuchten Kirchen eine dynamische Entwicklung mit einer steigenden Anzahl von Pfarrgemeinden, Priestern und auch Studierenden ein.25 In der Zwischenzeit hat sich bei der UOK MP, der UOK KP und der UAOK (nach einem leichten Einbruch) die Anzahl der Pfarrgemeinden auf stabilem Niveau eingependelt. Vergleichsweise großen Schwankungen unterliegt im letzten Jahrzehnt die Zahl der Studierenden an theologischen Bildungseinrichtun gen: Nach einem Anstieg um die Jahrtausendwende (der bei der UAOK etwas später einsetzte) stabilisieren sich die Hörerzahlen. Während im Fall der UOK KP (in den letzten neun Jahren) sogar eine langfristige Abnahme erkennbar ist, zeichnet sich bei der UOK MP ein Anstieg ab. Priester der UAOK und UGKK betreuen tendenziell mehr Gemeinden als Seelsorger der UOK KP oder auch der UOK MP. Über die kon- fessionelle Zugehörigkeit der ukrainischen Bevölkerung können auf Basis der amtli- chen Statistik jedoch lediglich Vermutungen angestellt werden. In allen Gleichungen tauchen mehrere Variablen in Bezug auf die individuelle Glaubensorientierung auf: Denkbar wäre z.B., dass Priester der UOK KP und UOK MP deshalb weniger Ge- meinden betreuen, weil sie aus bestehenden Strukturen heraus agieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Zunahme der Anzahl von Priestern

Auch die Daten des Zensus 2001 lassen Rückschlüsse auf die Repräsentanz der Kirchen in den unterschiedlichen Regionen des Landes zu, allerdings keine vali- den Aussagen über die Anzahl von Angehörigen der verschiedenen Denominatio- nen. Z.B. kann die Tatsache, dass eine Konfession regional über eine hohe Dichte von Institutionen verfügt, nicht immer als verlässlicher Hinweis dafür gewertet wer- den, dass die jeweilige Kirche in der Bevölkerung einen starken Rückhalt hat. Promi- nentestes Beispiel ist die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats: Sie war während der Sowjetära die einzige große Kirche, die trotz Verfolgung legal agieren konnte. Nach den politischen Umbrüchen der frühen 1990-er Jahre verfügt die UOK MP nach wie vor über die größte Anzahl von Pfarrgemeinden, Klöstern und anderen Einrichtungen, es ist jedoch umstritten, ob sie den Großteil der ukrainischen gläubigen Bevölkerung auf sich vereinigt. Die von verschiedenen Seiten (v.a. von Vertretern anderer an dieser Stelle untersuchten Kirchen) geäußerte Vermutung, in dieser Kirche sei der Anteil an „sozialen Christen“ ohne enge Bindung an die UOK MP vergleichsweise hoch, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Wechsel zur Ukraini- schen Autokephalen Orthodoxen Kirche, zur Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche oder auch zur Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats zeugt dagegen häufig von einem bewussten Bekenntnis zur einen oder der anderen Kir- che.

Aus den oben genannten Gründen stütze ich mich bei der Auswertung der quantitativen Befragung auf unterschiedliche Datenquellen aus dem Erhebungszeit- raum und der nachfolgenden Jahre. So liegen der Interpretation der vorliegenden Studie beispielsweise die durch den „Ukrainian Sociology Service“ erhobenen und von RISU („Religious Information Service Ukraine“) im Internet veröffentlichten Daten zugrunde.26

RISU („Religious Information Service Ukraine“) ist ungeachtet ausgezeichne- ter intrakonfessioneller Kontakte und des damit verbundenen regen Informationsaus- stausches mit Vertretern sämtlicher größerer ukrainischer Konfessionen eine an der Katholischen Universität L’viv etablierte Institution der Griechisch-Katholischen Kir- che. Die von RISU zur Verfügung gestellten Materialien zeichnen sich jedoch durch exakte Aufbereitung und Nutzung unterschiedlichster Quellen, welche im Einklang mit offiziellen Statistiken stehen, aus. Auf der Website von RISU findet sich beispiels- weise die Zusammenfassung einer im Jahr 2003 durch Socis Gallup durchgeführten Befragung von ca. 3.000 Probanden. Im Rahmen dieser Studie wurde der Versuch unternommen, die ukrainische Bevölkerung den verschiedenen Konfessionen zuzu- ordnen – allerdings fehlt eine Zuordnung auf regionaler Ebene. Dessen ungeachtet lassen die Daten Rückschlüsse auf Regionalspezifika der jeweiligen kirchlichen Insti- tutionen zu. Demnach (d.h. lt. Socis Gallup) sind im von mir untersuchten Zeitraum knapp 70% der ukrainischen Bevölkerung (Stand 2003) als gläubige Christen zu be- zeichnen (60,2% im Jahr 2002 laut Bycenko und Dudar bzw. 59% entsprechend der Angaben bei Šanhina 2007c: 21).27 15,4% der erwachsenen Gesamtbevölkerung ge- hören der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats an, weitere 11% der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats, 7,6% der Grie- chisch-Katholischen Kirche sowie 0,7% der Ukrainischen Autokephalen Kirche. An- deren Konfessionen sind ca. 3% der Bevölkerung zuzuordnen – ausgenommen die evangelischen Kirchen, welche in einigen Regionen der Ukraine sehr stark vertreten sind und, was die Anzahl der Gläubigen und jene der Pfarrgemeinden betrifft, zu den größten Denominationen zählen.

Weitere wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Religiösität der ukraini- schen Bevölkerung finden sich in der von L. Šanhina herausgegebenen Publikations- reihe „Nacional’na Bezpeka i Oborona“ des Ukrainischen Zentrums für ökonomische und politische Studien (Ukrajins’kyj centr ekonomicnych i politycnych doslidžen’ im.

O. Razumkova, von mir als „Razumkov-Zentrum“ bezeichnet), insbesondere für die Jahre 2000, 2002 und 2007. Die auf Befragungen von jeweils ca. 2.000 (erwachse- nen) Ukrainern basierenden Analysen belegen im Wesentlichen die von RISU veröf- fentlichten Daten, wonach die ukrainische (erwachsene) Bevölkerung folgenden, für die vorliegende Arbeit relevanten Konfessionen zuzuordnen ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Baptisten, Lutheranter, Adventisten, Pfingstler, Charismatische, andere Protestanten, Zeugen Jehovas etc.

