Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich speziell mit der Senatssitzung vom 5. Dezember 63 v. Chr. Catilina weilte zum fraglichen Zeitpunkt zwar nicht mehr in Rom, doch einige seiner Gefolgsleute hielten sich noch immer in der Stadt auf, um von dort aus weiter an der Verschwörung zu arbeiten. Nachdem Cicero jene Männer auf frischer Tat ertappen konnte und sie festnehmen ließ, stellte er im Senat an jenem Tag Anfang Dezember die Frage zur Diskussion, was mit ihnen zu geschehen habe. Schließlich wurde darauf entschieden, sie hinzurichten, was dann auch unverzüglich vollzogen wurde.
Im Weiteren soll es nun darum gehen, wieso Cicero die Catilinarier nicht schon unmittelbar nach deren Festnahme mit Berufung auf das Senatus Consultum Ultimum vom 21. Oktober töten ließ. Damit zusammenhängend ist zu betrachten, auf welcher Rechtsgrundlage die Todesurteile vom 5. Dezember beruhen, wenn es nicht das Senatus Consultum Ultimum war und was bezüglich dessen die Bürgerrechte der Angeklagten galten – es stellt sich somit auch die Schuldfrage. Als letzter Punkt interessiert, ob die Hinrichtungen nicht anderen Umständen als dem Verbrechen des Hochverrats geschuldet waren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorgeschichte
3 Die Senatssitzung am 5. Dezember 63 v. Chr.
3.1 Die Rede Caesars
3.2 Die Rede Ciceros
3.3 Die Rede Catos
4 Rechtliche Grundlagen, Probleme und mögliche Gründe für die Todesstrafe
4.1 Cicero, der Senat und das Senatus Consultum Ultimum
4.2 Die Schuldfrage
4.3 Mögliche Gründe für eine sofortige Hinrichtung
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die historische und rechtliche Kontroverse um die Senatssitzung vom 5. Dezember 63 v. Chr., in der über die Hinrichtung der Catilinarier entschieden wurde. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der proklamierten Rechtsgrundlage des Senatus Consultum Ultimum und der tatsächlichen Durchführung der Todesurteile zu analysieren sowie die Hintergründe der Reden von Caesar, Cicero und Cato zu beleuchten.
- Die Catilinarische Verschwörung im Kontext der späten römischen Republik
- Die Rhetorik und Argumentationslinien in den Senatsreden des 5. Dezembers
- Rechtliche Problematik: Das Senatus Consultum Ultimum und die Bürgerrechte
- Die Rolle Ciceros und die umstrittene Schuldfrage der Angeklagten
- Psychologische und politische Motive für eine sofortige Exekution
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Rede Caesars
Bevor Caesar an der Reihe war, seinen Teil zur Debatte beizutragen, sprach als erster Redner der designierte Konsul Decimus Iunius Silanus, welcher die Todesstrafe für die Catilinarier beantragt habe und dies sei auch von den Senatoren deutlich so verstanden worden.
Doch der designierte Prätor Caesar wollte diesem Antrag nicht folgen und brachte einen Gegenantrag in die Debatte ein: Die Angeklagten sollten in unterschiedlichen Munizipien auf Lebenszeit gefangen gehalten werden, ein erneutes Verfahren zudem nicht möglich sein und ihr Vermögen solle Eingezogen werden.
Nach Ungern-Sternberg begründet Caesar seinen Antrag damit, dass auch für die Catilinarier die lex Sempronia de capite civis gelte und ihnen daher nicht ihre Bürgerrechte entzogen und sie hingerichtet werden dürften; wobei Caesar jedoch (nach Plutarch und Appian) bei äußersten Notlagen, also der akuten Gefährdung des Staates, nicht auf die lex Sempronia bestehen würde, er in dem hier vorliegenden Fall aber keine entsprechende Bedrohung erkennen könne. Und, in der Tat, in keiner Überlieferung ist von bewaffneten Ausschreitungen in Rom die Rede. Cicero hingegen lässt Caesar seinen Antrag damit begründen, dass eine lebenslange Haft eine deutlich härtere Strafe als eine Hinrichtung sei – da man bei einer Hinrichtung ja nur einen kurzen Schmerz verspürt und dann für immer in Frieden ruhen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Quellenlage der Catilinarischen Verschwörung ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Rechtsgrundlage der Hinrichtungen vom 5. Dezember 63 v. Chr. vor.
