Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht die folgende Fragestellung: Wie beeinflusste die Frauenbewegungen der 1970er und 1980er Jahre die Reformen der Abtreibungsgesetzgebung in Deutschland und den USA und inwiefern lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen? Diese Frage ist nicht nur aus der historischen Perspektive interessant, sondern auch im Hinblick auf die aktuelle Abtreibungsdebatte. Die Fragestellung der vorliegenden Hausarbeit fügt sich in den allgemeinen Forschungsstand, indem vordergründig auf die Werke von J. van der Tak [1974] und R. Jütte [1993], eingegangen wird, welche sich mit der internationalen Entwicklung der Abtreibungsgesetzgebung und der Rolle der Frauenbewegungen beschäftigt haben. Historische Hintergründe liefert auch die Forschungsliteratur von E. Ketting und P. H. van Praag [1985]. In ihren Ausarbeitungen finden sich internationale Vergleiche zur Theorie und Praxis von Abtreibungen. Die vorliegende Hausarbeit wird den Forschungsstand durch den Vergleich der Entwicklungen in Deutschland und den USA zudem ergänzen. Außerdem wird auf das Zusammenspiel zwischen den Frauenbewegungen, den gesellschaftlichen Debatten, aber auch den rechtlichen Reformen eingegangen, wie es unter anderem von D. von Behren [2020] und M. Spieker [2001] in Bezug auf den §218 StGB und den kirchlichen Einfluss in Deutschland in ihren Werken untersucht wurde. Methodisch gesehen wird in dieser Arbeit ein Vergleich gezogen, sowie auf eine Diskursanalyse gesetzt. Zur Analyse werden unter anderem Informationen aus den als historische Quellen dienenden „Stern“-Appell [1971], dem „Bericht aus Amerika“ [1975] und dem Flugblatt der „Frauenaktion 70“ [1972] gezogen. Die Arbeit konzentriert sich hierbei auf die beiden Länder Deutschland und USA in der Zeitspanne der 1970er und 1980er Jahre. Da es zu dieser Zeit in beiden Ländern zu umwälzenden Reformen der Abtreibungsgesetzgebung und zu einem Aufbruch der Frauenbewegungen kam, bietet sich eine vergleichende Untersuchung an. Zunächst wird jeweils auf die Abtreibungsgesetzgebung und danach auf die Frauenbewegungen in Deutschland und den USA in den 1970er und 1980er Jahren eingegangen. Danach erfolgt ein Abschnitt über Abtreibungsverfahren und Einrichtungen in den USA in den 1970er Jahren. Mit dem Fazit und der Auflösung der Fragestellung kommt die Hausarbeit zu einem abklingenden Ende.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Abtreibungsgesetzgebung in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschland
2.2 Abtreibungsgestzgebung in den 1970er und 1980er Jahren in den USA
2.3 Frauenbewegungen in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschlad
2.4 Frauenbewegungen in den 1970er und 1980er Jahren in den USA
2.5 Abtreibungsverfahren und Einrichtungen in den USA in den 1970er Jahren
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, wie die Frauenbewegungen der 1970er und 1980er Jahre die Reformen der Abtreibungsgesetzgebung in Deutschland und den USA beeinflussten, und arbeitet dabei Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in den Strategien und Ergebnissen heraus.
- Vergleich der Abtreibungsgesetzgebungen in Deutschland und den USA
- Rolle und Protestformen der Frauenbewegungen in beiden Ländern
- Einfluss gesellschaftlicher Debatten und politischer Reformbewegungen
- Analyse von Abtreibungsverfahren (Kürettage vs. Vakuumaspiration)
- Untersuchung von Zielsetzungen feministischer Gruppen
Auszug aus dem Buch
2.1 Abtreibungsgesetzgebung in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschland
In den 1970er und 1980er Jahren kam es in der deutschen Politik zu einer kontroversen Auseinandersetzung der verschiedenen Parteien zum Thema Abtreibungsgesetzgebung, welche auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene ausgetragen wurde. Diese Debatte, welche die Gesellschaft gespaltet hat, thematisierte vor allem die Reform des §218, welcher das Abtreibungsrecht regelt. Die Reformbewegung entstand vor allem in den 1970er Jahren, nachdem in der Nachkriegszeit kaum Raum für eine Diskussion geschaffen worden war. Vor allem durch die sich entwickelnde Frauenbewegung, welche die Hausarbeit zu einem späteren Zeitpunkt erörtern wird, und die 68-Bewegung, die sich für die Enttabuisierung sexueller Themen in der Öffentlichkeit einsetzte, wurden die Rufe nach einer Reform der gesetzlichen Regelung der Schwangerschaftsabbrüche lauter.