Tab. 1: Konfessionelle Zugehörigkeit der ukrainischen Bevölkerung

Bei der Interpretation der Befragungsergebnisse orientiere ich mich haupt- sächlich am Zensus aus dem Jahr 2001, den von RISU veröffentlichten Daten sowie an den neueren Analysen des Razumkov-Instituts für ökonomische und politische Forschung, darüber hinaus greife ich in jenen Fällen, in denen ein bestimmter Sach- verhalt nicht behandelt ist, auf entsprechende Daten aus dem Jahr 2000 zurück (Šanhina 2000).28 Zusätzlich folgt die in dieser Arbeit vorgenommene Zusammenfas- sung der ukrainischen Verwaltungseinheiten („Oblast’“) zu Regionen (s.u.) dem Mus- ter des Razumkov-Zentrums bzw. dem Zensus aus dem Jahr 2001:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Die ukrainischen Verwaltungseinheiten nach Regionen

1.3 Konfessionelle Zuordnung von religiösen Organisationen

Entsprechend den vom Staatlichen Komitee der Ukraine für religiöse Angelegenhei- ten in der Jännerausgabe des Jourals „Ljudyna i svit“ veröffentlichten Daten existier- ten im Jahr 2003 27.249 registrierte religiöse Vereinigungen. Von diesen Organisa- tionen entfielen

- 37,2% auf die UOK MP (das entspricht 50% der religiösen Gemeinschaften des byzantinischen Ritus),
- 26,5% auf protestantische Kirchen,
- 12,6% auf die UGKK,
- 12,1% auf die UOK KP,
- 4,2% auf die UAOK,
- 3,5% auf die RKK und
- rund 5% auf andere Glaubensgemeinschaften („andere“, islamische, jüdische etc.).29

Im Vergleich dazu geht Šanhina für das Jahr 2000 noch von einem 70%-Anteil der UOK MP an religiösen Organisationen der Orthodoxie aus (Šanhina 2000: 261), es gibt also beträchtliche Unterschiede zu den Angaben der amtlichen Statistik. Nach wie vor hält sich die Dominanz der Orthodoxie, wenngleich keine einzige der unter- suchten Kirchen das gesamte ukrainische Gebiet gleichmäßig dominiert (Šanhina 2000: 229).30 Daneben sind mehr als ein Viertel aller religiösen Organisationen den verschiedenen Ausrichtungen des Protestantismus zuzurechnen. Praktisch alle Kon- fessionen der Ukraine sind regional geprägt und in ihren Strukturen begrenzt. Die Dichte der religiösen Einrichtungen variiert, wobei das Zentrum der religiösen Aktivi- täten v.a. im Westen des Landes liegt, wo 19,8% der Bevölkerung leben und gleich- zeitig 43% aller religiösen Gemeinschaften aktiv sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Religiöse Organisationen nach Konfession

Im Norden der Ukraine entfällt bei einer gleichzeitigen Dominanz protestanti- scher Gemeinschaften beinahe die Hälfte der Pfarren auf die UOK MP. Über eine starke Präsenz verfügt in diesem Teil des Landes auch die UOK KP (mit rund 13,6% der im Norden ansässigen Pfarrgemeinden). Insgesamt beträgt der Anteil orthodoxer Gemeinden im Norden etwa 64,3%. Die östlichen Gebiete der Ukraine prägt bei einer geringeren Dichte an religiösen Institutionen der Protestantismus. Des weiteren sind 45,8% der Pfarrgemeinden der UOK MP zuzuordnen – der Anteil der orthodoxen Ge- meinschaften an der Gesamtzahl liegt bei 51,2%. In der Literatur wird diese Region zuweilen auch als „weniger religiös“ beschrieben (Šanhina 2000: 229).

In den südlichen Regionen ist die UOK MP gemessen an den zu ihr gehören- den Gemeinden ähnlich stark wie im Norden und im Osten vertreten (mit 46% aller Pfarren bzw. 52,8% aller orthodoxen). Das Kiewer Patriarchat stützt sich im Süden hingegen auf eine schwache lokale Präsenz - lediglich 5,8% der im Süden aktiven Pfarren entfallen auf die UOK KP. Es existieren kaum autokephale Gemeinschaften im Süden des Landes (0,9%-Anteil).

Konfessionell uneinheitlich bzw. regional fragmentiert präsentiert sich die Westukraine. In den Regionen L’viv und Ivano-Frankivs’k nimmt die UGKK die Rolle der dominierenden Konfession ein. Die Tatsache, dass hier 55,1% aller existierenden religiösen Institutionen griechisch-katholische sind und generell im Westen 96,9% al- ler Gemeinden der UGKK liegen, unterstreicht den westukrainischen Charakter die- ser Denomination. Vergleichbar regional geprägt ist die UAOK, von deren Gemein- den 78,8% in den westlichen Regionen zu finden sind (v.a. in L’viv, Ternopil‘ und Iva- no-Frankivs’k, Šanhina 2000: 214). In Wolhynien, Transkarpatien und Rivne ist die UOK KP die tonangebende Konfession – in diesen Gebieten vereinigt sie 47,3% bzw. 36,5% oder 44,8% aller Pfarren auf sich. Die allgemeine Dynamik im Westen zeigt, dass die Anzahl der orthodoxen Gemeinden zu Ungunsten der UOK MP ab- nimmt und sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert (Šanhina 2000: 212). Die in anderen Landesteilen der Ukraine sehr stark vertretene UOK MP ist im Westen, ins- besondere in L’viv (Region), Ivano-Frankivs’k und Ternopil‘, unterrepräsentiert – Šan- hina spricht sogar vom „Verschwinden“ der UOK MP in Teilen der Westukraine. In der Zentralukraine vereinigt das Moskauer Patriarchat hingegen 54,7% aller religi- ösen Gemeinden auf sich (bzw. einen Anteil von 65,8% innerhalb der lokalen Ortho- doxie), gefolgt von den protestantischen Kirchen mit 27%.

