Schule in Bewegung - Warum Kinder profitieren

Rückblick und Bestandsaufnahme


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Zielstellung

2. Das Konzept „Schule“ – gestern
2.1 16. und 17. Jahrhundert – Reformation und Humanismus
2.2 18. und 19. Jahrhundert – Wendemarke für das Schulwesen
2.3 20. Jahrhundert – von Reformpädagogik bis PISA

3. Das Konzept „Schule“ – heute
3.1 veränderte Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen
3.1.1 Der Aspekt „Wohnquartier“
3.1.2 Der Aspekt „Medien“
3.1.3 Der Aspekt „(Frei-)Zeit“
3.1.4 Die Aspekte „Beziehung und Kommunikation“
3.2 Kindliche Aggressionen und Gewalt
3.2.1 Psychologische Entstehungsmodelle von Aggression (Auswahl)
3.2.2 Soziologische Entstehungsmodelle von Aggression (Auswahl)
3.2.3 Entstehung von Aggression im Schulkontext (Auswahl)
3.2.4 Zusammenhang zwischen Gewalt und Bewegungslosigkeit in der Schule
3.3 Bewegung im Kontext „Unterricht“
3.4 Bewegung im Kontext „Schulsport“
3.5 Ganzheitliches Lernen

4. Zwischenresumée

5. Quellen

1. Einleitung

1.1 Problemaufriss

„Bewegung ist die Ortsveränderung eines Körpers in einer bestimmten Zeit.“[1] – rational und nüchtern erklärt. So erschließt sich Bewegung für jeden von uns. Doch was, wenn Bewegung mehr ist, als das bloße von-A-nach-B-kommen? Schauen wir etwas tiefer: „Sich bewegen heißt: Mit sich selbst, mit dem Körper auseinandersetzen; mit Material und Raum Erfahrungen sammeln und die Gesetzmäßigkeiten der Dinge erkennen; mit anderen Kontakt aufnehmen.“[2] Motorische Aktivität ist vor allem bei Kindern unerlässlich im Lernprozess. Zahlreiche Studien aus der Hirnforschung belegen, dass nur in Zusammenhang mit intensiver Sinneserfahrung (etwa anfassen, riechen, hören) Nervenenden im Gehirn tatsächlich besser verknüpft werden können. Denken und Lernen ist kein körperloser Prozess, das ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. In der Praxis ist dies allerdings weitestgehend noch nicht angekommen. Laut Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung haltungs- und bewegungsauffälliger Kinder und Jugendlicher e.V. leiden 43% der Grundschüler an Rücken- und Kopfschmerzen, sogar 48% der Sekundarschüler weisen Haltungsstörungen auf.[3] Kinder werden zudem gewaltbereiter und begegnen ihren Lebensumständen und ihrer Umwelt in den Bewältigungsmöglichkeiten nur noch sehr beschränkt.

Ganz offensichtlich ergibt sich hieraus die Crux: Bewegung ist im Lernprozess bei Heranwachsenden unerlässlich, wenn er nachhaltig und erfolgreich sein soll. Trotzdessen wird in deutschen Klassenzimmern körperliche Lebhaftigkeit und geistige Aktivität immer noch strikt voneinander getrennt.

Niedersachsen startete als erstes deutsches Bundesland 1998 ein Projekt namens „Bewegte Schule“, um wieder Schwung in den Unterricht zu bekommen. Das ist mittlerweile elf Jahre her, viele Schulen wurden erfolgreich auf dieses Konzept umgestellt. Dennoch ist es leider noch nicht bundesweit angekommen.

1.2 Zielstellung

Die wissenschaftliche Arbeit soll im ersten Teil (Melanie Röder) analysieren, wie sich die Betrachtung von Bewegung im kindlichen Schulalltag entwickelt hat und welche Rolle sie im Laufe der Zeit erlangt hat. Sie soll verdeutlichen, dass Schule und Sportpädagogik heute andere Herausforderungen bewältigen müssen und im 21. Jahrhundert neu konzipiert werden sollten. Einige innovative Aspekte werden hier bereits beleuchtet.

Im zweiten Teil (Ricarda Schumann) wird das Konzept „Bewegte Schule“ näher betrachtet, seine Notwendigkeit erklärt und auf die Umsetzung und mögliche Perspektiven eingegangen.

Am Ende soll deutlich sein, welche Bedeutung Bewegung und sinnhaftes Begreifen hat und wie sich „Bewegte Schule“ auf die Lernkultur junger Menschen auswirkt.

