Hilfe für Katastrophenopfer und Flüchtlinge im Ausland stellt einen wesentlichen humanitären Beitrag dar. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass diese Hilfe auch enorme Auswirkungen auf die Helfer selbst haben kann.
Seit Anfang der 90-er Jahre ist eine beträchtliche Anzahl von Untersuchungen verfügbar, die über die gesundheitlichen Veränderungen von Helfern nach Einsätzen berichten. Aus den Erkenntnissen dieser Untersuchungen sind spezifische Stressverarbeitungsmaßnahmen für Einsatzkräfte entwickelt worden (CISM - Critical incident stress management; Mitchell und Everly, 1998). Es liegen jedoch kaum Untersuchungen über Stressbelastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften nach einem Auslandseinsatz vor. Ziel der geplanten Untersuchung ist es, die vorhandenen Belastungen und Bewältigungsstrategien anhand von narrativen Interviews zu erfassen um daraus adäquate Stressverarbeitungsmaßnahmen für Einsatzkräfte nach Auslandseinsätzen abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Inhaltliche Kurzbeschreibung
1.2. Begriffsdefinition
Einsatz
Einsatzkraft
Auslandseinsatz
1.3. Entstehung meiner Arbeit
2. Belastungen und Bewältigungsstrategien
2.1. Stress
2.1.1. Stresstheorien
2.1.1.1. Selyes Theorie
2.1.1.2. Lazarus kognitives Modell
2.1.1.3. Stressoren
2.1.1.4. Bewertung von Stressoren
2.1.1.5. Stressursachen
2.1.1.6. Stressreaktionen
2.1.2. Arten von Stress
2.1.2.1. Normaler Stress
2.1.2.2. Kumulativer Stress
2.1.2.3. Burnout
2.1.2.4. Einsatzstress
2.1.2.5. Traumatischer Stress
2.1.3. Schutzmechanismen von Einsatzkräften
2.1.4. Traumaverarbeitung
2.1.4.1. Phasen der Traumaverarbeitung nach Horowitz (1997)
2.1.4.2. Kognitive Desorganisation durch Informationsüberlastung
2.1.4.3. Phasen der Traumaverarbeitung bei Einsatzkräften
2.2. Belastungen von Einsatzkräften
2.2.1. Belastungen im Einsatz
2.2.2. Belastungen im Auslandseinsatz
2.2.3. Belastungen im Flüchtlingslager
2.2.4. Sekundäre Traumatisierung bei Einsatzkräften
2.3. Bewältigungsstrategien (Copingstrategien)
2.3.1. Grundannahmen von Menschen
2.3.2. Grundannahmen von Einsatzkräften
2.3.3. Copingstrategien allgemein
2.3.4. Copingstrategien von Einsatzkräften
2.4. Akute Belastungsreaktion (ABR), akute Belastungsstörung (ABS) und Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
2.4.1. Definition von Trauma
2.4.2. Geschichte von PTBS
2.4.3. Historischer Rückblick auf die verschiedenen Klassifikationen der PTBS
2.4.4. Akute Belastungsreaktion
2.4.5. Akute Belastungsstörung
2.4.6. Posttraumatische Belastungsstörung
2.4.7. Prävalenz der PTBS
2.4.8. Prävention einer PTBS
2.4.8.1. Vor dem Einsatz
2.4.8.2. Während des Einsatzes
2.4.8.3. Nach dem Einsatz
3. SvE-Maßnahmen
3.1. Was ist SvE?
3.2. Ziele der SvE-Maßnahmen
3.3. Einzelgespräch (nach dem SAFE-R-Modell)
3.4. Einsatzbegleitendes Angebot (On Scene Support)
3.5. SvE-Einsatzabschluss (Demobilisation)
3.6. SvE-Kurzbesprechung (Defusing)
3.7. SvE-Nachbesprechung (Debriefing)
3.8. Nachfolge-Angebot
4. Fragestellung der vorliegenden Untersuchung
5. Untersuchungsmethodik
5.1. Interviewtechnik
5.1.1. Narratives Interview
5.1.2. Interviewleitfaden
5.2. Untersuchungsdurchführung
5.3. „Grounded Theory“
5.3.1. Ziel der Grouded Theory
5.3.2. Offenes Kodieren
5.3.3. Axiales Kodieren
5.3.4. Selektives Kodieren
6. Untersuchungsergebnisse
6.1. Ablauf des Auslandseinsatzes in Albanien
6.1.1. Einsatzablauf
6.1.2. Arbeitsbereiche
6.2. Beschreibung der Stichprobe
6.3. Ergebnisse der Interviews
6.3.1. Ergebnisse des offenen Kodierens (Kategorienliste)
6.3.1.1. Bedingungen
6.3.1.2. Kognitive Bewertung
6.3.1.3. Subjektives Erleben
6.3.1.4. Strategien
6.3.2. Ergebnisse des axialen Kodierens (Schlüsselkategorie)
6.3.2.1. Unterschiede zwischen Personen mit höherer bzw. geringerer Stressintensität
6.3.2.2. Gemeinsamkeiten aller interviewten Personen
Impfungen
6.3.2.3. Schlüsselkategorien
7. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse (selektives Kodieren und bilden von Kernkategorien)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spezifischen Belastungsfaktoren und die entsprechenden Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften während und nach einem Auslandseinsatz. Ziel ist es, auf Basis narrativer Interviews mit fünf Hilfskräften des Auslandseinsatzes in Albanien (1999) Erkenntnisse zu gewinnen, um die Stressprävention und Nachsorgemaßnahmen für Einsatzorganisationen zu optimieren.