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Regionen, in denen der Großteil der religiösen Institutionen auf protestantische Gemeinschaften entfällt (beispielsweise in Donec’k, Kyjiv, Zaporižžja, Kirovohrad, Šernivci), gestiegen. Sog. neoreligiöse Ge- meinschaften finden sich gleichmäßig über das gesamte Territorium der Ukraine ver- teilt, während die „etablierten“ Kirchen (ausgenommen die UOK MP) v.a. die religiöse Landschaft des Westens formen. Aktuell zeichnet sich noch keine substanzielle Än- derung der regionalspezifischen Fragmentiertheit des konfessionellen Spektrums ab. Jede der Kirchen ist, was ihren gesellschaftlichen Einfluss betrifft, bestimmten Regio- nen zuzuordnen. Im Hinblick auf die ausgewogene Verteilung der Gemeinden über das ukrainische Staatsgebiet kommt am ehesten der UOK MP der Status einer Na- tionalkirche zu. Doch auch diese Denomination läuft Gefahr, in bestimmten Regionen zur „Randerscheinung“ zu werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Religiöse Organisationen nach Konfession (Westen)

1.4 Religiösität und konfessionelle Zugehörigkeit der Ukrainer

Zum Anteil der Gläubigen an der ukrainischen Gesamtbevölkerung existieren in der Literatur unterschiedliche Aussagen: Šanhina nimmt für das Jahr 2000 einen Pro- zentsatz von 57,8% an, in der entsprechenden Publikation aus dem Jahr 2002 be- trägt der Anteil bereits 60,2% (Bycenko/Dudar 2002: 654). 60,2% der ukrainischen Bevölkerung waren demnach Gläubige, 19,4% „zwischen Glauben und Nichtglauben schwankende Menschen“, 10,7% Nichtgläubige, 2,2% überzeugte Atheisten und 4,1% hatten eine indifferente Einstellung zur Religion (Bycenko/Dudar 2002: 655).31

Glaubt man den Ergebnissen der von RISU veröffentlichten Studie nach Socis Gal- lup, dürfte die Religiösität einen weiteren Anstieg erlebt haben (69,6% der ukraini- schen Bevölkerung bezeichneten sich demnach 2003 als gläubig). Laut Šanhina ist die Religiösität der Ukrainer in den letzten sieben Jahren freilich unverändert geblie- ben, sodass sich derzeit 59% als gläubig bezeichnen (2007c: 21ff).

Die Religiösität korreliert mit dem Alter: Während in der Gruppe der 18 bis 20- Jährigen der Anteil der Gläubgen bei 53% liegt, ist der entsprechende Prozentsatz bei Angehörigen älterer Generationen bei 68,3% angesiedelt (Šanhina 2007c: 21ff). Noch im Jahr 2002 war dieser Unterschied schwächer ausgeprägt. Hinsichtlich des Bildungsniveaus sind die gläubigsten Bürger unter Mittelschulabbrechern zu finden (67,6% im Jahr 2007), gefolgt von Mittelschulabsolventen bzw. Menschen mit abge- schlossener berufsbildenden Schule (60,0%) und von Hochschulabsolventen bzw. Studenten (53,7%).

Die regionale Ausprägung der Religiösität in der Bevölkerung ist in den Jahren 2000 bis 2007 mit einer leichten Tendenz zur Verstärkung der Gegensätze konstant: Am gläubigsten präsentiert sich nach wie vor die Westukraine (89,6% im Vergleich zu 87,9% im Jahr 2000), Der Osten des Landes unterliegt hingegen mit einem Anteil von 47,8% (gegenüber 48,1% im Jahr 2000) der Gläubigen an der Gesamtbevölke- rung einer Säkularisierung.

Ob eine Person ihren Lebensmittelpunkt auf dem Land oder in einer der grö- ßeren Städte des Landes hat, wirkt sich kaum auf deren Gläubigkeit aus, denn der von Šanhina nachgewiesene Anteil der Gläubigen in der Landbevölkerung unter- scheidet sich unwesentlich von jenem der Probanden mit urbanem Hintergrund (Šan- hina 2007c: 24).

Religiösität wird naturgemäß in der Familie tradiert: Nach der Erziehung im El- ternhaus befragt, geben rund 74,7% der Probanden in den westlichen Gebieten an, religiös erzogen worden zu sein (vgl. im Osten geben 79,3% an, in keinem gläubigen Umfeld herangewachsen zu sein). Es besteht also ein starker Zusammenhang zwi schen „christlicher“ Erziehung und regionaler Herkunft eines Probanden (Bycenko/ Dudar 2002: 656).

Die ukrainische Gesellschaft identifiziert sich sehr stark mit der Orthodoxie, ihr ordnen sich soziale Christen ebenso wie aktive zu (im Jahr 2002 77,2% der sozialen Christen, 77,5% der aktiven Christen). Unter allen Befragten gaben damals 53,2% an, „ich bin einfach orthodox“, 23,8% ordneten sich der UOK KP zu, lediglich 14,8% der UOK MP, 2,4% der UAOK, 5,8% nahmen keine eindeutige Zuordnung vor („weiß es nicht“). D.h. es besteht ein Unterschied zwischen der Zugehörigkeit zu einer Kon- fession laut „Taufschein“ und tatsächlicher religiöser Überzeugung. Von dieser Tat- sache kann man sich allerorts überzeugen. Während der Arbeiten an der vorliegen- den Studie lernte ich z.B. eine Ukrainerin mit folgendem religiösen Hintergrund ken- nen: Die in L’viv ansässige junge Frau stammte aus der Ostukraine, war zunächst Angehörige der UOK MP gewesen, bevor sie im Zusammenhang mit der bevorste- henden Heirat mit einem Westukrainer zur Römisch-katholischen Kirche (RKK) über- trat. Heute besucht sie Gottesdienste der Griechisch-katholischen Kirche und meint von sich selbst, „ich kenne mich mit der Zuordnung zur einen oder anderen Kirche nicht wirklich aus...“. Jedenfalls gehen rund 59,3% der Angehörigen der UGKK davon aus, „ein gläubiger Mensch muss sich der einen oder anderen Religion zurechnen“, ebenso wie 27,5% der Angehörigen der orthodoxen Kirchen sowie 11,1% jener Per- sonen, die angeben, „einfach christlich“ zu sein (ohne Zugehörigkeit zu einer be- stimmten Denomination, Bycenko/Dudar 2002: 660).

Die unterschiedlichen für die vorliegende Studie verwendeten Datenquellen belegen, dass ca. zwei Drittel der ukrainischen Bevölkerung als „gläubig“ zu bezeich- nen sind. Die überwiegende Mehrheit dieser gläubigen Bevölkerung gehört laut RISU 2003 den orthodoxen Kirchen des Landes an (ca. 68%, das entspricht einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung), v.a. der UOK MP (37,8% der Gläubigen) bzw. der UOK KP (28,7%). 18,6% der praktizierenden Christen sind demnach Angehörige der UGKK, lediglich 1,6% Angehörige der UAOK. Entsprechend den von Šanhina (By- cenko/Dudar 2002: 656) publizierten Daten waren jedoch im Jahr 2002 das Kiewer Patriarchat mit 23,8% und das Moskauer Patriarchat mit 14,8% in der Gesamtheit der orthodoxen Bevölkerung repräsentiert. Die beiden zitierten Literaturquellen las- sen die Schwierigkeit der Zuordnung von Gläubigen zur UOK KP und zur UOK MP erahnen. Immerhin wird in der von RISU auf der Website zitierten Studie aus dem Jahr 2003 darauf hingewiesen, dass rund die Hälfte der Befragten Schwierigkeiten mit der exakten Angabe der eigenen konfessionellen Zugehörigkeit gehabt habe. 53,2% gaben bei der von Šanhina 2002 veröffentlichten Studie an, „einfach (nur) or- thodox zu sein“ (Bycenko/Dudar 2002: 656).