Die allgemein geltende Restriktion der Abtreibung hinderte jedoch einige liberale Ärzte nicht daran illegale Abtreibungen durchzuführen. Diese Ärzte setzten sich zum Beispiel auch dafür ein, dass die Möglichkeit Abtreibungen in Notlagen durchzuführen legal wurde und waren dadurch eine große Unterstützung für die Reformbewegung. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre wurden die Forderungen nach einer gänzlichen Änderung des §218 durch die sexuelle Revolution vorangetrieben. Hierbei lag die Betonung auch auf dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Einer der entscheidendsten Momente für die Reformbewegung war die Selbstbezichtigungskampagne von 374 Frauen, die von Alice Schwarzer initiiert wurde, darunter viele prominente Persönlichkeiten, die 1971 öffentlich im Magazin „Stern“ zugaben, abgetrieben zu haben
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darlegung der Fragestellung zum Einfluss von Frauenbewegungen auf Abtreibungsreformen in Deutschland und den USA sowie methodisches Vorgehen.
2. Hauptteil: Detaillierte Analyse der Abtreibungsgesetzgebungen, der Frauenbewegungen und der medizinischen Abtreibungsverfahren in beiden Ländern.
2.1 Abtreibungsgesetzgebung in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschland: Untersuchung des Reformprozesses rund um den §218, beeinflusst durch politische Debatten und die Selbstbezichtigungskampagne.
2.2 Abtreibungsgestzgebung in den 1970er und 1980er Jahren in den USA: Analyse der rechtlichen Entwicklungen, insbesondere durch die Urteile „Roe v. Wade“ und „Doe v. Bolton“ sowie das „Hyde Amendment“.
2.3 Frauenbewegungen in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschlad: Darstellung des Aufkommens und der Aktionen von Gruppen wie der „Frauenaktion 70“ im Kampf gegen den § 218.
2.4 Frauenbewegungen in den 1970er und 1980er Jahren in den USA: Beschreibung der zweiten Welle des Feminismus, ihrer Organisationen und der Bedeutung von „Consciousness-Raising“-Gruppen.
2.5 Abtreibungsverfahren und Einrichtungen in den USA in den 1970er Jahren: Untersuchung verschiedener klinischer Methoden wie der Vakuumaspiration und deren praktischer Umsetzung sowie Probleme bei der Versorgung.
3. Fazit: Synthese der Ergebnisse, wobei die unterschiedlichen Fokusse (juristischer Erfolg USA vs. politischer Kampf § 218 Deutschland) hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Abtreibung, Frauenbewegung, Gesetzgebung, Paragraf 218, USA, Deutschland, Roe v. Wade, Selbstbestimmung, Feminismus, Emanzipation, Vakuumaspiration, Schwangerschaftsabbruch, Protest, Reformen, Politischer Einfluss
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Einfluss der Frauenbewegungen in den 1970er und 1980er Jahren auf die Reform der Abtreibungsgesetzgebung in Deutschland und den USA.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich neben der historischen Gesetzgebung auch mit den verschiedenen Protestformen der Frauenbewegung, medizinischen Abtreibungsmethoden und dem gesellschaftlichen sowie religiösen Widerstand.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entwicklung der Abtreibungsreformen und in der Arbeitsweise der Frauenbewegungen beider Länder nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse sowie Elemente der Diskursanalyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen wie Flugblätter und Magazinartikel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Reformprozesse, die Entwicklung feministischer Organisationen und einen Vergleich klinischer Praktiken der Abtreibung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Abtreibung, Frauenbewegung, Reform, §218, Roe v. Wade, Selbstbestimmung und Feminismus.
Warum stand in den USA das Urteil „Roe v. Wade“ so stark im Zentrum?
Es stellte einen entscheidenden juristischen Wendepunkt dar, der Abtreibung als Teil des verfassungsmäßigen Rechts auf persönliche Freiheit definierte und den legalen Rahmen grundlegend änderte.
Inwiefern unterschieden sich die Protestformen in Deutschland und den USA?
Während in Deutschland der Kampf stark auf eine politische Reform des §218 fokussiert war, setzten US-amerikanische Aktivistinnen zusätzlich verstärkt auf Lobbyarbeit und „Consciousness-Raising“-Gruppen.
Welche medizinische Erkenntnis bietet das Kapitel zu den Abtreibungsverfahren?
Der Bericht verdeutlicht, dass die in den USA bevorzugte Vakuumaspiration im Vergleich zur in der BRD praktizierten Kürettage als sicherer, schneller und weniger schmerzhaft eingestuft wurde.
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- Sophia Schumacher (Author), 2024, Frauenbewegungen und Abtreibungsgesetze. Deutschland und die USA in den 1970er und 1980er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1519058