2. Das Konzept „Schule“ – gestern

„Das Schulsystem hat eine wichtige Funktion für die Gesellschaft inne. Es sorgt für Bildung und Erziehung der heranwachsenden Generation. Durch die Weitergabe des kulturellen und sozialen Erbes wird zum einen der einzelne zur Teilhabe an der Gesellschaft befähigt und zum anderen der generationsübergreifende Erhalt der Gesellschaft gewährleistet. Schule muss also immer vor dem Hintergrund der Gesellschaft, deren Teil sie ist, reflektiert und analysiert werden.“[4] Inckemann verdeutlicht, wie wichtig es ist, Schule nicht herausgelöst als Institution der Sozialisation und Lehre von Kindern und Jugendlichen zu betrachten, sondern dass Schule immer vor dem Hintergrund der Gesellschaft zu sehen ist. Obwohl die ersten Aufzeichnungen einer organisierten Bildung bis in das Zeitalter der Antike vorliegen, entstanden und änderten sich in Deutschland vor allem in den letzten zwei bis drei Jahrhunderten die Funktionen und Aufgaben des Schulwesen. Alte Ansichten wurden durch neue abgelöst und umgesetzt. Bildungseinrichtungen dienten der Erziehung zu gehorsamen und nutzbaren Staatsbürgern, oder vermittelten weitläufige Kenntnisse und Unabhängigkeit.

Das folgende Kapitel soll einen kurzen – weit von Vollständigkeit entfernten – Abriss der wichtigsten Eckpunkte über die Funktionen und Weiterentwicklung der Schule in den letzten 400 Jahren geben und somit zeigen, dass das Konzept „Schule“ immer wieder vor neuen, notwendigen Herausforderungen steht.

2.1 16. und 17. Jahrhundert – Reformation und Humanismus

Mit der Neuzeit beginnt eine Epoche, die Innovationen, Horizonterweiterungen, ökonomische Ausbreitung und gesellschaftspolitische Veränderungen mit sich bringt. Humanismus, Reformation und katholische Gegenreform, aber auch Empirismus hinterließen neue Spuren im Bildungssystem. Naturwissenschaften, Erdkunde, Teile der Geschichtswissenschaft und Mathematik rücken in den Vordergrund der Lehre. Der Mensch nimmt sich als erkennendes und verstehendes Wesen wahr und wird auch als solches erzogen. Für die Schulbildung bedeuten die reformhumanistischen Strömungen neben religiösen Lehrinhalten (zusammengefasst nach Hamann):

Beginn der gelehrten Laienausbildung/Universitäten (auch wenn nur für die Oberschicht)

Vermittlung von antikem Bildungsgut (z.B. in Lateinschulen)

sprachwissenschaftliche und historische Studien (begünstigt durch humanistische deutsche Schulreformer)

Menschlichkeit als Bildungsziel[5].

In den niederen Schulen, die später in den Dienst des absolutistischen Staates gestellt wurden, lernte man Werte wie Disziplin, Fleiß und Arbeitswillen. Nicht zuletzt war die Schule vor allem auch Ort des Lesen-Lernens.

2.2 18. und 19. Jahrhundert – Wendemarke für das Schulwesen

Das Schulwesen befand sich nun in Staatshand. Allmählich wurde die Schulpflicht für Volksschule eingeführt. Schule war nun kein Privileg mehr, sondern übernahm ernsthafte Aufgaben in der (Aus-)Bildung von Kindern. Besonders Wilhelm von Humboldt forderte 1812 eine Umstellung der Lehrinhalte, bezugnehmend auf den Menschen als Persönlichkeit, der sich in seiner Lebenswelt zurecht finden muss. Erstmals wurden in den Schulen nicht mehr nur theoretische Aspekte vermittelt, sondern auch praktische Arbeiten in den Unterricht aufgenommen. Profitierten die Mädchen vor allem von Hand- und Hausarbeitslehre, genossen die Jungen ein noch geringes Maß an Sachunterricht. Speziell in den Industrie- und Armenschulen des 19. Jahrhunderts lernte man praktisch. Nicht verkennbar, tritt der Aspekt der aktiven Lebens- und Alltagsbewältigung mehr in den Fokus der Volks- und Elementarschule (ganz im Sinne von Schulreformern wie z.B. Johann Heinrich Pestalozzi). Der Schüler soll sich als selbstverantwortliches Subjekt verstehen, das seine Umwelt rege mit beeinflussen kann. Die Umsetzung dessen, vor allem in den Volks- und Elementarschulen, verlief allerdings eher schleppend. Auch wenn die Realisierung zunächst fehl schlug, wurden der Schule erstmals mehr Möglichkeiten angedacht, als der sturen Vermittlung theoretischer Lehrinhalte. Schule entwickelte sich nach und nach mehr zur Ausbildungsstätte, nicht zuletzt, um der Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften insbesondere während der industriellen Revolution gerecht zu werden. Auch mit Überwindung der Ständegesellschaft im 19. Jahrhundert wurde das mittlerweile ausdifferenzierte (Elementar-, Mittel-, Gymnasial- und Berufsschulen) Schulwesen nicht für jedermann zugänglich. Der Schulsport etablierte sich erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Pflichtschulfach, doch „die idealistischen Vorstellungen einer ganzheitlichen Menschenbildung werden von Zielen wie Gesundheitsförderung und Erziehung zu (militärischer) Disziplin und Ordnung abgelöst.“[6]