1.5 Die Idee der Nationalkirche

Speziell in den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende stellten Bycenko und Du- dar einen tendenziellen Anstieg der Religiösität in der ukrainischen Bevölkerung fest, diese hat sich in den folgenden Jahren auf einem hohen Niveau stabilisiert. Gläubig- keit zieht jedoch für die Mehrheit der Ukrainer nicht automatisch die persönliche Zu- gehörigkeit zu einer bestimmten Konfession nach sich: 63,9% der erwachsenen Ukrainer waren 2002 der Überzeugung, man könne auch gläubig sein, ohne sich ei- ner bestimmten Religion zuzuordnen (Bycenko/Dudar 2002: 660ff). In diesem Pro- zentsatz spiegelt sich v.a. die Werthaltung orthodoxer Christen wider, unter den An- gehörigen der UGKK teilten laut Bycenko und Dudar lediglich 34,1% diese Ansicht. Eine Minderheit von 17,6% der Respondenten gab an, ein gläubiger Mensch habe unbedingt den Gottesdienst zu besuchen, die Regeln des jeweiligen Ritus einzuhal- ten und müsse sich in der jeweiligen Religion „gut auskennen“. Religion wird eindeu- tig im Bereich des Privaten gesehen. Aus dem dargestellten Sachverhalt schlossen die Studienautoren auf ein allgemein niedriges Aktivitätsniveau der Bevölkerung hin- sichtlich der Religion. Meiner Einschätzung nach ist diese Schlussfolgerung im inter- nationalen Vergleich zu relativieren.

Die Kirche (ohne weiteren Bezug auf eine bestimmte Denomination) ist trotz eines leichten Rückgangs des entsprechenden Prozentsatzes nach wie vor jene „so- ziale Einrichtung“, der im Vergleich zu anderen Gemeinschaften bzw. Organisationen am stärksten vertraut wird (ca. 60%, Šanhina 2007c: 24). Es gibt jedoch keine Kon- fession, mit der sich „die“ Gesellschaft eindeutig identifizieren würde (Dudar/Šanhina 2000: 204). Vor dem Hintergrund der höchst unterschiedlichen Beurteilung der sozio- ökonomischen und geopolitischen Rolle des Landes durch die ukrainische Gesell- schaft ist auch die Suche nach neuen Mitteln der persönlichen Identifikation und die Wahrnehmung des Wirkens der ukrainischen Kirchen zu verstehen. Letztere kann in der Phase der Transformation aufgrund ihrer moralischen Autorität theoretisch einen stabilisierenden Einfluss ausüben, eine knappe Mehrheit der Ukrainer (53%) sah sie (hier abstrakt gefasst ohne weitere Bezugnahme auf eine bestimmte Konfession) 2002 in einer positiven Rolle, unter den Gläubigen in der erwachsenen Bevölkerung waren rund 68% dieser Auffassung (Bycenko/Dudar 2002: 647). Der Kirche (ohne weiteren Bezug auf eine bestimmte Denomination) wird zwar weiterhin großes Ver- trauen entgegen gebracht (von ca. 30% der Population im Jahr 2007, Šanhina 2007c: 24), in der Praxis verstärken jedoch die interkonfessionellen Konflikte die poli- tischen Bruchlinien entlang den Fragen der ukrainischen Nationsbildung und der geopolitischen Orientierung (Ukraine als Titularnation oder politische Nation, Orien- tierung nach „Westen“ oder „Osten). Auch den Gläubigen bleibt nicht verborgen, dass sich Befürworter des ethnisch gefassten Nationalstaats, beispielsweise Vertre- ter rechtskonservativer, zentrumsnaher Parteien, z.T. nationalistischer Kräfte eindeu- tig auf den Westen konzentrieren und die Etablierung der UAOK, der UGKK und auch der UOK KP unterstützen. Kritiker solcher nationalstaatlicher Ideen gruppieren sich eher um die UOK MP.

Eine nationale Orientierung der Kirche(n) befürworten ähnlich wie im Jahr 2001 27,6% (2007). Der Anteil der positiv zu einer national orientierten Kirche einge- stellten Menschen liegt in der Westukraine bei 47,5%, im Süden des Landes bei 10,9%, die Zentralukraine präsentiert sich „ausgeglichen“, hier gibt es keine deutliche Präferenz oder Ablehnung einer nationalen Orientierung der Kirche. 2007 halten 53,2% der Befragten die Institution einer Staatskirche für nicht sinnvoll (Šanhina 2007c: 24). Generell tritt eine Mehrheit der Population bei strikter Trennung für eine „partnerschaftliche“ Koexistenz von Kirche und Staat ein.

2 Die ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus und ihre Sprachen

2.1 „Kirchensprache“ – der Versuch einer Abgrenzung

Neben der durch das Moskauer Patriarchat anerkannten Ukrainischen Ortho- doxen Kirche prägen heute drei weitere Kirchen des byzantinischen Ritus den religiö sen Alltag der ukrainischen Christen. Nach Jahrzehnten der Unterdrückung bietet sich dem Ukrainer erstmals die Möglichkeit, seinen Glauben in der Religionsgemein- schaft und der Sprache seiner Wahl auszuüben. Soweit zur Theorie. In der Praxis gestaltet sich der sprachliche Alltag in den Kirchen kompliziert: Einerseits spiegelt sich die allgemein in der Gesellschaft gegebene Situation der russisch-ukrainischen Zweisprachigkeit in der Kommunikation der Angehörigen beinahe aller Religionsge- meinschaften in Abhängigkeit von der geographischen Lage wider (Osten vs. Wes- ten). Darüber hinaus hat sich das Ukrainische in den Kirchen selbst dort, wo sein prinzipieller Gebrauch nicht in Frage gestellt ist, noch nicht als einzige Kirchen- sprache im engeren Sinn etablieren können.

