„Ich halte das Thema Integration für ein wirkliches Schlüsselthema der Zukunftsfähigkeit
Deutschlands“, so hat sich die aktuelle Bundeskanzlerin Angela
Merkel im Gespräch mit den Migrantinnen und Migranten geäußert. In
einem Einwanderungsland wie Deutschland ist die Integration von Menschen
mit Migrationshintergrund eines der großen Zukunftsprobleme. In dieser Arbeit
möchte ich mich speziell auf die Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen
mit Migrationshintergrund beschäftigen. Für die Jugendlichen bedeutet
eine gelingende Integration erfolgreiche Bildung, berufliche Qualifizierung
und ihre Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt. Sie „sind beim Zugang
zum Arbeitsmarkt von den Problemen betroffen, die sie als Ausländer
erfahren, aber auch von den Problemen, die für Jugendliche allgemein, also
auch für deutsche Jugendliche, gelten.“ (Boos-Nünning 1996: 71)
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Themen/Gesellschaft/Allgemein/2008-06-04-integrationsdialog.html
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung: Jugendliche mit Migrationshintergrund. Wer gehört dazu?
3 Zahlen und Fakten
3.1 Berufliche Bildung
3.2 Arbeitslosigkeit
4 Mögliche Gründe für Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
4.1 Humankapitaltheoretische Ansätze
4.1.1 Kapitalbegriff
4.1.2 Kapital aus Sicht der humankapitaltheoretischen Ansätze
4.2 Arbeitsmarktsegmentation
4.3 Arbeitsmarktdiskriminierung
5 Vietnamesische Jugendliche: Eine Integrationserfolgsgeschichte
5.1 Zum Stand der Bildung von vietnamesischen Jugendlichen in Deutschland
5.2 Jugendliche vietnamesischer Herkunft in Ilmenau
5.2.1 Zielgruppe
5.2.2 Ergebnis der Umfrage
6 Schlussfolgerung und offene Fragen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Benachteiligungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt, wobei insbesondere die Rolle von Bildung und Qualifikation analysiert wird.
- Strukturelle Hürden beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung
- Humankapitaltheoretische Erklärungsansätze für Arbeitsmarktbenachteiligung
- Analyse der Mechanismen von Arbeitsmarktsegmentation und Diskriminierung
- Vergleichende Betrachtung vietnamesischer Jugendlicher als Beispiel einer Integrationserfolgsgeschichte
Auszug aus dem Buch
4.3 Arbeitsmarktdiskriminierung
Chancenungleichheit für Jugendliche mit Migrationshintergrund kann neben den Humankapitaltheoretischen Ansätzen und der Arbeitssegmentation auch durch Diskriminierung verursacht werden. Arbeitsmarktdiskriminierung „ist dann gegeben, wenn zur Bewertung einer Arbeitskraft Merkmale herangezogen werden, die nicht im Zusammenhang mit ihrer Produktivität stehen“ (Boos-Nünning/Granato 2008: 76). Das bildungspolitische Postulat fordert, dass die bestqualifizierten Jugendlichen auch die besten beruflichen Ausbildungswege bekommen sollten. Es wird oft davon ausgegangen, dass gute Schulabschlusszeugnisse wirksamer Schutz gegen Arbeitslosigkeit seien. Es wird aber nicht berücksichtigt, ob es sich dabei um Benachteiligungen in Abhängigkeit von der nationalen und sozialen Herkunft sowie des Geschlechts handeln könnte (vgl. Boos-Nünning 2008: 264f).
