Zwei der bedeutendsten Schlagwörter der deutschen und internationalen politischen Agenda seit den 1960er Jahren sind sowohl Armutsbekämpfung, als auch Entwicklungshilfe. Mit den sogenannten ‚millennium goals’ der Vereinten Nationen, sowie der 1996 gestarteten Kölner ‚HIPC- Initiative’ zum Schuldenerlass der LLDC und u.a. dem Johannesburger Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung, rückten beide nach dem ‚verlorenen Jahrzehnt’ der 1980er Jahre wieder zunehmend ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Führt man sich die globaleVermögensverteilung vor Augen, so fällt der eklatante Gegensatz zwischen Armen und Reichen dieser Welt, sowohl in relativen, als auch in absoluten Zahlen auf. Das reichste Fünftel der Weltbevölkerung besitzt 80% des Weltkapitals, wohingegen der Anteil der ärmsten 20% der Weltbevölkerung lediglich 1,4% des Weltbruttosozialprodukts ausmacht. Innerhalb der Entwicklungspolitik stellt Armutsbekämpfung eine überwölbende Aufgabe dar, zu welcher Maßnahmen aus allen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung (soziale Gerechtigkeit, ökologische Verträglichkeit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie Maßnahmen zur Förderung von ‚good governance’) berücksichtigt werden müssen. Diesbezüglich sollen die sechs vom Rio- Bericht von 1977 formulierten Leitprinzipien, entlang derer sich Entwicklung entfalten soll, als Orientierungspunkt dienen, die da lauten: Gleichheit, Freiheit, Demokratie und Partizipation, Solidarität, kulturelle Verschiedenheit und gesunde Umwelt.
Auf ein zunehmendes Interesse innerhalb der Armuts- und Entwicklungsdebatte stieß auch die Diskussion um die sogenannten ‚vulnerable groups’, womit sozial marginalisierte Gruppen - vor allem Frauen und Kinder sowie ethnische, religiöse oder andere Minderheiten gemeint sind, welche besonders stark von Armut und Unterentwicklung betroffen sind. Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich mich zunächst einem theoretischen Themenkomplex widmen, beginnend mit Definitionen und Erscheinungsformen der Armut, gefolgt von den Definitionen und aktuellen Konzepten der Entwicklungshilfestrategien. Es folgen sodann die Millenniumsziele der Vereinten Nationen, das Aktionsprogramm 2015 der deutschen Bundesregierung und die UN- Konferenz über Entwicklungsfinanzierung von Monterrey.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Armut
II.1. Definitionen und Bemessungstechniken bezüglich Armut
II.1.1. Definition Armut
II.1.2. Indices zur Armutsbemessung
II.2. Armut als Mangel an Kapital
II.3. Verwundbarkeit
II.3.1. Definition Verwundbarkeit
III. Entwicklungshilfe
III.1. Definitionen und Begriffsbestimmung
III.1.1. Definition Entwicklung
III.1.2. Arbeitsdefinition Entwicklungshilfe (+ Ziele)
III.1.3. Definition Entwicklungshilfe
III.1.4. Definition ‚partizipative Entwicklung’
III.1.5. Definition Hilfe zur Selbsthilfe
III.1.6. Das Konzept der Grundbedürfnisbefriedigung
III.1.7. Entwicklungshilfe als Nahrungsmittelhilfe
III.1.8. Regionalentwicklung ‚von unten’
III.1.9. Definition Least Developed Countries (LLDC)
III.2. Ehrgeizige Entwicklungsziele auf dem Weg ins neue Jahrtausend
III.2.1. Die ‚Millennium Declaration’ der UNO
III.2.2. Die Millenniumsziele der Vereinten Nationen
III.3. Das Aktionsprogramm 2015 der deutschen Bundesregierung
III.4. Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP)
III.5. Entwicklungszusammenarbeit, die UN- Konferenz über Entwicklungsfinanzierung und der Konsens von Monterrey
III.5.1. Die UN- Konferenz von Monterrey
IV. Äthiopien
IV. 1. Allgemeine Daten zu Äthiopien
IV.2. Geomorphologie Äthiopiens
IV.3. Klimageographie Äthiopiens
IV.4. Landesspezifische Hintergründe zum Armutsproblem in Äthiopien
IV.4.1. Demographische, wirtschaftliche, politische und klimatische Faktoren
IV.4.2. Verschuldung
IV.4.3. Ausländische Hilfe
IV.5. Nicht- Regierungsorganisationen (NRO)
IV.5.1. Die Anfänge der NRO- Tätigkeiten in Äthiopien
IV.5.2. Die heutige Situation der NRO: Kategorisierung und Rollenverständnis
IV.5.3. Kritische Einschätzung der entwicklungsorientierten Arbeit der NRO
IV.6. Fallbeispiele
IV.6.1. Ländliches Entwicklungsprojekt Alitena, Provinz Tigre
IV.6.2. Staatsfarm von Uke, Nekemte
IV.6.3. World Vision
IV.6.3.1. Regionales Entwicklungsprojekt: Ephrata ADP
IV.6.4. Die GTZ in Äthiopien
IV.6.5. Konzeptionelle Fragen bei Entwicklungsprojekten in der Dritten Welt
V. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Armutsbekämpfung im Kontext der internationalen Entwicklungshilfe, wobei Äthiopien als zentrales Fallbeispiel dient. Das Hauptziel ist die theoretische und praktische Analyse von Armutsstrategien, um deren Wirksamkeit und die Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NRO) vor Ort kritisch zu bewerten.