- Psychologische und physische Stressbelastungen im Auslandseinsatz
- Bewältigungsstrategien (Coping) von Einsatzkräften
- Schutzmechanismen und deren Reaktivierung
- Evaluierung von Stressverarbeitungsmaßnahmen (SvE)
- Bedeutung von Vorbereitung, Briefing und Nachbereitung (Debriefing)
Auszug aus dem Buch
2.1. Stress
5. Juli 1999, früher Nachmittag. Nach einem arbeitsreichen, harten und hektischen Vormittag sind zwei Kollegen und ich von unserem Arbeitsplatz unterwegs zum Mittagessen. Ca. 70 Meter vor dem Speisezelt angekommen, sind plötzlich Schüsse aus unmittelbarer Nähe zu hören. Nicht zuordenbare Schreie begleiten den Schusswechsel. Aus allen Richtungen hören wir Zurufe: „Auf den Boden, schmeißt euch auf den Boden!“. Wir suchen nicht lange nach Deckung, werfen uns auf den Boden. Eine angespannte Stimmung ist zu vernehmen. Bundesheersoldaten laufen kreuz und quer, im Umkreis von 25 Metern hören wir laufend Munition in den Boden einschlagen. Bundesheersoldaten reichen uns Schutzwesten und Helme, welche wir sofort anziehen.
Wenige Minuten später ist wieder alles ruhig. Immer noch laufen Soldaten von einem Unterstand zum nächsten. Noch Stunden später tragen viele unserer Mitarbeiter ihre Schutzwesten und Helme – einige davon versuchen sogar mit dieser Schutzkleidung zu schlafen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert den humanitären Kontext von Auslandseinsätzen und stellt die Relevanz der Stressforschung für Einsatzkräfte sowie die methodische Herangehensweise dar.
2. Belastungen und Bewältigungsstrategien: Dieser theoretische Teil beleuchtet Stressmodelle, verschiedene Stressarten, Schutzmechanismen und die spezifischen Herausforderungen im Auslandseinsatz, inklusive PTBS-Prävention.
3. SvE-Maßnahmen: Hier werden die Konzepte zur Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen (SvE) wie Einzelgespräche, Defusing und Debriefing im Detail beschrieben.
4. Fragestellung der vorliegenden Untersuchung: Es wird die zentrale Forschungsfrage nach den spezifischen Belastungen und Bewältigungsstrategien im Auslandseinsatz formuliert.
5. Untersuchungsmethodik: Das Kapitel beschreibt den Einsatz des narrativen Interviews und die Analyse mittels der Grounded Theory.
6. Untersuchungsergebnisse: Basierend auf Interviews werden Bedingungen, kognitive Bewertungen und Strategien analysiert und die Ergebnisse der Fallbeispiele diskutiert.
7. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse (selektives Kodieren und bilden von Kernkategorien): Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung von Vorbereitung, Nachbereitung und angemessener Unterbringung.
Schlüsselwörter
Auslandseinsatz, Stressbelastung, Bewältigungsstrategien, Coping, Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen, SvE, PTBS, Traumaverarbeitung, Gruppengespräche, Einsatzkraft, Stressprävention, Debriefing, Krisenintervention, psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit untersucht die psychischen Belastungen von Einsatzkräften, die bei humanitären Auslandseinsätzen tätig sind, und analysiert, wie diese mit dem Stress umgehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt Themen wie Stressmanagement, psychologische Schutzmechanismen, die Klassifizierung traumatischer Belastungsstörungen und die Wirksamkeit von SvE-Interventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, basierend auf den Erfahrungen der befragten Helfer, Empfehlungen für adäquate Stressverarbeitungsmaßnahmen abzuleiten, um Einsatzkräfte nach Auslandseinsätzen bestmöglich zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine qualitative Methodik, konkret das narrative Interview, kombiniert mit einer Analyse nach der Grounded Theory, um individuelle Erfahrungen systematisch auszuwerten.
Was sind die Kernpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil deckt sowohl theoretische Grundlagen der Stresspsychologie als auch den konkreten Einsatzablauf im "Österreichcamp" in Albanien ab, wobei besonderer Wert auf die Auswertung der Probandeninterviews gelegt wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Forschung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die "Einsatzerfahrung", "Vorbereitung (Briefing)", "Nachbereitung (Debriefing)" und die "Güte des Lagers" als präventive Faktoren.
Warum ist die "Güte des Lagers" für den Autor so wichtig?
Die Ergebnisse zeigen, dass die materielle und soziale Ausstattung des Lagers eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden spielt und als wesentlicher Faktor für die Stressprävention dient.
Wie bewertet der Autor die Nachbereitung des Auslandseinsatzes?
Der Autor kritisiert das in seinem Fall durchgeführte Nachsorge-Debriefing als mangelhaft und betont, dass für die Teilnehmer das Gefühl, ernst genommen zu werden, entscheidend für eine gelungene Verarbeitung ist.
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- Christian Schönherr (Author), 2003, Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15171