Bereits die Begriffsbestimmung „Kirchensprache“ bereitet nicht nur im ukraini- schen Kontext Schwierigkeiten, noch mehr die Klärung des Bedeutungsinhalts. In gängigen (westlichen) theologischen Nachschlagewerken bezieht sich der Terminus „Kirchensprache“ per definitionem auf die Sprachverwendung in Bibelübersetzungen, der Messfeier, der Lehre, dem Kirchenrecht und der Verwaltung (Diedrich 1997: 56) und umfasst historisch betrachtet die Sprache des Alten und Neuen Testaments (AT und NT) sowie der Liturgie (Messfeier) als Kernbereiche.32 Diese Darstellung steht im Einklang mit den in der Klassifizierung des altrussischen Schrifttums angeführten Genres 1-5 nach Verešcagin (Verešcagin 1997:305) bzw. nach N.I. Tolstoj. Dem- nach werden hierarchisch folgende Genres unterschieden, für die lange Zeit haupt- sächlich das Kirchenslavische in Verwendung war (auf Grund seines polyfunktiona- len Charakters als die Slavia Orthodoxa einende schriftliche Kultursprache):

- Sacra bzw. divina scriptura (Altes und Neues Testament),
- liturgisches Genre (Hieratikón, Hagiasmatárion, Evangélion, Apóstolos, Penteko- stárion, Triodion und Októech),
- belehrende Literatur (Glaubensbekenntnis, Katechismen, apologetische Literatur, Traktate),
- Predigtliteratur bzw. patristische Schriften,
- Hagiographie33,
- kanonisch-juridische Literatur (Canones der Kirchen, daneben auch weltliche Do- kumente, Verträge),
- Chroniken und
- wissenschaftliche Genres.

Im Gottesdienst benützt der Zelebrant Bücher mit den gleichbleibenden Teilen der Li- turgie (Hieratikón – Služebnyk), das sog. Hagiasmatárion (Trebnyk) mit den Texten für die Spendung der Sakramente, für die Segnungen und Andachten, sowie das Evangélion (Evanhelije) und den Apóstolos (Apostol – Apostelgeschichte und briefe). Die übrigen – veränderlichen - Teile der Liturgie finden sich im Pentekostári- on (Triod' cvetna), Triodion (Triod' postna) und im Októech (Oktoich). (Diedrich 1997: 61ff).

Die Verwendung des Terminus „Kirchensprache“ in der allgemeinen Bedeu- tung einer „sakralen“, „heiligen“ Sprache führt häufig zu einem oberflächlichen Ver- ständnis der Kirchensprache, sodass diese hauptsächlich über den angenommenen Gegensatz zur sog. „Alltagssprache“ definiert wird.34 In einer solchen Betrachtungs- weise unterscheidet sich die Kirchensprache (als „Sakralsprache“ gefasst) von der Alltagssprache lediglich durch eine spezielle Wortwahl und Semantik. Eine Begriffs- findung wird so zu einem schwierigen Unterfangen. Für die Kirchen des byzantini- schen Ritus fällt aufgrund eben der Bedeutung des Kirchenslavischen als Kulturspra- che der Slavia Orthodoxa eine Begriffsabgrenzung noch schwieriger als z.B. in der römisch-katholischen Kirche. Der Prozess der Ablösung des Kirchenslavischen durch die modernen Gegenwartssprachen ist daher jener des Lateinischen durch die sog. Vernakularsprachen nicht vergleichbar.35

Die Kyjiver Rus’ kam mit dem byzantinischen Ritus und folglich mit dem Kir- chenslavischen erstmals im zehnten Jahrhundert in Berührung, damals wurde im Zuge der Christianisierung auf das Erbe der slavischen Mission in Mähren bzw. in Bulgarien Bezug genommen. Durch die Leistungen der Schüler Kyrills und Methods war es möglich geworden, den christlichen Glauben in einem den heimischen Dialek- ten sehr nahen slavischen Idiom zu übernehmen (vgl. die noch heute in der Ukraine übliche Bezeichnung des Kirchenslavischen als „materyns’ka mova“). Das Kirchen- savische (häufig auch als „Altbulgarisch“ bezeichnet) etablierte sich bereits um die erste Jahrtausendwende zunächst im südostslavischen und später im nordost- slavischen Raum als Sprache der Liturgie. Es handelt sich dabei um eine künstlich geschaffene Schriftsprache, die von den Brüdern Konstantin Kyrill und Method spezi- ell für die Bedürfnisse der Kirche des Großmährischen Reichs („Megalé morabia“) entwickelt worden war. Seit ihrer Kindheit waren die aus Thessaloniki stammenden Gelehrten mit den slavischen Dialekten ihrer Heimat vertraut gewesen, sodass sie es verstanden, ein spezielles Idiom für die Mährische Mission zu entwickeln. Mit der von ihnen geschaffenen Sprache durchbrachen sie das von der Kirche Roms vertretene Prinzip, wonach sich ausschließlich das Griechische, Lateinische und Hebräische als Liturgiesprachen eigneten (aus der Sicht der slavisch-byzantinischen Kirchen wird dieser Ansatz noch heute als „Dreisprachenhäresie“ bezeichnet). Das Kirchen- slavische ist die erste Schriftsprache der Slaven, es wurde jedoch im Unterschied zu anderen klassischen Sprachen nie aktiv gesprochen.

Im Gegensatz zu den „Volkssprachen“ wurde dem Kirchenslavischen eine Aura des Transzendenten zugeschrieben, welche der Liturgie als Abbild des himmli- schen „cultus divinus“ gerecht wurde. Als von rhetorischen und grammatikalischen Normen geleitete Sprache erfüllte es im Mittelalter die Anforderung, wonach lediglich eine „lingua sacra“ während des Gottesdienstes verwendet werden durfte. Das Kir chenslavische entsprach im vollen Umfang dem Kriterium der „dignitas“, d.h. der ihr zugedachten religiösen, sozialen und literarischen Funktion.

