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Kann ein Kunstwerk als Denkmal für das gewaltige Verbrechen des Holocaust 'funktionieren'?

Title: Kann ein Kunstwerk als Denkmal für das gewaltige Verbrechen des Holocaust 'funktionieren'?

Essay , 2009 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Julian Wittmann (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Am 10. Mai 2005 wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, auch unter dem Namen Holocaust-Mahnmal bekannt, vom damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse in einer feierlichen Veranstaltung eingeweiht. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten knapp 17 Jahre vergehen. Jener Zeitraum war geprägt von zahlreichen Diskussionen, Skandalen und Kontroversen um Notwendigkeit, Nutzen, Gestaltung und Bau des Denkmals. Dies allein, so mancher Kommentar, habe Deutschland und der deutschen Gesellschaft mehr gebracht als die letztendliche Errichtung. Gemeint ist hier die Bewusstwerdung von Standpunkten eines Einzelnen im Bezug auf das grausame Erbe, welches wir als Deutsche von unseren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern verantwortet bekommen haben. Gerade die ''Walser-Bubis-Debatte'' erregte, auch international, ein enormes Aufsehen, was ohne ein zu errichtendes Holocaust-Mahnmal nicht zustande gekommen wäre. Doch es sollte nicht soweit gegangen werden und das Denkmal als vielleicht sogar überflüssig zu bezeichnen, denn das ist es in keiner Weise.
Im Folgenden soll die Berichterstattung der größten und wichtigsten Berliner Tageszeitungen um die Eröffnung des Denkmals herum betrachtet werden – Der Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost, Berliner Kurier und B.Z. – , um eine mögliche innerstädtische Debatte herauszustellen. Wie reflektierten die Kommentatoren die Einweihung und welche Kritik wurde genannt? Wie haben die Menschen nach der Übergabe an die Öffentlichkeit das Denkmal angenommen und wie sind sie ihm begegnet? Mit welchen Erwartungen gehen die Menschen zu und in dieses Denkmal und können diese Erwartungen überhaupt befriedigt werden? Ist es möglicherweise überhaupt sinnvoll, solch ein Mahnmal so zu gestalten, dass es Ansprüche und Erwartungen mit Leichtigkeit und auf den ersten Blick erfüllt?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die öffentliche Debatte und Reaktionen auf das Holocaust-Mahnmal

2.1. Perspektiven der Politik und der Jüdischen Gemeinde

2.2. Internationale und Berliner Pressestimmen zur Eröffnung

2.3. Die Rezeption durch die Besucher: Erwartungen und Erfahrungen

2.4. Kontroversen um das Verhalten der Besucher im Stelenfeld

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die öffentliche Rezeption und den Umgang mit dem "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" in Berlin kurz nach seiner Eröffnung im Jahr 2005. Ziel ist es zu analysieren, ob ein als Kunstwerk konzipiertes Denkmal die Funktion eines traditionellen Mahnmals erfüllen kann und wie sich das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch, politischer Symbolik und dem tatsächlichen Nutzerverhalten der Bevölkerung gestaltet.

  • Analyse der medialen Berichterstattung in führenden Berliner Tageszeitungen.
  • Gegenüberstellung politischer Erwartungshaltungen mit den tatsächlichen Erfahrungen der Besucher.
  • Untersuchung der Kontroverse um das "Stelenspielen" und das Verhalten von Jugendlichen.
  • Diskussion über die Authentizität und Funktionalität des Denkmals als Gedenkort.

Auszug aus dem Buch

Die Rezeption durch die Besucher: Erwartungen und Erfahrungen

Wie aber haben nun die Besucher auf das Stelenfeld reagiert? Welche Eindrücke hatten sie, welche Gefühle kamen auf etc.? Auf die Antworten zu diesen Fragen warteten, kurz nach der Freigabe des Denkmals für das gewöhnliche Publikum, die Presse ungeduldig und schilderte dann sogleich die ersten Besuchermeinungen: „Statt gedankenvoller Ruhe: Es wird gelacht, geknutscht, geraucht“, „Das Denkmal an sich wirkt sehr kalt, bedrückend und tot. Doch das Lachen der Kinder, die hier durchlaufen ist so lebendig. Diese Gegensätze berühren mich sehr“, „Für mich wirken die Steine in ihrer Masse, in ihrer Größe und Anzahl wie ein Riesengewicht. Sie wirken wie ein Gewicht, das das ganze Grauen, das ganze Unglück der Nazi-Zeit ausdrückt“, „Die Stelen sind mir zu anonym“, „Beklemmung“, „Der Anblick der Stelen löst keine Emotionen in mir aus. Ich finde das Mahnmal nichtssagend und unpersönlich. Aber vielleicht verstehe ich es auch einfach nicht“, „einsam und verloren“ und „Das Mahnmal ist absolut gelungen. Ich bin von den Emotionen überwältigt. Man fühlt sich in die Enge und Dunkelheit getrieben“ (alles B.Z.).

