Die menschliche Sexualität ist in der Natur etwas Einzigartiges, denn sie umfaßt weit mehr als den reinen Geschlechts- und Zeugungsakt. Sie sagt etwas über die gesamte Persönlichkeit aus, über unsere Entwicklungsgeschichte, über unsere sexuellen Gefühle und unser Sexualverhalten. Sie verlangt, daß wir lernen, denken, planen, uns in Geduld üben, moralische Wertvorstellungen entwickeln und Entscheidungen treffen. Eine frühzeitige Erziehung zur Sexualität und später zur Liebesfähigkeit ist daher von großer Bedeutung.
Das Kind ist vom Augenblick der Geburt an ein Wesen, das eine eigene Sexualität hat. Sie ist genauso artspezifisch wie die angeborene Fähigkeit des Menschen, aufrecht zu gehen und zu sprechen. Es wird zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität unterschieden: ,,Diese Differenz läßt sich zunächst als Differenz der Funktionen fassen: Die Fortpflanzungsfunktion trifft auf die kindliche Sexualität nicht zu, die soziale und die Lust-Funktion, also die erotischen Funktionen von Sexualität aber durchaus."1
Inwieweit Kinder im Vorschulalter über das Thema ,,Sexualität" Bescheid wissen und wie sich ihr Verhalten diesbezüglich äußert, wird in dieser Arbeit dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Quellen des Sexualwissens
3. Sexualwissen von Vorschulkindern
3.1 Wissen über Geschlechtsunterschiede, Geschlechtsidentität und Geschlechtsorgane
3.2 Der Kenntnisstand in den Themenbereichen Zeugung, Schwangerschaft und Geburt
3.3 Kenntnisse über sexuelles Verhalten von Erwachsenen
4. Sexualverhalten von Vorschulkindern
4.1 Autoerotisches Verhalten
4.2 Soziosexuelle Handlungen
5. Schluß
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Entwicklungsstand des Sexualwissens sowie die Ausprägungen des Sexualverhaltens bei Kindern im Vorschulalter, um die Notwendigkeit einer offenen und sachlichen Aufklärung durch die Eltern zu begründen.
- Wissensquellen und Informationsvermittlung zur kindlichen Sexualität
- Entwicklung des Wissens über Geschlechtsidentität und körperliche Unterschiede
- Verständnis von biologischen Prozessen wie Zeugung, Schwangerschaft und Geburt
- Unterscheidung und Einordnung autoerotischer sowie soziosexueller Verhaltensweisen
Auszug aus dem Buch
4.1 Autoerotisches Verhalten
„Autoerotisches Verhalten bedeutet im weiteren Sinn die Ausrichtung der Libido auf den eigenen Körper, d.h. die Erlangung sexueller Befriedigung ohne andere Personen oder Objekte (im Unterschied zur Alloerotik). So stellt etwa die Selbstbefriedigung ein autoerotisches Verhalten da. Im engeren Sinne (nach psychoanalytischer Auffassung) ein frühkindliches Sexualverhalten, bei dem ein Partrieb direkte Befriedigung findet, ohne äußeres Objekt und ohne Beziehung zu einem komplexen Körperbild.“
Schon im 1. Lebensjahr beginnen Kinder ihren Körper, d.h. ihre Genitalien zu entdecken und entwickeln ein besonderes Interesse für ihn. Sie untersuchen ausführlich ihre eigenen Geschlechtsorgane und stellen dabei fest, daß die Behrührung Lust und Befriedigung auslöst.
Die üblichste Form früher Onanie im engeren Sinne ist bei Mädchen das zielgerichtete Spielen mit den Fingern an den Genitalien, besonders an der Klitoris. Das Kind führt rhythmische Bewegungen aus und versucht die Genitalien am Bett, oder sonst einem Gegenstand zu reiben. Bei Knaben erfolgt Onanie durch gezielte Manipulation. Diese Techniken können schon beim Kleinkind zum Orgasmus führen, wobei das Spielen an Genitalien keineswegs eine zielgerichtete Masturbation ist.
Die autoerotische Betätigung wird bei kleinen Kindern noch nicht sehr häufig beobachtet, sie gewinnt nämlich erst mit zunehmenden Alter an Bedeutung. Die Verbreitung der Masturbation bei Mädchen ist wesentlich geringer, als die der Jungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der menschlichen Sexualität als Teil der Persönlichkeitsentwicklung und betont die Notwendigkeit frühzeitiger pädagogischer Aufklärung.