2 Vorgeschichte: Dieses Kapitel zeichnet die Ereignisse nach der Vertreibung Catilinas bis zur Festnahme seiner Anhänger in Rom nach und beschreibt die Einberufung der entscheidenden Senatssitzung.
3 Die Senatssitzung am 5. Dezember 63 v. Chr.: Hier werden die zentralen Redebeiträge von Caesar, Cicero und Cato analysiert, welche den Verlauf und das Ergebnis der Debatte maßgeblich bestimmten.
3.1 Die Rede Caesars: Untersuchung des Gegenantrags Caesars, der unter Berufung auf die lex Sempronia eine lebenslange Haft anstelle der Todesstrafe forderte.
3.2 Die Rede Ciceros: Analyse von Ciceros Strategie, die gegensätzlichen Positionen in seiner 4. Catilinarischen Rede auszugleichen, während er dennoch für die Hinrichtung plädierte.
3.3 Die Rede Catos: Darstellung des Stimmungsumschwungs im Senat durch Catos entscheidenden Redebeitrag zugunsten der Todesstrafe.
4 Rechtliche Grundlagen, Probleme und mögliche Gründe für die Todesstrafe: Untersuchung der Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlichem Rahmen und dem tatsächlichen Handeln der Senatoren.
4.1 Cicero, der Senat und das Senatus Consultum Ultimum: Analyse der Debatte darüber, inwieweit das Notstandsdekret eine legale Basis für die Hinrichtung bot.
4.2 Die Schuldfrage: Erörterung der Beweislage, der Geständnisse der Verschwörer und der Problematik einer formalen Verurteilung.
4.3 Mögliche Gründe für eine sofortige Hinrichtung: Reflexion über die militärische Bedrohungslage und das politische Motiv der Abschreckung.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der rechtlichen Legitimität der Exekutionen und der langfristigen Folgen für Cicero.
Schlüsselwörter
Catilinarische Verschwörung, Cicero, Senat, 5. Dezember 63 v. Chr., Senatus Consultum Ultimum, Todesstrafe, Caesar, Cato, lex Sempronia, Hochverrat, Notstand, res publica, Schuldfrage, römische Republik, Exekution
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die rechtliche und politische Kontroverse um die Hinrichtung der Anhänger Catilinas am 5. Dezember 63 v. Chr. unter dem Konsulat Ciceros.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die römische Verfassungspraxis in Notstandssituationen, die Argumentationsmuster führender Senatoren wie Caesar und Cato sowie die historische Quellenkritik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum Cicero entgegen der geltenden Gesetze (insbesondere der lex Sempronia) die Hinrichtung ohne formelles Verfahren anordnete und wie dies historisch legitimiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primäre antike Quellen (Cicero, Sallust) mit moderner wissenschaftlicher Sekundärliteratur vergleicht und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Senatsdebatte und eine Untersuchung der rechtlichen Grundlage, insbesondere des Senatus Consultum Ultimum und der Schuldfrage.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Senatus Consultum Ultimum, Catilinarier, Notstandsrecht, Bürgerrechte und die politische Rhetorik der späten Römischen Republik.
Warum wird Caesars Rede im Text besonders hervorgehoben?
Caesars Rede ist zentral, da sie einen rechtlich fundierten Gegenantrag darstellte, der die Schwäche der Argumentation für die Todesstrafe aufzeigte.
Inwieweit spielte das Senatus Consultum Ultimum eine Rolle bei der Hinrichtung?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass das Dekret paradoxerweise nicht direkt als Rechtsgrundlage für die Hinrichtung genutzt wurde, da es den Konsul nur unter spezifischen Bedingungen zu Gewaltanwendung gegen Bürger ermächtigte.
Welches psychologische Motiv wird für die Hinrichtung identifiziert?
Als wesentlicher Beweggrund wird die politische Abschreckung identifiziert, um die Anhänger Catilinas zu demoralisieren und die Macht des Staates zu demonstrieren.
- Citation du texte
- Julian Wittmann (Auteur), 2010, Die Senatsdebatte über die Hinrichtung der Catilinarier am 5. Dezember 63 v. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151625