„Natürlich wird dieser Betonkomplex gut besucht werden. Insbesondere Touristenströme werden ihn als Attraktion durchziehen. Aus purer Neugier, weil Gigantisches immer die voyeuristische Seite des Menschen anspricht. Und man wird uns das dann als Erfolg verkaufen. Ein sehr fragwürdiger Erfolg, wenn Sie mich fragen. Jedenfalls keiner im Sinne einer Gedenkstätte“ und „Über das neue, kalte und undefinierbare Mahnmal bin ich nicht glücklich“ (alles Der Tagesspiegel). „So richtig kann ich mich mit dem Holocaust-Mahnmal noch nicht anfreunden. Wenn auf den Steinen wenigstens Namen stehen würden oder Informationen.“ (Berliner Kurier). „Sie sagt, dass sie das Mahnmal beeindruckend finde, beängstigend, aber auch, dass sie nicht weiß, wie es ohne die Interpretationshilfe auf sie wirken würde“ und „Sie wollen das Richtige empfinden, jetzt, wo sie zwischen den Stelen stehen. Das, von dem sie glauben, dass es von ihnen erwartet wird“ (alles Berliner Zeitung).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Historie des Denkmalbaus und die zentrale Fragestellung nach der Funktionalität des Mahnmals als Kunstwerk.

2. Die öffentliche Debatte und Reaktionen auf das Holocaust-Mahnmal: Detaillierte Betrachtung der medialen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, unterteilt in politische Standpunkte, Pressestimmen und das Nutzerverhalten der Öffentlichkeit.

3. Fazit: Abschließende Bewertung, in der das Denkmal trotz Kontroversen als erfolgreich und integrativer Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur definiert wird.

Schlüsselwörter

Holocaust-Mahnmal, Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Erinnerungskultur, Gedenkstätte, Peter Eisenman, Berlin, Zeitgeschichte, Rezeption, öffentliche Debatte, Stelenfeld, NS-Verbrechen, Mahnmal-Stiftung, Besucher, Identität, Gedenken.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der öffentlichen Aufnahme des Holocaust-Mahnmals in Berlin nach dessen Eröffnung im Jahr 2005 und hinterfragt dessen Funktion als Gedenk- und Kunstobjekt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die offizielle politische Einordnung des Denkmals, das Medienecho der Berliner Presse sowie die Diskrepanz zwischen Besucheranforderungen und der künstlerischen Konzeption von Peter Eisenman.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das Denkmal trotz seines künstlerisch-abstrakten Charakters und der damit einhergehenden Kontroversen seine Funktion als Ort des Gedenkens erfüllen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine medienanalytische Untersuchung, die sich auf die Auswertung zeitgenössischer Zeitungsberichte und Kommentare Berliner Tageszeitungen stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die konträren Positionen von Politikern und Vertretern der Jüdischen Gemeinde, die internationale und lokale Presseresonanz sowie die oft widersprüchlichen Erfahrungen der Besucher im Stelenfeld.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Holocaust-Mahnmal, Erinnerungskultur, Peter Eisenman, Berlin, öffentliche Debatte und Stelenfeld.

Wie reagierten offizielle Stellen auf das "Stelenspielen"?

Verantwortliche wie Hans-Erhard Haverkampf von der Denkmalstiftung reagierten gelassen und interpretierten die Akzeptanz des Denkmals als Teil des Alltagslebens, anstatt das Verhalten strikt zu sanktionieren.

Wird das Denkmal als authentischer Ort wahrgenommen?

Die Arbeit diskutiert, dass das Denkmal per Definition kein "authentischer Ort" der NS-Zeit ist, sondern eher als künstlerischer Impulsgeber für das Nachdenken über die Vergangenheit fungiert.

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Details

Title
Kann ein Kunstwerk als Denkmal für das gewaltige Verbrechen des Holocaust 'funktionieren'?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Grade
1,3
Author
Julian Wittmann (Author)
Publication Year
2009
Pages
13
Catalog Number
V151632
ISBN (eBook)
9783640635955
ISBN (Book)
9783640636334
Language
German
Tags
Denkmal Holocaust Berlin Juden Mahnmal Denkmal für die ermordeten Juden Europas Walser-Bubis-Kontroverse Schlussstrich-Debatte Völkermord Reaktion Erwartungen Kranzabwurfstelle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julian Wittmann (Author), 2009, Kann ein Kunstwerk als Denkmal für das gewaltige Verbrechen des Holocaust 'funktionieren'?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151632
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