2.3 20. Jahrhundert – von Reformpädagogik bis PISA

War das Bildungssystem in Deutschland nun standhaft und etabliert, entwickelten Reformpädagogen vor allem in den ersten drei Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts andere Sichtweisen auf die praktische Umsetzung der Lehre. Sie sprachen von Dogmatismus und Schule als Zwangsanstalt, die dem kindlichen Gemüt nur wenig Platz zur Entfaltung lies. Mit den Jugendbewegungen des anfangenden 20. Jahrhunderts begannen junge Menschen, sich aus den Fesseln von Gesellschaft, Eltern und Schule zu befreien. In Bünden wie den „Wandervögeln“ strebte man gemeinsam nach Dynamik und Bewegung. Leichtigkeit, Kreativität und Selbstbestimmung – in der Schule lange schmerzlich vermisst – wurden thematisiert und von den Jugendlichen selbst eingefordert. Erstmals steht der Wunsch nach „ganzheitlicher Bildung“ mit Sport, Musik, Literatur und Zeichnen. Die Umsetzung erfolgte während der Weimarer Republik – wenn auch nur partiell und unvollkommen.

[...]


[1] Simone Gransee, Maria Hoja, Natascha Zimmermann: Bewegung im Vorschulbereich. S. 2, Online im Internet: http://209.85.129.132/search?q=cache:-j3eMBRur6AJ:129.217.206.124/apache2-default/sport/download.php%3Fid%3D473%26datei%3D3+bewegung+im+vorschulbereich&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-a Zugriffsdatum: 29.08.2009.

[2] Ebd., S. 2.

[3] Vgl. BAG für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V.: Faltblatt: Bewegung braucht das Kind… . Online im Internet: http://www.haltungundbewegung.de/fileadmin/bag/binary/fly1.pdf [PDF-Datei]. Zugriffsdatum: 29.08.2009.

[4] Elke Inckemann: Die Rolle der Schule im sozialen Wandel. Rieden 1990, S. 11.

[5] Vgl. Bruno Hamann: Geschichte des Schulwesens. Bad Heilbrunn 1993, S. 41 ff.

[6] Huber, Maria (o.J.) Informationen zur Ausstellung „…auf ihres Körpers Wohl und Bildung seht ihr nicht“ – Schulsport in Deutschland 1970 – 2000, Online im Internet: http://www.sportunterricht.de/lksport/info_sport22.html Zugriffsdatum: 02.08.2009.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Schule in Bewegung - Warum Kinder profitieren
Untertitel
Rückblick und Bestandsaufnahme
Hochschule
Fachhochschule Erfurt  (Fakultät Sozialwesen)
Veranstaltung
Sport und Gewalt
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V151673
ISBN (eBook)
9783640631919
ISBN (Buch)
9783640631810
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich bei diesem Werk um den ersten Teil einer Co-Arbeit zum Konzept "Bewegte Schule", die einzelnen Teile wurden getrennt voneinander bewertet.
Schlagworte
Bewegte Schule, Sportpädagogik, Kindliche Lebenswelten, Aggressionstheorien, kindliche Bewegung, ganzheitliches Lernen, Schule in Bewegung, Schulgeschichte, Schulsport
Arbeit zitieren
Melanie Röder (Autor), 2009, Schule in Bewegung - Warum Kinder profitieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151673

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