Jugendliche mit Migrationshintergrund sind häufig von der Arbeitsmarktdiskriminierung betroffen. Beim Zugang in eine Ausbildung oder in einen Beruf findet ein „Screening“ statt, unter dem unternehmerische Entscheidungen verstanden werden, denen Hypothesen über die Produktivität des Bewerbers zugrundeliegen. Arbeitskräfte, die über möglichst viele kostengünstige Merkmale verfügen, werden bevorzugt. Über die tatsächlichen Fähigkeiten der Bewerber wie Bildungskapital, soziales Kapital usw. können Arbeitsgeber keine vollkommene Transparenz erlangen. Daher erfolgt die Annahme, dass in das Screening auch weitere Hypothesen bzw. Wahrscheinlichkeitsannahmen über die Produktivität des Bewerbers einfließen. Zum Screening werden zusätzlich Gruppenmerkmale wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit oder Wohnbezirk zur Minimierung unternehmerischen Risikos verwendet, wobei die Vorstellung besteht, dass für die jeweiligen Gruppen bei Einstellung unterschiedliche Risiken vorhanden seien (vgl. Boos-Nünning/Granato 2008: 76f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland ein und umreißt die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Arbeit.
2 Begriffsklärung: Jugendliche mit Migrationshintergrund. Wer gehört dazu?: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Personen mit Migrationshintergrund“ anhand statistischer Kriterien und erläutert dessen Relevanz für den deutschen Kontext.
3 Zahlen und Fakten: Das Kapitel liefert eine Bestandsaufnahme der Ausbildungssituation und Arbeitslosenquoten unter Einbeziehung aktueller Daten zur Teilhabe am Arbeitsmarkt.
4 Mögliche Gründe für Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Hier werden theoretische Erklärungsmodelle wie Humankapitalansätze, Arbeitsmarktsegmentation und Diskriminierung diskutiert, um die Hürden für Migranten zu verstehen.
5 Vietnamesische Jugendliche: Eine Integrationserfolgsgeschichte: Das Kapitel beleuchtet den überdurchschnittlichen Bildungserfolg vietnamesischstämmiger Jugendlicher und ergänzt dies um eine empirische Fallstudie in Ilmenau.
6 Schlussfolgerung und offene Fragen: Zusammenfassend wird die Diskrepanz zwischen Bildungsabschluss und Arbeitsmarkterfolg kritisch reflektiert und der Bedarf an weiterführender Forschung betont.
Schlüsselwörter
Migrationshintergrund, Arbeitsmarktintegration, Berufsausbildung, Humankapital, Arbeitsmarktdiskriminierung, Arbeitsmarktsegmentation, Vietnamesische Jugendliche, Integrationserfolg, Bildungsabschluss, Screening, Fachkräfte, Jugendsoziologie, Benachteiligung, Beschäftigungsquote, Ilmenau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, warum Jugendliche mit Migrationshintergrund trotz bestehender Bildungsangebote häufiger Schwierigkeiten beim Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt und zur Berufsausbildung haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Bildungssituation, die Barrieren beim Übergang in das duale Ausbildungssystem sowie die soziologischen Erklärungsansätze für ungleiche Arbeitsmarktchancen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen (teilweise sehr guten) Bildungsabschlüssen und der tatsächlichen Eingliederung in den Arbeitsmarkt für Jugendliche mit Migrationshintergrund aufzuzeigen und theoretisch einzuordnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller statistischer Daten und Fachpublikationen sowie einer eigenen kleinen empirischen Umfrage unter 21 vietnamesischen Jugendlichen in Ilmenau.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit drei wesentlichen Erklärungsansätzen: der Humankapitaltheorie, dem Modell der Arbeitsmarktsegmentation und der systemischen Arbeitsmarktdiskriminierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Schlüsselbegriffe sind Humankapital, Migrationshintergrund, Arbeitsmarktsegmentation, Screening, berufliche Ausbildung und ethnische Integration.
Warum wird die Gruppe der vietnamesischen Jugendlichen als Beispiel gewählt?
Sie dienen als Gegenbeispiel zum Klischee der bildungsfernen Migrantengruppe, da sie besonders hohe schulische Leistungen aufweisen, aber dennoch beim Übergang in den Arbeitsmarkt vor ähnlichen Hürden stehen.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Integration?
Die Autorin stellt fest, dass ein erfolgreicher Schulabschluss allein kein Garant für eine adäquate Arbeitsmarktintegration ist, da Faktoren wie Diskriminierung und mangelnde Anerkennung von Ressourcen weiterhin eine Barriere bilden.
- Quote paper
- Truc Quynh Tran (Author), 2009, Arbeitsmarktbenachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151842