„(...) Alle unsere liturgischen Texte tauchten (...) in kirchenslavischer Sprache auf, sie werden bereits seit 1000 Jahren verwendet. Eine derartig lange Ver- wendungsdauer hat das Kirchenslavische der liturgischen Texte zu einer „hei- ligen Sprache“, die im Alltag nie verwendet wurde, gemacht. (...) Andererseits (...) müssen wir zugeben, dass der Ukrainer heute das Kirchenslavische nicht versteht und seine (aktive) Teilnahme am Gottesdienst als kommunikativer Akt zwischen Gott und dem Menschen bei Verwendung des Kirchenslavi- schen sehr begrenzt ist. Es gibt jedoch noch einen dritten Aspekt – der christ- liche Gottesdienst besteht nicht nur im Informieren der Gläubigen über den Gegenstand ihres Glaubens (...). Der Gottesdienst ist komplex, infolge der lan- gen Entwicklung in unterschiedlichen ethnokulturellen Umfeldern hat er den Charakter eines Mysteriums angenommen, der sich weder in der narrativen Erzählung einerseits noch im passiven Zuhören andererseits erschöpft. Der Mensch nimmt am Gottesdienst mit seiner ganzen Existenz teil (...). Auf dieser Wirklichkeitsebene wird die Sprache eher symbolisch als informativ wahr- genommen, ein betender Mensch kann und darf in diesem Moment Erzähltes nicht rational wahrnehmen. Der traditionelle Kirchengesang macht eine ent- sprechende Wahrnehmung (das mit dem Zuhören synchrone Verstehen) un- möglich (...), v.a. bei selten verwendeten Texten.” (Punkt 3.5. des qualitativen Fragebogens, I. Theologe, Angehöriger der UGKK, L'viv)

Parallel zu seiner Funktion als Kultsprache im engeren Sinne erlangte das Kir- chenslavische das Prestige einer die gesamte Slavia Orthodoxa einenden suprana- tionalen Kultursprache. Durch die Tatsache, dass beispielsweise im ostslavischen Raum (d.h. auf dem Gebiet des heutigen Russlands bzw. der Ukraine und Weißruss- lands) lange Zeit die jeweilige Landessprache und das Kirchenslavische parallel in Verwendung waren, kam es naturgemäß zu wechselseitigen Einflüssen, sodass das Kirchenslavische im Lauf der Zeit regionale Prägungen erfuhr. Daraus erklärt sich auch die Existenz einer ukrainischen Redaktion des Kirchenslavischen.36 Umgekehrt weisen im ostslavischen Raum insbesondere religiöse Texte, aber auch zahlreiche weltliche Dokumente bis ins 18. Jahrhundert deutliche kirchenslavische Einflüsse auf. Obwohl das Kirchenslavische bei der Entwicklung der ukrainischen Standard- sprache keine seinem Anteil an der russischen Sprache vergleichbare Rolle spielte (vgl. Šachmatovs Aussagen über das Russische37), kommt ihm bei deren Entwick- lung dennoch eine wesentliche Rolle zu.

[...]


1Ich bin ein orthodoxer (Christ), also glaube ich an Janukovyš “. Aussage einer gläubigen Ostukraine- rin im Hauptabendprogramm (21h) des Fernsehsenders „Telekanal Inter“ vom 23.10.2004. Bemer- kenswert ist neben der Aussage die Sprachwahl der Interviewten (Russisch).

2 Wahlprogramm Viktor Janukovyc 2004 „Šomu same Janukovyc“ („Warum ausgerechnet [...]“)

3 Siehe dazu den in der Zeitung Dzerkalo Tyždnja veröffentlichten Artikel „Movna vidpovid Jušcenka“ vom 12. November 2004 (www.dt.ua/3000/3680/48239).

4 Siehe dazu den in der Zeitung Dzerkalo Tyždnja veröffentlichten Artikel „Jazyk do Kyjeva dovede, a do vyboriv napevne“ vom 15. Juni 2007 (www.dt.ua/3000/3680/59570).

5 Siehe dazu den in der Zeitung Dzerkalo Tyždnja veröffentlichten Bericht zur diesjährigen Konferenz der Kyjiver Mohyla-Akademie (www.dt.ua3000/3300/62115), die im Jänner unter der Leitung Larysa Masenkos stattfand.

6 Siehe dazu auch die aktuellen Publikationen des Razumkov-Zentrums.

7 Ausnahmen bilden lediglich Luhans'k (-4,9%) und Donec'k (-6,5%) sowie die Autonome Republik Krym, Sevastopil' (zu letzteren sind keine Zahlen in der Auswertung des Zensus 2001 vorhanden, siehe www.ukrcensus.gov.ua) – hier wurde die Präferenz für das Russische stärker.

8 Šanhina 2007b: 3

9 Ich verwende in dieser Arbeit den Begriff „moderne ukrainische Standardsprache“ (SUM), da meiner Ansicht nach der (auch von für die vorliegende Studie befragten Philologen verwendete) Begriff der „Literatursprache“ mit der sowjetischen Kategorisierung von Sprachen gleichgesetzt werden könnte (Siehe dazu Jachnow 1977: H. Jachnow, Sprachenpolitik in der Sowjetunion, in: Osnabrücker Bei- träge zur Sprachwissenschaft 5, 60-88).

10 Der umstrittene Begriff „Kultursprache“ und dessen Polysemie werden in der Habilitationsschrift Ingo Warnkes aus dem Jahr 1999 ausführlich behandelt. Demnach weist eine Kultursprache folgende zentrale Merkmale auf: einen literalen Ausbau des Schrifttums („Literalität“), Überregionalität, Poly- funktionalität und die sprachliche Realisation in epischen, dramatischen und lyrischen Texten („Lite- rarizität“). (Warnke 1999: 13ff)

11 Der Begriff der sog. Zweisprachigkeit ist unter ukrainischen Philologen umstritten.

12 Bei der Schreibung von Ortsnamen orientiere ich mich an den ukrainischen Varianten, wähle jedoch aus Gründen der Konsistenz für die Bezeichnung der verschiedenen Denominationen die deutschen Entsprechungen (z.B. „Kiewer Patriarchat“).

13 Selbst in soziologischen Studien (beispielsweise bei Šanhina 2000: 211) findet sich die nach meiner Ansicht unzureichende und ungenaue Differenzierung zwischen „traditionellen“ und „nicht-traditio- nellen“ Glaubensgemeinschaften.

14 Die prinzipielle Befürchtung der meisten Probanden, sich in der einen oder anderen Form durch ein- mal getätigte Aussagen zum Thema Kirchensprache gleichzeitig auf ein politisches oder ideologi- sches Bekenntnis reduzieren und in weiterer Folge angreifen lassen zu müssen, stellt die Forschen- den vor ungeahnte Herausforderungen. Daraus sollte jedoch nicht geschlossen werden, dass in der ukrainischen Gesellschaft bzw. in den Kirchen nicht über die Sprache im Allgemeinen und über die Rolle des Ukrainischen im Besonderen reflektiert wird. Im Gegenteil: Mitunter entzünden sich heftige und emotional geführte Debatten an der Frage des Stellenwerts der Staatssprache für die jeweilige Konfession.

