Inwiefern und aufgrund welcher Ursachen, unterscheiden sich Studierende mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland hinsichtlich ihrer Bildungsaspiration und ihrer Leistung im Studium?
Im ersten Abschnitt wird die Theorie von Raymond Boudon der primären und sekundären Herkunftseffekte dargestellt. Hierauf wird die Fragestellung dieser Arbeit, und daraufhin die Unterschiede Studierender mit Migrationshintergrund in Deutschland erläutert. Die Fragestellung wird dann in den folgenden Kapiteln beantwortet, indem auf die Unterschiede in den Leistungen und in den Bildungsaspirationen eingegangen wird. Die Ergebnisse werden abschließend diskutiert und in der Reflexion gemeinsam mit dem Arbeitsprozess des Schreibens reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie primärer und sekundärer Herkunftseffekte nach Raymond Boudon
2.1. Primäre Herkunftseffekte
2.2. Sekundäre Herkunftseffekte
2.3. Erweiterung der Theorie durch Kristen und Dollmann
3. Fragestellung
4. Unterschiede Studierender mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland
4.1. Leistungsspezifische Unterschiede und ihre Ursachen
4.2. Unterschiede in den Bildungsaspirationen und ihre Ursachen
5. Diskussion
6. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Auswirkungen des Migrationshintergrunds auf die Studienleistungen sowie die Bildungsaspirationen von Studierenden in Deutschland zu untersuchen und die zugrunde liegenden Ursachen kritisch anhand der Theorie von Raymond Boudon zu hinterfragen.
- Anwendung der Theorie primärer und sekundärer Herkunftseffekte auf den tertiären Bildungsbereich.
- Analyse migrationsspezifischer Leistungsdisparitäten und deren Einflussfaktoren.
- Untersuchung von Bildungsaspirationen unabhängig von sozioökonomischem Status.
- Kritische Reflexion der Datenlage und Definition von Migrationshintergrund.
Auszug aus dem Buch
2. Theorie primärer und sekundärer Herkunftseffekte nach Raymond Boudon
Raymond Boudon, ein einflussreicher Soziologe und Philosoph des 20. Jahrhunderts, setzte sich mit den Selektionsentscheidungen im Bildungssystem auseinander und untersuchte diese. Hierbei analysierte er herkunftsspezifische Unterschiede in der Bildungsbeteiligung. Bereits sein im Jahr 1970 veröffentlichter mikrosoziologische Ansatz zur Wahl von Bildungswegen, konnte eine Theorie vorlegen, welche die Möglichkeit bietet den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsungleichheit und die Entstehung sozialer Disparitäten in der Bildungsbeteiligung zu erklären. Die Theorie des französischen Soziologen basiert auf den Annahmen der Werterwartungstheorie, deren Basis das Kalkulieren der Entscheidungsfindung in Hinblick auf Kosten und Nutzen verschiedener Bildungswege, darstellt. Die Annahme ist hierbei, dass jene Möglichkeit ausgewählt wird, welche den höchsten Nutzen verspricht (vgl. Kristen, 1999, Boudon, 1974).
„Boudon identifiziert somit Merkmale, aus denen sich die Entstehung der unterschiedlichen Bildungsentscheidungen erklärt, indem er den Zusammenhang zwischen den schulischen Leistungen der Schüler, den Selektionsmechanismen des Bildungssystems und dem elterlichen Entscheidungsverhalten aufzeigt.“ (Bellin et al., S.33). Eine essenzielle Rolle spielen also auch die mit der sozialen Herkunft assoziierten schulischen Leistungen, die auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sind. Diese werden unter anderem durch die niedrigere Ausstattung mit kulturellem, sozialem oder ökonomischem Kapital des Elternhauses erklärt. Die Unterstützung der Eltern durch direkte Hilfe bei Schwierigkeiten, die Ermöglichung einer förderlichen Lernumgebung oder die Ausübung kultureller Aktivitäten werden bei Personen einer niedrigeren sozialen Schicht kaum bis überhaupt nicht geboten. Somit entstehen bereits im Bereich der vorschulischen Voraussetzungen Disparitäten (vgl. Maaz & Nagy, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik sozialer Bildungsungleichheit ein und verortet das Thema im Kontext der aktuellen Migrationsforschung sowie der Theoriebildung von Raymond Boudon.
2. Theorie primärer und sekundärer Herkunftseffekte nach Raymond Boudon: Dieses Kapitel erläutert die soziologischen Grundlagen von Boudons Theorie und deren Erweiterung durch neue Ansätze zur ethnischen Herkunft.
3. Fragestellung: Hier wird das spezifische Forschungsinteresse formuliert, welches die Anwendbarkeit der Theorie auf den tertiären Bildungssektor und die Reflexion über dessen Disparitäten fokussiert.
4. Unterschiede Studierender mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland: Dieser Hauptteil analysiert empirische Befunde zu Leistungsunterschieden und Bildungsaspirationen unter Berücksichtigung verschiedener Risikofaktoren.
5. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Komplexität der Datenlage und die Schwierigkeiten, aufgrund heterogener Definitionen und mangelnder Forschung im tertiären Bereich allgemeingültige Aussagen zu treffen.
6. Reflexion: Der Autor resümiert die Ergebnisse, stellt die Limitationen der eigenen Recherche dar und identifiziert weiteren wissenschaftlichen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Migrationshintergrund, Raymond Boudon, Herkunftseffekte, Bildungsaspiration, Studienleistung, tertiärer Bildungsbereich, soziale Disparitäten, Studienabbruch, Bildungsbeteiligung, Zuwanderungsoptimismus, Integration, Leistungsdisparität, Bildungszertifikate, Selektionsmechanismen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, inwiefern sich Studierende mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland hinsichtlich ihrer Leistungen und Bildungsaspirationen unterscheiden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die soziale Herkunft, die Bedeutung von Bildungszertifikaten, migrationsspezifische Leistungsunterschiede sowie der Einfluss von Herkunftseffekten auf Bildungsentscheidungen im späteren Bildungsverlauf.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, Ursachen für bestehende Disparitäten zu identifizieren und zu prüfen, ob die soziologische Theorie von Raymond Boudon zur Erklärung dieser Unterschiede im tertiären Bildungssektor geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Literaturanalyse, die auf bestehenden empirischen Studien und sozialwissenschaftlichen Modellen zur Bildungsungleichheit basiert.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Unterschiede zwischen Studierendengruppen, beleuchtet Risikofaktoren für Studienabbrüche und untersucht, warum Studierende mit Migrationshintergrund trotz teils schlechterer Leistungen oft höhere Bildungsaspirationen aufweisen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten beschreiben?
Zentrale Begriffe sind Bildungsungleichheit, Migrationshintergrund, Herkunftseffekte, Bildungsaspiration und Studienleistungen.
Warum ist das Thema des tertiären Bildungsbereichs so komplex?
Der tertiäre Bereich ist im Vergleich zu früheren Bildungsstufen weniger intensiv erforscht, zudem sind Datensätze zur Migrationsbiografie von Studierenden oft mit Unsicherheiten bezüglich der Definition und Fallzahlen behaftet.
Was bedeutet der Begriff Zuwanderungsoptimismus in diesem Kontext?
Er beschreibt die Beobachtung, dass Studierende mit Migrationshintergrund trotz widrigerer Startbedingungen eine stärkere Motivation zeigen, ein Studium aufzunehmen, um soziale Abwärtsmobilität zu vermeiden.
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- Iman Meister (Author), 2024, Migrationsspezifische Unterschiede und Bildungsaspirationen von Studierenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1517044