- Theoretische Grundlagen von Armutsdefinitionen und Bemessungstechniken.
- Kritische Analyse aktueller internationaler und deutscher Entwicklungshilfestrategien.
- Detaillierte Darstellung der sozioökonomischen und geographischen Situation Äthiopiens.
- Evaluierung der entwicklungsorientierten Arbeit von NROs anhand konkreter Fallbeispiele in Äthiopien.
Auszug aus dem Buch
II.1.1.Definition Armut:
Die Menschenrechtskommission der UNO definiert Armut als „a human condition characterized by the sustained or chronic deprivation of the resources, capabilities, choices, security and power necessary for the enjoyment of an adequate standard of living and other fundamental civil, cultural, economic, political and social rights.” (UNHCR 2002)
Diese facettenreiche Armutsdefinition der Vereinten Nationen basiert auf einem breit gefächerten Konzept der Armutsproblematik. Sie entspringt einem tiefgreifenden Verständnis mit materieller Armut einhergehenden Freiheitseinschränkungen und Rechtsverlusten sowie einem sozialen Abstieg bis hin zur gesellschaftlichen Marginalisierung. Neben den rein ökonomisch-finanziellen Aspekten wird auch die soziale, politische und kulturelle Komponente der Armut betont.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte um Armutsbekämpfung und Entwicklungshilfe seit den 1960er Jahren ein und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Hausarbeit.
II. Armut: Hier werden zentrale Definitionen von Armut sowie Indizes zu deren Messung vorgestellt und Armut als Mangel an verschiedenen Kapitalarten analysiert.
III. Entwicklungshilfe: Dieses Kapitel erläutert Begriffe, Strategien und internationale Ziele wie die Millenniums-Erklärung und das Aktionsprogramm 2015 der deutschen Regierung.
IV. Äthiopien: Dies ist der empirische Hauptteil, der Äthiopien durch Daten, geomorphologische Gegebenheiten und eine kritische Auseinandersetzung mit der Arbeit von NROs und Entwicklungsprojekten detailliert darstellt.
V. Schlussbemerkung: Das Fazit resümiert, dass Armutsbekämpfung ein komplexes Unterfangen bleibt, das grundlegende strukturelle Fehler der Vergangenheit korrigieren muss, um langfristig erfolgreich zu sein.
Schlüsselwörter
Armutsbekämpfung, Entwicklungshilfe, Äthiopien, Millenniumsziele, NRO, Nachhaltigkeit, Humankapital, Verwundbarkeit, Subsistenzwirtschaft, Good Governance, Armutsgrenze, Strukturdefizite, Entwicklungszusammenarbeit, soziale Marginalisierung, Kapazitätsaufbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Armutsbekämpfung und Entwicklungshilfe und untersucht, wie diese theoretischen Ansätze in der Praxis, insbesondere am Beispiel Äthiopiens, umgesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Armutsdefinitionen, die Analyse der Gegebenheiten in Äthiopien, die Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NRO) sowie die Wirksamkeit internationaler Strategien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Reflexion darüber, warum trotz umfangreicher internationaler Hilfsgelder nachhaltige Erfolge in der Armutsbekämpfung in vielen Regionen, speziell in Äthiopien, schwer zu erreichen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse kombiniert mit einer Fallstudienanalyse, die existierende Daten und Berichte zur Situation in Äthiopien kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Armuts- und Hilfsdebatte sowie einen empirischen Teil zu Äthiopien, inklusive einer Evaluierung spezifischer Projekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Armut, Entwicklungshilfe, Nachhaltigkeit, Äthiopien, NRO und Good Governance.
Welche Rolle spielen Nichtregierungsorganisationen in Äthiopien?
NROs werden als wichtige Akteure beschrieben, die jedoch mit Problemen wie Abhängigkeit von externen Finanzen, mangelnder Koordination und politischer Einflussnahme kämpfen.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der Hungerhilfe?
Der Autor stuft die Hungerhilfe als ambivalentes Phänomen ein, da sie kurzfristig überlebenswichtig ist, langfristig aber durch Abhängigkeitsstrukturen die lokale Produktivität schwächen kann.
Was wird über die Staatsfarmen in Äthiopien ausgesagt?
Die Staatsfarmen werden als äußerst unrentable Projekte kritisiert, die trotz massiver staatlicher Subventionen ökologische Schäden anrichten und den Bauern bei der Armutsbekämpfung kaum nutzen.
Warum scheitern manche Projekte laut der Arbeit?
Viele Projekte scheitern aufgrund von mangelndem lokalen Know-how, ungeeigneten Technologien (wie Traktoren in tropischen Böden), fehlender Partizipation der Bevölkerung und der Vernachlässigung der Nachhaltigkeit.
- Citation du texte
- Jamil Claude (Auteur), 2004, Armutsbekämpfung im Rahmen der Entwicklungshilfe mit Fallbeispiel zu Äthiopien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151863