15 Entsprechend Zensus 2001 sind alle Personen nach Vollendung des 18. Lebensjahres als Erwach- sene zu bezeichnen.

16 Eine Ausnahme bildet das Moskauer Patriarchat deshalb, weil die Denomination mit insgesamt 37 Probanden in der Stichprobe unterrepräsentiert ist. Die Aussagen der Angehörigen dieser Kirche, in der der Diskurs über die Erneuerung der ukrainischen Kirchensprache (noch) eine marginale Rolle spielt, werden daher von mir hauptsächlich als „Kontrapunkt“ zu den Angaben der Referenzgruppen anderer Konfessionen herangezogen. Die geringe Fallzahl lässt insgesamt keine statistische Aus- wertung im engeren Sinne zu, wie an der einen oder anderen Stelle der Arbeit jedoch evident wird, entkräften die bei Angehörigen der UOK MP ermittelten Befragungsergebnisse Vorurteile über das Verhältnis der UOK MP zur ukrainischen Sprache.

17 Einige Probanden (z.T. Angehörige der UOK MP) hatten sich negativ über die „politische Motiviert- heit“ der Befragung geäußert.

18 Erfolgreich war beispielsweise die „offizielle Kontaktaufnahme“ mit dem damaligen Bischof von Pol- tava und Kremencuk, Jevsevij (Vitalij Politylo) oder mit Studenten des Theologischen Seminars und der Akademie der UOK KP in L’viv über Vermittlung der Institutsleitung sowie die Teilnahme von Priestern, Seminaristen und Laien der Eparchie Mukacevo (RGKK). Als z.T. erfolgreiche Erhebungsmethode erwies sich die spontane Befragung von Kirchgängern nach dem Gottesdienst. Im Gegensatz dazu zeigten sich Studenten der Nationalen Ivan Franko Universi- tät in L’viv als auskunftsfreudig.

19 Die Neuformierung der UAOK in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wird unterschiedlich beur- teilt, unbestritten ist in diesem Zusammenhang die maßgebliche Rolle der aus der Diaspora zurück- gekehrten Orthodoxen.

20UCU Vice-rector Says Greek Catholic Patriarchate “Normal Development” ( 27.03.2003, Quelle: http://www.risu.org.ua/eng/news/article%3B2132/) (…) according to Prof. Myroslav Marynovych, vice-rector of external affairs and director of the Institute of Religion and Society at the Ukrainian Ca- tholic University (…) “today’s patriarchal Moscow cannot possibly accept even the slightest recogni- tion of the pseudosobor’s forcible nature, which has already been admitted by non-Russian (for in- stance, Constantinople) hierarchs (…).

21Constantinople Does not Recognize Ukrainian “Schismatics,” Says Russian Orthodox Representa- tive (02.06.2005, Quelle: http://www.risu.org.ua/eng/news/article%3B5580/) Istanbul – “Patriarch Bartholomew of Constantinople does not recognize the self-proclaimed reli- gious organizations of Ukraine. He said this at the Assembly of Heads and Representatives of Or- thodox Churches [held] in Istanbul [Turkey].” So said Archpriest Nikolai Balashov, official representa- tive of the Russian Orthodox Church, who participated in the assembly. sedmitza.ru posted the news on 27 May 2005. According to Fr. Balashov, Patriarch Bartholomew said, among other things, that “the Church of Constantinople does not recognize Ukrainian schismatic groups, even though their representatives have come to the Phanar [the Istanbul neighborhood where Patriarch Bartholo- mew’s residence is situated].” The patriarch of Constantinople, sedmitza.ru reports, “has again con- firmed the former stand of the Church of Constantinople on the schisms in Ukraine” in the presence of delegations from all Orthodox churches (…). “ Der Besuch des ökumenischen Patriarchen Bartholomäus in Kyjiv (Juli 2008) wird als ein Abweichen von dieser Position interpretiert (siehe die aktuellen Artikel unter http://www.risu.org.ua/ukr/).

22 Natalya Boyko (Boyko 2005) spricht in diesem Zusammenhang vom interorthodoxen Konflikt als ei- nem der am stärksten institutionalisierten in Bezug auf den ethnisch-kulturellen Widerspruch. Dem- nach handle es sich um ein dreifaches Paradoxon mit den Kernfragen „ethnisch gefasste Nation vs. politische“, „ukrainisch-byzantinischer Ritus vs. russisch-orthodoxe Tradition“ und „Autokephalie vs. Autonomie“.

23 Oleh Turij in einem Vortrag bei der im November 2001 von der Deutschen Gesellschaft für Osteuro- pakunde in Berlin abgehaltenen Konferenz zum Thema „Nationale und Religiöse Identität in Osteu- ropa – das Beispiel der Ukraine“

24 Die Situation hat sich in der Zwischenzeit z.T. geändert, wie eine Recherche vom 15. April 2008 zeigt (http://www.cerkva.info/2007/07/04/religii.html).

25 In der UAOK und der UGKK ist diese Entwicklung später (2003) zu beobachten.

26 RISU 2003: Ukrainian Sociology Services, Relihija ta Cerkva v sucasnij Ukrajini (http://www.risu.or- g.ua/ukr/study/research_conference/churchsocialres/) RISU 2008: Ukrainian Sociology Services, Opytuvannja Centru Razumkova pidtverdžuje stabil'nyj ri- ven' relihijnosti ukrajins'koho suspil'stva (http://www.risu.org.ua/ukr/news/article;20926/)

27 In den Quellen finden sich stark variierende Prozentangaben. Siehe dazu: Bycenko/Dudar 2002: A. Bycenko, N. Dudar, Relihijnist' ukrajins'koho suspil'stva: riven', charakter, osoblyvosti, in: L. Šanhina, Nacional'na Bezpeka i Oborona, 656 Šanhina 2007: L. Šanhina, Relihijnist' ukrajins'koho suspil'stva: okremi tendenciji 2000-2007 rokiv, in: L. Šanhina, Nacional'na Bezpeka i Oborona, Nr. 8 (92) 2007, 21

28 Šanhina 2000: L. Šanhina (Hrsg.), Cerkva i suspil'stvo v Ukrajini: Problemy vzajemovidnosyny, in: L. Šanhina, Nacional'na Bezpeka i Oborona 2000, 204-266 (ohne weitere Angaben zum Autor, die Pu- blikation findet sich auch online unter http://www.uceps.org/ua/section/National_Security_and_De- fence/?cur_nomer=10, L. Šanhina, Nacional'na Bezpeka i Oborona, Nr. 10 2000, 2-65) Dudar/Šanhina 2000: N. Dudar/L. Šanhina, Relihija i vira v žytti ukrajinciv, in: L. Šanhina, Nacional'na Bezpeka i Oborona 2000, 266-280. Die Publikation findet sich auch online unter http://www.u- ceps.org/ua/section/National_Security_and_Defence/?cur_nomer=10, L. Šanhina, Nacional'na Bez- peka i Oborona, Nr. 10 2000, 83-98.