2. Die Quellen des Sexualwissens: Dieses Kapitel analysiert die Rolle von Eltern, insbesondere der Mutter, als primäre Informationsquelle für Kinder und thematisiert die Schwierigkeiten der Aufklärung.
3. Sexualwissen von Vorschulkindern: Hier wird der Kenntnisstand der Kinder zu Geschlechtsidentität, biologischer Zeugung und den sexuellen Verhaltensweisen von Erwachsenen detailliert dargelegt.
3.1 Wissen über Geschlechtsunterschiede, Geschlechtsidentität und Geschlechtsorgane: Das Kapitel beschreibt, wie Kinder ihr eigenes Geschlecht und das anderer zuordnen und welche Begriffe sie zur Benennung der Genitalien verwenden.
3.2 Der Kenntnisstand in den Themenbereichen Zeugung, Schwangerschaft und Geburt: Hier werden die kindlichen Vorstellungen über die biologische Entstehung von Babys und die Rolle der Eltern beleuchtet.
3.3 Kenntnisse über sexuelles Verhalten von Erwachsenen: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Kinder in diesem Bereich nur sehr geringe Kenntnisse besitzen und sexuelle Aktivitäten häufig mit Schmusen oder Küssen assoziieren.
4. Sexualverhalten von Vorschulkindern: Diese Sektion kategorisiert das kindliche Sexualverhalten in autoerotische und soziosexuelle Handlungsformen.
4.1 Autoerotisches Verhalten: Das Kapitel erklärt die Bedeutung der Libidoausrichtung auf den eigenen Körper und die Entwicklung der kindlichen Selbstexploration.
4.2 Soziosexuelle Handlungen: Hier werden die sogenannten „Doktorspiele“ und das soziale Interesse an der Anatomie des jeweils anderen Geschlechts beschrieben.
5. Schluß: Das Fazit unterstreicht, dass eine sexualbejahende Erziehung und Vertrauensbildung zwischen Eltern und Kind wesentlich zur gesunden Entwicklung beitragen.
Schlüsselwörter
Sexualität, Vorschulkinder, Sexualaufklärung, Geschlechtsidentität, Sexualwissen, Autoerotik, Soziosexualität, Doktorspiele, kindliche Entwicklung, Elternrolle, Genitalien, Sexualverhalten, Zeugung, Schwangerschaft, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Wissensstand und den Verhaltensweisen von Kindern im Vorschulalter im Bereich der Sexualität sowie der Rolle der Eltern bei der Aufklärung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Quellen des kindlichen Wissens, das Verständnis von Geschlechtsidentität, biologische Fragen zur Zeugung sowie die Abgrenzung von autoerotischem und soziosexuellem Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die kindliche Perspektive auf Sexualität darzustellen und aufzuzeigen, wie eine frühzeitige und offene Aufklärung durch die Eltern fatale Wissenslücken vermeiden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse bestehender fachwissenschaftlicher Untersuchungen und Studien zum Thema kindliche Sexualaneignung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wissensquellen, den Kenntnisstand der Kinder zu biologischen und sozialen Aspekten sowie die Klassifizierung kindlicher Sexualspiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Sexualaufklärung, Geschlechtsidentität, kindliche Sexualität, Autoerotik und Soziosexualität charakterisiert.
Wie erklären sich Kinder im Vorschulalter die Zeugung?
Vorschulkinder erklären das Entstehen von Babys meist nicht biologisch, sondern führen soziale Handlungen oder elterliche Wünsche (z.B. „sich lieb haben“) als Ursache an.
Warum sind „Doktorspiele“ für Kinder wichtig?
Doktorspiele entstehen aus der natürlichen Neugier der Kinder an der Anatomie des eigenen und des anderen Geschlechts, da sie im Alltag oft nur selten Gelegenheit haben, Nacktheit zu beobachten.
Welche Rolle spielt die Mutter bei der Aufklärung?
Die Mutter wird in der Literatur als die wichtigste Bezugsperson für intime Fragen und die sexuelle Aufklärung von Kindern bis hin zur Pubertät identifiziert.
Wie unterscheiden Kinder ihre Geschlechtszugehörigkeit?
Während Kinder schon früh ihr Geschlecht zuordnen können, begründen sie dies meist mit äußeren Merkmalen wie Kleidung oder Haaren, statt mit biologischen oder genitalen Unterschieden.
- Citation du texte
- Gerlinde Weinzierl (Auteur), 1998, Das Sexualwissen und Sexualverhalten von Kindern im Vorschulalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1517