Zu den treibenden Kräften der „Verrechtlichung“ der Gesellschaft der Frühen Neuzeit gehörte das Reichskammergericht, welches 1495 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Gewissenhaft wachten deren Richter über die Einhaltung der Constitutio Criminalis Carolina (CCC) von 1532, obwohl sie in Strafsachen ohne Zuständigkeit waren. Die Verwirklichung des Ewigen Landfriedens Kaiser Maximilians 1., der den Angehörigen des Reiches den Rechtsweg befahl, war die richterliche Aufgabe.
Dabei spielte auch die Hexenverfolgung eine Rolle, auch wenn das viel gescholtene „finstere“ Mittelalter da schon lange vorbei war. Etwa 100 Jahre nach Beginn der Frühen Neuzeit erreichte sie ihre Höhepunkte. Welche Möglichkeiten hatten die Verfolgten der Todesstrafe, welche die übliche Strafe darstellte, zu entkommen? Wo fanden sie rechtlichen Schutz? Auf diese Fragen soll folgend eingegangen werden. Vorangestellt ist ein kurzer allgemeiner Abriss von Hexenverfolgung und Hexenprozess.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Zum Begriff der „Hexerei“
3. Zuständigkeit geistlicher und weltlicher Gerichte
4. Die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit
5. Der territoriale Hexenprozess
5.1. Aufkommen des Verdachtes und Verhaftung
5.2. Das geheime Hauptverfahren
5.3. Der öffentliche Gerichtstag
6. Hexenprozesse vor dem Reichskammergericht
6.1. Streitigkeiten über die Hochgerichtsbarkeit
6.2. Zivilrechtliche Appellationen
6.3. Verbalinjurien
6.4. Realinjurie
6.5. Nichtigkeitsprozesse
6.5. Mandatsprozesse
7. Schluss
8. Literatur
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielte das Reichskammergericht bei Hexenprozessen?
Das Reichskammergericht wachte über die Einhaltung rechtlicher Standards, insbesondere der CCC, und bot Möglichkeiten für Revisionen und Appellationen, auch wenn es in Strafsachen eigentlich nicht direkt zuständig war.
Was ist die Constitutio Criminalis Carolina (CCC)?
Die CCC von 1532 war die peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. Sie legte verbindliche Regeln für Strafprozesse im Reich fest, an denen sich auch die Verfahren bei Hexerei orientieren mussten.
Wie war die Zuständigkeit zwischen geistlichen und weltlichen Gerichten verteilt?
In der Frühen Neuzeit verlagerte sich die Verfolgung von Hexerei zunehmend von der Kirche auf weltliche Territorien, wobei lokale Gerichte oft die Hauptlast der Prozesse trugen.
Was versteht man unter einem territorialen Hexenprozess?
Ein solcher Prozess gliederte sich meist in den Verdacht, das geheime Hauptverfahren (oft unter Anwendung von Folter) und den öffentlichen Gerichtstag, an dem das Urteil verkündet wurde.
Welche rechtlichen Mittel gab es, um einem Todesurteil zu entgehen?
Verfolgte konnten versuchen, durch zivilrechtliche Appellationen, Nichtigkeitsbeschwerden oder Mandatsprozesse vor höheren Gerichten wie dem Reichskammergericht Schutz zu finden.
- Arbeit zitieren
- Marie-Therese Härtelt (Autor:in), 2008, Hexenprozesse in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151655