29 Religiöse Organisationen in den Regionen der Ukraine (Stand per 1. Jänner 2003, Ukrainisches Ko- mitee für religiöse Angelegenheiten, zitiert unter http://www.risu.org.ua/ukr/resourses/statistics/regi- ons2003/): Die an dieser Stelle der vorliegenden Arbeit verwendeten Prozentsätze beziehen sich auf die offiziell erfassten Religionsgemeinschaften als „() Vereinigung von Gläubigen auf der Basis ei- ner gemeinsamen Glaubenslehre, die alle Merkmale einer sozialen Gruppe aufweist und die auf den Prinzipien der Glaubenslehre basiert; (sie) hat das Recht auf Erlangung eines Rechtsstatus mit allen damit verbundenen rechtlichen Konsequenzen” (Šanhina 2007a: 8). Abgesehen von der UOK MP sind die UAOK, UOK KP und kleinere, unter „andere orthodoxe“ zusammengefasste orthodoxe Ge- meinschaften aktiv (Freikirchen, Exarchat der Griechisch-Orthodoxen Kirche und dergl.). Die Kate- gorie „andere“ bezieht sich auf 329 ordentlich registrierte Gemeinschaften bzw. 29 nicht registrierte islamische. Im Zeitraum zwischen den Jahren 2003 und 2008 stieg lediglich der Anteil der religiösen Vereinigun- gen der UOK KP an der Gesamtzahl aller derzeit 30.670 Organisationen (12,9%) an, alle anderen von mir untersuchten Kirchen des byzantinischen Ritus sowie die RKK verzeichnen einen (leichten) Rückgang ihres jeweiligen Anteils an der Gesamtzahl (UOK MP: 36,6%, UGKK: 12,0%, UAOK: 3,8%, RKK: 2,9%). In meiner Arbeit stütze ich mich auf die Daten aus dem Jahr 2003, da diese im Gegensatz zu den neueren Statistiken detaillierte Angaben zur Verteilung der religiösen Organisa- tionen über die Regionen der Ukraine umfassen.

30 In der von Šanhina herausgegebenen Publikation ist in diesem Zusammenhang vom „Fehlen einer monokonfessionellen Zone“ die Rede.

31 Die Autoren unterscheiden zwischen „Gläubigen“, „Nichtgläubigen“ und Personen, „die zwischen Glauben und Nichtglauben schwanken“, wobei sich die Respondenten den vorgegebenen Kategori- en selbst zuordneten.

32 Lurz geht in seiner Darstellung der Kirchensprache stärker als andere Autoren auf die Proble- matik des Bedeutungsinhalts ein (Lurz 2007: 674ff). Demnach wird der Begriff synonymisch für „Liturgiesprache“ (oder „Kultsprache“) verwendet, „mit dem die Identität einer Kirche über die in Bibel-Übersetzungen, Liturgie, Lehre, Recht und Verwaltung verwendete Sprache zu definieren versucht wird“ (Lurz 2007: 674). Zulässig ist diese Definition laut Lurz lediglich, wenn diese Sprache „geographisch, (kirchen-) politisch oder konfessionell abgrenzend wirkt und/oder sich in einer konkreten Gesellschaft als fremde od. tote Sprache erweist“. Sie entwi- ckeln sich „durch Sprachkonstanz innerhalb einer Kirche bei Sprachwechsel der Umgebung“. Lt. Lurz wirken Kirchensprachen „integrativ“. Es kommt ihnen die Rolle eines integrativen Be- standteils der Inkulturation des Christentums zu. In Bezug auf die modernen westlichen Litur- gien ist entsprechend den Ausführungen „höchstens eine Abgrenzung der s akralen Sprache gegenüber der Alltagssprache aufgrund spezifischer Wortwahl und Semantik möglich.“

33 Die Kategorien 3-5 weisen fließende Übergänge auf und werden mitunter zu einer zusammenge- fasst.

34 Einen Eindruck von der diesbezüglichen Debatte über die Begrifflichkeiten (Kirchensprache vs. „Volkssprache“, Universalität des Lateinischen) bieten z.B. Online-Foren wie www.kathnews.com. Eigentlich dient der Begriff „Kirchensprache“ auch im deutschen Sprachraum seit dem 18. Jahrhun- dert nachweislich als Synonym für die Bezeichnungen „Liturgiesprache“ oder „Kultsprache“.

35 Auf diesen Sachverhalt wird auch seitens des Vatikans hingewiesen (beispielsweise im Abschnitt VI. [„Evangelium und Kultur“] des Rundschreibens „Slavorum Apostoli“ von Papst Johannes Paul II aus dem Jahr 1985. (http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_19850602_slavor- um-apostoli_ge.html).

36 Zur Geschichte der slavischen Schriften siehe Trunte 1997: 16ff

37 Šachmatov 1960: A. Šachmatov, G.Y. Shevelev, Die kirchenslavischen Elemente in der modemen russischen Literatursprache, Wiesbaden 1960

Ende der Leseprobe aus 580 Seiten

Details

Titel
Soziolinguistische Aspekte der aktuellen Sprachenfrage in den ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Slawistik)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2008
Seiten
580
Katalognummer
V151478
ISBN (eBook)
9783640632268
ISBN (Buch)
9783640632626
Dateigröße
7591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziolinguistik, Ukrainisch, Kirchenslawisch, Zweisprachigkeit, Russisch, Soziodemografie, Ukraine, griechisch-katholisch, byzantinisch, UGKK, UOK MP;, UOK KP, UAOK, autokephal, Moskauer Patriarchat, Kiewer Patriarchat, Sprachenfrage, Kirchensprache
Arbeit zitieren
Manuela Miklas (Autor), 2008, Soziolinguistische Aspekte der aktuellen Sprachenfrage in den ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151478

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Soziolinguistische Aspekte der aktuellen Sprachenfrage in den ukrainischen Kirchen des byzantinischen Ritus


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden