Stress - Erhöhte Anforderungen an die Gesellschaftsmitglieder - Was erhält den Menschen gesund?


Hausarbeit, 2010
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Erhöhte Anforderung an die Gesellschaftsmitglieder –Wandel und Einflüsse

3. Stress(-theorie) und Arbeitsbelastungsforschung
3.1 Stress(-theorie)
3.2 Arbeitsbelastungsforschung

4. Was erhält den Menschen gesund?
4.1 Stressbewältigung –Der Umgang mit Stressoren und der Blick auf Ressourcen
4.2 Salutogenese
4.3 Aneignungen von Stressbewältigungsstrategien

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit mit der Thematik: Stress - Erhöhte Anforderungen an die Gesellschaftsmitglieder - Was erhält den Menschen gesund? -, bezieht sich einerseits, Kapitel 2, auf die gegenwärtigen erhöhten Anforderungen die an die Gesellschaftsmitglieder gestellt werden. Welche Veränderungen begünstigen diesen Wandel? Wie wirkt sich jener Wandel auf die Gesellschaftsmitglieder aus? Andererseits bezieht sich die Thematik, Kapitel 3, auf das Phänomen Stress. Was ist Stress eigentlich? Eine allgemeine Reaktionsweise, bedingt durch Stressoren oder eine wechselseitige Auseinandersetzung von Person und Umwelt? Diesbezüglich wird die Stresstheorie, mit unterschiedlichen Ansätzen zum Phänomen Stress, thematisiert. Ist Stress nur bedrohlich oder auch förderlich zur Erreichung individueller Ziele? Folgend wird auf die Arbeitsbelastungsforschung eingegangen, denn es stellt sich die Frage wie sich berufliche Belastungen auf den Menschen auswirken. Das Anforderungs-Kontroll-Modell und das Modell der beruflichen Gratifikationskrise wurden herangezogen. Der nächste Abschnitt, Kapitel 4, geht der Frage nach, was einen Menschen gesund erhält. Zunächst wird die Stressbewältigung thematisiert, sowie der Umgang mit Stressoren und der Blick auf Ressourcen gelegt. Darauf folgend wird das Salutogenese-Konzept Antonovskys aufgezeigt. Was beinhaltet sein Konzept? Was genau kann den Menschen gesund erhalten? Abschließend geht diese Arbeit auf die Stressbewältigungsstrategien ein. Denn es stellt sich die Frage wo Bewältigungsstrategien ansetzen sollten.

2. Erhöhte Anforderung an die Gesellschaftsmitglieder –Wandel und Einflüsse

In modernen Gesellschaften unterliegt die Erwerbsarbeit seit mehreren Jahrzehnten erheblichen strukturellen, technologischen und soziodemografischen Wandlungsprozessen. So vollzeiht sich aus volkswirtschaftlicher Perspektive ein Strukturwandel von einer produktions- hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Jean Fourastié, französischer Ökonom und Soziologe, entwickelte 1949 die berühmte Drei-Sektoren-Hypothese des sozioökonomischen Wandels, mit der grundlegende langfristige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft beschrieben und erklärt werden (Vgl. Geißler (20085): 163.). Ausgangspunkt dieser Theorie ist die Einteilung der Produktionsstruktur in drei Sektoren, die bereits Colin Clark 1940 vorgenommen hatte: (ebd.)

- in einen primären Sektor der Produktgewinnung (insbesondere Landwirtschaft, auch Forstwirtschaft, Fischerei),
- in einen sekundären Sektor der Produktverarbeitung (Industrie und Handwerk, meist einschließlich Bergwerk und Baugewerbe) und
- in einen tertiären Sektor der Dienstleistungen (Handel, Verkehr, Kommunikation, Verwaltung, Bildung, Wissenschaft, Beratung, Sozial- und Gesundheitswesen u.a.).

So besagt die Drei-Sektoren-Hypothese, dass sich in allen Gesellschaften der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit zunächst vom primären auf den sekundären und anschließend vom sekundären auf den tertiären Sektor verlagert. Agrargesellschaften werden zunächst Industriegesellschaften und jene schließlich zu Dienstleistungsgesellschaften. Die gegenwärtige Schwerpunktverlagerung zum tertiären Sektor ist mit wichtigen Veränderungen in der Sozialstruktur, im Schichtgefüge und in den Lebens- und Arbeitsbedingungen verknüpft.

Der Bedarf an unmittelbar kundenorientierte Arbeitstätigkeiten und personenorientierte Dienstleistungen nehmen stetig zu. Es existiert ein Strukturwandel in Richtung wissensintensiver Dienstleistungsberufe, jenes geht mit veränderten Anforderungen an Arbeitstätige einher. Der Dienstleistungsbereich ist durch kommunikativen Austausch geprägt, diese Interaktionen stellen hohe soziale und emotionale Anforderungen da, die in Belastungen umschlagen können. Somit steigt der Bedarf an Soft Skills bzw. Schlüsselkompetenzen, wie Teamfähigkeit, Entscheidungsfreude, Erfolgsorientierung, Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit (Vgl. Barholdt/Schütz (2010): 5.). Wenn die Beanspruchungen in Belastungen umschlagen entsteht u.a. Stress. Stress wird gegenwärtig immer häufiger als Volkskrankheit bezeichnet. So ergab eine repräsentative Befragung durch die Techniker Krankenkasse, dass von rund 1000 Befragten rund 50% gelegentlich, 22% häufig und 10% ständig gestresst sind (Vgl. ebd.).

Es gilt aufzuzeigen, dass es nicht nur immense Unterschiede im Bereich der Chancen stabiler Beschäftigung und der beruflichen Weiterentwicklung gibt, sondern auch die Qualität der alltäglichen Erwerbsarbeit nach sozialer Lage ungleich verteilt sind. Siegrist und Theorell betonen diesbezüglich, dass selbst unter Bedingungen entwickelter Industrie- und Dienstleistungsarbeit, ein ausgeprägter sozialer Gradient zu finden sei (Vgl. Siegrist/Thorell (2006): zit.n. Siegrist (2007): 17.). Die Qualität der Erwerbsarbeit übt einen tiefgreifenden Einfluss auf die Gesundheit aus, …„sowohl wegen der durchschnittlichen langen Expositionszeit wie auch wegen der durchschnittlichen Bedeutung des Berufs für Wohlstand, sozialen Status und Lebensqualität.“ (Siegrist (2007): 18.). Siegrist beschreibt, dass Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter einen schlechteren Gesundheitszustand aufweisen als jene in der Mitte und diese wiederum weisen einen schlechteren Gesundheitszustand auf als jene am oberen Ende der sozialen Leiter. Er betont die Morbidität und Mortalität des sozialen Gradienten in modernen Gesellschaften, welche vorliegen (Vgl. Siegrist/Marmot (2008): 18.).

Die Beanspruchung des Menschen ist sehr komplex, laut Kretschmann hängt die Beanspruchung des Menschen nicht alleine von den Belastungen die ihm/ihr entgegentreten ab, sondern auch von den individuellen Zielen, von der Art wie sie vorgefundene Situationen wahrnehmen und interpretieren, vom Selbstmanagement und individuellen Bewältigungsstrategien, ihrem Gesundheitszustand, psychischer Konstitution und den Lebensumständen der Einzelnen und zusätzlich von ihren privaten Lebensbedingungen bzw. außerberuflichen Belastungen (Vgl. Kretschmann (1997) zit.n. Kosinar (2006): 21.).

Die erhöhten Anforderungen die denn Gesellschaftsmitgliedern entgegentreten müssen verarbeitet und bewältigt werden, damit sie keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen erleiden. Folgend wird im Kapitel 3 das Stressphänomen, sowie die Arbeitsbelastungsforschung thematisiert. Sie stellen den Zusammenhang zu Kapitel 2 her und leiten thematisch zu Kapitel 4, Was erhält den Menschen gesund?, über.

3. Stress(-theorie) und Arbeitsbelastungsforschung

In diesem Kapitel wird auf die Entwicklung der Stressforschung, sowie auf die Arbeitsbelastungsforschung eingegangen. Beide Bereiche sind eng mit der Thematik im Kapitel 2, Wandlungsprozesse der Gesellschaft und deren gesundheitliche Auswirkung auf die Gesellschaftsmitglieder, sowie das erforschen der Belastungsebene, verknüpft.

3.1 Stress(-theorie)

Der Stressbegriff ist sehr allgemein, abstrakt beschreibend statt erklärend. Die Ursache für den hohen Allgemeinheitsgrad ist in der Geschichte des Begriffes zu suchen. Denn ursprünglich bezog sich Stress, nach Seyle, auf allgemeine Reaktionsweisen, später bezog sich die Forschung auf die auslösenden Reizreaktionen, Stressoren, aktuelle Ansätze verfolgen die prozesshafte wechselseitige Auseinandersetzung von Person und Umwelt nach Lazarus. (Vgl. Schwarzer (2000): 11.).

Erstmalig wurde der Begriff Stress durch den Physiologen Hans Seyle geprägt, für ihn sei Stress die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird (Vgl. Seyle 1983, S.38. Zit. In: Kretschmann (2006): 21.). Seyle, der Ur-Vater der Stressforschung, stieß durch einen Forschungsfehler auf das Phänomen Stress. Als Assistenzprofessor an der englischen Universität in Montreal griff er seine Idee aus dem zweiten Jahr seines Medizinstudiums wieder auf, dass möglicherweise alle Erkrankungen eine schwere Belastung des Körpers, der immer wieder auf die gleiche Art darauf reagiert, zugrunde liegt. Auf der Suche nach einem bis dahin unbekannten Eierstockhormon führte er Experimente durch, bei denen er Ratten ein Hormon, das aus Eierstöcken von Kühen gewonnen worden war, injizierte. Die Ergebnisse waren verblüffend, denn die Tiere zeigten Symptome die mit keinem anderen Hormon hervorgerufen werden konnten. Wie die Vergrößerung der Nebennierenrinde, Schrumpfung von Milz, Thymusdrüse, Lymphknoten und andere Strukturen des Lymphsystems, sowie tiefe, blutende Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Jahre später sollte dieser Symptomkomplex als Stresstriade in die Geschichte eingehen. Es kam in einer großangelegten Studie aller Professoren des Instituts zu einem sonderbaren Ergebnis, je geringer die Erfahrung der Professoren desto stärker war die Reaktion der Raten. Es folgten eine Reihe von Untersuchungen, so besorgte sich Seyle Extrakte aus verschiedenen Körperteilen von Kühen, jedoch waren diese genauso wirksam wie die aus den Eierstöcken, es musste demnach etwas anderes die beobachteten Symptome ausgelöst haben. Zufällig fiel der Blick Seyles auf den Formaldehyd, einer giftigen Substanz, denn auch die Organe die er für seine Studie verwendet hatte, waren in Formaldehyd eingelegt gewesen. Er kam auf die Idee, dass die Reaktionen der Ratten nicht vom injizierten Hormon herrührten, sondern durch die Verunreinigung der Präparate hervorgerufen wurden. Jenes hätte den Zusammenhang zwischen der Schwere der Reaktion und mit dem Erfahrungsgrad der Professoren erklärt, je unerfahrener bei der Herstellung des Präparates desto eher kommt es zu Verunreinigungen mit Formaldehyd. So könnte die Reaktionstriade mit der Giftigkeit der injizierten Substanz abhängen. Es stellte sich jedoch heraus, dass nicht die Giftigkeit entscheidend war, sondern die Art der Injektion. So ließ sich die unterschiedliche Schwere der Reaktion dadurch erklären, dass erfahrene Professoren die Extrakte schmerzloser injizierten als der akademische Nachwuchs des Instituts. Wurden die Raten frustriert, an ihrer Fortbewegung gehindert oder auf andere Weise gequält, zeigten sie dieselbe Reaktion. Diese Wirkung entstand weder durch das Eierstockhormon noch durch eine Vergiftung. So schien jede Form von Belastung bei den Tieren zu diesen Folgen zu führen. So wurde die Reaktion, auf unangenehme oder bedrohliche Situationen, als Stressreaktion bezeichnet. (Vgl. Allenspach/Brechbühler (2005): 25.).

Die Reaktionen des Körpers auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird nannte Seyle unspezifisch, weil nach dem damaligen Stand der Erkenntnis alle Formen von Belastung oder erhöhter Anforderung neben situationsspezifischen Prozessen weitgehend ähnliche Reaktionsmuster abzulaufen schienen. Nämlich die erhöhte Aufmerksamkeit und das damit einhergehende bereitstellen von Energien für eine umfangreiche motorische Reaktion. Seyle nahm somit an, dass es bestimmte Stressoren gibt, durch deren Art und Stärke bei den meisten Menschen die gleichen Reaktionen ausgelöst werden. (Vgl. Kretschmann (2006): 21). Doch jene Vorstellung, der völligen Unspezifität der Stressreaktion, hat sich in späteren Untersuchungen nicht aufrechterhalten lassen (Vgl. Nitsch (1981) zit.n. ebd.).

Allenspach und Brechbühler betonen, dass im Prinzip die Annahmen von Seyle nicht falsch seien, doch sein Stress-Modell dem Menschen als ein komplexes Wesen in einer Stresssituation nicht vollumfänglich gerecht wird und sollte aufgrund dessen nur als grundsätzliches Orientierungsmodell dienen (Vgl. Allenspach/Brechbühler (2005): 28.).

Die klassische Stresstheorie hat im Zuge nach Stressoren gesucht, d.h. nach Ereignissen die individuell Stress auslösen können, doch die Ergebnisse waren nicht eindeutig. Einerseits führten gleiche Stressoren bei verschiedenen Personen zu unterschiedlichen Stressreaktionen und andererseits wurde entdeckt, dass manche Personen Stressreaktionen ausbildeten, obwohl keine für andere erkennbaren Stressoren vorlagen (Vgl. Kretschmann (2006): 23.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Stress - Erhöhte Anforderungen an die Gesellschaftsmitglieder - Was erhält den Menschen gesund?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V151696
ISBN (eBook)
9783640632084
ISBN (Buch)
9783640632022
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stress, Stressbewältigung, Anforderungen, Gesellschaft, Gesundheitserhalt, Salutogenese, Antonovsky, Lazarus
Arbeit zitieren
Bachelor Annika Schelle (Autor), 2010, Stress - Erhöhte Anforderungen an die Gesellschaftsmitglieder - Was erhält den Menschen gesund?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151696

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